Game of Thrones 2x08

Game of Thrones 2x08

Wie weit sind wir bereit zu gehen, um unsere Liebsten zu beschützen? Das ist eine der Fragen, denen Game of Thrones in The Prince of Winterfell nachgeht, während sich am Horizont das Näherrücken der Schlacht(en) abzeichnet.

Tyrion (Peter Dinklage, r.) sucht in Büchern nach Ratschlägen zur bevorstehenden Schlacht. / (c) HBO
Tyrion (Peter Dinklage, r.) sucht in Büchern nach Ratschlägen zur bevorstehenden Schlacht. / (c) HBO

Theon (Alfie Allen) erhält Besuch von seiner Schwester Yara (Gemma Whelan), welche die Ermordung der Stark-Jungen für eine der schlechtesten Ideen hält, die ihr Bruder jemals hatte. Sie drängt ihn dazu, nach Hause zurückzukehren, während sie das Kommando in Winterfell übernehmen will. Damit stößt sie bei ihrem kleinen Bruder, der unbedingt seine nicht vorhandene Stärke unter Beweis stellen will, jedoch auf taube Ohren.

Tywin Lannister (Charles Dance) wird von der Nachricht, dass die Greyjoys Winterfell eingenommen haben, angenehm überrascht. Eröffnet dies doch seinem Gegenspieler auf dem Schlachtfeld, Robb Stark (Richard Madden), eine zweite Front, die seinen Vormarsch nach Süden zumindest verzögert. Diesen Moment will Tywin zur Offensive nutzen. Arya (Maisie Williams) will das natürlich um ihres Bruders willen um jeden Preis verhindern. In King's Landing bereitet man sich derweil auf die Belagerung des heranrückenden Stannis (Stephen Dillane) vor...

Fern der heimischen Inseln

Es ist schon erstaunlich, wie es Game of Thrones gelingt, in nahezu jeder Folge eine Art Meta-Thema zu finden, welches die ansonsten zumeist unverbundenen Handlungsstränge auf einer gemeinsamen emotionalen Tiefenebene zusammenbindet. In The Prince of Winterfell ist dies der Schutz des/der Liebsten. Dem allgegenwärtigen Streben und Demonstrieren von Macht wird hier die Sorge um den Mitmenschen gegenübergestellt.

Yara lässt es sich nicht entgehen, ihren Bruder ihre Macht und seine Ohnmacht spüren zu lassen. Gleichzeitig wird jedoch deutlich, dass sie keineswegs nur Verachtung, sondern auch eine Verbundenheit mit ihm empfindet (siehe die Geschichte aus ihrer Kindheit, die sie erzählt). Sie demütigt ihn gerne, und doch macht sie sich auch Sorgen um ihn. Als sie ihn dazu enthält, nach Hause zurückzugehen, da scheint sie ernsthaft um sein Wohlergehen besorgt, falls er dies nicht tun - und die Rache des Nordens für die Ermordung der beiden Stark-Kinder zu spüren bekommen sollte.

Gefährliche Muttergefühle

Auch Catelyn (Michelle Fairley) handelt aus Sorge. Nachdem wir am Ende von A Man Without Honor davon ausgehen mussten, dass sie Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) tötet, hat sie ihn in Wahrheit befreit, um Brienne (Gwendoline Christie) den Austausch vornehmen zu lassen, der schon seit Ende der ersten Staffel in der Luft liegt: Jaime gegen Sansa (Sophie Turner) und Arya. Es interessiert Catelyn nicht, dass sie damit Robbs Strategie unterläuft. Das mütterliche Gefühl in ihr, das ihre Kinder endlich in Sicherheit wissen will, obsiegt. Auch wenn sie damit ihren ältesten Sohn so weit verärgert, dass ihm im Grunde keine andere Wahl bleibt, als sie unter Hausarrest zu stellen.

Dabei sind Mitgefühl und Sorge sehr wohl Qualitäten, die Robb sonst sehr zu schätzen weiß. Nachdem Talisa (Oona Chaplin) ihm davon erzählt hat, wie sie nach einem beinahe tödlichen Unfall ihres Bruders zur Heilerin geworden ist, da kennt Robb kein Halten und kein Verlobungsversprechen mehr. Er und Talisa fallen einfach übereinander her.

Du gehörst mir und ich gehöre Dir

Sobald man sich um einen anderen Menschen sorgt, wird man dadurch verwund- und erpressbar. Diese Erfahrung macht jedenfalls Tyrion (Peter Dinklage), der das schon seit Beginn der Staffel geahnt hat: Wenn Cersei (Lena Headey) herausfinden sollte, wie viel ihm an Shae (Sibel Kekilli) gelegen ist, dann wäre all die Macht, die er sich in den letzten Folgen aufgebaut hat, hinfällig. Und tatsächlich: Sie droht ihm, dass seiner „Hure“ Fürchterliches zustoßen werde, falls er nicht dafür Sorge trägt, dass Joffrey (Jack Gleeson) unbeschadet aus dem bevorstehenden Krieg hervorgeht.

Tyrion hat großes Glück, dass Cersei eine ganz andere Dame verdächtigt, seine Konkubine zu sein. Doch er weiß: Seine Schwester ist ihm auf der Spur. Dabei handelt auch sie letztlich aus Sorge: Sie fürchtet, dass Tyrion Joffreys Übermut, an vorderster Front in den Krieg zu ziehen, dafür nutzen könnte, sich auf diese Weise seines widerlichen Neffen zu entledigen. Wer könnte ihm das auch verdenken?

Am Rande der kognitiven Belastungsfähigkeit

Der Schluss der Folge schließlich wirft im Zuschauer die Frage auf, ob man es mit der Sorge um andere auch zu weit treiben kann: Wie es scheint, hat Maester Luwin (Donald Sumpter) zwei Bauernkinder geopfert, um Theon glauben zu machen, dass Bran (Isaac Hempstead Wright) und sein Bruder tot sind, obwohl das gar nicht der Fall. So sehr uns letzteres auch freut, so sind das doch sehr drastische Mittel, um die Familie Stark zu beschützen.

Das Verfahren, die zahlreichen Handlungsstränge der Serie durch ein gemeinsames Meta-Thema zusammenzuhalten (dazu zählen natürlich auch Daenerys' Sorge um ihre Drachen und Aryas Wunsch, ihren Bruder zu warnen), ist zwar sehr geschickt, um bei aller Disparität das Gefühl einer episodischen Einheit herzustellen. Gleichzeitig stößt man als Zuschauer jedoch zunehmend an die Grenzen des eigenen kognitiven Fassungsvermögens, um überhaupt noch (zumal als Nicht-Leser des Buchs) verfolgen zu können, was eigentlich im Einzelnen vor sicht geht.

Bestimmt hat die Szene, in der Sam (John Bradley) und die anderen jenseits der Mauer die gravierte Steinplatte der ersten Menschen und darunter ein verstecktes Bündel finden, eine hohe Signifikanz für spätere Ereignisse. Dadurch, dass Game of Thrones jedoch so viele Handlungsfäden in eine Folge packt, geht die Wirkung mancher Einzelszene (diese ist dafür ein gutes Beispiel) etwas verloren.

Fazit

The Prince of Winterfell ist eine solide, wenn auch nur selten richtig packende Episode. Das mag daran liegen, dass trotz aller Bemühungen um einen thematischen Bogen, die Folge stellenweise einen etwas faserigen Eindruck macht. Dessen ungeachtet weckt sie natürlich Vorfreude auf das Staffelfinale: Mit dem bevorstehenden Kampf um King's Landing, der Freilassung Jaimes und Aryas Flucht aus Harrenhal gibt sie die Richtung vor, auf welche Auseinandersetzungen sich die Handlung zubewegt.

Promo zu Folge 2x09 „Blackwater“

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 22. Mai 2012

Game of Thrones 2x08 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 8
(Game of Thrones 2x08)
Deutscher Titel der Episode
Der Prinz von Winterfell
Titel der Episode im Original
The Prince of Winterfell
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 20. Mai 2012 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 12. Juli 2012
Autoren
David Benioff, D.B. Weiss
Regisseur
Alan Taylor

Schauspieler in der Episode Game of Thrones 2x08

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