Game of Thrones 2x02

Theon (Alfie Allen) und Ser Davos (Liam Cunningham) sind beide auf einer Mission, um VerstĂ€rkung fĂŒr ihren jeweiligen Herrn im Kampf gegen die Lannisters zu organisieren. Allerdings mit sehr unterschiedlichem Erfolg. WĂ€hrend Davos fĂŒr Stannis (Stephen Dillane) die UnterstĂŒtzung einer kleinen Piratenflotte auftreibt, blitzt Theon eiskalt bei seinem Vater (Patrick Malahide) ab. Dieser ist nicht gewillt, seinem Sohn irgendwelche Schiffe anzuvertrauen. Und den Starks will er schon mal gar nicht helfen.
In King's Landing trifft derweil der Bericht des Lordcommanders ĂŒber die Geschehnisse an der Mauer ein. Cersei (Lena Headey) nimmt die Schilderungen jedoch nicht ganz ernst. Weder ist sie geneigt, an Untote zu glauben, noch sieht sie einen Zusammenschluss der Wildlings als bedeutende Bedrohung an. Jenseits der Mauer will Sam (John Bradley) unterdessen einer von Crasters Töchter/Ehefrauen helfen, die schwanger ist - und um die Sicherheit ihres Kindes fĂŒrchtet, falls es sich dabei um einen Sohn handeln sollte...
Sex als Mittel der Macht
Vergleicht man The Night Lands mit dem Staffelauftakt aus der vergangenen Woche, so sticht vor allem das sexuelle Treiben hervor, welches diesmal einen deutlich gröĂeren Stellenwert einnimmt.
Sehr hĂ€ufig kann man gerade in Pay-TV-Serien den Eindruck gewinnen, dass Sex als eine Art Selbstzweck behandelt wird. Weil man - im Gegensatz zu den anderen Sendern - Nacktheit und SexualitĂ€t ins Bild setzen darf, darum tut man es auch. Ob es nun zur jeweiligen Geschichte passt oder nicht, ist dabei zweitrangig. Sexszenen sind deshalb immer ein etwas zweischneidiges Schwert. Einerseits gibt es keinen leichteren Weg, das Publikum psycho-physiologisch zu erregen. Bilder von Nacktheit und SexualitĂ€t ĂŒben einen unmittelbaren Reiz auf uns aus. Darauf sind wir von Natur aus konditioniert. Andererseits besteht genau deshalb stets die Gefahr, dass entsprechende Filmszenen auf uns billig wirken, wenn sie uns den Eindruck vermitteln, dass es in ihnen um nichts anderes geht als die Befriedigung unserer Schaulust.
Diesen Vorwurf kann man Game of Thrones ganz sicher nicht machen. SexualitĂ€t ist hier nicht nur Beiwerk, sondern tief in die erzĂ€hlerische und thematische Substanz der Serie eingeflochten. Im Wesentlichen handelt Game of Thrones schlieĂlich von den Spielen der Machterlangung und des Machterhalts. Diese können auf dem Schlachtfeld gespielt werden, aber genau so gut im Schlafzimmer. Und bisweilen können sich diese beiden RĂ€ume der Macht auch kreuzen, wie die Kopulation von Stannis und Melisandre (Carice van Houten) auf dem Modell-Schlachtplan eindrucksvoll illustriert.
Die Macht der Frauen
Die militĂ€rische Macht, die von den (Modell-) Soldaten und Schiffen reprĂ€sentiert wird, ist in diesem Moment bedeutungslos. Hilflos stĂŒrzen sie zu Boden, da hier eine andere Macht am Werk ist: Die Macht, die Melisandre ĂŒber Stannis mit dem Versprechen erlangt, ihm einen Stammhalter zu schenken. Die Aussicht auf Fortpflanzung, auf ein Weiterbestehen seiner Linie und seines Königtums ĂŒber die eigene Existenz hinaus lĂ€sst ihn sein EhegelĂŒbde vergessen - und der VerfĂŒhrung der manipulativen Gottespredigerin erliegen.
Auch Yara Greyjoy ( Gemma Whelan) setzt - auf ungleich subtilere Art - ihre SexualitĂ€t als ein Machtinstrument ein. Erst lĂ€sst sie ihren Bruder, dessen Gespielinnen sonst von eher geringerer Klasse sind, ein wenig an sich herumspielen, nur um ihn dann spĂ€ter, als sie ihre wahre IdentitĂ€t enthĂŒllt, wie einen Trottel dastehen zu lassen („Anything with a cock is easy to fool.“). Der Beinahe-Inzest wird hier - ebenso wie die VorwĂŒrfe wegen Theons zu „weiblicher“ Kleidung - dazu benutzt, seine Verhandlungs- und Machtposition zu schwĂ€chen.
Die Macht der MĂ€nner
WĂ€hrend in diesen beiden FĂ€llen eine Frau qua ihrer SexualitĂ€t Macht ĂŒber den Mann ausĂŒbt, sieht das GeschlechterverhĂ€ltnis in der Welt von Game of Thrones hĂ€ufig auch ganz anders aus: MĂ€nner ĂŒben qua Gewalt Macht ĂŒber Frauen und ihre SexualitĂ€t aus. Das lĂ€sst sich nicht nur im Bordell von Petyr Baelish (Aidan Gillen) beobachten, der einer Prostituierten unmissverstĂ€ndlich klar macht, was mit ihr geschehen wird, wenn sie ihren GefĂŒhlen wegen der ermordeten Kinder freien Lauf lĂ€sst - und ihm keinen Profit bringt (was angesichts seiner zunĂ€chst tröstenden Worte besonders boshaft erscheint).
Auf ganz besonders erscheckende Weise wird es aber auch im Haus von Craster (Robert Pugh) sichtbar, der seine Töchter - was einen fast zwangslĂ€ufig an reale FĂ€lle dieser Art denken lĂ€sst - fortdauernd missbraucht und jedem mit Gewalt droht, der ihm dabei auch nur mit der Macht eines Blicks in die Quere kommt. Als wĂ€re der sexuelle Missbrauch nicht schon erschĂŒtternd genug, verfolgt Craster damit auch noch eine ganz eigene sexual politics: Die MĂ€dchen, die daraus hervorgehen, werden dem weiteren Missbrauch zugefĂŒhrt. Die Jungen dagegen erwartet ein grausiges Schicksal ganz anderer Natur, welches Jon (Kit Harington) im Wald aufzuklĂ€ren versucht, nur dass ihm ein Schlag auf den Kopf dazwischenkommt.
Apropos Macht des Blicks: Das MachtgefĂŒhl, welches aus der Beobachtung anderer resultiert, wĂ€hrend man sich selbst unbeobachtet glaubt, kann selbst wiederum der sexuellen Stimulation dienen, wie der Anfang der Bordellszene auf raffinierte Weise belegt. Dabei macht sie uns mittels des doppelten Einsatzes des Gucklochs nicht nur zu Voyeuren, sondern auch noch zu Beobachtern von Voyeuren (womit wir letzen Endes zu Beobachtern von Beobachtern von Beobachtern werden). Das ist nicht nur herrlich konstruktivistisch, sondern zugleich eine Demonstration fĂŒr den klugen, wohlĂŒberlegten Einsatz erotischer Bilder, den die Macher von Game of Thrones praktizieren.
Fazit
„Wissen ist Macht“ - „Macht ist Macht“. Diese Opposition aus der letzten Folge mĂŒssten wir spĂ€testens nach The Night Lands um eine dritte Option ergĂ€nzen: Sex ist Macht. Und Macht kann Sex erzwingen. Auf vielfĂ€ltige Weise erkundet Game of Thrones hier einen der elementarsten Antriebe menschlichen Verhaltens. Und genau das ist es, was die Serie so aufregend macht.
Promo-Trailer zu Episode 2x03 âWhat Is Dead May Never Dieâ:
Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 9. April 2012Game of Thrones 2x02 Trailer
(Game of Thrones 2x02)
Schauspieler in der Episode Game of Thrones 2x02
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?