The Walking Dead 8x14

© zenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Still Gotta Mean Something“ / (c) AMC
Die The Walking Dead-Episode Still Gotta Mean Something wartet mal wieder mit einer Lauflänge von 50 Minuten auf und ackert - zwei Folgen vor dem großen Staffelfinale - ziemlich viele Handlungsstränge auf einmal ab.
What the shit?
Unter anderem erfahren wir, welche unglaubliche Improvisationsgabe Jadis (Pollyanna McIntosh) im Auge des Todes hat. Denn während ihre Kameraden von Simons Saviors niedergemetzelt wurden, konnte sie die Blutlache eines gefallenen Begleiters nutzen, ihn schnell unter Decken und Kissen verstecken und mit etwas Blut so tun, als wäre sie selbst gestorben, was ihr das Leben rettete. Einige Zeit später - nach dem Handgemenge zwischen Negan und Rick, um genau zu sein - hat sie es irgendwie geschafft, Negan (Jeffrey Dean Morgan) und Lucille zu finden und ihn zu fesseln und auf die Müllhalde zu bringen. Wie ihr das genau gelingt, spart die Folge aber aus.
Dafür zeigen uns die Serienmacher zum ersten Mal ihr Schlafgemach, das ganz und gar nicht nach Müllhalde, sondern stylischem Minimalstil aussieht. Sie wagt sich, Lucille zu entwenden und möchte an Negan selbst Rache nehmen, den sie auf ein Rollbrett kettet und hinter sich herschleift. Immer auf Halde hat sie offenbar einen Untoten, der nach moderner Kunst aussieht und merkwürdig verformt erscheint. Dass Jadis selbst sich selten die Hände schmutzig macht, haben wir bei mehreren Treffen mit Rick (Andrew Lincoln) schon bezeugen können. Meistens holt sie elaborierte Fallen oder modifizierte Untote heraus, die versuchen, dem erfahrenen Überlebenden den Garaus zu machen, was bisher jedoch noch nie gelungen ist. Fragwürdig erscheint dann, warum sie diese Methode wieder und wieder benutzt. In dieser Folge scheint es so, als hätte sie ein moralisches Problem damit. Eine ganze Horde von Untoten hat sie derweil allerdings schon durch den Müllschredder gejagt. Also vielleicht sind es nur Menschen, bei denen sie Hemmungen hat...

Negan appelliert entsprechend bei seiner Überlebenschallenge, die Jadis für ihn entworfen hat, an ihre Menschlichkeit. Er beteuert ihr, dass Menschen für ihn wichtig sind und Simon sich nicht an seine Anweisungen gehalten hat und entschuldigt sich - so aufrichtig wie es ihm möglich ist - bei ihr. Erstaunlich oder gar übermenschlich ist Jadis' Selbstbeherrschung beim Schwingen von Lucille, denn sie stoppt nur wenige Zentimeter vor Negans Gesicht und das aus vollem Schwung.
Wie Jigsaw aus der „Saw“-Reihe stellt Jadis ihre Gefangenen meist vor eine Aufgabe, die man allerdings im Gegensatz zu erstgenanntem durchaus lösen kann, wenn man dazu unbedingt gewillt ist. Bei Negan reicht es offenbar, dass er sich einige Zentimeter mit dem Rollbrett bewegt, um an Waffe und Fackel zu kommen. Mit letzterer hatte sie eigentlich vor, Lucille in Flammen aufgehen zu lassen. Die Macher entscheiden sich aber, nicht zu zeigen, wie genau Negan es schafft, an die Waffen zu kommen. Negan schießt zwar mehrfach auf den Untoten auf den Rollwagen, zeigt aber tatsächlich Reue und sieht in Jadis offenbar eine verwandte Seele. Denn so wichtig, wie Jadis einige Fotos sind, die sie eingepackt hat, ist für Negan der Baseballschläger, den er nach seiner Frau benannt hat. Er ist alles für ihn, was ihm von ihr bleibt. Negans back story wird in der TV-Serie also vorerst nicht in einer eigenen Flashback-Folge beleuchtet. Sie wird nun nach seinem Treffen mit Gabriel bei Jadis etwas weiter dargelegt. Wie wichtig die Bilder sind, die Negan droht zu verbrennen, sieht man daran, dass sie lieber eine der wertvollen Fackeln löscht, mit denen sie einen Helikopter auf sich aufmerksam hätte machen können.

Und da ist er wieder: der mysteriöse Helikopter. Es war also kein Zufall, dass Simon den Landeplatz erwähnte und dass wir einen davon vor einiger Zeit über Rick kreisen sahen. Allerdings haben wir immer noch keinen blassen Schimmer, wer ihn fliegt oder woher besagte Person kommt. Georgie wäre natürlich eine Option. Aber es heißt wohl abwarten. Jadis weiß jedenfalls davon und hatte Hoffnung auf Rettung. Tatsächlich lässt sie Negan frei und glaubt, dass er ein Mann seines Wortes ist, anders als eine andere Figur in dieser Folge... Negan bietet ihr zwar einen Neuanfang bei den Saviors an, aber Jadis beschließt zu bleiben. Auf dem Weg heim nimmt er noch eine Anhalterin oder einen Anhalter mit (Laura? Sherry? Gregory?) und plant einmal ordentlich durchzukehren und aufzuräumen.
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Der Giftpfeil, der keiner war
Im Falle Tara (Alanna Masterson) bestätigt sich, dass - und das recht unspektakulär und beiläufig - sie kein Fieber bekommen hat und Dwight (Austin Amelio) offenbar einen sauberen Pfeil auf sie geschossen hat. Daraus schließt sie, dass man ihm vertrauen kann, was sie auch Daryl (Norman Reedus) so mitteilt und ihre Rachegedanken beerdigt. Er scheint noch nicht ganz überzeugt zu sein, muss aber wohl akzeptieren, was sie ihm sagt. In einer Krisensitzung wird derweil überlegt, ob man die flüchtigen Saviors angreift. Es scheint, als hätten sie Munitionsknappheit, allerdings erwähnt Rosita (Christian Serratos) Eugenes Munitionsmacherfähigkeiten... Also gilt es, die Situation auszuspähen. Eventuell geht man dabei auch über Eugenes Leiche, wenn es sein muss, da er offenbar zahlreiche Kugeln fertig hat.
Wo ist Henry?

Henrys (Macsen Lintz) Verschwinden beschäftigt die Ex-Kingdom-Bewohner Ezekiel (Khary Payton), Carol (Melissa McBride) und Morgan (Lennie James). Von König Ezekiel angesprochen, hat Carol zunächst nicht vor, Henry zu suchen, weil sie ahnt, welche Folge das haben könnte... Solche Situationen hatte sie schon bei ihrer Tochter Sophia, aber auch mit Lizzie, Mika und Sam erlebt. Man kann ihr Zögern also verstehen. Ezekiel kontert allerdings mit ihrer eigenen Weisheit und löst damit etwas in Carol aus. Morgan sieht es als seine Pflicht - und wohl auch Zwang, der durch seine Halluzinationen motiviert wird, Henrys Status zu bestätigen und eventuell den untoten Jungen zu befrieden, sollte er Recht haben. Carol will Morgan begleiten, eigentlich hat sie Henry schon abgeschrieben und zahlreiche Indizien, wie manche Spuren und sein Kampfstab deuten darauf hin, dass ihre schlimmsten Befürchtungen sich bewahrheiten, doch wenn die Serie schon so früh so viele Hinweise streut, dann kann man fast vom Gegenteil ausgehen...
Das Team-up wird genutzt, um Morgan auf seine Weise erklären zu lassen, warum er so handelt, wie er handelt, denn er glaubt, er ist so etwas wie ein Todesengel, der die Toten sieht und der selbst nicht sterben kann, aber Unheil anrichtet. Gegenbeispiele sind aber Rick und Carol, bei denen er unablässig war und für ihr Überleben sorgte und somit zahlreiche andere Menschen ebenfalls rettete. Die Wege der beiden trennen sich, als Morgan Rick sieht, aber Carol bleibt weiter dran und sucht Henry. Und siehe da: Sie findet ihn inmitten eines Baumgestrüpps an einem Gewässer umzingelt von Untoten und kann ihn nach Hause bringen. Ihre Intuition war in diesem Fall falsch und Kinder müssen nicht immer umkommen, nur, weil sie in Carols Leben eine Rolle spielen. Das ändert natürlich nichts daran, dass sein Alleingang gefährlich und grob fahrlässig war und den Saviors die Flucht ermöglichte, aber wo Schatten ist, ist auch manchmal Licht und umgekehrt.
Wie viel ist Ricks Wort noch wert?
Rick weigert sich weiterhin, Carls Worte an ihn zu lesen, auch wenn Freundin Michonne (Danai Gurira) ihn eindringlich darum bittet und versucht, ihr eigenes Schicksal dazu benutzen, ihm deutlich zu machen, dass sie weiß, wie er sich fühlen muss. Man könnte schon vergessen haben, dass auch sie eine ganze Familie - inklusive Kind - verloren hatte, ehe Andrea sie gefunden und ihr neue Kraft und Motivation gegeben hat. Rick kann sich aber nicht dazu bringen, in Hilltop zu bleiben. Merkwürdig an der Sache ist, dass Judith dabei auch immer eine Leidtragende durch seine Abwesenheit ist. Da ihm die Decke auf den Kopf fällt, wird er also wieder flügge und fragt Savior Alden (Callan McAuliffe), ob er eine Ahnung hat, wo man sich in der Nähe verstecken könnte. Tatsächlich hat er eine Idee, bittet Rick jedoch, Gnade walten zu lassen, wenn er die Flüchtigen findet. Alden ist der Meinung, dass manche von ihnen nur verblendet sind und durchaus vernünftige Personen seien. Zufällig trifft Rick - wie bereits erwähnt - Morgan und kurze Zeit später werden beide von den Flüchtigen überrascht, ausgeknockt und gefesselt.
Als Rick wieder aufwacht, diskutieren die Gefangenen, was sie nun machen sollen, ihre wertvollen Gefangenen lassen sie aber am Leben. Sie wissen zwar, dass Simon die Gruppe nicht eintauschen wollte, Jared (Joshua Mikel) glaubt aber, dass Rick als Geisel alle Sünden wieder vergessen machen könnte. Da Rick und Morgan in der Nähe bereits eine größere Herde gesehen haben, versuchen sie, die zerstrittenen Saviors damit einzuschüchtern und werden laut. Rick nutzt sein good guy-Image derweil dafür, sein Wort zu geben und ihnen einen Neuanfang bei der AHK-Fraktion in Aussicht zu stellen. Moralisch kann man sich fragen, ob Rick inzwischen einen Wendepunkt erreicht hat, von dem es kaum noch ein Zurück gibt. Summiert hat Rick in acht Staffeln The Walking Dead schon immer schwere, unmenschliche und teils böswillige Dinge für seine Gruppe angestellt. Aber es sind diese Momente, in denen andere Leute bereit sind, ihren alten Wegen abzuschwören, wo es mir als Langzeitzuschauer den schwersten Schlag versetzt und schwer macht, TV-Rick noch Sympathie entgegenzubringen. Ricks Sünden bestehen zwar meistens „nur“ aus Mord und Totschlag, dafür aber auch aus besonders fiesen und feigen Versionen davon. Nimmt man nur den body count zwischen Rick und Negan in den rund zwei Staffeln das Konflikts, dürfte Rick ganz weit und deutlich vorne liegen.

Morgans flexible Moral ist auch problematisch, weil sie von einem Extrem (Vater, Clearer, Zen-Cheesemaker, Terminator) ins nächste wechselt. In dieser Halbstaffel haben wir von ihm bisher wohl die gnadenlosesten kills gesehen. Neben der Aktion mit den Innereien vor wenigen Folgen ist es nun Jareds Mord, der hier zu nennen ist. Dabei bin ich selbst als Zuschauer in der Zwickmühle, weil die Autoren einen natürlich geschickt dahin manipulieren, dass man Jared unbedingt sterben sehen möchte. Eine gewisse Genugtuung kann ich nicht leugnen, dennoch finde ich es schade, dass es zu Lasten der Helden geht, wobei natürlich seit Beginn an die These von „TWD“ ist, dass eindeutige Helden oder moralische Zentren (Dale, Hershel, Beth, Tyreese, Glenn, Carl) zum Tode verurteilt sind. Es sollte ein Schock sein, dass Rick sein Wort nicht hält und die Saviors, die neu anfangen wollen, gnadenlos niedermetzelt, aber, sobald er seinen Mund aufmacht, durchschaut man seine Absichten, was mir einen kalten Schauer über den Rücken jagt.
Regelmäßige Leser der Reviews und Verfolger das Podcasts wissen wahrscheinlich hinlänglich, was ich davon halte, wie sehr Rick das mit Füßen tritt, was sein Sohn von ihm für den Krieg gegen die Saviors möchte und ich denke auch, dass ich weiß, worauf die Autoren hinarbeiten. Aber ich fürchte schon jetzt einen typischen Fall von: zu viel und eindeutig zu spät. So etwas sieht man auch auf niedrigerem Niveau bei der Storyline rund um Tara, Dwight und Daryl, wo dauernd Meinungen und Seiten wechseln und das alles schon lange nicht mehr nachvollziehbar, sondern nur noch nervig ist. Ricks Frage an Morgan, warum er ihn damals in Atlanta gerettet hat, zeigt Rick den kaputten Spiegel vor, was wenig subtil auch direkt in der Episode als Bild eingefangen wird. Einige Überlebende sind inspiriert durch die Kinder, die die Zukunft sind, und Rick hat diese Lektion weiterhin nicht verstanden oder an sich herangelassen, obwohl es ihm bei Carls Abschied sogar schon sehr deutlich gesagt wurde. Diese Folge jedenfalls macht so selten wie zuvor klar, dass der Unterschied zwischen Negan und Rick nur noch eine Nuance ist und sich sehr schnell in Wohlgefallen auflösen kann. Aber ist es im Sinne der Überlebenden, dass einer von ihnen das Sagen hat? Momentan lautet die Antwort: Nein. Oder aber alles arbeitet auf ein im letzten Review schon durchgespieltes Doppel-K.-o. von Rick und Negan hinaus, das anderen Figuren die Führung und den Neuanfang nach dem Krieg in die Hände spielen würde, was inzwischen meine bevorzugte Lösung wäre.
Fazit

Es kam in der achten Staffel von The Walking Dead schon wiederholt vor, dass mich eine Folge ratlos zurücklasst. In gewissen Belangen ist Still Gotta Mean Something so eine Folge. Denn ich finde die vermeintlichen Schurken Jadis und Negan tatsächlich menschlicher und nachvollziehbarer als Morgan oder Rick, auch wenn in allen Fällen wieder ein paar Logiklöcher auftreten, die man sich schönreden muss. So merkwürdig manche kreative Entscheidung auch ist, ich mochte die Szenen zwischen Negan und Jadis am meisten. Carols Suche nach Henry entwickelte sich hingegen schnell in eine vorhersehbare Richtung und Rick und Morgan in eine fragwürdige.
Die Gebete in Richtung Kriegsende werden jedenfalls immer stärker, die Zeichen auf einen Knall, aber aus unerwarteter Richtung, allerdings auch. Was auch immer passiert, eine Art Neuanfang ist unausweichlich, besonders auch wegen der Sackgassen, in die sich manche Figuren zu verlaufen scheinen.
Trailer zur Episode Worth (8x15) der US-Serie The Walking Dead:
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 2. April 2018The Walking Dead 8x14 Trailer
(The Walking Dead 8x14)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 8x14
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