Downton Abbey 5x07

Downton Abbey 5x07

Eine Episode vor dem Finale der fünften Staffel von Downton Abbey nimmt die Spannung auf verschiedenen Ebenen zu. Lady Grantham erfährt die Wahrheit über Ediths Verschwinden und Mary kann sich endlich - mithilfe von Mr. Blake - von Lord Gillingham lösen.

Mrs. Crawley und Lord Merton in „Downton Abbey“ / (c) ITV
Mrs. Crawley und Lord Merton in „Downton Abbey“ / (c) ITV

Nach der ereignisreichen sechsten Episode schließt die Handlung fast unmittelbar an Ediths (Laura Carmichael) „Flucht“ von Downton Abbey an. Beunruhigt beschließen Rosamund (Samantha Bond) und Old Lady Grantham (Maggie Smith), ihre Schwiegertochter und Schwägerin (Elizabeth McGovern) nun doch über die Wahrheit aufzuklären. Mary (Michelle Dockery) kann sich hingegen endlich mithilfe von Charles Blake (Julian Ovenden) von Lord Gillingham (Tom Cullen) lösen, indem die beiden ein klares Zeichen setzen. Außerdem gibt Mrs. Crawley (Penelope Wilton) die Verlobung zwischen ihr und Lord Merton (Douglas Reith) bekannt. Im Zuge dessen erhalten die Zuschauer erstmals einen Einblick in die verletzliche Seite der ansonsten vornehm-distanzierten Old Lady Grantham.

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Während der Verlobung von Lord Merton und Isobel eine längere Phase der reiflichen Überlegung vorausging, entscheidet sich das frisch verliebte Paar Rose (Lily James) und Atticus (Matt Barber) (zunächst) heimlich für den gleichen Schritt. Doch beide Paare sehen sich mit Widrigkeiten konfrontiert, deren Auswirkungen bislang nur zu erahnen sind. Während sich Anna (Joanne Froggatt) und Bates (Brendan Coyle) in scheinbarer Harmonie wissen, deutet sich bei Tom (Allen Leech) plötzlich doch ein Ortswechsel an.

We must hear from her, what she wants

Nachdem im vorangegangenen Review insbesondere Marys und Lady Granthams spärliche Anteilnahme an Ediths Kummer kritisiert wurde, zeigt sich zumindest Cora in dieser Episode von ihrer einfühlsameren Seite. Als sie von Rosamund und der Old Lady Grantham von Marigold erfährt, ist sie zunächst entsetzt und wütend darüber, dass sie erst jetzt über die Wahrheit in Kenntnis gesetzt wird. Während Mary sich wie gehabt desinteressiert und spöttisch über die Aufregung um Edith zeigt, beschließen Cora und Rosamund, Edith im Verlagshaus von Gregson in London zu suchen.

Der Entschluss, den die drei Frauen in Bezug auf die Situation mit Marigold fassen, schreit schon jetzt förmlich nach neuen Problemen und viel zu großen Geheimnissen, die unweigerlich in neuem Drama enden müssen. So schlägt Cora vor, eine Adoption vorzutäuschen: Marigold soll als Adoptivkind von Edith auf Downton Abbey leben (mit der Begründung, dass die Drewes finanziell und auch sonst mit dem Kind überfordert seien). Da Edith das harte Urteil ihres Vaters und den Hohn ihrer Schwester Mary fürchtet, soll der Rest der Familie im Unklaren gelassen werden. Schließlich stimmen die Crawleys dem Vorhaben der Adoption zu. Doch schon jetzt ist die Geheimhaltung der Wahrheit gefährdet: Die „Übergabe“ der kleinen Marigold wird unabsichtlich von Anna beobachtet, die Lady Mary zum Bahnhof bringt.

Es scheint eher unwahrscheinlich, dass der Handlungsstrang um Edith bereits im Finale seinen Höhepunkt findet - vermutlich wird sich auch die kommende Staffel unter anderem um dieses Thema drehen. Einerseits war es erfreulich, dass Ediths Figur (und ihrem Leiden) in der fünften Staffel deutlich mehr Aufmerksamkeit beigemessen wurde. Trotzdem würde ihr Handlungsstrang durchaus von einer weiteren Komponente profitieren - nicht unbedingt durch Glück in der Liebe; man könnte sie sich zum Beispiel auch als erfolgreiche Verlegerin in London vorstellen.

Why don't you just get out, you bastard?

In dieser Episode vergessen gleich zwei Figuren ihre guten Manieren beziehungsweise ihre vornehme Zurückhaltung. Beide Ausbrüche, sowohl der von Tom als auch der von Old Lady Grantham, stehen in Zusammenhang mit der Verlobung zwischen Lord Merton und Mrs. Crawley. Als Mary ihre Großmutter besucht und sie auf ihre zurückhaltende, ja bedrückt wirkende Reaktion in Bezug auf die Neuigkeiten anspricht, äußert diese sich erstmals offen und ehrlich über ihre Sorgen.

Wie bereits zu erahnen war, kümmert sie weniger der veränderte „Status“ von Mrs. Crawley. Vielmehr fürchtet sie den Verlust einer guten Freundin: „But Isobel and I had a lot in common and I surely miss that.“ („Aber Isobel und ich hatten eine Menge gemeinsam und das vermisse ich auf jeden Fall.“) Dank der konstant tollen schauspielerischen Leistung von Maggie Smith verleiht sie ihrer Figur in diesen Szenen eine emotionale Tiefe, die, da sie nur selten zum Vorschein kommt, besonders intensiv übermittelt wird.

Darüber hinaus freut vor allem, dass die gutherzige Mrs. Crawley den Mut gefasst hat, ihrem Glück noch eine Chance zu geben. Doch bei dem gemeinsamen Dinner auf Downton Abbey schockiert und provoziert unerwartet Larry, Lord Mertons Sohn. Seine hochmütigen und gehässigen Bemerkungen zielen nicht nur auf den „Klassenunterschied“ zwischen Mrs. Crawley und Lord Merton ab. Bevor er zum Rundumschlag ausholt, beleidigt er Atticus Aldridge in antisemitischer Weise - und das zieht Konsequenzen nach sich.

Tom scheint über seine Wut die sorgfältig antrainierten Manieren völlig zu vergessen und fordert Larry mit einem „Why don't you just get out, you bastard?“ zum Gehen auf. Außerdem entschließen sich Rose und Atticus daraufhin spontan dazu, ebenfalls zu heiraten. Neben aller Freude über die Verlobungen ist nun jedoch absehbar, dass in beiden Fällen mit Problemen zu rechnen ist. Mrs. Crawley wird sich mit Lord Mertons Sohn arrangieren müssen und Rose und Atticus werden gegen einige Vorurteile zu kämpfen haben.

Hündin Isis ist krank. © ITV
Hündin Isis ist krank. © ITV

Kuss und Schluss

Langsam, aber sicher schien der Handlungsbogen um Mary, Lord Gillingham, Mable Lane Fox (Catherine Steadman) und Charles Blake doch etwas überspannt und drohte, einem auf die Nerven zu fallen. Daher war es erfreulich, dass das love triangle (das eigentlich mehr ein Viereck war), in dieser Episode sein Ende fand. In einem Gespräch zwischen Tony und Charles wird deutlich, dass ersterer sich aus Anstandsgründen nicht von Mary trennen will (weil die beiden eine gemeinsame Nacht verbracht haben), obwohl Mary mehrfach auf das Beenden der Beziehung drängte. Mr. Blakes Plan, die Situation für alle Beteiligten endgültig zu klären, besteht darin, ein „klares Zeichen“ zu setzen. Es scheint nicht ganz uneigennützig, dass er Mary zu diesem Zweck vor den Augen von Lane Fox und Tony küsst.

Damit findet das Hin und Her endlich ein Ende: Tony und Lane „dürfen“ sich wieder offiziell annähern, Mary ist Tony los und zwischen Charles Blake und Mary könnte sich auch etwas entwickeln - auch, wenn zwischen den beiden bislang noch nicht so wirklich die Funken sprühten. Im Rückblick auf den gesamten Handlungsstrang fällt vor allem eines auf: Matthew fehlt. Nach seinem Tod entwickelte sich Mary gewissermaßen wieder zurück, denn in der fünften Staffel zeigte sie sich zunehmend von ihrer harten und bisweilen oberflächlichen Seite. Ihre Großmutter bringt Marys momentanes Verhalten dabei auf den Punkt: „My dear, a lack of compassion can be as vulgar as an excess of tears.“ („Meine Liebe, ein Mangel an Mitgefühl kann ebenso geschmacklos wirken wie ein Tränenausbruch.“)

Aufbruchstimmung

Nach dem Fortgang von Miss Bunting (Daisy Lewis) schien Daisy (Sophie McShera) merklich unter dem Verlust ihrer Lehrerin zu leiden. Die Lust zu lernen und sich zu bilden, die in Daisy erwachte, schien sich in den vorangegangen Episoden zunehmend in Frustration zu wandeln - nicht nur in Bezug auf ihre persönliche Situation. Wie ihr Schwiegervater Mr. Mason (Paul Copley) nämlich bemerkt, ist Wissen Macht, doch gleichzeitig auch eine Bürde. Daisy scheint mittlerweile in Ansätzen ein Verständnis für die sozialen Ungerechtigkeiten entwickelt zu haben und resigniert angesichts ihrer Chancenlosigkeit in einer Welt, in der man scheinbar nur etwas erreichen kann, wenn man aus entsprechender Herkunft stammt. Doch Mr. Mason kann seine Schwiegertochter, die eher Ziehtochter ist, ermutigen.

Während Daisy also offenbar zaghafte Schritte in Richtung eines Ausbruchs aus dem Leben als Küchenhilfe wagt, scheint auch Tom endlich einen Entschluss gefasst zu haben: Er will mit seiner Tochter Sybbie nach Boston ziehen, um dort ein neues Leben zu beginnen.

Fazit

Kurz vor dem Finale der fünften Staffel von Downton Abbey wird die Handlung erneut vorangetrieben. Edith kehrt mit Marigold und mitsamt einer abermaligen Verschleierung der Wahrheit nach Downton zurück. Zwei Verlobungen werden geschlossen und Mary beendet endgültig die Beziehung zu Lord Gillingham. Tom entschließt sich, den Schritt in ein anderes Leben zu wagen und auch Daisy nimmt ihren Lerneifer wieder auf.

In dieser Episode war ebenso deutlich wie erfreulich, dass sämtliche Charaktere der Serie eine authentische Entwicklung vollziehen, parallel zu den historischen Ereignissen ihrer Zeit. Beispielsweise fällt Mary nach Matthews Tod in alte Muster zurück, was ihre Figur zwar einige Sympathiepunkte kostet, deren Entwicklung aber logisch und deshalb nachvollziehbar gestaltet wurde. Neben der schauspielerischen Darbietung von Maggie Smith ist außerdem die stimmige Chemie zwischen Rose und Atticus positiv zu erwähnen - das Paar harmoniert bislang sehr gut. Als einziger Wermutstropfen verbleibt die abermals groß angelegte Geheimniskrämerei um Edith und Marigold. Vielleicht kommt es ja schon in der finalen Episode zu einer Wende - es wäre wünschenswert.

Verfasser: Hannah Klein am Montag, 3. November 2014
Episode
Staffel 5, Episode 7
(Downton Abbey 5x07)
Deutscher Titel der Episode
Heiratspläne
Titel der Episode im Original
Episode 7
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Sonntag, 2. November 2014 (ITV)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 13. Mai 2015
Regisseur
Philip John

Schauspieler in der Episode Downton Abbey 5x07

Darsteller
Rolle
Laura Carmichael
Jim Carter
Raquel Cassidy
Brendan Coyle
Michelle Dockery
Kevin Doyle
Lily James
Rob James-Collier
Allen Leech
Phyllis Logan
Elizabeth McGovern
Sophie McShera
Lesley Nicol
Penelope Wilton

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