The Walking Dead 8x03

The Walking Dead 8x03

In der The Walking Dead-Folge Monsters benehmen sich altbekannte Charaktere ĂŒberraschend monströs. Andere hoffen auf einen opferlosen Krieg, doch das dĂŒrfte unmöglich sein. Ricks Moral wird mehrfach herausgefordert und Maggie steht vor einem unerwarteten Problem. Was werden sie tun?

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Monsters“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Monsters“ / (c) AMC
© zenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Monsters“ / (c) AMC

In der The Walking Dead-Folge Monsters geht der Krieg zwischen den Truppen von Rick (Andrew Lincoln) und Negans (Jeffrey Dean Morgan) Saviors weiter (auch wenn wir Negan seit dem Auftakt nicht mehr gesehen haben). Diesmal gibt Ezekiel (Khary Payton) mit seiner Rede den Ton an, denn er hofft, dass kein einziges Opfer seiner Truppen gebraucht wird. Stattdessen will er mit der ĂŒberlegenen Taktik punkten, die ihm und Carol (Melissa McBride) ein LĂ€cheln auf die Wangen zaubert. Das Motto lautet: die Gegner in Sicherheit wiegen und dann in Hinterhalte locken. Das klappt vorerst auch gut genug, rĂ€cht sich aber dann doch am bittersĂŒĂŸen Ende der Episode.

Rick und Morales

Morales (Juan Gabriel Pareja) hat weiterhin Rick in seiner Gewalt und versucht, ihm klarzumachen, dass die beiden schon lange nicht mehr die sind, die sie einst noch in Georgia waren. Er hĂ€lt Rick fĂŒr ein Monster, hat aber - wie der Rest der Savior - den Befehl, weder Rick noch die Witwe Maggie (Lauren Cohan) oder den König zu töten. TatsĂ€chlich hat es die Familie von Morales offenbar nicht einmal nach Birmingham geschafft und er selbst wurde an seinem Tiefpunkt von den Saviors gefunden und aufgenommen. UngeklĂ€rt bleibt dabei allerdings, wie er es allein von Georgia nach Virginia geschafft haben soll. Eine Bottle-Episode mit ihm kriegen wir (vorerst) also nicht.

Denn nachdem Rick seine Seite der Erlebnisse erzÀhlt hat, inklusive Verlusten von Lori, Andrea und Glenn, taucht Daryl auf, der ihn eiskalt mit seinem Bogen ermordet - nicht das einzige Mal in dieser Folge, dass er sich so benimmt. Auch das Gedankenexperiment, wie es wÀre, wenn Rick Morales vor der Flinte hÀtte, bleibt man uns also schuldig. So findet dieses Gastspiel einfach ein jÀhes Ende. Man hÀtte sich das schon fast denken können, vor allem, weil Daryl als Retter beziehungsweise Gefahr immer im Hintergrund mitschwebte. So sind auch seine Kommentare eher nonchalant: Es ist egal, wer er war. Interessant keinen.

Ein Mittelfinger in Richtung der Leute, die stĂ€ndig Theorien gesponnen haben, aber auch eine reichlich dĂŒstere Abrechnung mit der Figur und einem losen Pfaden, denn es seit Staffel eins gab. Vielleicht aber auch ein zynischer Appell an die Leute, die Stunden damit zu verbringen zu theoretisieren, was da kommen könnte: Am Ende ist es doch ernĂŒchternder, als man denkt. Die WaffenvorrĂ€te, die sie suchen, sind jedenfalls nicht da. DafĂŒr geraten Daryl und Rick in einen eigenen shoot-out und sind von zwei Seiten umstellt, ehe ein Feuerlöscher die Flucht ermöglicht.

Exit Wound

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Monsters“ /
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Monsters“ / - © AMC

Ein anderer shoot-out findet auch rund um Tobin (Jason Douglas) und Scott (Kenric Green) statt, doch schon bald beginnen die Saviors, ihr Feuer gegen die Alexandrianer einzustellen und sich den Untoten zu widmen. Aaron (Ross Marquand) widmet sich derweil seinem verletzten Partner Eric (Jordan Woods-Robinson). Dabei bereut Aaron, ihn ĂŒberhaupt dazu ĂŒberredet zu haben mitzukĂ€mpfen, doch Eric meint, dass es sein eigener Wunsch war. Statt sich um seine Verarztung zu kĂŒmmern, soll er zurĂŒck in die Schlacht ziehen und ĂŒberlĂ€sst ihn nach einem Kuss quasi sich selbst.

Bedauerlich ist in diesem Zusammenhang, dass das Bury Your Gays-Klischee wieder bedient wird und dass, obwohl der Tod von Denise in der ErzĂ€hlzeit noch gar nicht so lange her ist, schon wieder zahlreiche andere Figuren gestorben sind. Dennoch nimmt die ohnehin geringe Zahl der homosexuellen Figuren natĂŒrlich dadurch wieder ab, da entschuldigt auch nicht, dass man sich hier an ein Opfer aus der Comicvorlage hĂ€lt. Außerdem hat die TV-Serie es versĂ€umt, beide Figuren zu runden Charakteren zu machen. Bei Aaron ist man zwar erfolgreicher, aber Eric war eigentlich nicht viel mehr als ein Gastdarsteller. Schade.

Was macht man mit Kriegsgefangenen?

Tara (Alanna Masterson) und Jesus (Tom Payne) kĂŒmmern sich um die Savior, die sich ergeben haben. Jesus meint, dass Maggie eine Antwort fĂŒr das Problem haben wird, Tara ist weiterhin auf Krawall und Mord gebĂŒrstet und Morgan (Lennie James) erleidet eine psychotische Episode. Das passiert just in dem Moment, als Jared (Joshua Mikel) ihn durch sein Auftauchen, seine Bemerkungen (Morgan trĂ€gt Bens Kleidung) und sein Verhalten im Allgemeinen an den Benjamin-Vorfall erinnert. Er kommt aber trotzdem lebend aus der Sache raus, wenn auch knapp.

Dabei gerĂ€t Morgan an Jesus, der eine moderatere und vernĂŒnftigere Version seiner Cheesemaker-Persönlichkeit darstellt. Jesus glaubt nĂ€mlich an Menschenrechte wĂ€hrend des Krieges. Er hat sich in der Vergangenheit natĂŒrlich auch schon die HĂ€nde schmutzig gemacht und Menschen getötet, aber sobald sie die weiße Flagge hissen, gelten fĂŒr ihn andere Regeln. Morgan war in seiner Post-Cheesemaker-Zeit ein Pazifist, der sich weigerte, jegliches Menschenleben zu nehmen. Nach seinem Aufenthalt im Kingdom ist er wieder radikalisiert und zeigte sich zuletzt als stiller und effektiver Killer. Der allerdings scheint auch hier keine Graustufen zu kennen und kann nicht unterscheiden zwischen Krieg und Frieden, da er nach einer Reihe von Stolper-Zombies, die den Gefangenen eine Fluchtmöglichkeit ermöglichen, mit der Waffe Jagd auf die FlĂŒchtigen macht. Er ist ĂŒberfordert und legt sich sogar direkt und körperlich mit Jesus an.

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Monsters“ /
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Monsters“ / - © AMC

Es kommt also zum großen Kampf der Jesus Kicks gegen Morgans Stab, wobei Jesus in der Defensive bleibt, Morgans Angriffe aber durchaus ernst aussehen und das mit der Absicht, seinen Gegner mindestens auszuknocken. Jesus gewinnt die Oberhand, moralisch wie auch im Kampf, was dazu fĂŒhrt, dass Morgen sich vom Rest der Gruppe entfernt, weil er nicht Teil davon sein kann.

Weltmeister der Feigheit

Gregory (Xander Berkeley) taucht derweil beim Hilltop wieder auf, nachdem er seine Mitstreiter dort öffentlich ans Messer geliefert hat und seine Kapitulation als AnfĂŒhrer erklĂ€rt hat. Maggie erkennt, dass er mit Gabriels Auto gekommen ist (wirklich ein sehr gutes Auge) und fragt, woher er es hat und wo der Geistliche ist. Doch wie Gregory nun einmal ist, flĂŒchtet er sich in Ausreden und versucht alles, um seine eigene Haut zu retten, wobei Maggie ihm zu verstehen gibt, dass er nicht mehr willkommen ist. Zumindest, bis er die Mitleidsschiene fĂ€hrt und an ihre Menschlichkeit appelliert.

Maggie selbst bereut sicherlich sofort, dass sie ihn wieder hereinlĂ€sst und mĂŒsste rein logisch eigentlich dafĂŒr sorgen, dass er isoliert oder in irgendeiner Form sanktioniert oder bewacht wird. Denn sĂ€mtliches Vertrauen in Gregory als Mensch ist nach seiner Aktion eigentlich dahin. Eigentlich, denn kurz darauf kehren Jesus und Co zurĂŒck und schon mischt sich Gregory lautstark ein, weil er auf einmal weiß, welch schlimme Menschen die Saviors sind, mit denen er vor wenigen Momenten noch kollaborieren wollte. Maggie hat genug und schickt ihn weg, eine dauerhafte Lösung sieht jedoch anders aus. Fakt ist: Gregory ist der schlimmste von allen.

Jesus saves

Immerhin hat Jesus eine Idee, was man mit den Kriegsgefangenen macht, denn diese sollen in Wohnwagen verfrachtet und dauerhaft bewacht werden. Töten oder ZurĂŒckschicken ist keine Option, worauf Maggie dann auch hört. Jesus bleibt also weiterhin Stellvertreter, Ideengeber und Moralkompass beim Hilltop, was er schon unter Gregory war. WĂ€re Maggie auf die Lösung gekommen, hĂ€tte ich das schöner fĂŒr sie gefunden, um ihre AnfĂŒhrerrolle zu unterstreichen, aber was soll's?!?

FĂŒr mich schreit die Idee in gewisser Weise schon nach einem trojanischen Pferd. Moralisch bin ich eigentlich in der normalen Welt bei Jesus. In der „TWD“-Welt hingegen kann man sich nicht sicher sein, ob hier nicht schon der nĂ€chste Hinterhalt lauern könnte...

Polaroids

Aaron ist Rick und Daryl zu Hilfe gekommen und gemeinsam kĂŒmmert man sich um die Überreste der Stadt, verarztet die Verletzten oder bringt sie nach Hause, sorgt dafĂŒr, dass niemand sich in einen Untoten verwandelt und zur Gefahr wird - und Rick schießt weiter Polaroids. Vielleicht als Retourkutsche fĂŒr Negan und um ihm auch die kleinen Siege vor Augen zu fĂŒhren, wĂ€hrend Aaron seinem Partner nachtrauert, der die Schusswunde - wie zu erwarten - nicht auf wundersame Weise ĂŒberlebt hat.

Und ja, auch Baby Gracie, die Rick unbeabsichtigt zur Waisen gemacht hat, spielt eine Rolle. Rick will sie mitnehmen und sie großziehen, allerdings bittet Aaron, sie zum Hilltop zu bringen, wo er nach dem Krieg mit seinem Lebenspartner hin wollte, da sie dort weniger gefĂ€hrdet ist. Zu Gracie gibt es im Netz bereits wilde Spekulationen, die im Zusammenhang mit der Folge Mercy stehen. Denn aufgrund des PlĂŒschhasen aus ihrer Wiege spekulieren manche, dass die Judith aus Ricks Visionen/TrĂ€umen Gracie sein könnte und die echte Judith stirbt. Eine andere Möglichkeit ist, dass Judith den Hasen erbt und Gracie etwas zustĂ¶ĂŸt oder dass man eben nur einen Hasen hatte und alles ein großer Zufall ist. Man wird sehen.

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Monsters“ /
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Monsters“ / - © AMC

Bevor Rick und Daryl die Schlacht als gewonnen verbuchen können, werden sie noch einmal beschossen. Rick merkt, dass es sich um eine Einzelperson handelt, die sich hinter einem Baum versteckt und er bietet ihr an, sie gehen zu lassen, wenn er Informationen erhĂ€lt. Es handelt sich um Todd (Lee Norris), den wir ebenfalls bereits im Auftakt gesehen haben. Er verrĂ€t ihnen, dass die gesuchten Waffen kĂŒrzlich zu einem anderen Versteck, nĂ€mlich Gavins Outpost, gebracht wurden.

Bevor Rick sein Versprechen halten kann, erschießt Daryl den wehrlosen Jugendlichen allerdings eiskalt. Es ging keinerlei Gefahr von ihm aus, er hatte keine Waffe mehr und hat ihnen zudem verraten, was sie wollten. Daryl ist also keinen Deut besser als die Saviors, was eine bedenkliche Entwicklung ist. Ich kann nur hoffen, dass es deswegen zumindest eine Aussprache mit Rick geben wird oder es vielleicht ein Hinweis auf Old-Man-Rick ist und die Person, die er verlieren oder beseitigen muss. Denn ein ZerwĂŒrfnis mit Daryl wĂ€re wirklich einmal eine gewagte Storyline, die einiges durcheinanderwirbeln könnte. Der schlimmste Fall wĂ€re, dass das kommentarlos akzeptiert wird. Das können nicht mal Hardcore-Daryl-Fans gut finden...

Fazit

Monsters ist definitiv wieder ein Schritt in die richtige, weniger konfus inszenierte und erzĂ€hlte Richtung und macht einiges besser als die vorherige Folge, demonstriert aber auch, dass der Weg zum Scheusal in einem Krieg ein sehr kurzer sein kann. Die Interaktionen, beispielsweise zwischen Morgan und Jesus, aber auch Ezekiels Hoffnung gegen die bittere RealitĂ€t, mit der er konfrontiert wird, sowie Daryls Hang zum Schießen vor dem Reden zeigen interessante Facetten, die der Krieg haben kann, die altbekannten Figuren teilweise aber nicht unbedingt sympathischer machen.

Die Autoren mĂŒssen sich also bemĂŒhen, dass ein Großteil der Figuren nicht vom Krieg so sehr gezeichnet wird, dass sie durch ihr Verhalten die Schurkenposition einnehmen. Manche von ihnen wirken nĂ€mlich kaum besser als die, die sie bekĂ€mpfen und nur wenige bewahren sich ihre Menschlichkeit. Schafft man hier noch rechtzeitig die Kurve? Oder soll hier ein Übel nur das nĂ€chste ersetzen?

Trailer zur Episode Some Guy (8x04) der US-Serie The Walking Dead:

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 6. November 2017

The Walking Dead 8x03 Trailer

Episode
Staffel 8, Episode 3
(The Walking Dead 8x03)
Deutscher Titel der Episode
Wir oder die
Titel der Episode im Original
Monsters
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 5. November 2017 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 6. November 2017
Autoren
Matthew Negrete, Channing Powell
Regisseur
Gregory Nicotero

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 8x03

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?