Downton Abbey 5x08

Harte Zeiten für die Liebe auf Downton Abbey: Während sich die Verlobten Rose (Lily James) und Atticus (Matt Barber) auf einen schwierigen Umgang mit ihren jeweiligen Familien einstellen müssen, scheinen sich die Hochzeitspläne von Mrs. Crawley (Penelope Wilton) und Lord Merton (Douglas Reith) schon wieder erledigt zu haben.
Etwas verloren wirkt außerdem Mary (Michelle Dockery) (was sie natürlich gut zu verbergen weiß), dabei machen es ihr Toms (Allen Leech) Pläne, Downton zu verlassen, nicht leichter. Auch Daisy (Sophie McShera), die durch Miss Bunting und Mr. Molesley (Kevin Doyle) einen Wissensdrang entwickelte, macht sich Gedanken über ihr Leben und ihre Zukunft. Für Anna (Joanne Froggatt) und John Bates (Brendan Coyle) verheißt die Zukunft jedenfalls nichts Gutes. Wie die erfahrenen „Downton Abbey“-Zuschauer sicher erahnten, diente die vermeintliche Idylle der vorangegangen Episode nur als kurzes Aufatmen vor der Katastrophe: Anstelle von Bates wird Anna von Scotland Yard festgenommen.
And now you want to throw all that away for that little „Schickse“...
Die Ausgangssituation für das unsterblich verliebte Paar Atticus und Rose könnte wohl kaum problematischer sein. Nicht nur der Umstand, dass Atticus aus einer einflussreichen, jüdischen Familie stammt und Rose daher als nicht-jüdische Frau für Lord Sinderby (James Faulkner) unpassend erscheint, macht den beiden das Leben schwer. Wie zu erwarten war, hält auch Roses Mutter, Susan MacClare (Phoebe Nicholls) wenig von einer Verbindung der beiden - nicht zuletzt aus einer antisemitischen Haltung heraus. Während der Feierlichkeiten vor und nach der Hochzeit von Rose und Atticus im Granhtam House in London kommt es zu so manch unangenehmer Situation zwischen den Familien. Beistand und Wohlwollen wird ihnen glücklicherweise sowohl von Roses Vater Schrimpie als auch von Lady Sinderby entgegengebracht.
So gelingt es Atticus' Mutter, selbst subtil-antisemitisch geprägte Attacken von Lady MacClare schlagfertig abzuwehren. Die besagte Szene spielt sich während eines Dinners mit den Crawleys und den Sinderbys ab, bei dem außerdem zutage kommt, dass Lord Sinderby eine ausgeprägte Verachtung gegen die Scheidung beziehungsweise geschiedene Paare hegt. Vielleicht war es diese Aussage, die Lady MacClare dazu provozierte, ihrerseits auszuteilen.
Zwar wissen die Sinderbys bis zu diesem Zeitpunkt nichts von der gescheiterten Ehe der MacClares (vor allem dank Schrimpie, der seine Nochehefrau ermahnt) - doch schon bald spielt Susan auch diese Karte aus, um ihrer Tochter die Hochzeit zu verderben. Als sie sich jedenfalls bei Lady Sinderby erkundigt, ob es dieser Tage eigentlich schwer sei, Personal zu finden (als Jude), hält Atticus' Mutter Susan den Spiegel vor, indem sie ironisch mit einem (antisemitischen) Vorurteil gegenüber Juden antwortet: „Not very. But then we're jewish, so we pay well.“ („Nicht sehr. Außerdem sind wir ja Juden, also bezahlen wir gut.“)
Letztlich kann jedoch weder Susans Bekanntgabe der Scheidung noch ihre Intrige (inszenierte Fotos, die Atticus mit einer anderen Frau zeigen), die sie gegen Atticus geplant hatte, die Hochzeit verhindern. „She speaks without thinking“ („Sie redet, ohne zu denken.“) - so schätzt auch Cora das verbitterte und teils gehässige Verhalten von Roses Mutter ein. Dass sie nur aus Sorge und Liebe zu ihrer Tochter handelt, kann man ihr nur schwer abnehmen. Ähnlich unbeugsam, allerdings weniger bösartig, verhält es sich mit Lord Sinderby, der Atticus gegenüber zugibt, gegen die Hochzeit zu sein. Er bezeichnet Rose als „Schickse“, der jiddische Ausdruck für ein nicht-jüdisches Mädchen/eine nicht-jüdische Frau, für die Atticus die gesamte Familientradition aufs Spiel setze. An späterer Stelle wirkt er wiederum versöhnlicher, dennoch dürfte es weiterhin für beide schwierig werden.
Sometimes I think my life has no possibilities at all
Der Kontrast zwischen dem privilegierten und dem in Diensten stehenden Leben wird immer dann am deutlichsten, wenn die Probleme der jeweiligen Charaktere einander gegenübergestellt werden. Während die Upper Class sich ihren Normen, Zwängen und Konventionen unterzuordnen hat, geht es bei den Bediensteten auf Downton Abbey oftmals um existentiellere Themen (und Bedrohungen). Nicht nur Tom, der als einziger zwischen beiden Welten schwebt, trifft eine lebensverändernde Entscheidung: Gemeinsam mit seinem Cousin und der kleinen Sybbie will er in die USA auswandern, um in Boston ins Automobilgeschäft einzusteigen.
Im Staffelfinale gelingt auch Daisy eine Art Durchbruch, auch wenn er letzten Endes ohne Konsequenzen bleibt. In der gesamten fünften Staffel wurde Daisys Entwicklung hin zu einer wissbegierigen, die Welt und ihre Zustände hinterfragenden jungen Frau vorbereitet. Während ihres Aufenthaltes in London und bei einem Spaziergang mit Mr. Molesley und Mrs. Baxter (Raquel Cassidy) wird ihr klar, dass sie mehr vom Leben will als ein Dasein als Küchenhilfe.
Das kulturelle und intellektuelle Leben Londons vor Augen teilt sie der halb schockierten Mrs. Patmore (Lesley Nicol) ihren Entschluss mit, in London zu arbeiten und zu lernen. Die Szene, in der die tieftraurige Mrs. Patmore um ihren Schützling weint, ist nicht nur für die Zuschauer ergreifend. Doch Daisy entscheidet sich später vorerst gegen ihren Plan, nach London zu ziehen. Auch, wenn der nächste große Schritt vorerst ausbleibt, wirkt Daisy glücklich. Abgesehen davon ist es gut, ihre Figur auch in der kommenden Staffel zu wissen.
Mrs. Patmore, die schroffe, aber liebenswürdige Köchin von Downton Abbey, wird in dieser Episode nicht nur von einem Verlust verschont, sondern kann endlich mit der Trauer um ihren „unehrenhaft“ gefallenen Neffen abschließen. Am Ende der Episode eröffnet die Dorfgemeinschaft und die Familie Crawley samt Bedienstete das Kriegsdenkmal zu Ehren der Gefallenen im Ersten Weltkrieg. Da Mrs. Patmores Neffe „unehrenhaft“ gefallen ist, blieb ihm eine Ernennung verwehrt - doch Lord Grantham entschließt sich im Laufe der Episode trotzdem für eine Würdigung seines Einsatzes, was seine Köchin zu Tränen rührt.
In diesem Zusammenhang und nach einem erneuten „Déjà-vu-Erlebnis“ in Bezug auf Marigold erfährt Lord Grantham durch seine Frau die Wahrheit. Überraschenderweise wirkt er bislang wenig schockiert, im Gegenteil. Fraglich ist allerdings, wie lange das Geheimnis noch eines bleiben wird, wo mittlerweile nun doch fast alle die Wahrheit kennen.
I feel as if our household is breaking up
Es war abzusehen: Die Harmonie und die Idylle, die in der vorangegangen Episode zwischen Anna und Bates vorherrschte, war nur vorübergehend und musste in der Katastrophe enden. Einerseits wird dem ständigen Bangen, ob und was nun passiert, endlich ein Ende bereitet. Mit Annas Verhaftung ist allerdings natürlich klar, dass das erst der eigentliche Anfang des Handlungsbogens sein kann, sofern Anna nicht aus irgendeinem Grund schnell wieder freigelassen wird. Nachdem sich ein weiterer Zeuge gemeldet hatte, kommt es zur Gegenüberstellung mit potentiellen Täterinnen, darunter Anna.
Der Zeuge will nämlich eine eindeutig kleinere Person als Bates am Piccadilly Circus gesichtet haben... Außerdem wurde ermittelt, dass Mr. Green mehrere Frauen belästigte oder vergewaltigte. Nahezu die gleiche Storyline, wechselnde Besetzung: Diesmal sitzt nicht Bates als verdächtigter Mörder im Gefängnis, sondern seine Frau. Selbst diese einigermaßen unvorhergesehene Wendung kann den Handlungsstrang nicht interessanter machen, daher ist es umso spannender, wie die Autoren Annas Situation in der kommenden Staffel und im Christmas Special fortführen werden.

Die düstere Stimmung wird zwischenzeitlich durch die Szenen zwischen Thomas, Mrs. Denker (die neue Hausdame der Old Lady) und Andy, einem eigens für die Hochzeit eingestellten Diener, aufgelockert. Trotzdem wird immer deutlicher, dass sich auf Downton Abbey etwas verändert, und das stellt auch Mary fest: „I feel as if our household is breaking up, Carson. What I suppose that's what happens. People grow up and move away and things change.“ („Es fühlt sich so an, als würde unser Haushalt auseinanderbrechen, Carson. Ich vermute, so ist das nun mal. Man wird erwachsen, zieht weg und die Dinge ändern sich.“)
Fazit
Die Zeit scheint im Downton Abbey-Universum zu rasen. Rose und Atticus heiraten, Tom wird England verlassen, das Ehepaar Bates wird einmal mehr auseinandergerissen und sowohl Marys als auch Ediths Zukunft ist wieder einigermaßen ungewiss. Auch wenn vor allem der Handlungsbogen um das ewige Drama der Bates auch in dieser Episode kein Ende fand - im Gegenteil -, konnte das Staffelfinale überzeugen. Lord Grantham erlangt Gewissheit über sein Déjà-vu-Erlebnis und Daisy entwickelt sich von der naiven, unbedarften Küchenhilfe zu einem mündigen Menschen.
Leider fehlte in dieser Episode beziehungsweise in der gesamten Staffel die (Weiter-)Entwicklung von Mary. Abgesehen von ihrer Ablenkungsaffäre und ihrer wiederentdeckten Kälte im Umgang mit anderen Menschen zeichnet sich bislang nicht ab, wo die Autoren mit der Figur hinwollen.
Davon abgesehen könnte in der kommenden Staffel spannend werden, wie Lord Grantham mit seinem Wissen um die Wahrheit über Marigold umgeht, also ob auch der Rest der Familie von Edith Kind erfährt. Immer noch aktuell sind außerdem die Romanzen der älteren Damen, die sich „nur“ noch entscheiden müssen.
Verfasser: Hannah Klein am Montag, 10. November 2014(Downton Abbey 5x08)
Schauspieler in der Episode Downton Abbey 5x08
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