The Walking Dead 8x05

The Walking Dead 8x05

Die The Walking Dead-Folge The Big Scary U liefert einige Informationen zu den HintergrĂŒnden von Savior-AnfĂŒhrer Negan. Außerdem proben die Arbeiter den Aufstand in der Sanctuary. Ein sonst so harmonisches Duo verkracht sich derweil.

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Big Scary U“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Big Scary U“ / (c) AMC
© zenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Big Scary U“ / (c) AMC

In der fĂŒnften Folge der achten Staffel entschließen sich die The Walking Dead-Autoren mit der Folge The Big Scary U dazu, einige Antworten zu liefern, den Cliffhanger auf den Auftakt aufzulösen und einen Perspektivwechsel zu vollziehen. Diesmal sind Negan (Jeffrey Dean Morgan) und seine Savior vordergrĂŒndig im Fokus. Wobei es zunĂ€chst ein paar Flashbacks zu sehen gibt. Wir sehen beispielsweise Simon (Steven Ogg), der VerrĂ€ter Gregory (Xander Berkeley) ein Pancake-FrĂŒhstĂŒck serviert.

Gregory verhĂ€lt sich feige und unsicher, wie es fast immer der Fall ist, und versucht, vor allem sich selbst in einem möglichst positiven Licht zu prĂ€sentieren. Simon scheint ihm sein wirres Geschwafel abzukaufen und denkt wohl tatsĂ€chlich, dass Gregory so viel AutoritĂ€t ĂŒbrig hat, um das Rebellionsproblem zu lösen, bevor es richtig startet. Wie wir bereits wissen, ist dem nicht so, denn Gregory ist als Mensch und MöchtegernanfĂŒhrer in dieser Welt an LĂ€cherlichkeit kaum zu ĂŒberbieten.

Dennoch erhĂ€lt er einen Sitz bei der Besprechung der Savior-FĂŒhrungsriege und redet sich auch hier um Kopf und Kragen, was Negan sowohl auf ihn als auch Simon wĂŒtend werden lĂ€sst, denn er missversteht ihn offenbar. Der Name Savior basiert nĂ€mlich aus Negans verquerer Sicht darauf, dass man durch ein paar gut platzierte Opfer dafĂŒr sorgt, dass viele andere gerettet werden können. Negan blickt eigentlich durch Gregorys LĂŒgenkonstrukt, will ihm aber trotz Zweifel eine Chance geben, auch weil Simon ein gutes Wort fĂŒr ihn einlegt und Gregory Besserung gelobt, wobei seine Macht im Hilltop momentan gen null tendiert.

Simons Vorschlag, das Hilltop zu attackieren und auszulöschen stĂ¶ĂŸt auf wenig Gegenliebe von Negan, denn fĂŒr ihn sind Menschen eine kostbare Ressource, die man sich eben etwas zurechtmanipulieren muss. GegenĂŒber Simon macht er klar, wer das Sagen hat, und Negans Plan ist offenbar, die drei AnfĂŒhrer Rick (Andrew Lincoln), Maggie (Lauren Cohan) und Ezekiel (Khary Payton) möglichst effektiv in der Öffentlichkeit zu exekutieren. Durch den Perspektivwechel erhalten wir außerdem ein paar verspĂ€tete Antworten, warum die Saviors nicht zurĂŒckschießen (Metall vs. Metall) und dass die RPG nicht in der NĂ€he ist.

Trouble in Paradise

Rick und Daryl kĂŒmmern sich um den verunglĂŒckten Waffenschmuggler-Savior, der sie darĂŒber in Kenntnis setzt, dass fast alle Krieger des Kingdom tot sind. Bei einem Autowrack finden sie Sprengstoff, der die beiden in den direkten Konflikt miteinander bringt. Denn Daryl wĂŒrde den Plan am liebsten ĂŒber den Haufen werfen und die Saviors und die Sanctuary in Luft sprengen, doch Rick hat Gewissensbisse seit der Begegnung mit Morales und dem Auflesen von Baby Gracie, die er zur Waise gemacht hat. Denn inzwischen hat er begriffen, dass nicht alle Savior auch KĂ€mpfer sind, sondern teils Arbeiter mit Familien, die man nicht so leichtfertig opfern sollte. Daryl sieht das anders und schiebt jegliche Moral fĂŒr den Sieg beiseite, was zu einem Faustkampf fĂŒhrt. Man muss sich wohl zufrieden geben, dass das einer Diskussion ĂŒber Daryls jĂŒngstes Verhalten am nĂ€chsten kommen wird. Philosophischer und tiefgrĂŒndiger wird es zwischen diesen beiden Alphatieren wohl nicht mehr.

Trotzdem ist der Konflikt wieder teils tollpatschig und unfreiwillig komisch inszeniert. Angefangen damit, dass Eugene (Josh McDermitt) Atari-Boxen spielt. Rick wirft den Sprengstoff außerdem in die Richtung des brennenden Autowracks und damit in die NĂ€he einer offenen Flamme, was natĂŒrlich zur Explosion fĂŒhrt - und auch zur Lösung seines Dilemmas. Allerdings zeigt man nicht einmal mehr die mehrfachen Explosionen, sondern nur die beiden, wie sie ihnen lauschen. Die besten Freunde sind danach aber beide eingeschnappt und so muss Rick zu Fuß weiter und einen weiteren - womöglich letzten - Teil des großen Masterplans umsetzen. Ist das die MĂŒlldeponie? Eine wirkliche Überraschung fĂŒr mich ist dann der Hubschrauber, der ĂŒber Rick kreist. Hier habe ich nun wirklich keine Ahnung, was das soll, und bin gespannt, wann das aufgelöst wird. Eigentlich braucht es ja nur einen Piloten und einen intakten Chopper dafĂŒr oder ist das Crossover mit Fear the Walking Dead schon nĂ€her, als man denkt?

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Big Scary U“ /
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Big Scary U“ / - © AMC

Beichte

Zudem wird in dieser Folge dann doch der Cliffhanger aus dem Auftakt aufgelöst, wobei Gabriel (Seth Gilliam) natĂŒrlich nicht derjenige ist, der es schafft, Negan umzubringen. Er wird ĂŒbermannt, obwohl sein Magazin voll ist. Negan versteht Gabriels BeweggrĂŒnde fĂŒr Gregorys Rettung nach dessen Verrat nicht, wĂ€hrend Gabriel die Gunst der Stunde nutzen möchte, um Negan die Beichte abzunehmen. Darauf hat Negan aber keine Lust, denn er glaubt, dass die Saviors ohne ihn im Chaos versinken und unnötig Leute sterben werden. Auf die Frage, warum Gabriel zum Pfarrer wurde, antwortet er, dass er Gold liebt und Menschen durch schwere Zeiten fĂŒhren wollte. Dabei sieht Negan eine Gemeinsamkeit, die in seinem Kopf sicherlich Sinn ergibt, fĂŒr andere aber nur schwer, wenn ĂŒberhaupt, zu fassen ist.

Nach etwas Zögern öffnet Negan sich, als die Chance besteht, dass er den Zombieangriff nicht ĂŒbersteht, und sagt dem Pfaffen, dass er frĂŒher mit Kindern gearbeitet hat; deren SchwĂ€che könne man leicht zu StĂ€rke formen. Er selbst hat die Sanctuary vom frĂŒheren AnfĂŒhrer ĂŒbernommen, der die Lage nicht unter Kontrolle hatte und SchwĂ€chen erlaubte und so die Menschen geeint hatte - auch wenn das bedeutet, dass es eine Mehrklassengesellschaft gibt und die Arbeiter ausgebeutet werden und seine Frauen zwar im Prinzip eine Wahl haben, die aber auch nur aus Pest oder Cholera besteht. Dem Glauben Gabriels nach kostet Vergebung nicht mehr als das laute Aussprechen der SĂŒnde und Wahrheit - und er selbst ist nicht sĂŒndenfrei, wie wir wissen.

Er hat sowohl den Tod seiner Glaubensgemeinschaft durch sein Aussperren verursacht und war beispielsweise auch Teil bei der Attacke auf die Satellitenstation, in der Menschen in ihrem Schlaf ermordet wurden. Negan glaubt dennoch, dass er im Recht ist. Ricks Handlungen sorgen in seinen Augen dafĂŒr, dass Menschen zu Tode kommen, wĂ€hrend er seine Morde direkt auf dem Gewissen hat, wie in den FĂ€llen Glenn oder Abraham. Aus Negans Sicht ist er also der Held, der nur das nötige Übel tut, um sich und seine Gruppe ĂŒber die Runden zu bringen, wobei ein paar Opfer notwendig sind.

Allerdings war er selbst nicht immer so und redet auch ĂŒber seine erste und einzige richtige Frau, die nach vor der Zombieapokalypse krank wurde und wĂ€hrend dieser verstirbt, wobei Negan nicht die Kraft hatte, sie von ihrem Zombiestatus zu erlösen, als es Zeit war. Persönlich finde ich es die schlechtere erzĂ€hlerische Lösung, wenn die Figuren so etwas nur erzĂ€hlen, statt es zu zeigen. Besonders in einer Episode. die gleichzeitig Zeit dafĂŒr freirĂ€umt, den furchtbaren Gregory so sehr in den Fokus zu rĂŒcken. Womöglich sehen wir noch etwas mehr zur Negan-Backstory, wie es auch in der Comicauskopplung „Here's Negan“ geschehen ist, aber in dieser Episode ist es eine verschenkte Chance, weil die Autoren wohl glaubten, dass das Kammerspiel mit Gabriel mehr Potential birgt. Eine eklatante FehleinschĂ€tzung. Insgesamt kommen die Antworten vom Timing her wieder zu spĂ€t, denn die bisherigen Episoden haben erzĂ€hlerische LĂŒcken offenbart, deren Schaden bereits vollbracht ist.

Wie man an der Quotenentwicklung und den Feedbackkommentaren ablesen kann, gibt es genug Menschen, denen die aktuelle Entwicklung nicht zusagt und die nun nicht mehr einschalten. Weil die meisten Episoden der Staffel aber schon im Kasten sind, wird man dagegen nichts mehr unternehmen können. Dennoch haben wir es bei den Serienmachern keineswegs mit AnfĂ€ngern zu tun. Man mĂŒsste also abschĂ€tzen können, dass vier Folgen Pause (plus unnötige Flashbacks zu unwichtigen Figuren) zwischen den Ereignissen zu viel sind. So fĂŒhlt man sich fast schon wie Gabriel, der Negan die Beichte entlockt, nur um dann eins auf die Nase zu kriegen, nachdem er vorher doch noch versucht hat, auf ihn zu schießen.

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Big Scary U“ /
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Big Scary U“ / - © AMC

Die Lösung fĂŒr das Dilemma von Negan und Gabriel ist dann wieder ein Callback zur ersten Staffel, die die Macher um Gimple gerade gerne immer und immer wieder zitieren. Die GedĂ€rme der Untoten sollen sicheres Geleit ermöglichen, was auch fast gutgeht, denn ein wenig Gegenwehr ist doch nötig.

Wer ist der VerrÀter?

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Big Scary U“ /
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Big Scary U“ / - © AMC

WĂ€hrend Negan Gabriel seine Seele ausschĂŒttet, beraten die Stellvertreter, wie man Herr der Lage wird. Regina ist offenbar dafĂŒr, einige Arbeiter zu opfern, die fĂŒr eine Gruppe einen Weg ebnen sollen, um dann die schweren GeschĂŒtze (Stichwort „Fat Lady“, also sicherlich die Waffe aus den vorherigen Folgen) heranzuschaffen. Widerstand gibt es von Eugene, der es fĂŒr gefĂ€hrlich hĂ€lt, aber wahrscheinlich auch Ricks Plan deckt, was zufĂ€llig auch die Arbeiter schĂŒtzt. Gavin (Jayson Warner Smith) glaubt derweil, dass das alles nur geschehen konnte, weil es einen VerrĂ€ter in den eigenen Reihen gibt.

Allerdings decken sich Dwight und Eugene hier gegenseitig, so dass der Verdacht von ihnen gelenkt wird, wĂ€hrend immer wieder klargemacht wird, dass der VerrĂ€ter, sofern er geoutet wird, einen qualvollen Tod sterben soll. Prinzipiell mĂŒsste der Verdacht eigentlich sofort auf Eugene gelenkt werden, denn keiner kennt beide Gruppen so gut wie er, dennoch spricht das vorerst keiner konkret aus, was etwas merkwĂŒrdig erscheint. Eugene bedankt sich kurz darauf aber bei Dwight mit Premiumgurken aus seinem privaten Vorrat, wobei es in einer spĂ€teren Situation schwer danach aussieht, als wĂŒrde Eugene dem Druck nicht standhalten können.

Beim Aufstand der Arbeiter, die sich tatsĂ€chlich sorgen um Negan und dessen Wohlergehen machen, sehen wir - wieder etwas zu spĂ€t -, dass es durchaus unschuldige Leute in der Sanctuary gibt, die zu ihrem GlĂŒck gezwungen werden. Man verstehe mich nicht falsch, wir haben auch schon bei Carls Besuch oder Eugenes ersten Tagen mehr von diesen Leuten gesehen, aber in anderen Situationen werden sie wieder verschwiegen oder ausgeblendet. Das hilft nicht gerade dabei, sie als dreidimensionale Wesen, die mehr als nur Statisten oder Requisiten sind, wahrzunehmen. Die erzĂ€hlerische Balance stimmt in diesem Bereich einfach nicht, was aber sicherlich auch mit dem ohnehin schon großen Main-Cast zusammenhĂ€ngt. Ich wĂŒrde auch sagen, dass man sich durchaus vorstellen kann, dass es einige Menschen gibt, die Negan als Retter ansehen, fĂŒr den sie ihre Arbeitskraft gegen Schutz eintauschen wĂŒrden, denn kennt man nur ihre Sicht der Dinge, nimmt man gewisse Missetaten und Verbrechen wohl in Kauf, wenn man die eigene Haut rettet.

Gespannt kann man sein, ob Reginas Aktion bestraft wird oder nicht oder ob es ĂŒberhaupt Zeit dazu geben wird. Immerhin verhindert Negans Wiederauftauchen also den Aufstand des Sanctuary-Proletariats. Negan verliert derweil offenbar seine Geduld mit Eugene und will ihn entweder fĂŒrstlich belohnen, wenn er ihm eine Lösung fĂŒr das Problem der Angreifer prĂ€sentiert, oder ihn schnell aus dem Weg rĂ€umen, wenn er versagen sollte. So oder so: Eugene ist in Zugzwang und muss eine Lösung prĂ€sentieren. ZunĂ€chst bringt er Gabriel jedoch ein kleines Willkommenspaket. Der wiederum scheint jedoch verletzt und möchte Doctor Carson sehen. Oder war es von Anfang an der Plan? Denn er will den Arzt, der so wichtig fĂŒr Maggies Schwangerschaft ist, aus dem Sanctuary nach Hilltop zurĂŒckholen.

Fazit

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Big Scary U“ /
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Big Scary U“ / - © AMC

The Big Scary U ist von den Autoren sicherlich als eine Art „Wendepunktfolge“ intendiert, die einiges ĂŒber Negan offenbart und die internen Mechanismen der Saviors nĂ€her beleuchtet. Leider gelingt das mit dem „Tell, Don't Show“-Ansatz allerdings eher schlecht als recht. Der Versuch, Negan zu vermenschlichen, schlĂ€gt grĂ¶ĂŸtenteils fehl, wobei zumindest im Ansatz deutlich gemacht werden kann, dass er wahrscheinlich nicht der große Killer ist, zu dem er sich gerne inszeniert. Auch der Konflikt zwischen Daryl und Rick, der hĂ€tte so interessant sein können, wird unzureichend ergrĂŒndet und stattdessen wieder zu einer Slapstickeinlage. Immerhin spart man sich diesmal das ziellose Geballere und arbeitet weiter hart daran, eine Wandlung von Rick darzustellen, der zwar Negan im Krieg besiegen möchte, aber nicht um jeden Preis...

Trailer zur Episode The King (8x06) der US-Serie The Walking Dead:

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 20. November 2017

The Walking Dead 8x05 Trailer

Episode
Staffel 8, Episode 5
(The Walking Dead 8x05)
Deutscher Titel der Episode
Die Beichte
Titel der Episode im Original
The Big Scary U
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 19. November 2017 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 20. November 2017
Regisseur
Mike Satrazemis

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 8x05

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?