Game of Thrones 2x06

Theon (Alfie Allen) nimmt mit seinen Truppen Winterfell ein - in der Hoffnung, dass er dadurch den Respekt seiner Leute, aber vor allem natürlich den seines Vaters und seiner Schwester erwirbt. Bran (Isaac Hempstead Wright) kapituliert, nachdem Theon verspricht, niemandem ein Leid zuzufügen. Ein Versprechen, das er schon sehr bald bricht. Osha (Natalia Tena) biedert sich ihm als Dienerin an. Doch anders, als man dies von Wildlings im Allgemeinen behauptet, hat sie ihre Loyalitäten keineswegs vergessen.
Ebenfalls Bekanntschaft mit einer Wildling schließt Jon Snow (Kit Harington). Bei einem Überraschungsangriff, den Qhorin (Simon Armstrong) mit seinen Männern gegen ein Camp der Wildlings führt, bleibt nur die junge, hübsche Ygritte (Rose Leslie, Downton Abbey) am Leben. Da sie die Frau nicht mitnehmen, aber auch nicht zulassen können, dass sie die anderen Wildlings warnt, soll sie getötet werden. Jon Snow will das übernehmen. Doch einer Frau den Kopf abzuschlagen, stellt sich als eine schwierigere Aufgabe heraus als gedacht...
Das Volk lässt Kuhdreck sprechen
Eine gute Dramaturgie besteht im richtigen Verhältnis von Geben und Nehmen. Für die Zumutungen, die man dem Publikum einerseits abverlangt, muss man ihm zum Ausgleich da und dort auch immer mal wieder eine Belohnung geben. Selbst in der harschen Welt von Game of Thrones kann sich das Schicksal der Figuren auch nicht durchweg zum Schlechteren wenden und guten Männern wie Sir Rodrick (Ron Donachie) den Kopf kosten. Als Gegengewicht muss man den Zuschauern auch immer mal einen Grund zur Freude geben.
The Old Gods and the New tut dies in Form eines Kuhfladens und einer Ohrfeige. Beide landen in Joffreys (Jack Gleeson) Gesicht. Was allein schon Grund genug wäre, der Folge fünf Sterne zu geben. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung von King's Landing hatte sich ja bereits in den vergangenen Episoden abgezeichnet. Hier entlädt sie sich nun in einem wenig wohlduftenden Wurfgeschoss, welches Joffrey natürlich umgehend zum Anlass für ein kleines Gemetzel unter den Protestierenden nimmt, was das Chaos und das Blutvergießen aber nur noch erhöht. Und dazu führt, dass die Hand of the King im Gesicht des selbigen landet. Wie Tyrion (Peter Dinklage) den sadistischen Gernegroß erst abkanzelt und schließlich mit einer saftigen Ohrfeige züchtigt, das lässt den Zuschauer regelrecht quieken vor Vergnügen.
Kopf ab!
Es ist, wie gesagt, der amüsante Ausgleich für eine Folge, die vom Zuschauer ansonsten wieder einmal einen starken Magen verlangt, da vor seinen Augen die Körperteile verschiedener Beteiligter getrennte Wege gehen (Kopf, Arm, Eingeweide - von dem reichlich spritzenden Blut ganz zu schweigen). Seit einer Weile sind Enthauptungen in US-Serien (neben Game of Thrones zum Beispiel auch Spartacus) groß in Mode, was zum Teil mit dem Genre des historischen Fantasy- beziehungsweise Actionspektakels zu erklären ist. Zum Teil aber sicherlich auch mit der Irritation, ja Faszination, mit der die High-Tech-Kriegsmacht USA auf den Schlachtfeldern ihrer jüngsten Kriege im Irak und Afghanistan auf einmal mit dieser doch eher archaischen Form der Feindbehandlung konfrontiert wurde.
In The Old Gods and the New stehen gleich zwei Figuren vor der Entscheidung, einen Gegner zu enthaupten. Jon meint erst, er könnte es tun. Als es darauf ankommt, schlägt er jedoch weit daneben, weil er es einfach nicht über sich bringen kann. Etwas anderes hätten wir allerdings auch kaum erwartet. Theon trifft dagegen zwar, macht aber keinesfalls eine souveräne Figur dabei. Statt das Haupt mit einem präzisen Schlag abzutrennen, metzgert er ziemlich unbeholfen vor sich herum. Es ist klar, dass er so etwas noch nie getan hat. Und dass er es eigentlich auch nicht wirklich tun wollte, aber dazu von seinem Adjutanten gedrängt wird. Weil, was sollen sonst seine Männer von ihm denken. Theon kann noch so sehr darauf insistieren, dass ihn die Leute mit „Prinz“ ansprechen. Solange er mehr wie ein Getriebener agiert, ist es kein Wunder, dass der Respekt, den er sich mehr als alles andere wünscht, eher bescheiden ausfällt.
Die kleine Spion
The Old Gods and the New ist eine rundum spannende Folge, was sich natürlich nicht zuletzt erneut der Undercover-Spionin Arya (Maisie Williams) verdankt, die ihre Augen und Ohren weit aufgesperrt hält - und alles aufschnappt, was Tywin Lannister (Charles Dance) mit seinen Gefolgsleuten bespricht. Dabei drohen ihr jedoch verschiedene Gefahren: Einerseits muss sie sich davor hüten, mit ihrer (Lese-) Bildung zu viel Aufmerksamkeit zu erregen. Das schürt nur unnötig Verdacht - und kostet sie letztlich ihren zweiten Mord-Wunsch (der Kerl hätte sie sicherlich laufen lassen, wenn er nicht zuvor von Tywin wegen seiner Lese-Inkompetenz abgekanzelt worden wäre, während sie für ihre Klugheit belobigt wurde).
Andererseits muss sich Arya vor den Besuchern Tywins in Acht nehmen. Nicht, dass sie nicht doch einmal jemand erkennt, so wie es bei Petyr Baelish (Aidan Gillen) beinahe der Fall ist. Was gerade diese Szene so spannend macht, ist ihre doppelte Codierung: Zum einen versuchen wir mitzubekommen, was Petyr und Tywin über den Krieg zu sagen haben. Zum anderen haben wir aber stets ein Auge auf Arya, die dem direkten Blick Petyrs zu entgehen versucht, um ja nicht als die Tochter von Ned Stark erkannt zu werden.
Fazit
Grandiose Szenerien (die in Island gedrehten Szenen jenseits der Mauer), gewitzte Dialoge (Daenerys' Austausch mit dem Gewürzkönig), dazu dramatische Hochspannung, geklaute Drachen als Cliffhanger und der bereits erwähnte Kuhfladen als Comic Relief: Fünf Sterne sind da mehr als verdient.
Promo zu Folge 2x07 „A Man Without Honor“
Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 7. Mai 2012Game of Thrones 2x06 Trailer
(Game of Thrones 2x06)
Schauspieler in der Episode Game of Thrones 2x06
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?