The Walking Dead 8x06

© zenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The King, the Widow, and Rick“ (c) AMC
In der The Walking Dead-Folge The King, the Widow, and Rick kommen Teile des großen Plans von Rick (Andrew Lincoln) und seinen Verbündeten zur Sprache und es werden schon Siege zelebriert, obwohl der Krieg noch gar nicht gewonnen ist. Mag die Kommunikation zwischen der Gruppe gut abgesprochen sein und durch Briefe geschehen, die in bester Spionagemanier in toten Briefkästen abgelegt werden, so bleiben die Zuschauer bis zur tatsächlichen Offenbarung im Dunkeln. Das ist eine erzählerische Taktik, die für mich nicht aufgeht, wenn vorher unlogische oder nicht nachvollziehbare Aktionen gezeigt werden. Rick glaubt, dass die Einkesseltaktik den gewünschten Erfolg hat und die Sanctuary von ihren Ressourcen und Außenposten abschneidet, aber: Konkrete Beweise dafür sehen wir nicht.
Wir wissen von den Verlusten auf Kingdom-Seite, von den Gefangenen, die Jesus (Tom Payne) nach Hilltop gebracht hat und vom Aufstand in der Sanctuary, jedoch lässt sich Negan (Jeffrey Dean Morgan) wenig aus der Ruhe bringen. Eugene (Josh McDermitt) wurde in der letzten Folge beauftragt, etwas zu planen, Ricks Verbündete wiegen sich aber in Sicherheit, auch wenn Vereinzelte von ihnen in dieser Folge sichergehen wollen, dass der Plan aufgeht. Dazu gehört auch: abwarten. Köcheln lassen. Das Problem sich selbst überlassen. Da reicht es aber nicht, mit einem Fernglas auf die umstellte Sanctuary zu schauen, was wohl besonders Daryl (Norman Reedus) nervös werden lässt, der Ricks Zeitplan offenbar bereitwillig durcheinanderwirbelt.
The New Deal

Rick schaut derweil bei Hobbykünstlerin und Müllhalden-Anführerin Jadis (Pollyanna McIntosh) vorbei, die - nur mit einer Schürze bekleidet - ein neues Werk aus ihrer Schrottkollektion anfertigt (She is weird!). Rick versucht, sie und ihre Leute mit Polaroids davon zu überzeugen, dass die Sanctuary keine Gefahr mehr darstellt und er versucht, sie durch einen besseren Deal wieder zum Seitenwechsel zu bewegen. Dabei nimmt er nahezu ihren minimalen Sprachduktus an, was für Jadis immer noch wie ein Wasserfall der Worte klingt. Rick wird sehr direkt: Kooperation oder Zerstörung lautet seine Ansage. Jadis lehnt dies jedoch ab und lässt Rick einsperren - und zwar ohne Kleidung in einen heißen Container. Man fragt sich direkt, ob Rick genial oder doch einfältig ist, denn es scheint, dass die Müllpeople eventuell nur auf dieses Stichwort gewartet haben. Vielleicht sind sie so etwas wie Negans letzte Sicherheit und sie wissen nun, dass sie tätig werden müssen. Rick sitzt jedenfalls ein und hat diesmal auch keine Verstärkung, von der wir wissen.
An apple a day...

Im Hilltop kümmert sich Jesus mit Äpfeln eigenhändig um die Versorgung der Gefangenen, worüber Maggie (Lauren Cohan) wenig erfreut ist. Gregory (Xander Berkeley) gibt derweil den Hardliner ohne Macht, der die Konstruktion von Galgen fordert, ohne gefragt worden zu sein. Maggie schickt ihn wieder weg, doch es dauert, bis Enid (Katelyn Nacon) ihn wegführt und zwar wie den betrunkenen, peinlichen Onkel auf einer Feier. Maggie möchte keine Option bezüglich der Gefangenen ausschließen, wenn es darum geht, Negan und die Savior zu besiegen, wobei Jesus weiterhin auf eine humane Variante pocht.
Gregory redet kurz darauf weiter auf sie ein, versucht, seinen Verrat als Diplomatie ohne Blutvergießen zu verkaufen, schlägt aber im nächsten Atemzug die Todesstrafe für die Gefangenen vor, wobei er sich die Hände nicht schmutzig machen will. Der Ansatz, dass man die Wölfe nicht frei unter den Schafen herumlaufen lassen sollte, löst etwas in Maggie aus und es werden Zäune innerhalb der Stadtmauern installiert, in denen die Saviors untergebracht werden - und Gregory gleich mit. Für mich ein schöner Moment der Genugtuung, der schon lange überfällig ist. Maggie verlangt Kooperation der Gefangenen, sonst drohen tödliche Konsequenzen und es dauert nicht lange, da versucht Jared (Joshua Mikel) wieder eine Dummheit. Er strapaziert sein Glück immer und immer wieder, etwas zu viel für meinen Geschmack. Doch außer einem Schlag ins Gesicht gibt es vorerst keine andere Strafe. Das könnte sich rächen, denn der Savior, der Jesus ins Gespräch verwickelt, scheint einfach subtiler vorzugehen - oder es ist eine abgesprochene Taktik. Er plant die Übernahme, was Gregory belauscht. Ist er der unerwartete Retter, macht er gar mit oder nutzt er die Chance, um sich später ins richtige Licht zu rücken und Lorbeeren einzuheimsen?
Maggie jedenfalls sieht die Zaungefängnisse als temporäre Lösung, um die Verhandlungsposition eventuell zu stärken, wenn es nötig werden sollte. Die Autoren machen es einem schwer, sie als gute Anführerin wahrzunehmen, auch wenn sie diesmal richtige Entscheidungen trifft. Doch vielleicht ist die Quintessenz auch, dass es ein inhärentes Problem von Anführern ist, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Dennoch ist das keine Entschuldigung für eine ausbaufähige Charakterisierung von Maggie, die dazu aber mehr Screentime oder bessere Szenen bräuchte. Aaron (Ross Marquand) gehört derweil zu denjenigen, die sichergehen wollten, dass der Plan funktioniert, weswegen er gemeinsam mit Enid aufbrechen will, während sein Adoptivbaby Gracie vorerst in Maggies Obhut bleibt.
Broken King

Ezekiel (Khary Payton) ist nach dem Tod seiner Krieger und Tigerin Shiva am Boden zerstört und will auch das geplante Treffen mit Rick nicht wahrnehmen. Carol (Melissa McBride) übernimmt widerwillig die Führungs- und Motivatorrolle. Ihre Aufforderung, alle zu versammeln, die kämpfen können, hört auch der junge Henry, der bekanntlich in Staffel sieben seinen Bruder Benjamin verloren hat. Er möchte Carol unterstützen. Die gibt ihm zu verstehen, dass das nicht für ihn gilt, aber so einfach lässt er sich nicht bremsen und folgt ihr auf Schritt und Tritt, was auch zu einem Zombieduell führt. Statt ihn jedoch wie andere Jugendliche zu erschrecken, versucht sie es diesmal mit einer anderen Taktik und will ihn zumindest kurz glauben lassen, dass er Rache für seinen Bruder nehmen kann. Ihr Hauptziel ist es jedoch, Ezekiel aus seiner Trauer und Lethargie zu reißen. Dabei hat sie nur Teilerfolge und versucht, von ihm zu erfahren, warum er damals - als die Rollen vertauscht waren - nicht aufgegeben hatte. Das schauspielerische Duett der beiden ist für mich ein Folgenhighlight, bei dem McBride ihre verletzliche Seite ausspielen kann und eine emotional starke Performance abliefert. Ihre Botschaft: Auch wenn alles schmerzt, muss man manchmal Stärke eben spielen, um durchs Leben zu kommen und andere dabei zu motivieren und anzuführen. Ein Motto, nach dem sie wohl schon lange Zeit leben muss...
Drei Fragen

Carl (Chandler Riggs) ist weiterhin auf eigene Faust unterwegs und hat dem hilfesuchenden Mann, der sich später als Siddiq (Avi Nash) vorstellt, aufgelauert und möchte ihn in die Gruppe einladen, wenn er die drei Fragen meistert. Siddiq scheint ein Fallenspezialist zu sein und hat bereits über 237 Walker erwischt, während er nur einen Menschen getötet hat, weil die Walker diesen nicht richtig erwischt hatten. Siddiqs Mutter glaubte, dass das Töten der Untoten ihre Seelen befreit, womit sich vielleicht seine große Killanzahl erklären lässt. Er scheint überrascht zu sein, dass Carl bereit ist, seine Verpflegung zu teilen und ihn aufnehmen zu wollen. Noch überraschter ist er davon, dass er ihm beisteht, als eine Gruppe von Untoten angreift.
Ich bin wiederum ein wenig überrascht, dass Carl sich so leicht überrumpeln lässt und ordentlich Probleme mit den Angreifern hat, wobei Siddiq selbst alle Hände voll zu tun hat - oder soll man das so interpretieren, dass er sich zuerst um sich selbst kümmert und es somit eine Warnung für Carl sein sollte? Trotz aller Kritik mochte ich das Spiel der beiden vor der Walker-Attacke und ihre kurze Diskussion über Hörigkeit gegenüber Eltern eigentlich ganz gerne und ich werde den Verdacht nicht los, dass sich etwaige Gerüchte um ein mögliches Ende von Carl bewahrheiten könnten, vor allem, wenn man sich an Red-Eye-Rick erinnert, wobei die „TWD“-Autoren ihre falschen Fährten lieben.
Alarmglocken im Kopf
Michonne (Danai Gurira) und Rosita (Christian Serratos) gehen trotz ihrer Verletzungen gemeinsam auf Achse, um sich wie viele andere auch ein eigenes Bild von der Sanctuary zu machen und zu schauen, ob auch ja nichts schiefgehen kann. Ihr Bauchgefühl gibt ihnen Recht, denn sehr zufällig hören sie etwas, das die Walker-Herde in der Sanctuary umleiten könnte, wenn man es in ihre Richtung manövriert. Die Fat Lady, von der zuvor schon die Rede war, dürfte also keine Waffe sein, sondern eine Boom Box auf Rädern, die die Aufmerksamkeit großer Herden anzieht und deren Einsatz es zu verhindern gilt, was Rosita und Michonne tun. Ein Fake-Negan-Pfiff lenkt Rosita ab, die aber immerhin einen der beiden Saviors mit einer RPG ausschaltet, die Frau aber fortfahren lässt. Doch nicht verzagen: Daryl ex Machina ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort und plant gemeinsam mit Tara einen verfrühten Abschluss des Masterplans.
Ich musste bei der RPG laut lachen, denn irgendwo musste sie ja eingesetzt werden. Hätte man sie vielleicht noch effizienter einbauen können? Ohne Frage. Aber immerhin ist das geklärt. Das Quartett, das sich eher zufällig trifft, beobachtet nun also die Lage in der Sanctuary, doch ich werde das Gefühl nicht los, dass man den Fastsieg wegen ihnen noch verschenken könnte. Der Grund, Michonne und Rosita zur Sanctuary zu schicken, ist in meinen Augen jedenfalls mehr als konstruiert und scheint einfach nur gemacht worden zu sein, um ihnen auch einmal wieder etwas mehr Screentime zu schenken, wenn das Ensemble wegen seiner Größe zu platzen droht.
Fazit
Die Folge The King, the Widow, and Rick versucht, viele Charaktere unterzubringen und hat dabei unterschiedlich viel Erfolg. Meine Lieblingsvignetten sind dabei Carol und Ezekiel sowie Carl und Siddiq, während Michonne und Rosita eher alibimäßig eingesetzt werden. Rätselraten verursacht das Puzzlestück rund um Rick und Jadis. Immerhin sorgt der Fokus auf die Innenleben einiger Figuren dafür, dass die Folge etwas interessanter gelungen ist als so manche andere in dieser schwierigen achten Staffel. Dennoch ist sie weiterhin von ganz großen Glanzzeiten entfernt.
Trailer zur Episode Time for After (8x07) der US-Serie The Walking Dead:
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 27. November 2017The Walking Dead 8x06 Trailer
(The Walking Dead 8x06)
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