Game of Thrones 2x07

Nachdem Osha (Natalia Tena) Bran (Isaac Hempstead Wright) und dessen kleinen Bruder zur Flucht verholfen hat, macht sich Theon (Alfie Allen) mit Mann und Maus auf die Suche nach den Ausreißern. Er fürchtet, zum Gespött seiner Leute - und seiner Familie - zu werden, wenn herauskommt, dass ihm ein „Krüppel“ entkommen ist.
Auch Daenerys (Emilia Clarke) ist auf der Suche - und zwar nach ihren gestohlenen Drachen. Jorah (Iain Glen) bittet sie um ihr Vertrauen. Doch mit Vertrauen oder gar Vertraulichkeiten geht die Drachenmama eher sparsam um. Und das aus gutem Grund. Woher soll man schließlich wissen, was ein anderer Mensch wirklich im Schilde führt? Gerade ihr Gastgeber Daxos (Nonso Anozie) ist dafür ein gutes Beispiel...
Der Königsmörder ist zurück
A Man Without Honor, der Mann ohne Ehre, ist zurück. Nachdem Nikolaj Coster-Waldau in der zweiten Staffel von Game of Thrones bislang durch Abwesenheit glänzte, feiert er in dieser Folge, welche sogar nach ihm betitelt ist, ein furioses Comeback, in dem er zunächst - in fast schon aufreizender Länge - mit seinem Cousin Alton (Karl Davies) über die gute alte Zeit reminisziert, die sie jeweils als Schildknappe hatten, bevor er Alton als Teil eines Fluchtplans grausam ermordet.
In vielerlei Hinsicht ist A Man Without Honor geradezu eine Reflektion über die Grausamkeit. Während einige Figuren ihr Plansoll an Gewalt und Sadismus übererfüllen, sind andere dagegen schon geradezu gefährlich gutmütig.
Zu gut für diese Welt
Jon Snow (Kit Harington) hat es nicht fertig gebracht, Ygritte (Rose Leslie) zu töten, wofür er nun den Preis bezahlt. Er hat sich mit ihr einen - verführerischen - Klotz ans Bein gebunden, während er durch ein ihm unbekanntes und höchst unwirtliches Land - die grandiose Kulisse Islands! - irrt. Ihren Versuchen, ihn von seinem Night's Watch Zölibat abzubringen, kann er zwar widerstehen. Dafür läuft er jedoch geradewegs in eine Falle der Wildlings. Da wird vielleicht auch er sich gedacht haben: Hätte er doch nur nicht daneben geschlagen!
Auch seinem Halbbruder Robb (Richard Madden) bereitet der eigene Anstand (gemischt mit anderen zarten Gefühlen) Probleme: So sehen es seine Männer offenkundig als Schwäche, dass er Talisa (Oona Chaplin) gewähren - und auch die gefangenen Gegner versorgen lässt. Überhaupt: Warum Gefangene machen, durch die man nur wertvolle Ressourcen vergeudet? Große Freunde der Genfer Konvention wären die Gefolgsleute von Robb Stark wohl eher nicht.
Weniger aus Anstand, sondern nach wie vor aus dem Kalkül heraus, ihre Töchter auf diese Weise wiederzubekommen, setzt Catelyn (Michelle Fairley) sich dafür ein, dass Jamie nach seinem Fluchtversuch nicht von der aufgebrachten Menge auf der Stelle enthauptet wird. Als er jedoch Ned Starks Andenken in den Schmutz zieht, indem er auf dessen außerehelichen Fehltritt herumreitet, da vergisst auch Catelyn jedes Kalkül - und lässt sich stattdessen von Brienne (Gwendoline Christie) das Schwert geben. Ob sie es wohl auch tatsächlich benutzen wird?
Besser grausam als schwach
Theon bringt derweil sein aktuelles Lebensgefühl kurz und knapp auf den Punkt: „Better cruel than weak.“ Sein einziges Problem dabei ist und bleibt jedoch: Weil ihn nur interessiert, wie andere ihn sehen, wirkt er ganz automatisch schwach. Da kann er so grausam sein, wie er nur will. Allem, was er tut, haftet etwas Gezwungenes an. Natürlich kann er es niemandem durchgehen lassen, darauf hinzuweisen, dass er mit der Verräterin im Bett war. Also drischt er drauf los. Denn was würden sonst seine Leute von ihm denken? Er darf sich doch so etwas nicht gefallen lassen! Sein vorletzt letzter Akt von Grausamkeit ist allerdings dann möglicherweise doch mehr, als er selbst verkraften kann.
Das ist der Unterschied zu einem Mann wie Tywin (Charles Dance): Auch er ist ein Mann, der nicht lange fackelt, und mal eben zwanzig Männer aufhängen lässt. Doch er tut dies aus seiner eigenen Überlegung heraus. Was seine Männer von ihm denken, ist da eher zweitrangig. Er kommandiert sie - und nicht umgekehrt. Er hat einen Verdacht, wer hinter der Ermordung seines Gefolgsmanns aus der letzten Folge steckt - und setzt ein entschlossenes Zeichen der Abschreckung. Damit macht er einen durch und durch souveränen Eindruck - und kann sich deshalb auch leisten, einen Plausch mit seiner jungen Dienerin Arya (Maisie Williams) zu halten (auch wenn er sich dann doch bemüßigt fühlt, sie daran zu erinnern, besser nicht all zu keck zu werden).
Die Szenen mit den beiden gehören nach wie vor mit zu den unterhaltsamsten der gesamten Staffel: Tywin hat offenkundig eine Ahnung, dass Arya nicht die ist, die sie vorgibt zu sein. Sie wiederum hat gut damit zu tun, sich für ihr gehobenes Wissen und ihre Sprache Erklärungen einfallen zu lassen - und nimmt schon mal Tywins Halsschlagader ins Visier.
Schuldbewusst
Tywins Bemerkung, dass Arya ihn an seine Tochter erinnert, klingt in den Ohren des Zuschauers zunächst nach einem vergifteten Kompliment. Allerdings muss man Cersei (Lena Headey) schon zu Gute halten, dass sie sich in A Man Without Honor von einer Seite zeigt, die wir so noch nicht kennen gelernt haben: Gegenüber Sansa (Sophie Turner), welche große Angst wegen ihrer einsetzenden Geschlechtsreife hat, gibt sie sich verständnisvoll-mütterlich (sehr schön ist natürlich auch der Einsatz von Sibel Kekilli alias Shae, welche ihrer Herrin um jeden Preis dabei zu helfen versucht, ihr erstes Monatsblut zu verbergen).
Vor allem aber lässt sie mehr als deutlich durchblicken, sogar gegenüber Tyrion (Peter Dinklage), dass sie sich der dunklen Seite Joffreys sehr wohl bewusst ist. Und Schuldgefühle an ihr nagen, weil sie fürchtet, dass dies die Folge/Strafe für den Inzest mit Jaime ist. Gerade die Szene mit Tyrion ist bemerkenswert, weil er sie zu trösten versucht - und damit etwas aufkommt, was in Game of Thrones eindeutig Seltenheitswert besitzt: nämlich Warmherzigkeit.
Fazit
Mehr als alles andere zeichnet sich Game of Thrones durch die Vielschichtigkeit seiner Figuren aus: Ihre geradezu animalischen Antriebe, ihre Reflektiertheit und ihre Widersprüche. Sie bewegen sich in einer Welt, in der die Grausamkeit regiert. Gleichwohl sind sie auch zu Mitgefühl und Verständnis fähig. Wäre letzteres nicht der Fall, könnten wir als Zuschauer mit den Figuren kaum so mitfiebern, wie wir es tun.
Promo zu Folge 2x08 „The Prince of Winterfell“
Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 14. Mai 2012Game of Thrones 2x07 Trailer
(Game of Thrones 2x07)
Schauspieler in der Episode Game of Thrones 2x07
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