Saw X

Saw X

Saw X im Stream und auf DVD

Zwischen den Ereignissen von „Saw“ und „Saw II“ reist ein kranker und verzweifelter John Kramer nach Mexiko, um sich dort einer riskanten und experimentellen medizinischen Behandlung zu unterziehen, in der Hoffnung auf eine Wunderheilung für seinen Krebs, nur um herauszufinden, dass die gesamte Operation ein Betrug an den Schwächsten ist. Bewaffnet mit einem neuen Ziel, kehrt der berüchtigte Serienmörder zu seiner Arbeit zurück und dreht den Spieß um, indem er den Betrügern auf seine unverkennbare Art und Weise mit hinterhältigen, verrückten und genialen Fallen zu Leibe rückt.

Saw X Kritik

Saw X Kritik
Postermotiv zum Film „Saw X“
Lionsgate/Twisted Pictures

Filmkritik „Saw X" durch Mario Giglio exklusiv für Serienjunkies.de

Wer medizinische Betrügereien vorhat, sollte sich ganz genau überlegen, wen man damit übers Ohr hauen will. Warum es eine ganz miese Idee ist, sich ausgerechnet an John Kramer alias Serienkiller Jigsaw zu bereichern, verraten wir Euch im Review zu „Saw X“.

Zwischen 2004 und 2010 war jeden Oktober Verlass darauf, dass man sich einen neuen „Saw“-Film zu Halloween antun konnte. Diese Tradition wurde nach dem aus der Reihe tanzenden Teil „Spiral: From the Book of Saw“ in diesem Jahr nun wiederaufgenommen - zumindest in den Vereinigten Staaten, in denen kurz vor dem Horrorfest sogar schon die VoD-Veröffentlichung von „Saw X“ vonstattenging. In Deutschland dauerte alles etwas länger, weshalb der Film von Regisseur Kevin Greutert, der schon „Saw VI“ und „Saw 3D“ beigesteuert hatte, erst jetzt in die Kinos kommt.

Siehe auch: Die ultimative Jigsaw-Retrospektive - Alle Filme, alle Twists

Doch der zehnte Teil der Gore-Seifenoper ist kein Sequel, sondern ein sogenanntes Midquel, das zwischen dem ersten und zweiten Teil der Reihe angesiedelt ist. Man wollte nämlich erneut mit Original-Jigsaw Tobin Bell zusammenarbeiten, dessen Fallenbauer John Kramer eigentlich bereits in „Saw III“ das Zeitliche gesegnet hatte. Eine Entwicklung, die von den Executive Producern Mark Burg und Oren Koules mittlerweile bereut wird, wie sie vor einigen Wochen im Interview mit IndieWire zugaben, denn auch das Flashback-Konzept hatte man mittlerweile mehr als ausgeschöpft...

„Saw 1,5“

In „Saw X“ ist John längst tödlich an Hirnkrebs erkrankt und ärgert sich vor allem deshalb, weil er noch so viele Menschen zu quälen und töten beziehungsweise zu bekehren hatte. Durch einen Mann aus seiner Selbsthilfegruppe für Sterbende erfährt er von der experimentellen Behandlungsmethode eines Dr. Penderson aus Norwegen, dessen Tochter Cecilia (Synnøve Macody Lund) mit der nicht zugelassenen Methode auf Tour ist. So wird John kurzfristig nach Mexiko eingeladen, um sich für viel Geld unter gelblichem Mexiko-Filter unters Messer zu legen.

Als sich kurz darauf herausstellt, dass das Ganze ein großer Betrug ist, kontaktiert Jigsaw seine designierte Nachfolgerin Amanda Young (Shawnee Smith) und seinen polizeilichen Komplizen Detective Hoffman (nur per Telefon zugeschaltet: Costas Mandylor), um die Beteiligten ausfindig zu machen und für seine Spiele einzufangen. Von Logan Nelson, der in „Jigsaw“ aka „Saw 8“ nachträglich als erster Assistent und Akolyth enthüllt wurde, ist ulkigerweise überhaupt keine Rede mehr. Anscheinend will man die beiden Teile nach dem Ende der siebenteiligen Haupterzählung ein bisschen unter den Teppich kehren...

Szene aus „Saw X“
Szene aus „Saw X“ - © Lionsgate/Twisted Pictures

Saw X“ braucht jedenfalls dermaßen viel Zeit, um in die Puschen zu kommen und das Setup hinter sich zu bringen, dass man in den ersten Minuten (vermutlich hinterher) eine nichtkanonische Falle in den Film hineingeschrieben hat, die sich als Tagtraum von Jigsaw entpuppt. Dabei handelt es sich ausgerechnet um die Falle des Postermotivs. Ein diebischer Krankenhausmitarbeiter muss sich darin die Finger brechen, ehe seine Augen per Staubsauger aus dem Kopf genuckelt werden. Und das ist bei weitem nicht die am weitesten hergeholte Folterfalle des Films...

Die lange erste Hälfte gibt der mittlerweile 81-jährigen Horrorikone Tobin Bell ausnahmsweise die Chance, selbst Hauptcharakter zu werden und zu zeigen, was er schauspielerisch draufhat. Das ist später noch eine Art Kritikpunkt, kann aber erst mal kurz so stehenbleiben. Mutigerweise sah man sogar komplett davon ab, ihn oder seine Co-Star-Assistentin, die beide offensichtlich 20 Jahre älter sind als damals, per CGI oder übertriebenem Make-up jünger zu machen, so dass kein Ausdruck darunter begraben wird.

Die Fallen und der Twist

Ein Film der „Saw“-Dekalogie besteht vor allem aus zwei Zutaten: Handgemachte „Torture-Porn“-Fallen oder „Spiele“, die mit der Zeit immer unwahrscheinlicher wurden, und ein Twist, der einem am Ende noch mal den Boden unter den Füßen wegziehen soll. In der ersten Kategorie kann „Saw X“ sich zu den besten des Franchise zählen, in der zweiten zu den schwächeren.

Taxifahrer und Pseudodoktor Diego (Joshua Okamoto) muss sich eine Bombe aus dem Arm amputieren, die angebliche Medizinerin Valentina (Paulette Hernández) soll sich ein Bein absägen, um Knochenmark abzusaugen und nicht enthauptet zu werden, der fingierte Chirurg Mateo (Octavio Hinojosa) muss sich bizarrerweise den eigenen Schädel aufsägen, um Hirnmasse zu entnehmen und Assistentin Gabriela (Renata Vaca) kann sich vor tödlicher Bestrahlung retten, indem sie sich ihre Gliedmaßen bricht. Erst, als Mastermind Cecilia und ihr letzter Komplize selbst dran sind, in eine Blut-Waterboarding-Falle zu kommen, verläuft ausnahmsweise mal nicht alles wie vorgesehen. Aber natürlich hat John auch dafür einen Plan B...

Erinnert man sich daran zurück, wie Doktor Gordon (Cary Elwes) im ersten Film damit haderte, sich einen läppischen Fuß abzusägen, ohne (realistischerweise) ohnmächtig zu werden, sind viele dieser Aufgaben natürlich total hanebüchen. Das wissen die Macher:innen aber und wer für einen „Saw“-Film ins Kino geht, sollte das auch einfach akzeptieren. Dass die Reihe nicht gerade Grey's Anatomy ist, müsste sich mittlerweile rumgesprochen haben und ein Film, in dem an einer Stelle Eingeweide als Lasso benutzt werden, besitzt eine natürliche Obergrenze, wie ernst man ihn eigentlich nehmen kann.

Jigsaint

Viele Filmkritiker:innen sind mittlerweile der Auffassung, man könne gar keine Geschichten mehr über komplizierte Arschlöcher erzählen, egal, wie kritisch ein Film sie ins Visier nimmt, weil es immer reale edgelords gibt, die die Walter Whites, Tyler Durdens, Light Yagamis oder Jokers gerade für ihr Arschlochtum abfeiern. Diese Umkehrung eines intendierten Framings findet bei „Saw X“ aber überhaupt nicht statt, denn zu keinem Zeitpunkt ist der Film etwas anderes als John-Kramer-Fanfiction, die den Serienkiller zum Gerechtigkeit-in-die-eigenen-Hände-nehmenden-Herold hochstilisiert.

Tobin Bell und Shawnee Smith in „Saw X“
Tobin Bell und Shawnee Smith in „Saw X“ - © Lionsgate/Twisted Pictures

Das „Saw“-Franchise stellt sich immer besonders ungeschickt an, wenn es tiefgründig oder sozialkritisch sein will und ist am nervigsten, wenn es Jigsaw und seine Methoden als nachvollziehbar zu framen versucht. „Deep“ ist hier zum Glück überhaupt nichts, denn man hat einfach eine noch viel gehässigere Betrügerin als Schurkin erfunden, um John im Vergleich geradezu rechtschaffen aussehen zu lassen. Mildernde Umstände wie die Drogenkrankheit einer am Betrug Beteiligten werden mit einer kurzen Bemerkung über persönliche Verantwortung abgetan.

An dieser Stelle hätte man die Chance gehabt, Kramers fehlerhafte Philosophie auf den Prüfstand zu stellen und kritisch zu untersuchen oder ihn wenigstens einfach als Horrorbösewicht wie Michael oder Jason existieren zu lassen. Bis auf einen hysterisch inszenierten Einspruch von Amanda passiert das aber nicht... Am Ende wird Jigsaw als netter Onkel gezeigt, der dem traumatisierten Jungen, der in die Situation hineingezogen wurde, einen Haufen Geld als Trostpreis überreicht. Wenn das Franchise so weitermacht, rettet John in „Saw XI“ ein Waisenhaus und backt den Kindern am Ende noch einen Kuchen...

Fazit

Technisch gesehen und in fast allen Belangen ist „Saw X“ der gelungenste Film seit mindestens „Saw VI“ - und wer nur für die aberwitzigen Fallen ins Kino kommt, die wieder mit angemessen abartigen, handgemachten Spezialeffekten hergestellt wurden, bekommt hier seinen verspäteten Halloween-Fix. Wer aber ein Problem mit Jigsaws moralistischem Absolutismus hat, der in diesem Eintrag der Reihe fast unhinterfragt als heroisch dargestellt wird, um den pseudo-komplexen Serienkiller zu humanisieren, wird so stark mit den Augen rollen, dass sich der Kinosessel wie eine „Saw“-Augenfalle anfühlt.

Schade eigentlich, denn mit einem Tobin Bell, der noch nie so überzeugend war wie hier, hätte man sicher auch interessantere Wege einschlagen können, wenn das Franchise sich nicht bereits in die Sackgasse manövriert hätte.

Drei von fünf Eingeweidelassos gibt es dafür von uns. Happy Halloween nachträglicherweise!

Hier kannst Du „Saw I-VII (Blu-ray)“ bei Amazon.de kaufen

Saw X Trailer

Saw X Schauspieler

Tobin Bell

als John Kramer / Jigsaw

Shawnee Smith

als Amanda Young

Synnøve Macody Lund

als Dr. Cecilia Pederson

Paulette Hernandez

als Valentina

Steven Brand

als Detective Parker Sears

Michael Beach

als Henry Kessler

Joshua Okamoto

als Diego

Costas Mandylor

als Mark Hoffman

David Alfano

als Doctor

Soundtrack zum Film Saw X

Komponist: Charlie Clouser
1. Prognosis (02:35)
2. Henry Hope (03:54)
3. Meet Gabriela (03:27)
4. Tequila (10:22)
5. Craniotomy (02:34)
6. What Happens? (02:54)
7. Abandoned (02:50)
8. Hello Diego (04:02)
9. Skylight (13:07)
10. Main Room (05:30)
11. Hello Valentina (05:16)
12. Gabriela’s Next (03:36)
13. Parker Arrives (05:07)
14. Hello Mateo (06:52)
15. U Guys R Sick (01:57)
16. Hello Gabriela (05:45)
17. Playtime’s Over (09:26)
18. Blood Board (03:58)
19. Blood Board (Edit) (02:26)
20. Zepp X (05:54)
21. Walk Out (01:49)
22. Post Credits X (16:19)
Saw X: Original Motion Picture Soundtrack

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