The Walking Dead 8x16

© zenenfoto aus der âThe Walking Deadâ-Episode âWrathâ (8x16) (c) AMC
Die Handlungen aus All-out-War sind sowohl fĂŒr die TV-Serie als auch fĂŒr die Comicreihe, auf der The Walking Dead basiert, ein Wegweiser. Die Zombieserie „The Walking Dead“ beendet mit der Folge Wrath einen der lĂ€ngsten Handlungsbögen in ihrer Geschichte und ermöglicht mit der bereits bestellten neunten Staffel unter Showrunner Angela Kang, die Scott M. Gimple dann ablöst, einen Neuanfang. Viele Zuschauer haben sich genau das auch gewĂŒnscht, nachdem besonders die erste HĂ€lfte der achten Staffel qualitativ zu wĂŒnschen ĂŒbrig gelassen hatte.
Tell me how it happened
Zu einem Neuanfang gehört auch, sich an die eigene Menschlichkeit zu erinnern und an die Menschen, die einem mal etwas bedeutet haben. Ein Leben in der Zombieapokalypse sorgt nĂ€mlich dafĂŒr, dass der Tod zur traurigen RealitĂ€t wird und man ob der Gefahren, die da lauern, vergisst, was einem die Verstorbenen einmal wert waren. Rick und sein Arc in Staffel 8B sind das beste Beispiel dafĂŒr, wobei man natĂŒrlich die Autoren dafĂŒr kritisieren kann, wie lang und unausgewogen sie seine Trauerarbeit plattwĂ€lzen. Es ist verstĂ€ndlich, dass sie Rick mit Handlung fĂŒr acht Episoden versorgen wollen und ich glaube auch, dass es auf dem Papier sinnvoll erscheint, allerdings ist die Balance verschoben, die es dem Zuschauer ermöglicht, Empathie zu empfinden. Rick ist in der TV-Version immer die Figur gewesen, die fĂŒr das Wohl der Gruppe ĂŒber Leichen geht. Die Dauer, bis er jedoch realisiert hat, was Carls Ableben bedeutet, fĂŒhlt sich fĂŒr mich als Zuschauer eindeutig zu lang an.
Er hat auch schon vorher verstanden, was Carls Opfer bedeutet hat, denn er hat sein Leben schlieĂlich fĂŒr einen Fremden geopfert, doch erst Siddiqs (Avi Nash) ErzĂ€hlung rund um die Erinnerung an seine Mutter und ihre Botschaften lĂ€sst Rick vollends verstehen. Das erinnert an Missions-Checkpunkte in manchen Videospielen. Als Spieler hat man es schon lĂ€ngst begriffen, dennoch wollen die Programmierer, dass man alle Punkt abhakt, ehe die Mission weitergehen kann. Nach einem solchen Verlust bleiben eben nur die Ideen, die Erinnerung, schöne Momente und ihre Moral als VermĂ€chtnis fĂŒr die Nachwelt ĂŒbrig. Sehr viel simpler und schöner wird dieses eigentlich komplexe Thema zum Beispiel im Pixar-Film „Coco“ verarbeitet.
Final Countdown
WĂ€hrend Henry (Macsen Lintz) sich relativ sicher ist, dass die Schlacht gewonnen werden kann, bleibt Ezekiel (Khary Payton) in seiner theatralischen Rolle, die ihn sich wohlfĂŒhlen und die harte RealitĂ€t verdrĂ€ngen lĂ€sst, wĂ€hrend Jerry (Cooper Andrews) ihn schön auf den Boden der Tatsachen zurĂŒckholt und bodenstĂ€ndiger an einen Sieg glaubt. Der RealitĂ€tscheck wird jedenfalls mit einem fist bump zur Kenntnis genommen. Einen RealitĂ€tscheck hat auch Morgan (Lennie James) nötig, der weiter Tote sieht und glaubt, unsterblich zu sein, aber fast den kleinen Henry erwischt und auĂerdem die gefangenen Saviors attackieren möchte. Es ist also unklar, ob er Teil des Kampfes werden sollte, bis er Rick seine Sicht der Dinge erlĂ€utert. Die seelische Rettung fĂŒr Morgan wird schwer, denn er hat alles verloren, was ihm wichtig ist. Rick hat noch eine Chance. Wird er sie nutzen?
Die Machthaber bei der Alexandria-Hilltop-Kingdom-Fraktion Ă€uĂern ihre Bedenken, ob man Dwight (Austin Amelio) und Gregory (Xander Berkeley) mit Informationen bezĂŒglich Negan vertrauen kann, was sich zufĂ€llig als richtige Intuition herausstellt.
Plan D
In der Sanctuary werden die Truppen ebenfalls auf den Kampf vorbereitet. Dwight trĂ€gt das A-Outfit, das auch schon Daryl einst tragen musste und das signalisiert, dass sĂ€mtlicher Respekt fĂŒr ihn verstrichen ist. Dennoch will Negan, dass er zusieht, wie sein Verrat verpufft. Eugene (Josh McDermitt) demonstriert Negan derweil seine Produktionscharge frischer Patronen, die er an einem Rick-Dummy aus Stroh testen darf, auĂerdem gibt er auch noch eine Idee fĂŒr eine Angriffsformation an Negan weiter, die den eigentlichen Kampf auf ein Minimim reduzieren soll.
Negan selbst will vor dem Endkampf noch mal beichten und hat passenderweise Gabriel (Seth Gilliam) in der NĂ€he. Dabei spricht er von einer Falle in der Falle. Denn er hat in Betracht gezogen, dass die Hilltopper die Angriffsinfos infrage stellen und opfert eine alte Crew von Simon, um weitere Fehlinformationen zu streuen. Gabriel will seine Freunde warnen und stĂŒrzt sich aus einem fahrenden Auto, kann jedoch nicht entkommen, weil Negan, Eugene und Laura den fast blinden Pfaffen prompt einholen und wieder einkassieren. Negan lĂ€sst ihn aber wieder einmal mit ein paar Schrammen am Leben.
Das Wort Jesu
Morgan erhĂ€lt Hilfe von einer naheliegenden Person, die zuletzt aber nur eine Randrolle gespielt hat. Jesus (Tom Payne) holt ihn aus seiner Wahnvorstellung heraus und schlĂ€gt ihm vor, wieder moderater zu werden, was seine GewaltausbrĂŒche angeht. Die stumpfe Seite seines Bo soll fĂŒr Menschen und die Spitze fĂŒr Untote reserviert sein, wie es bereits war, bevor die Saviors ihn von seinem Zen-Weg abgebracht hatten. Simpel, aber doch effektiv. Praise Jesus! Das denkt auch Carol, die hofft, dass Morgan wieder mentale Gesundheit erlangen kann.
Angriff!

Negans Taktik geht auf und Rick und seine besten KĂ€mpfer warten auf einem offenen Feld auf den Feind, wĂ€hrend eine zweite Gruppe in Hilltop angreift, dort aber geflĂŒchtet wird. Negan macht per Walkie-Talkie und Megafon deutlich, dass er ĂŒberall ist und durch Eugenes Munition die Oberhand hat. Entsprechend kokettiert er auch mit Ricks Freunden Dwight, Eugene und Gabriel, die er opfern möchte, um Rick zu zeigen, was VerrĂ€tern blĂŒht. Sein Countdown fĂŒhrt allerdings nur ins eigene Verderben, denn Eugene hat die Munition so manipuliert, dass sie in den HĂ€nden der Angreifer hochgeht und sie quasi kampfunfĂ€hig macht. Bei Negan sieht es sogar nach dem Verlust eines Fingers aus, was Dwight und Gabriel die Chance auf einen Erstschlag gegen Negan ermöglicht, wĂ€hrend Rosita Eugene rettet, den sie hinter der Aktion vermutet.
NatĂŒrlich sind auch die Frauen aus Oceanside pĂŒnktlich zur Finalschlacht vor Ort und haben Molotowcocktails mitgebracht, um die Angreifer einzuschĂŒchtern. Laura und die Saviors um sie bemerken, dass die Schlacht verloren ist und geben auf.
Glaube an die Zukunft

Das Finale löst auch den Rote-Augen-Rick auf, dem wir im Staffelauftakt zum ersten Mal begegnet waren. Die Auflösung ist natĂŒrlich weniger drastisch, als die Autoren angedeutet haben. ZunĂ€chst gibt Negan jedoch zu, dass sein AbzĂ€hlreim keine Bewandtnis hatte, fĂŒr seine Auswahl beim Line-up, bei dem Abraham und Glenn gestorben sind. Vielmehr wollte er damals nicht den Vater vor den Augen seines eigenen Kindes töten, was er spĂ€ter bereut. Rick versucht, Negan mit Carls Andenken zu besĂ€nftigen, wofĂŒr er zehn Sekunden haben möchte und behauptet, dass es eine Zukunft ohne Kampf geben kann. Negans Zögern nutzt er, um ihm die Kehle aufzuschlitzen und den Kampf fĂŒr sich zu entscheiden. Seine Lektion ist jedoch Negan nicht zum MĂ€rtyrer werden zu lassen, sondern Siddiq soll ihn versorgen, damit er zum Mahnmal wird, fĂŒr die bessere Zukunft. Das verkraftet vor allem Maggie (Lauren Cohan) nur schwer, die Gerechtigkeit fĂŒr Glenn verlangt. Den restlichen Anwesenden verspricht Rick eine neue Ăra und eine bessere und fairere Zukunft, in der höchstens die Toten der Feind sein sollten.
Ende gut, gar nichts gut?
Eugene gibt gegenĂŒber Rosita zu, dass Gabriel ihn zu seinem Munitionstrick inspiriert hat. Dazu kamen ihre Informationen, die ihn seinen Plan haben umsetzen lassen. NatĂŒrlich erklĂ€rt das nicht, warum er sie ankotzen musste oder warum er sein Leben dennoch riskiert hat, auĂer um seine GlaubwĂŒrdigkeit zu bewahren, wenn andere VerrĂ€ter im Begriff sind aufzufliegen. DafĂŒr kassiert Eugene aber auch eine ordentliche Faust ins Gesicht.
Morgan beschlieĂt nach der Schlacht, einen Neuanfang in Isolation zu wagen. Seine Reise geht, wie wir wissen, bei Fear the Walking Dead weiter. Vorerst macht er es sich auf der MĂŒllhalde von Jadis (Pollyanna McIntosh) bequem, die von Rick eine Einladung fĂŒr einen Neuanfang erhĂ€lt und dabei ihren echten Namen, Anne, verrĂ€t.
Dwight ist bereit, nach der gewonnen Schlacht mit den Konsequenzen zu leben, doch Daryl gibt ihm einen AutoschlĂŒssel und die Möglichkeit, nach seiner Exfrau Sherry zu suchen, die ihn in ihrem Versteckt auch eine Botschaft hinterlassen hat, welche ihn positiv stimmt. Sollte Daryl Dwight jedoch wiedersehen, droht er mit Konsequenzen. Das Kingdom wird derweil von Jerry, Carol, Henry und Ezekiel wieder neu aufgebaut, wĂ€hrend die Frauen in der Sanctuary nun das Sagen zu scheinen haben, denn hier sind Tara und Rosita sowie Frankie und Tanya, aber auch Laura und ein Bus weiterer zugegen, die die zerschossenen Scheiben nun durch neue ersetzen können und die Sanctuary auch sonst neu aufbauen. Wie poetisch... (?)

Ex-Savior Alden (Callan McAuliffe) will im Hilltop bleiben, hat sich das von Georgie hinterlassene Buch durchgelesen und will sich beim Neuaufbau nĂŒtzlich machen, wenn Maggie das zulĂ€sst. Maggie bedankt sich in einer konspirativen Sitzung zwar bei Jesus dafĂŒr, dass er sie ĂŒberzeugt hat, die Gefangenen am Leben zu lassen, ist jedoch bei Negan anderer Meinung und möchte Hilltop stĂ€rker und besser machen und irgendwann Rick und Michonne zeigen, dass es ein Fehler war, Negan am Leben zu lassen. Auch Daryl scheint Ă€hnlicher Meinung zu sein. Will man hier tatsĂ€chlich einen Konflikt innerhalb der beiden Gruppen aufbauen? Ist das nötig? „The Walking Dead“ goes Civil War? Der Comic bietet da noch eine andere Option, die man hier jedoch bislang noch nicht vorbereitet, wĂ€hrend die Georgie-Situation eher sehr weit vorgreift.
Michonne und Rick wollen Negan nĂ€mlich als Gefangenen dabei zusehen lassen, wie falsch der AnfĂŒhrer der Saviors mit seinem Ansatz lag und Carls Traum doch zur Wirklichkeit werden lassen. Ich bevorzuge die Lösung rund um Negan, weil es die nicht offensichtliche Variante ist und diejenige, die fĂŒr mehr ReibungsflĂ€che sorgt, aber auch dazu zwingt, die alte Gesellschaftsordnung nicht zu vergessen, auch wenn zwischendrin die Moral und der Anstand ausgeblendet wurden. Wenn die Spirale des Mordens immer weitergeht, dann hat man am Ende keine Zivilisation oder keine demokratisch orientierte Gemeinschaft, sondern das biblische Auge um Auge, das immer wieder zur Wiederholung der alten Fehler fĂŒhren dĂŒrfte. Was die Showrunner und Autoren daraus machen, muss sich selbstredend erst einmal zeigen.
Remix oder Adaption?

TatsĂ€chlich haben sich Scott Gimple und Co in der von Greg Nicotero inszenierten Finalepisode also fĂŒr die Variante entschieden, die auch im Comic prĂ€sentiert wird. Das war eigentlich fast nur folgerichtig, denn sonst hĂ€tte Morgan vor einigen Staffeln umsonst die Zelle gebaut. Man hĂ€tte vermuten können, dass die Macher auf die sinkenden Einschaltquoten, das Fanfeedback bezĂŒglich der QualitĂ€t und der Figur Negan reagieren und einen anderen Weg einschlagen, allerdings ist die Staffel oder Halbstaffel meist schon geschrieben oder gedreht, ehe die Folgen ausgestrahlt werden. Eine Reaktion wĂ€re also erst spĂ€ter möglich. Mit der neunten Staffel hat man nun viele Möglichkeiten und den Chance auf einen Neuanfang. Denn bestimmte Faktoren, die im Comic das Ăberleben von Negan durchaus faszinierend machen, sind in der TV-Serie allein durch den Verlust von Carl nicht mehr möglich. NatĂŒrlich kann man dafĂŒr auch andere Figuren nutzen. Figuren wie Merle, Daryl, Tara, Simon, die im Comic nicht existieren, aber auch Carol, Morgan, Michonne, Dwight, Andrea, Sophie und Eugene, deren Weg sich sehr deutlich von der Vorlage unterscheidet, haben das schon bewiesen und halten die Serie so auch fĂŒr Comicleser spannend.
Was jetzt?

Prinzipiell könnte man als Zuschauer diese Folge auch als Serienfinale auffassen und die Serie hinter sich lassen, denn so gut wie alle wichtigen HandlungsstrĂ€nge erhalten einen Abschluss. Manche ermöglichen natĂŒrlich eine Fortsetzung, aber immer wieder liest man, dass Zuschauer nur dran bleiben, um zu sehen, wie das Ganze enden wird. Aber was erwartet man eigentlich fĂŒr ein Ende von „TWD“? Die Heilung der Zombie-Seuche? Das wĂ€re zu simpel. Den Wiederaufbau einer Gesellschaft? Das schon eher. Allerdings mĂŒsste man zu einem Punkt kommen, wo einige alte ZustĂ€nde wiederhergestellt sind und man ein System findet, um der Untoten bis zu einem gewissen MaĂe Herr zu werden. Einen perfekten Schutz wird es wohl nie geben, aber eine AnnĂ€herung daran ist durchaus möglich. Die Comicvorlage nutzt den Schnitt nach dieser Storyline jedenfalls fĂŒr spannende Experimente, die ich gerne gelesen habe, hier aber noch nicht verraten will.
Ich bin gespannt, ob man die kreative Kurve in Staffel neun noch einmal bekommt. Es ist Ă€uĂerst selten, dass die Einschaltquoten nach einem Höhepunkt und einer schleichenden Erosion in einer spĂ€teren Staffel noch einmal signifikant und nachhaltig ansteigen. Deswegen und wegen des Alters der Serie denke ich, dass es nur noch wenige Staffeln von The Walking Dead geben wird. Vielleicht ist das Crossover auch schon der Beginn eines letzten Masterplans fĂŒr einen groĂen Abschied vom einst so dominanten Zombiefranchise. Ein Fokus auf die simplen Probleme und die menschliche Seite des Konflikts könnten der Serie jedenfalls guttun und ihr noch das eine oder andere Jahr on air sichern.
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 16. April 2018The Walking Dead 8x16 Trailer
(The Walking Dead 8x16)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 8x16
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