The Walking Dead 9x01

The Walking Dead 9x01

The Walking Dead meldet sich mit der neunten Staffel zurück und wagt einen Sprung in die Zukunft. Einige Monate sind seit dem Krieg mit Negan und den Saviors vergangen. Doch die Konflikte brodeln weiter...

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „ A New Beginning“ (c) AMC
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „ A New Beginning“ (c) AMC
© zenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „ A New Beginning“ (c) AMC

Mit der Folge A New Beginning startet The Walking Dead in die mittlerweile neunte Staffel und schlägt dabei ein neues Kapitel auf. Der Konflikt mit den Saviors und Negan (Jeffrey Dean Morgan) ist vorbei, aber noch nicht ganz überwunden, denn ab und an tauchen noch unzufriedene einzelne oder auch Botschaften an den Wänden auf.

Unsere Gemeinschaften, wie Alexandria, wirken etwas haptischer und altmodischer. Statt mit Elektrizität wird das Tor wieder mit Händen geöffnet und mit Spikes versehen, wobei auch Solaranlagen und Windkraft offenbar in Gebrauch sind. Zudem herrscht eine unvertraute Harmonie, wenn etwa Judith und Michonne (Danai Gurira) ihre Zeit seelenruhig mit Malen verbringen können, während sich über den kleinen Wohlstandsbauch von Rick (Andrew Lincoln) lustig gemacht wird.

Daryl (Norman Reedus) ist derweil im Sanctuary heimisch geworden und gibt dort den Ton an, wobei auch Eugene (Josh McDermitt) weiter seine Experimentierfläche erhält. Die Krähen scheinen ein Problem zu sein, denn die Ernte ist mies, weswegen sie verscheucht werden müssen, wobei Daryl ein Problem damit hat, dafür Tote zu benutzen. Insgesamt fällt auf, wie emsig Daryl dahinter zu sein scheint, die Untoten mit einem Bolzen für immer ins Jenseits zu bringen.

Andere Überlebende sind Runner oder Scouts, so erkundet Tara (Alanna Masterson) die Gegend auf dem Rücken eines Pferdes, während bei Jesus (Tom Payne) die Jesus-Kicks zurück sind, die Aaron (Ross Marquand) gerne von ihm lernen würde. Die Gruppen, die weiterhin verteilt sind auf die Standorte Alexandria, das Hilltop, das Sanctuary und das Kingdom, haben sich recht gut organisiert und treffen sich in Washington, D.C., um im Naturkundemuseum einige Hilfsmittel für das weitere Überleben zu sichern. Es wundert einen vielleicht schon etwas, dass in den rund vier Jahren seit der Apokalypse niemand zuvor auf die Idee gekommen ist, aber sei es drum. Denn die gemeinsame Aktion liefert eine Metapher für den Zustand der Gruppe, die in der Vergangenheit der Zivilisation sucht, um die Gegenwart lebenswert zu machen. Es gilt, einen Planwagen, einen Pflug und ein Kanu herauszuholen, wobei der Glasboden Probleme bereitet und, wie es das Drehbuch so will, warten dort eine Reihe von Untoten darauf, dass die Gruppe sich in Schwierigkeiten begibt. Nebenbei bringt Showrunner Angela Kang in der ersten Folge unter ihrer Führung auch noch einen Untoten mit lauter Spinnen im Gesicht ins Spiel, was ein wenig zusammenhangslos erscheint, außer dass Siddiq (Avi Nash) so auch ein paar Dialogzeilen erhält.

Der Hintergrund des Museumsbesuch ermöglicht zudem, dass der Gruppe ein Spiegel vorgehalten wird: Man sollte aus den Fehlern der Vergangenheit lernen, um sie nicht zu wiederholen. Was auch beispielsweise Michonne später auf die Idee einer Verfassung/Charta bringt. Es gibt ein Wiedersehen mit Cyndie aus Oceanside, sie bringt zumindest Daryl dazu, sich an seinen Bruder Merle (Michael Rooker) zu erinnern und über einige Verluste auf den Weg hierher zu sinnieren.

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Szenenfoto aus der neunten Staffel von „The Walking Dead%26quot,
Szenenfoto aus der neunten Staffel von „The Walking Dead%26quot, - © AMC

Es ist übrigens Jadis aka Anne (Pollyanna McIntosh), die die Idee hat, den Ausflug ins Museum zu unternehmen, denn sie ist nicht nur Kunstfan, sondern war früher offenbar Lehrerin, die über hier versteckte Samen Bescheid weiß, die man hoffentlich ordentlich anbauen kann. Innerhalb von 18 Monaten hat sie sich von ihrer exzentrischen Seite befreien und sich dem Rest der Gruppe anpassen können. Und auch Demokratie wird teilweise groß geschrieben, denn im Hilltop fand eine Wahl statt, die Maggie (Lauren Cohan) gegen Gregory (Xander Berkely) für sich entscheiden konnte. Doch kurz zurück zur Planwagenaktion. Mit vereinten Kräften gelingt es, die Werkzeuge aus dem Museum zu schaffen, auch wenn Ezekiel (Khary Payton) zwischenzeitig durch den aufgesplitterten Glasboden bricht und nur mit Mühe und Not gerettet werden kann. Aber es bleibt festzuhalten, dass alles ohne großen Verlust der Hauptfiguren gelingt.

Auf dem Rückweg gibt es jedoch Komplikationen, denn offenbar hat ein Sturm dafür gesorgt, dass eine Brücke unpassierbar wurde, während der Matsch auf dem Weg zurück es erschwert, den Wagen ohne Komplikationen nach Hause zu bringen. Die Kutsche wird mit vereinten Kräften aus dem Matsch gezogen, doch die Untoten lauern trotzdem und beim Versuch, ein Pferd zu retten, wird der junge Ken (ein Rando, wie er im Buche steht, gespielt von AJ Achinger) gebissen und stirbt. Weil so viel Zeit vergangen ist, trauern Maggie und Co um ihn, aber uns steht dieser Luxus nicht zu, wir kennen ihn ja kaum zehn Minuten, weswegen der Tod keinen großen erzählerischen oder emotionalen Mehrwert hat. Dennoch tritt er im Hilltop doch eine Kette von Ereignissen los, die vor allem Maggie zu spüren bekommt.

Ezekiel nutzt die neue Chance aufs Leben derweil dafür, um Carol (Melissa McBride) einen Antrag inklusive Ring zu machen. Die pragmatische Überlebende liebt den König zwar schon, allerdings sieht sie die Nachteile darin, einen Ring beim Überlebenskampf zu tragen und findet die romantische Geste insgesamt auch etwas überzogen - aber das ist es, was sie bekommt, wenn sie sich auf den theatralischen Herrscher des Kingdom einlässt...

Route A, B, C oder D?

Ebenfalls lobenswert ist es, dass die Gruppen ihre Kommunikation und ihre Planung insgesamt verbessert haben. Routen werden ergründet, sauber gehalten und Buch über sie geführt. Unpassierbare Wege werden gekennzeichnet und Strategien im Verbund besprochen. Dazu wird auch ein Jobsystem aufgebaut, in dem etwa Schmiede ausgebildet werden, während das Sanctuary offenbar ein unliebsames Überbleibsel ist, das immer wieder für Probleme sorgt. Entweder, weil dort Unzufriedenheit herrscht, die Nahrung nicht ausreicht oder jemand der Meinung ist, dass die Menschen von der harten Arbeit anderer profitieren.

Sie haben Kenny getötet?!?

So geht es auch den Eltern von Ken. Denn Tammy (Brett Butler) und Ehemann Earl (John Finn), übrigens der örtliche Schmied, sind nur ganz einfache Überlebende, die wahrscheinlich noch aus der Ära unter Gregory übriggeblieben sind. Sie trauern um ihren Sohn, sind mit der Gesamtsituation unzufrieden, wollen aber Maggie gegenüber auch nicht undankbar sein, auch wenn es aktuell den Anschein macht, dass sie selbst in der Gemeinschaft keine großen Leistungen erbringen. In Zeiten von Trump entgehen einem natürlich auch nicht die Untertöne, die Tammy anbringt, weil sie sich vom Demagogen Gregory einlullen lässt, dem es vordergründig um die Menschen von Hilltop geht und nicht die Schmarotzer aus dem Sanctuary, wobei er kurze Zeit zuvor natürlich selbst bei diesen ein Mitläufer sondergleichen war... Aber solche Leute haben eben auch ihren Platz in einer Demokratie.

Ken wird beerdigt, wobei Maggie nicht erwünscht ist, dafür demonstriert Alden (Callan McAuliffe) sein verborgenes Talent als Sänger und Gregory richtet ein paar Worte des Trosts an die Trauernden. Später nutzt er im Privaten die Stimmung, um gegen Maggies Wahl zu schießen, er behauptet etwa, dass die Auszählung durch Jesus manipuliert wurde und schafft es mithilfe von Alkohol und seiner spitzen Zunge, Earl zu einem Angriff auf Maggie zu bringen. Die lässt sich in die Falle locken, weil Gregory behauptet, dass das Grab ihres Ehemanns Glenn (Steven Yeun) Opfer von Vandalen geworden wäre.

Durch den Eingriff von Enid (Katelyn Nacon) und Alden gelingt es, Earl zu überwältigen, wobei Maggie natürlich ahnt, wer der wirkliche Drahtzieher ist. Eine abgewendete Messerattacke später wird Gregory von Maggie zum Tod durch Erhängen verurteilt und kaum jemand in der Zuschauerschaft dürfte darüber allzu traurig sein, sondern sich dagegen eher fragen, warum man ihm überhaupt so viel hatte durchgehen lassen. Damit gibt es ein Problem weniger in der Welt, um das sich Maggie sorgen muss.

Famous Rick Grimes

Szenenfoto aus der neunten Staffel von The Walking Dead
Szenenfoto aus der neunten Staffel von The Walking Dead - © AMC

Rick wird bei seinem Besuch im Sanctuary wie ein Kriegsheld verehrt, was ihm sogar etwas unangenehm ist. Er verspricht aber, sich um die Probleme der Leute zu kümmern. Daryl möchte derweil nicht mehr das Sagen dort haben, sondern wie früher die Freiheit draußen genießen. Während fast alle anderen Figuren zu Fuß oder zu Ross unterwegs sind, darf er auf seinem lauten und spritfressenden Motorrad bleiben, schauen wir mal, wie lange das noch geht. Da müsste man konsequenter sein, auch wenn die Fans und der Schauspieler selbst es wohl lieben, auf dem Feuerstuhl zu sitzen. Carol belauscht das Gespräch zwischen Rick und Daryl und bietet ihrem Freund an, das Kommando zu übernehmen, auch wenn es heißt, getrennt von Partner Ezekiel zu sein. Eigentlich ist es eine spannende Idee, zu sehen, wie Carol sich als Person an der Spitze macht. Vielleicht kriegt sie auch die Vandalen in den Griff oder aber es gibt Widerstand durch übriggebliebene Negan-Treue...

Szenenfoto aus der neunten Staffel von The Walking Dead
Szenenfoto aus der neunten Staffel von The Walking Dead - © AMC

Michonne, die schon seit längerer Zeit als Überlebende mit moderater politischer Einstellung charakterisiert wird, äußert beim Zubettgehen gegenüber Rick ihre Momente der Zweifel an der Entscheidung, Negan am Leben zu lassen. Sie schlägt, wie kurz bereits beschrieben, eine Art von Charta oder Konstitution vor, die die Grundregeln des Zusammenlebens und die Konsequenzen bei Zuwiderhandlung festlegen soll. Das Problem dabei ist nur: Kann Rick das einfach entscheiden? Eine Nacht später geschieht nämlich die bereits angesprochene Exekution Gregorys, die nach Michonnes Regeln eventuell nicht stattgefunden hätte...

Zudem fordert Rick Unterstützung bei Maggie, deren Hilltop aktuell der Ort ist, dem es am besten geht. Er will die kaputte Brücke in Stand setzen und verlangt nach Nahrungsrationen für das Sanctuary. Diplomatie eben. Maggie fährt aber eine harte Linie. Sie ist bereit zu helfen, aber verlangt, was ja auch durchaus vernünftig ist, eine Gegenleistung dafür: Arbeitskraft und Treibstoff aus dem Sanctuary. Rick glaubt zwar, dass das Sanctuary schon am Limit agiert, aber dennoch scheint es in meinen Augen vernünftig zu sein, eine Art Handel zu schließen, der nicht nur einseitig aufgebaut ist. Außerdem will Maggie, dass Rick endlich sein vor langer Zeit gegebenes Versprechen einhält und sie jetzt führen lässt. Nun, da Baby Hershel da ist, fordert sie dies ein. Kann man sich also auf eine Lösung einigen oder brodelt hier der nächste große Konflikt zwischen den beiden langjährigen Weggefährten?

Fazit

Szenenfoto aus der neunten Staffel von The Walking Dead
Szenenfoto aus der neunten Staffel von The Walking Dead - © AMC

The Walking Dead ist also wieder da und wagt einen Neuanfang, der auch einen Wiederaufbau zivilisatorischer Strukturen vorsieht. Dabei hat das neue Kapitel durchaus Potential, was die Anpassung an die äußeren Umstände angeht, etwa die Ressourcenknappheit, lässt aber weiter auf einer emotionalen Ebene zu wünschen übrig. Der Verlust von Ken und der Konflikt mit Tammy, Earl und Gregory kommen gefühlt aus dem Nichts, werden dann aber andererseits immerhin auch recht kompakt abgehandelt, um Maggies Standpunkt mehr Profil zu verschaffen.

Trotz der vielen Kritik bin ich aber doch zunächst offen und positiv gestimmt, wie man die neue Situation angehen will. Etwas mehr Charakterarbeit und etwas weniger A-Team könnten der Serie guttun, wobei gegen Action an sich nichts einzuwenden ist, wenn sie nicht jeglicher vorher etablierter Logik entbehrt, wie es in Staffel 8B am Ende doch zu häufig der Fall war.

Mit dem Schritt zurück zu den Grundregeln des Überlebens, etwas mehr politischen Streitereien und dem Fokus auf einige sträflich vernachlässigte Figuren, könnte man auch in Staffel neun noch Spannung aus der Zombieserie holen.

Der Trailer zur nächsten Episode der US-Serie The Walking Dead, The Bridge (9x02):

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 8. Oktober 2018

The Walking Dead 9x01 Trailer

Episode
Staffel 9, Episode 1
(The Walking Dead 9x01)
Deutscher Titel der Episode
Ein neuer Anfang
Titel der Episode im Original
A New Beginning
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 7. Oktober 2018 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 8. Oktober 2018
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 8. Oktober 2018
Autoren
Angela Kang, Angela Kang
Regisseur
Gregory Nicotero

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 9x01

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