Game of Thrones 2x04

Game of Thrones 2x04

Viel häufiger als auf dem Schlachtfeld wird in Game of Thrones mit Worten gekämpft. Vor allem Tyrion erweist sich darin als ein Meister, dessen Spitzen härter treffen, als jedes Schwert es könnte.

Ob Stannis sich wirklich so ganz klar darüber ist, worauf er sich mit Melisandre eingelassen hat? / (c) HBO
Ob Stannis sich wirklich so ganz klar darüber ist, worauf er sich mit Melisandre eingelassen hat? / (c) HBO

Robb Stark (Richard Madden) fährt mit seinen Truppen - einschließlich wölfischer Unterstützung - auf dem Schlachtfeld einen weiteren Sieg gegen die Lannisters ein. Dabei macht er die Bekanntschaft der jungen Talisa (Oona Chaplin), die eine Art mittelalterliche Version einer Sanitäterin ist, die den Verwundeten der Schlacht hilft. Robb findet offenkundig Gefallen an ihr, obwohl - oder gerade weil - sie ihm Widerworte gibt und den Sinn des kriegerischen Treibens in Frage stellt. Robbs Leute würden unterdessen gerne die Offiziere der Lannisters befragen - und dabei im Zweifelsfall auch mit Folter nachhelfen. Doch Robb lehnt dies ab. Nicht zuletzt, weil er um die Sicherheit seiner Schwestern fürchtet.

Und dazu hat er allen Grund: Joffrey (Jack Gleeson) würde Sansa (Sophie Turner) nur all zu gerne für den „Verrat“ ihres Bruders bezahlen lassen. Zu dumm nur, dass Mama ihm verboten hat, sie zu töten. Tyrion (Peter Dinklage) gelingt es, Sansa aus Joffreys sadistischen Klauen zu befreien. Die Hoffnung, dass ein bisschen Triebabfuhr den jungen König etwas milder stimmen könnte, stellt sich jedoch als etwas zu optimistisch heraus. Petyr Baelish (Aidan Gillen) macht unterdessen Renly Baratheon (Gethin Anthony) seine Aufwartung - und stattet auch Catelyn Stark (Michelle Fairley) einen Besuch ab, der er nicht nur den Kopf ihres Gatten, sondern auch Tyrions Angebot bringt, ihre Mädchen gegen Jamie auszutauschen. Dabei haben die Lannisters Arya (Maisie Williams) überhaupt nicht. Beziehungsweise wissen nicht, dass sie sie haben...

Der Spaß an den Dialogen

Game of Thrones ist eine Serie, die mit geschlossenen Augen fast so viel Spaß macht wie mit geöffneten. So groß die Schauwerte in puncto Kostüme, Kulissen, Requisiten und Spezialeffekte auch sind, wirklich lebendig wird die Serie erst durch ihre Dialoge, die einen manchmal fast unwillkürlich an Shakespeare denken lassen. Und das nicht nur wegen der stets etwas erhöhten Sprache, sondern auch wegen der Art und Weise, wie die Dialoge eingesetzt werden.

Im Theater hat man ja immer seine liebe Not damit, große Schlachten auf die Bühne zu bringen. Diese werden deshalb meist ins Off verlegt, während auf der Bühne das Duell der gesprochenen Worte dominiert. So ähnlich hält es auch Game of Thrones. Statt wildem Schlachtengetümmel, welches nicht nur unnötig Geld kosten, sondern den Zuschauer auch langweilen würde (mal ehrlich: das Publikum von Game of Thrones hat genug Film- und Fernsehschlachten gesehen, so dass eine langgezogene Schwarzblende mit Kampfgeräusch im Hintergrund völlig ausreicht, um uns die nötigen Details in unserer Fantasie ausfüllen zu lassen), führt man Robb Stark lieber in eine ganz andere Schlacht, als er sich nämlich vor Talisa für den Krieg rechtfertigt, den er gegen die Lannisters führt.

Gerade das erste Kennenlernen zwischen Mann und Frau ist in Serien häufig mit Dialogen ausgestaltet, die einen wegen ihrer Banalität die Haare raufen lassen. Hier bekommen wir dagegen einen pointierten Schlagabtausch geboten, in dem einer die Argumente des anderen kontert: „That boy lost his foot on your orders.“ / „They killed my father.“ / „That boy did?“ / „The family he fights for.“ / „You think he's friends with King Joffrey?“ (...) / „You have us surrender, end all this blood shed. I understand. The land would be at peace, and life would be just under the righteous hand of King Joffrey...“ Besonders amüsant, weil einem der Vorwurf einer mangelnden exit strategy aus der Gegenwart nur all zu vertraut ist, kommt natürlich Talisas Punkt herüber, dass Robb noch nicht für die Zeit danach geplant hat, wenn es ihm tatsächlich gelingen sollte, Joffrey zu stürzen.

Worte als Waffen

Wenn es um geschliffene Dialoge voller Witz und Schärfe geht, die das Gegenüber buchstäblich zu Boden gehen lassen, ist natürlich Tyrion der ungekrönte Meister. Nicht nur Joffrey und dessen Leibwache sind ihm, dem Kleinwüchsigen, nicht gewachsen. Auch sein Cousin Lancel (Eugene Simon) wird es nicht mehr so schnell wagen, ihn „imp“ (Wicht) zu nennen. Wie Tyrion ihn verbal demontiert, indem er ihn genüsslich wissen lässt, dass er um das fleischliche Verhältnis zwischen ihm und Cersei weiß, das ist der wohl mit Abstand köstlichste Moment in Garden of Bones („A high place in court, a knighthood and my sister's legs spreading open for you at night: Oh yes, it must have been terrible!“).

Innerhalb von zweieinhalb Minuten dreht Tyrion das Verhältnis zwischen sich und seinem Cousin um 180 Grad: Aus Lancel, der anfangs nur verächtlich auf ihn herabschaut, macht er einen Spion im Schlafzimmer seiner Schwester, der vor ihm auf den Knien rutscht. Der Schlüssel dazu ist nicht nur das Wissen, über das Tyrion verfügt, sondern vor allem die Art und Weise, wie er es kommuniziert. Anfangs gibt er sich gegenüber Lancels Hochnäsigkeit und Verachtung vollkommen indifferent, seinen späteren Entschuldigungs- und Erklärungsversuchen begegnet er dagegen nur mit Spott und Sarkasmus. Kommunikativ hat er damit zu jeder Zeit (auch wenn Lancel das zu Beginn gar nicht mitbekommt) in ihrem Gespräch die Oberhand. Die Macht, um die es in Game of Thrones geht: Tyrion übt sie mit Worten aus. Und das macht er besser als jeder andere.

Da ist es fast kein Wunder, dass Joffrey sich gegenüber seinem Onkel unterlegen fühlen muss - und seine Frustration darüber nur in diabolischem Sadismus ableiten kann. Er kann Tyrion nichts anhaben, aber zumindest kann er den von ihm geschickten Freudenmädchen Schmerz zufügen.

Sein Opa Tywin (Charles Dance) beweist unterdessen viel Scharfblick, indem er Arya auf Anhieb als Mädchen entlarvt, und kann ebenso wie sein Sohn Tyrion sehr gut mit Worten austeilen („Smart! More than I can say for this lot...“). Er ahnt ja nicht, wen er sich da als Tassenträgerin ins Zelt holt - und dass auch diese Person einen guten Blick hat, jedenfalls wenn ihr ein wohlbekanntes pointy end ins Auge fällt.

Unheilige Geburt

Ein wenig zu viel Vertrauen legt Ser Baelish in die Macht der Worte: Hat er wirklich mit einem herzlicheren Empfang bei Cat gerechnet - nach dem, was er getan hat? Der Glaube, sich aus dieser Nummer herausreden zu können, spricht auf jeden Fall für ein gesundes Selbstbewusstein. Auch Petyrs Konversation mit Margaery (Natalie Dormer) läuft offenbar nicht so wie erwartet. Er versucht zwar, sie mit Anspielungen auf die Homosexualität ihres Gatten aus der Reserve zu locken. Wenn er geglaubt hat, damit einen Spalt zwischen sie und Renly treiben zu können, hat er sich jedoch gründlich geirrt.

Drachenmutti Daenerys (Emilia Clarke) taucht derweil aus der Versenkung der vergangenen Folge wieder auf - und findet mit ihren Leuten ein Licht am Ende des Tunnels, oder vielmehr eine Oase am Ende der Wüste. Um Einlass in die gut bewachte Stadt Quarth zu erhalten, ist jedoch nicht nur die Wahl der richtigen Worte, sondern auch noch deren Aussprache von Bedeutung. Der Stadtrat ist in dieser Hinsicht ziemlich pedantisch. Und obwohl Drohungen in einer Situation wie dieser nicht unbedingt ratsam erscheinen, findet Daenerys immerhin ein verständnisvolles Ohr, welches ihr die Tore zur Stadt öffnet.

Melisandre (Carice van Houten) lässt unterdessen ihre Gebärmutter sprechen: Was sie da in die Welt setzt, ist allerdings nicht gerade das beste Argument für den Gott des Lichts. Vielleicht hätte sich Stannis (Stephen Dillane) doch lieber mit seinem Bruder zusammentun sollen. Denn dieser Sohnemann macht den Eindruck, dass er ihm schon sehr bald über den Kopf wachsen könnte...

Fazit

Man muss den Autoren von Game of Thrones schon Bewunderung zollen. Nicht nur wegen der Unmenge an Handlungsfäden, mit der sie jonglieren, sondern auch dafür, dass sie nebenher noch die Zeit für ausgefeilte Dialoge voller Geist und Witz finden, welche neben ihrer bloßen Funktion für die Handlung einfach schön anzuhören sind.

Promo zu Folge 2x05 „The Ghosts of Harrenhal“

Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 23. April 2012

Game of Thrones 2x04 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 4
(Game of Thrones 2x04)
Deutscher Titel der Episode
Garten der Knochen
Titel der Episode im Original
Garden of Bones
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 22. April 2012 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 14. Juni 2012
Autor
Vanessa Taylor
Regisseur
David Petrarca

Schauspieler in der Episode Game of Thrones 2x04

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