The Walking Dead 8x15

The Walking Dead 8x15

In der The-Walking-Dead-Episode Worth schlagen die Saviors zurück. Oder: Sie versuchen es zumindest. Denn interne Streitigkeiten und äußere Einflüsse führen zu großen Umbrüchen und das kurz vor dem großen Staffelfinale.

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Worth“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Worth“ / (c) AMC
© zenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Worth“ / (c) AMC

Die The Walking Dead-Episode Worth bereitet das große achte Staffelfinale vor und beendet hoffentlich somit auch die All-out-War-Storyline, die diese achte Staffel geprägt hat. Dabei passieren durchaus einige monumentale Ereignisse und die Autoren finden - zumindest in manchen Storylines - zu alter Stärke zurück, denn einige aufgebaute arcs erhalten einen befriedigenden pay-off.

Unbeschwerte Jugend - Carls Brief an Rick

Fast eine halbe Staffel hat es gedauert, bis Rick (Andrew Lincoln) sich Carls (Chandler Riggs) Abschiedsbrief widmet. Den Verlust hat er größtenteils mit Rache, Mord und Totschlag verarbeitet, also eigentlich mit dem genauen Gegenteil dazu, was Carl gewollt hätte. Carls Brief setzt an seinem 8. Geburtstag an und erinnert seinen Vater an die unbeschwerte Zeit, die man vor der Zombie-Apokalypse hatte - mit Pizza, Eis und Familienabenteuern. Eine Zeit und etwas, was laut Carl, dem großen kleinen Mann, wieder erlangbar wäre, wenn die Streithammel Frieden schließen könnten und sich auf das große Ganze konzentrieren würden, statt auf Kriege und Fehden. Die Untoten haben alle schon so viel genommen, vielleicht ist es an der Zeit, an die von Jesus angedeutete, größere Welt zu denken. So etwas wie eine Zivilisation 2.0.

Der Impuls vieler Menschen, die mit Negan (Jeffrey Dean Morgan) zu tun bekommen, ist, ihn töten zu wollen, er macht es einem aber auch schwer mit seinem Ansatz, der so viele Abgaben von denen verlangt, auf die er trifft. Carl denkt bei seinen Worten auch an seine kleine Schwester, die Ricks vorerst letzte Chance ist, die noch gar nicht richtig mitbekommt, was um sie geschieht. Sie könnte die erste einer Generation sein, die zwar mit Vorsicht großgezogen wird, aber nicht mit völliger Angst vor Menschen und Untoten. Aber kommt diese Botschaft auch bei Rick an? Michonne (Danai Gurira), die schon eher Carls Vision verinnerlicht hat, versucht, Rick seine Trauerzeit zu geben, aber gleichzeitig auch an das Danach zu denken, denn neben einem Brief an Rick gibt es auch einen an Negan.

I am Negan now

Gregory (Xander Berkeley) hat es zur Sancutary geschafft, er ist allerdings nicht Negans mysteriöser Anhalter, wie sich im Gespräch mit Simon (Steven Ogg) zeigt, der immer noch annimmt, dass Negan im Kampf mit Rick verschollen oder gestorben ist. Die Dynamik zwischen den beiden ist relativ interessant und verschiebt sich unerwarteterweise genau dann, als Gregory erfährt, dass Negan aus dem Spiel ist und Simon das Sagen haben könnte. Plötzlich ist er nicht mehr kleinlaut und demütig, sondern macht auf dicke Hose und testet die Geduldslimits. Eigentlich hat Simon vor, Gregory ebenfalls aus dem Verkehr zu ziehen, weil das politisch der beste Zug wäre, doch dann folgt ein verbales Comeback („I am the Juice!“), das sich sehen lassen kann, was Simon jedoch sofort im Keim erstickt und ihn immerhin zum Kaffeepraktikanten macht.

Aaron allein im Wald

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Worth“
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Worth“ - © AMC

Die Episode ist auch so schon voll und wieder überlang, aber die Autoren halten es für angemessen, dass eine C-Storyline rund um Aaron (Ross Marquand) ebenfalls noch Platz hat. Die Frauen von Oceanside halten Ausschau nach dem unwillkommenen Gast, lassen ihn dann aber gegen eine Handvoll Untoter um sein Überleben kämpfen. Das sorgt zwar dafür, dass es noch ein paar mehr Walker gibt als im bisherigen Staffelschnitt. Aarons Part wirkt, wie schon vor einigen Episoden, fehl am Platz. Die Quintessenz ist, dass er bewusstlos wird, nach seiner Anstrengung und den Frauen dann mansplaint, warum sie gegen die Saviors aufbegehren sollten. Mit Enid oder einer weiblichen Figur würde das in meinen Augen besser funktionieren. Auch wenn Aaron ein guter Mensch mit besten Absichten ist, fühlt sich das in diesem Fall falsch an.

Mean Eugene

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Worth“
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Worth“ - © AMC

Bei Munitionsspezialist Eugene (Josh McDermitt) gibt es zu feiern, dass er sein Geheimrezept für Mac and Cheese mit Sardinen und Knoblauch als Daueressen für den Rest der Schicht durchdrücken kann. Frankie (Elyse Nicole DuFour) und Tanya (Chloe Aktas) sind von diesem gewöhnungsbedürftigen Gericht eher nicht überzeugt. Eugene führt sich unter Simon wieder wie der größte und schlauste auf, weiß aber, dass er die geforderte Munitionslieferung nicht schaffen kann. Seine Laune lässt er an Gabriel ab, der weiterhin gesundheitlich nicht auf dem Damm ist, aber immerhin Widerstand leistet, indem er minderwertige Kugeln produziert. Dafür wird er seiner Aufgabe entbunden. Der Geistliche glaubt inzwischen wieder an eine Bestrafung Gottes, dass er in der Hölle namens Sanctuary feststeckt und ihn der Heiland wieder für seine schlimmen Taten prüfen will.

Eugene will sehen, wie minderwertig Gabriels Arbeit ist und eigentlich die Patronen testen, wird dann aber Daryl (Norman Reedus) und Rosita (Christian Serratos) abgefangen, die ihn entführen wollen und so Negans Plan sabotieren möchten.

Hatte ich zuvor immer wieder Hoffnung darauf, dass Eugene vielleicht nur so tut, als würde er für Negan arbeiten, haben sich die Hinweise doch gehäuft, dass er tatsächlich übergelaufen ist. Der Höhepunkt war sein Vorschlag, die anderen mit Zombieinnerein zu infizieren. Es liegt in seiner Natur, um Gnade zu winseln und sich zu verteidigen, aber es ist ein Fehler, Rick die Schuld für den eskalierenden Konflikt zu geben. Sowohl Rosita als auch Daryl hassen ihn für seine Taten und würden ihn am liebsten erledigen, wenn er denn nicht leider der einzige mit kreativen Einfällen wäre, die sich auch umsetzen lassen. Rosita schwebt eine Gefangenschaft vor, alternativ muss er eben dran glauben. Rosita und Eugene sind damit - anders als im Comic - maximal auseinander und können sich überhaupt nicht mehr leiden. Das gipfelt in einem ekligen Spontaneinfall von Eugene, als er sich die Finger in den Hals steckt und Rosita zur Ablenkung ankotzt. Außerdem kämpft er nun mit Jadis um die Krone, wer sich besser verstecken/tarnen kann, denn unter einem Haufen Asche beziehungsweise menschlichen Überresten, kann er seinen Verfolgern, immerhin zwei der besten Fährtenleser der Serie, entkommen. Dieser ganze Exkurs bekräftigt Eugene dann umso mehr, alles für Negan und dessen Racheplan zu geben und die Munition termingerecht abzuliefern.

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Worth“
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Worth“ - © AMC

Verräter unter sich

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Worth“
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Worth“ - © AMC

Negan überrascht Dwight (Austin Amelio) mit seiner Rückkehr und spielt geschickt damit, ob er ahnt, was er in der letzten Zeit getan hat. Dwight kann von dem Anhalter noch nichts wissen, merkt aber, dass die Luft für ihn dünn wird. Gleichzeitig versucht Simon, seine Haut zu retten. Doch Negan treibt ein undurchsichtiges Spiel. Zunächst verzeiht er Simon angeblich dafür, was er mit Jadis' Gefährten getan hat. Das erinnert Negan außerdem daran, dass Simon derjenige war, der den großen Mord an allen Männern und Jungs in Oceanside abgezogen hatte, was sogar noch vor Negans Zeit bei den Saviors war. Er hat den Laden übernommen und sich vorgenommen, Simon im Auge zu behalten. Statt ihn jedoch enge Bekanntschaft mit Lucille machen zu lassen, lässt er ihn gehen. Wohlwissend, dass er den Aufstand probt, denn das hat ihm Dwight verraten, der Interesse zeigt, mit ihm und einigen Getreuen Negan zu stürzen, diesen aber nun doch vorher eingeweiht hat. Dwights Handlung ergibt Sinn, jedenfalls mehr als bei anderen Figuren. Er weiß, dass Simon vorhat, Hilltop und alle, die dort leben, umzubringen, weswegen das Einspannen von Negan sinnvoll erscheint. Immerhin wird ein Gefahrenherd so ausgeschaltet.

Allerdings wird Negan zum ersten Mal als wirklich guter Taktierer gezeigt, als er seinen Angriffsplan vor versammelter Meute zeigt, mit Zehnerteams Hilltop einzukesseln, bis nichts mehr übrig ist. Nachdem Simon als Verräter entlarvt ist, folgt ein Zweikampf, bei dem es kurz so aussieht, als könnte er Negan arg zusetzen, er wird dann aber doch eigenhändig von seinem Anführer erwürgt und später als Zombie an den Zaun verpflanzt.

Dwight nutzt die Gelegenheit, um eine vorher präparierte Karte an Gregory weiterzuleiten, der Rick und Maggie warnen soll. Erfreulicherweise verschwenden die Autoren hier keine Zeit und zeigen, dass Gregory es ins Hilltop geschafft hat. Doch damit schnappt Negans Falle zu, da der Anhalter als Laura (Lindsley Register) präsentiert wird, die Negan natürlich auch schon über Dwight eingeweiht hatte. Das Vertrauen in Dwight könnte die Alexandria-Hilltop-Kingdom-Fraktion im Endeffekt also doch teuer zu stehen kommen, wobei er eigentlich stets nur ihre Warnung und Rettung im Kopf hatte. Dass Laura der Anhalter sein musste, lag spätestens auf der Hand, als Gregory gezeigt wurde. Dennoch halte ich Negans elaborierten Plan für ziemlich gelungen, wenn auch nicht ohne Risiko, weil Simon den Zweikampf auch hätte gewinnen können. Aber der Plan ist dennoch sehr viel cleverer als vieles, was wir vorher von ihm gesehen haben. Dwight hat tatsächlich schon oft starke Nerven bewiesen und in ausweglosen Situationen stets einen kühlen Kopf bewahrt, wenn man an Sherry und den Doktor denkt, der im Ofen gelandet ist, während er dabei geholfen hat, die Saviors lange Zeit einzukesseln. Ohne Dwight wären Rick und Co also womöglich schon längst gescheitert. Doch was passiert jetzt mit ihm?

Dear Negan

Während Rick von Carls Brief womöglich zur Vernunft oder zumindest auf den Weg dorthin gebracht wird, liest Michonne Negan per Walkie-Talkie seinen für ihn bestimmten Brief vor. Nach den Ereignissen rund um Simon, Jadis und Dwight scheint er seine menschliche Seite vorerst aber wieder abgelegt zu haben und sieht die komplette Auslöschung von Hilltop momentan als einzige Lösung für seinen Konflikt. Rick hat sich das offenbar selbst zuzuschreiben, denn wenn es nach ihm gegangen wäre, wäre es überhaupt nie so weit gekommen. Wenn es nach ihm geht, dann hat er aber auch einen Frauenharem, 50 Prozent der Besitztümer anderer und statuiert Exempel, wenn jemand seine Regeln missachtet - und das mit Bügeleisen, Baseballschlägern oder bloßen Händen. Das Verhältnis zwischen Rick und Negan ist leider unausgewogen und sprunghaft, zuletzt wurde sich von Autorenseite bemüht, Negans Menschlichkeit zu demonstrieren, während sie bei Rick abhanden kommt. Beide sind moralisch tiefgrau. Die Episode endet dennoch mit der Zerstörung des Walkie-Talkies und damit auch der Bereitschaft zur Kommunikation und der Vernunft. Hoffen wir auf den richtigen Knall - einen reinigenden Knall.

Fazit

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Worth“
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Worth“ - © AMC

Tatsächlich finde ich - trotz der unausgewogenen Entwicklung dahin, spannend, worauf das Staffelfinale bei diesen beiden Alphatieren hinsteuert. Mit Simon ist zumindest ein großer Störfaktor weg und Dwight ist schon aufgeflogen. Doch welche Rollen werden die Frauen spielen? Hätte man Oceanside sonst noch einmal so kurz vor dem Finale eingebaut? Was werden Maggie und Michonne tun? Oder Wild Card Jadis? Oder läuft es am Ende auf das x-te Duell zwischen Rick und Negan hinaus?

Trailer zur Episode Wrath (8x16) der US-Serie The Walking Dead:

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Verfasser: Adam Arndt am Montag, 9. April 2018

The Walking Dead 8x15 Trailer

Episode
Staffel 8, Episode 15
(The Walking Dead 8x15)
Deutscher Titel der Episode
Die rechte Hand
Titel der Episode im Original
Worth
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 8. April 2018 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 9. April 2018
Autoren
David Leslie Johnson-McGoldrick, Corey Reed
Regisseur
Michael Slovis

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 8x15

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