Game of Thrones 2x03

„Die Macht liegt dort, wo Menschen glauben, dass sie liegt.“ Lord Varys (Conleth Hill) spricht in What Is Dead May Never Die einen sehr interessanten Punkt an: Macht liegt im Auge des Betrachters. Sie ist - samt der sie umgebenden Mechanismen - eine Konstruktion. Gründet sie auf dem Schwert? Oder auf den Schultern desjenigen, der das Schwert befiehlt? Speist sie sich aus dem Reichtum, der es einem erlaubt, die Dienste und die Loyalität anderer Menschen zu kaufen? Oder aus dem Versprechen des ewigen Seelenheils?
Renly Baratheon (Gethin Anthony) könnte seine Macht zementieren, wenn es ihm gelänge, mit seiner Gattin Margaery (Natalie Dormer, Silk) aus dem mächtigen Haus Tyrell ein Baby zu haben. Inwiefern Macht eine Konstruktion ist, wird genau an dieser Stelle sehr gut deutlich. Es ist ja schließlich nicht so, dass ein Baby eine Wunderwaffe wäre, mit der man Armeen niederstrecken könnte. Das Baby ist jedoch ein Symbol - und zwar für die Verbindung der beiden Häuser. Nur weil einem gemeinsamen Kind dieser Stellenwert (kulturell) zugesprochen wird, kann es als ein Instrument der Macht fungieren. Margaery will es mit Renly zeugen, um ihre Feinde daran zu hindern, sie auseinanderzubringen.
Natürlich illustriert dieser Plot noch etwas anderes: Kulturell-gesellschaftliche Konstruktionen sind das eine. Die Realitäten, zum Beispiel der sexuellen Anziehung, sind jedoch bisweilen ganz andere. Denn Renly steht eigentlich mehr auf Margaerys Bruder Loras (Finn Jones), was den Fortpflanzungsplänen allein schon wegen der mangelnden Blutstauung in einem gewissen Körperteil zunächst einmal im Wege steht. Doch Margaery sieht die Homosexualität ihres Ehemanns mit einer bemerkenswert liberalen Haltung - und unterbreitet sogar den Vorschlag, ihren Bruder einfach mit ins Ehebett zu holen. Solange Renly ihr nur ein Baby in den Bauch macht. Zielstebig ist sie ja, das muss man schon sagen.
Macht als Vermeidung von Schwäche
Während damit nun also beide Baratheon-Brüder auf die ein oder andere Weise mit dem Thema Kinderkriegen beschäftigt sind (Stannis war diesbezüglich ja schon in der letzten Folge aktiv), muss Tyrion (Peter Dinklage) seinen Machterhalt mit ganz anderen Mitteln sichern. Was sehr schön zeigt: Macht mag eine Konstruktion sein. Dem Einzelnen hilft diese Erkenntnis aber nur wenig. Tyrion weiß, dass er sich besser nicht auf irgendein Stück Papier verlassen sollte (die Warnung/Drohung seiner Schwester unterstreicht dies noch einmal). Um nicht das Schicksal seines Amtsvorgängers zu erleiden, ist er deshalb peinlich darum bemüht, sich nur ja keine Blöße zu geben.
Nachdem er in The Night Lands bereits eine Schlüsselposition, die Führung der Stadtgarde, mit seinem Vertrauten Bronn (Jerome Flynn) besetzt hat, ist er nun dabei, sich mit einem raffinierten Plan auf die Suche nach der undichten Stelle in der Ratsversammlung zu machen. Und wird bei dem lüsternen Grand Maester Pycelle (Julian Glover) fündig, was ihn nicht nur von einem Verräter befreit, sondern den anderen Ratsmitgliedern auch demonstriert, dass er einer ist, vor dem man sich besser in Acht nimmt. Tyrion festigt seine Machtposition, indem er proaktiv das Spielfeld in seinem Sinne ordnet - und die anderen durch eine Demonstration seiner strategischen Intelligenz in die Defensive bringt. Macht kann eben auch aus Können hervorgehen (ein Zusammenhang, der vor allem im englischen Wort might sehr schön zum Ausdruck kommt).
Die Schwäche, die keine sein will
Tyrions Achillesferse ist derweil immer noch die eigensinnige Prostituierte Shae (Sibel Kekilli), die er laut Anweisung seines Vaters keinesfalls nach King's Landing mitnehmen sollte, es aber trotzdem getan - und sich damit angreifbar gemacht hat. Er kann sie schlecht verstecken, er kann sich aber auch nicht mit ihr offen zeigen. Sie als Zofe bei Sansa (Sophie Turner) unterzubringen, ist da - in diesem Punkt müssen wir ihm ganz Recht geben - einer seiner besseren Einfälle.
Vor allem führt es zu einer sehr amüsanten Szene zwischen der alles andere als untertänigen Shae und der hochnäsigen Stark-Tochter, die es einfach wunderbar versteht, im Zuschauer ganz widersprüchliche Emotionen zu wecken: Im einen Augenblick (wie zum Beispiel die Szene beim Abendessen) kann sie einem richtig leid tun. Im nächsten möchte man ihr jedoch am liebsten die Haarbürste über den Schädel ziehen.
Zu gerne würde man sehen, wie es mit Sansa und ihrer aufmüpfigen Dienerin weitergeht. Hier kommt jedoch ein wenig die Kehrseite des epischen Formats von Game of Thrones zum Vorschein. Dadurch, dass wir so vielen Handlungsfäden gleichzeitig folgen, kommen - je nach Episode - manche etwas zu kurz (wie zum Beispiel die sehr kurz abgehandelte Auflösung des Cliffhangers aus der vergangenen Woche) oder werden vorübergehend gänzlich ausgeblendet (zum Beispiel Mrs. Targaryens kleiner Wüstenausflug mit ihren Drachen).
Macht als Erkenntnis der Schwäche der anderen
Doch zurück zu den Fragen der Macht: Häufig reicht es schon aus, die Schwäche des Gegenübers zu kennen, um die Oberhand über ihn zu gewinnen. Tyrion weiß um Petyrs (Aidan Gillen) Schwäche für Catelyn Stark (Michelle Fairley) - und plant offensichtlich, dies zu seinem Vorteil zu nutzen. Theon (Alfie Allen) findet unterdessen den wunden Punkt seines Vaters (Patrick Malahide) - und versteht es, die Machtverhältnisse zwischen ihnen ein Stück weit zu drehen. Papa Greyjoy und Schwesterchen Yara (Gemma Whelan) hatten seit der vergangenen Folge nichts unversucht gelassen, um Theon wie einen Schwächling und Dummkopf dastehen zu lassen. Als er jedoch seinen Vater bei der (Familien-) Ehre packt und ihn damit konfrontiert, dass er ihn doch schließlich aufgegeben habe - und nicht umgekehrt, da spucken die beiden schon deutlich leisere Töne.
Die Frage ist nur: Was plant Theon, jetzt zu tun? Welcher Familie gehört seine Loyalität? Einen Brief, den er Robb offenbar zur Warnung vor der Seeattacke schicken wollte, lässt er selbst in Flammen aufgehen.
Fazit
Game of Thrones liefert mit What Is Dead May Never Die die gewohnte Dosis an wöchentlicher Reflektion über die Macht - und in dieser Folge ganz besonders über das Vermeiden oder Verkehren von Schwäche. Vor allem Peter Dinklage ist dabei wieder ganz in seinem Element - und sorgt neben all der Bedeutungsschwere immer mal wieder auch für den nötigen Spaß („Cut off his manhood, and feed it to the goats...“).
Promo zu Folge 2x04 „Garden of Bones“:
Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 16. April 2012Game of Thrones 2x03 Trailer
(Game of Thrones 2x03)
Schauspieler in der Episode Game of Thrones 2x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?