The Walking Dead 8x04

The Walking Dead 8x04

Die The Walking Dead-Episode Some Guy ist zwar wieder sehr actionreich, findet diesmal allerdings auch Zeit, sich auf Emotionen und das Innenleben der Figuren zu konzentrieren, weil nur wenige Figuren aus dem Kingdom im Fokus stehen.

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Some Guy“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Some Guy“ / (c) AMC
© zenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Some Guy“ / (c) AMC

Bereits die ersten zehn Minuten der Episode Some Guy gefallen mir besser als die vorherigen drei Folgen dieser aktuellen achten Staffel von The Walking Dead. Ohnehin habe ich eine Schwäche für das Kingdom und dessen König Ezekiel (Khary Payton), der als Anführer die Performance seines Lebens abliefert, um die Moral aufrechtzuerhalten und eine bessere Zukunft nach der Ära-Negan zu ermöglichen.

Dabei sehen wir einen Blick hinter die Kulissen und die tägliche Fassade, die schon mit seinem Erscheinungsbild beginnt, wenn er in die Persönlichkeit des theatralischen Regenten schlüpft und womöglich nur dort kurz Ruhe schöpfen kann, eher er die großen Gesten bringen und Reden schwingen muss. Das Konzept und der Lebensstil faszinieren mich, denn viele Post-Apokalyptischte Welten, in denen so etwas geschieht, habe ich noch nicht gesehen.

Ezekiel ist ein Anführer, der das Gegenkonzept zu Menschen wie dem Governor, Negan oder auch Rick ist. Am ehesten erinnert er vielleicht noch an Hershel, nur hatte der Farmer anfangs nicht wahrhaben wollen, was es bedeutet unter Untoten zu leben. Ezekiel strahlt eine Wärme aus, die dazu führt, dass sich die Bewohner seines Kingdoms wohlfühlen können. Allerdings besteht auch die Gefahr falscher Sicherheit, wenn große Reden davon sprechen, dass nie jemand sterben wird, wobei jeder für sich entscheiden muss, ob man diese vollmundigen Versprechen ernst nimmt oder den gesunden Menschenverstand anschaltet. Den gedanklichen Eskapismus kann man aber nachvollziehen, wenn man denn - anders als Ricks Gruppe - bisher von großen Verlusten verschont geblieben ist.

Das alles ändert sich aber schlagartig, denn die Krieger des Kingdoms geraten in der Gegenwart in einen Hinterhalt und statt einer Massenumarmung haben wir es mit einem Massengrab auf dem Schlachtfeld zu tun und einem König, der von zahlreichen Untertanen beschützt wurde, aber nun eben fast ohne Unterstützung dasteht und plötzlich mit den seelenlosen Versionen seiner früheren Kameraden konfrontiert wird. Es ist tragisch, was Ezekiel da erlebt und kann auch den besten Anführer und sein Selbstbewusstsein brechen.

Glücklicherweise rettet ihn einer seiner Krieger, nur um dann von einem bebrillten Savior umgebracht zu werden, der schon den großen Ruhm als Königskiller zu wittern scheint. Von diesem erfahren wir auch, dass Negan die drei Anführer verschonen möchte, um sie im Endeffekt als Trophäen (und Warnungen) am Zaun der Sanctuary auszustellen. Zumindest ist es das, was er seinen Saviors sagt.

I am Negan

Bei den Saviors ist die Individualität so nebensächlich, dass auch diese vorher nie gesehene Figur als einer von vielen Negans ohne eigenen Namen in die TWD-Geschichte eingeht. Er wird als böse und mörderisch dargestellt und scheint ebenfalls einmal keine positiven menschlichen Eigenschaften zu besitzen. Fairerweise müsste man aber wohl auch sagen, würde man die Figuren aus der achten Staffeln in ihren Momentaufnahmen anschauen und alles vorher gesehene ignorieren, hätte man bei einem Großteil der Protagonisten womöglich ähnliche Gefühle. Jedenfalls fällt es dem geneigten Zuschauer wahrscheinlich sehr einfach, diesen neuen Savior zu hassen und den Tod an den Hals zu wünschen, weil er einen der wenigen menschlichen Helden bedroht.

Ezekiel und seine Führungsart jedenfalls ist unter den Saviors bekannt und erheitert dort wohl die Gemüter. Auch über Shiva weiß man Bescheid. Der Brillen-Savior meint ihn durchschaut zu haben und glaubt, dass er ohne seinen Tiger nur ein Betrüger im Kostüm sei. Selten war ich so froh über eine Rettung, als Jerry (Cooper Andrews) auftaucht und sich mit brachialer Gewalt und seiner Axt dieses Menschen entledigt, wobei ich eigentlich immer froh bin, wenn Jerry (Dude!) auftaucht. Gemeinsam mit Jerry hat Ezekiel eine Chance, heil aus der Sache zu kommen.

Carol gegen die Saviors

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Some Guy“
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Some Guy“ - © AMC

Carol konnte sich beim Anschlag in Sicherheit bringen und treibt sich im Savior-Gebiet herum, wo sie bald die Wurzel des Kingdom-Übels sieht. Eine gewaltige automatische Waffe. Ihr gelingt es eine erste Welle von Saviors durch Verstecken in der Decke auszuschalten, doch schon bald kommen Neue nach. Für diese ist die Waffe jedoch wichtiger als Carol, sodass ihr nur vereinzelte Leute nachgeschickt werden. Es entsteht bald ein Shoot-Out und Carol muss improvisieren, weil sie gegen mehrere schwer bewaffnete Angreifer so nicht weiter kommt. Die Unschuldslammnummer zieht diesmal aber auch nur bedingt, weil die Saviors kaum so etwas wie Solidarität oder Zusammenhalt füreinander empfinden. Ihr Plan B sieht allerdings vor, ein Tor zu öffnen und die Untoten als Helfer in der Not zu nutzen. Während sich die Munition ihrer Angreifer dem Ende zuneigt, möchte sie die Situation beenden, sieht aber Ezekiel und Jerry in Not und macht etwas, das eher untypisch ist für Carol. Sie lässt die Saviors mit der Waffe wegfahren, auch wenn sie ihnen hinterher schießt.

If you're asked to be a hero...

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Some Guy“
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Some Guy“ - © AMC

Der Grund dafür wird in einem Rückblick geliefert, worin Ezekiel erläutert, warum er damals Tigerin Shiva gerettet hat. Er hatte die Wahl dem verletzten Tier zu helfen und ein Held zu sein oder eben nicht. Seitdem verfolgt er das Mantra, wenn er ein Held sein kann, dann ist er auch einer. Das beißt sich zwar etwas mit seiner anfänglichen Weigerung in den Krieg zu ziehen aus der vorherigen Staffel, aber das fällt wahrscheinlich vielen nicht auf. Denn sonst hätte er Rick eventuell schon bei seinem ersten Besuch helfen müssen. Während Carol sich erst aktiv dazu entscheiden musste tough und bad-ass zu werden, wobei das tragischerweise nicht ganz freiwillig geschehen ist. Für Carol reicht diese Erinnerung also, um das Risiko einzugehen, dass die Saviors gewinnen, wobei eine riesige Portion Glück ihr Bauchgefühl bestätigt, denn Daryl (Norman Reedus) und Rick (Andrew Lincoln) sind nicht unweit und kümmern sich um die Saviors mit der tödlichen Waffe.

Rick und Daryl sind bei der Verfolgung ein unverwüstliches Duo. Daryl kommt zwar von der Straße ab, kann dann aber wieder ungesehen aufholen und erwischt mit einem gezielten Schuss den Savior an der Waffe, die zuvor mehr als ein Dutzend Bewohner des Kingdoms ausgeschaltet hat, während er jedem Schuss auf seinem fahrbaren Untersatz ausweicht. Rick zeigt ebenfalls aus welchem unkaputtbaren Holz er geschnitzt ist, als er einen Autounfall fast ohne Blessuren übersteht. Gerade diese beiden Figuren erhalten von den Autoren fast magische Heilungs- oder Glücksfähigkeiten. Man erinnere sich beispielsweise an Ricks Kampf auf der Müllkippe gegen Winslow, den Untoten mit den zahlreichen Spitzen, die aus ihm herausragen und die Ricks Hand verletzt haben. Hauptsache aber, dass das automatische Maschinengewehr aus dem Verkehr gezogen wurde oder erwartet das Duo noch ein Hinterhalt? Und für eine Aussprache wegen Daryls Verhalten bleibt wohl auch keine Zeit. Dieser Teil der Episode ist für mich enttäuschend.

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Some Guy“
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Some Guy“ - © AMC

Im Dienst ihrer Majestät

Carol denkt womöglich daran, was es für das Kingdom bedeuten würde, wenn Ezekiel nach all seinen Reden und flammenden Appellen nicht von der großen Schlacht zurückkehrt, während Jerry seine Axt beim Fluchtversuch geopfert hat und nur noch mit dem Schaft dasteht, den er aber benutzt um die angreifenden Untoten abzuwehren. Immer wenn man denkt, dass die Untoten nur noch eine begrenzte Bedrohung darstellen, kommen die TWD-Macher doch noch einmal mit einer solche Situation um die Ecke. Ezekiel wurde durch den Angriff des Brillen-Saviors am Bein verletzt und benötigt spätestens da eine Gehhilfe, was im unebenen Terrain und bei der Flucht vor den Walkern zum Hindernis wird, weswegen er an einer Stelle fordert, dass man ihm zurücklassen soll, weil er kein König, sondern eben nur irgendein Typ sei. Das möchten weder Jerry noch Carol zulassen. Shiva Ex-Machina taucht allerdings auf, um das Trio zu retten und das vorherige Flashback zu untermauern und revanchiert sich quasi für Ezekiels Rettung durch eine letzte und nahezu telepathische Aufopferung. Der Einsatz der Tigerin in der TV-Serie war bisweilen schwer nachzuvollziehen, weil sie mehrfach instinktiv (?) oder eher zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort erscheint.

Ihr Opfer dürfte manche (womöglich gehöre ich dazu) mehr mitnehmen als das von menschlichen Protagonisten. Obwohl das CGI offenbar sehr teuer und nicht immer sauber in die Serie einzubauen war, respektiere ich den Versuch eines der abstrusesten Elemente aus der Comicvorlage (neben den Zombies natürlich) in die Serie einzubauen. Es war in beiden Fällen eigentlich nur eine Frage der Zeit. Ein kleiner persönlicher Fun Fact: Erst mit dem Shiva-Cover habe ich die „The Walking Dead“-Comics monatlich im Heftformat verfolgt, vorher habe ich die Sammelbände oder die Kompendien gelesen. Ich war einfach extrem neugierig, wer dieser Rasta-Typ mit Tiger ist und wollte sofort mehr wissen.

Nun ist sie den Weg anderer Tiere gegangen, wie das Pferd aus dem Serienpiloten, die Schweine auf Hershels Farm oder Buttons aka das andere Pferd, Enids Schildkröten, Tabitha die Ziege und die Hirschkuh. RIP Shiva. Ich werde dich vermissen. Ezekiel jedenfalls kehrt gebrochen und humpelnd nach Hause zurück, was ein gewaltiger Kontrast zum lächelnden und optimistischen Anführer ist, der vorher sein Volk aufgemuntert hat. Eine Fraktion ist also fast geschlagen. Aber was bedeutet das für den Krieg?

Fazit

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Some Guy“
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Some Guy“ - © AMC

Trotz unvermeidbarer Ungereimtheiten rund um Daryl und Rick, ist die Episode Some Guy in meinen Augen bisher die stärkste Folge der achten Staffel von The Walking Dead. Als Charakterdossier von Ezekiel, wegen der Mini-Rückkehr von Bad-Ass-Carol und weil Jerry ein ziemlich guter Dude ist und Shiva für mich immer einen besonderen Platz im Herzen hat. Da kann ich auch etwas über Rick und Daryl im God-Modus eines TWD-Videospiels hinwegsehen.

Trailer zur Episode The Big Scary U der Serie The Walking Dead (8x05):

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 13. November 2017

The Walking Dead 8x04 Trailer

Episode
Staffel 8, Episode 4
(The Walking Dead 8x04)
Deutscher Titel der Episode
Nur irgendwer
Titel der Episode im Original
Some Guy
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 12. November 2017 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 13. November 2017
Autor
David Leslie Johnson-McGoldrick
Regisseur
Dan Liu

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 8x04

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