The Walking Dead 8x02

The Walking Dead 8x02

Wem es in der vorherigen The Walking Dead-Folge an Action und Bleigehalt gefehlt hat, der wird in The Damned auf seine Kosten kommen. Rick und seine Verbündeten führen ihren Plan zur Zerstörung der Saviors weiter aus. Was bleibt dabei aber noch von ihrer Menschlichkeit?

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Damned“ (c) AMC
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Damned“ (c) AMC
© zenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Damned“ (c) AMC

Die The Walking Dead-Episode The Damned ist auf dem Drehbuchpapier sicherlich eine Ausgabe der Zombieserie, die ambitioniert klingt und großes Gefühlskino sein möchte, in der Umsetzung dann aber nicht ganz so rund ist, wie die Macher das vielleicht wollten.

Meine Lesart ist folgende: Es soll sich um eine Folge handeln, die die Schattenseiten des Krieges aufzeigt und die versteckten Tragödien, die dabei auftauchen können. Ob das jetzt die Frage der Behandlung von Kriegsgefangenen ist; dem Folgen von Befehlen; den Hintergründen, der Gegner, die man selten hinterfragt oder die Aufgabe einen Hinterhalt zu führen, ohne enttarnt zu werden, diese Muster finden sich in der Folge allesamt wieder und sind mal mehr oder weniger gut gelungen.

Den Rahmen bilden dabei mal wieder Momentaufnahmen von Gesichtern der Figuren, die gewisse Dinge vorgreifen, wobei diesmal Nahaufnahmen von Gesichtern insgesamt öfter auftauchen als zuvor, und zumindest bei mir auch für (gewollte?) Desorientierung sorgen. Denn bisweilen wusste ich gerade nicht, wo eine Gruppe endet und die nächste beginnt.

Drive by

Savior Mara (Lindsey Garrett) wird beispielsweise von einer Drive-By-Attacke von Ricks Truppen überrascht und versucht den Angriff abzuwehren. Allerdings sieht der Plan vor, die Zeit abzusitzen, ehe die im Gefecht getöteten Savior zur Waffe werden, die den Rest erledigt. Garrett und ihre Figur haben wir vorher noch nie gesehen und sie spielt die Rolle auch gut, allerdings ist wie öfter schon bei „TWD“ ein Problem, dass so ein Exkurs den Zuschauer emotional nicht erreicht, weil wir ihre Figur überhaupt nicht kennen. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes Kanonenfutter der Folge.

In solche Situationen frage ich mich, worum sich die Autoren zwanghaft an andere Figuren klammern. In dieser Situation hätte man auch die Figuren Regina oder Gavin (beide in der letzten Folge an Negans Seite) einbauen können und hätte zumindest etwas mehr Effekt bei den Zuschauern erzielen können. So nimmt man ihren unvermeidlichen Tod quasi unberührt hin.

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Damned“
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Damned“ - © AMC

Morgan, der Terminator und Jesus, der Heilige

Morgan (Lennie James) ist derweil Teil einer Crew, die die Saviors finden und töten soll, aber auch Augen nach Ressourcen und Waffen Ausschau hält. Tara (Alanna Masterson) und Jesus (Tom Payne) haben einen ähnlichen Auftrag. Während Morgan auf eigene Faust und ohne Verstärkung durch die Anlagen streunt und alles und jeden ermordet, gibt Jesus den Humanisten und versucht Gnade wallten zulassen, wo es möglich ist. Dabei eckt er mehrfach mit Tara an, die sich daran erinnert fühlt, dass diese Leute vor kurzer Zeit den Tod ihrer Freundin Denise verursacht haben.

Dabei treffen sie auf Dean, einen Mann, der sich offenbar vor Angst die Hosen benässt und eine Leidensgeschichte auftischt, die sich aber als perfide Taktik und Lüge herausstellt und direkt den Ansatz von Jesus ins Lächerliche zielt, weil Tara in ihrer Philosophie, das alle Saviors Schweine sind, bestätigt wird. Tatsächlich gab es in der TV-Serie bisher erschreckend wenig Gegenbeispiele dafür. Dwight und seine Frau Sherry wären vielleicht zu nennen, über andere müsste man wohl gründlich nachdenken. Damit macht man es sich aber auch sehr einfach, denn das Feindbild ist mal wieder sehr eindeutig in schwarz und weiß eingeteilt und so klappt eine Episode, wie diese, eben nur bedingt.

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Damned“
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Damned“ - © AMC

Es läuft darauf hinaus, dass man Dean nach einer Kurzzeitgeiselnahme von Jesus ausknockt und am Leben lässt, während später eine große Gruppe von Saviors klein beigibt. Just in dem Moment ist Morgan dann auch mit seinem wilden - und anders kann man es kaum nennen - killing spree fertig. Genau da erblickt er, dass auch Jared (Joshua Mikel) Teil der Kriegsgefangenen-Gruppe ist, also der, der beim Austausch zwischen Kingdom und Sanctuary immer wieder für Spannungen gesorgt hat sowie den Tod vom jungen Ben (Logan Miller) provoziert hat und möchte ihn sofort töten. Allerdings hat inzwischen Jesus die Rolle übernommen, die Morgan einige Zeit inne hatte und die unabdingbar ist, wenn man eine neue Zivilisation anstrebt. In seiner Anwesenheit werden Leute, die sich ergeben, verschont, auch wenn er auf Morgans Frage, was man mit dieser Gruppe tut, keine sofortige Antwort hat.

Morgan ist eine Killermaschine, die effektiv in einem Krieg sein kann, danach aber ihre Berechtigung einbüßt und erinnert somit an Veteranen, die nach dem Einsatz nach Hause zurückkehren und nicht wissen, wie sie in alte Strukturen reinpassen. Zudem ist seine mentale Stabilität, seit den Vorfällen rund um das Kingdom und Richard wieder eindeutig zerbrochen, es würde also nicht überraschen, wenn die Figur daran demnächst zerschellt, auch wenn sie selbst der Meinung ist, dass sie nicht stirbt.

Bei Tara bin ich mir aktuell nicht sicher, ob ihre Charakterisierung wirklich stringent ist, denn sie jetzt wieder zur Person zu machen, die aus Rache zu Mord greift, will nicht so richtig passen, auch weil sie aus Governorzeiten eigentlich noch andere Erfahrungen mitbringt und auch ihr Exkurs in Oceanside sollte ihr anderes vor Augen geführt haben, aber vielleicht geht es nur mir so.

Auf der Suche nach dem Flüchtigen

Bei Ezekiel (Khary Payton) und Carols (Melissa McBride) Crew geht es nach dem Granaten-Knock-Out und anschließendem Kampf darum, den Angreifer der Satellitenstation aufzusammeln, ehe er die Saviors warnen kann und so den Überraschungsmoment zerstört. Hier kommt ein anderes Problem der noch frischen Staffel zu tragen: Wie genau sind die Zeitabläufe zu lesen? Warum ist es wichtig, dass diese Einzelperson aufgehalten wird, wenn Rick und Co doch schon Negan konfrontiert haben? Geht es nur darum die Verstärkung aufzuhalten? In meinen Augen hätte man das alles etwas klarer strukturieren können. Denn eigentlich wissen die Saviors doch schon von ihrem „Glück“.

Allerdings ist in diesem Teil der Episode ohnehin das Seelenleben und die Fassade, die Ezekiel aufsetzt wichtiger, als die uns erneut völlig fremde Gegenspielerfigur. Ezekiels Schauspiel das wortwörtliche „Gute Miene zum bösen Spiel“ für seine Gefolgsleute machen, ist interessant zu beobachten, weil Carol dies natürlich nicht verborgen bleibt. Ezekiel aber lügt selbst in einer fast aussichtslosen Situation noch den optimistischen Feldherren vor und erzielt durch das Erscheinen von Tigerin Shiva auch seinen erträumten Erfolg, wobei der Rückschlag schon kurz danach folgt, als ein Funkspruch abgefangen wird.

P.S. Shivas Einsatz beeindruckt diesmal leider gar nicht und bisweilen wirken die Schnitte (auf sie und Ezekiel sowie den Rest der Gruppe) hier auch so wie aus zwei verschiedenen Produktionen.

Opfer

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Damned“
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Damned“ - © AMC

Aaron (Ross Marquand) und Eric (Jordan Woods-Robinson) gehören zu denjenigen, die Mara angreifen und einige Savior in ihr Verderben schicken sollen. Früh wird hier deutlich, dass der wenig kampferprobte Eric sich in einer Situation wiederfindet, die tragisch enden könnte. Aaron versucht sein bestes, um seinen Partner zu schützen, kann im Endeffekt aber nicht verhindern, dass er eine Bauchwunde erleidet. Wie ernst diese ist, muss sich noch zeigen. Aber hier trifft ebenso die bereits benannte Kritik auf, dass die Autoren mit Vorliebe Figuren angreifen, zu denen die emotionale Verbindung fehlt.

Sicherlich: Bei seiner Einführung hatte Eric ein paar nette Szenen mit Aaron (man denke an das gemeinsame Spaghettiessen mit Daryl oder das Schrauben am Motorrad), aber über weite Strecken nach seinem Debüt spielte Eric eine Randrolle. Kaum ein Zuschauer würde ihn vermissen, weil wir ihn zu wenig kennen. Aaron mag der Verlust sicherlich treffen, aber auch seine Figur wurde sträflich vernachlässigt, was am überladenen Maincast liegt, der seit Alexandria kaum reduziert, sondern eher aufgebläht wurde.

Sünden des Krieges

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Damned“
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Damned“ - © AMC

Daryl (Norman Reedus) und Rick (Andrew Lincoln) suchen derweil mit Hilfe von Dwights Aufzeichnungen nach einem Waffenlager, finden aber lange Zeit nicht, was sie suchen, weswegen besonders Daryl Zweifel kommen. Rick verliert das Vertrauen jedoch nicht, weil seine anderen Hinweise (die wir in der letzten Folge des Öfteren im Bild gesehen haben), zutreffend waren.

Daryl kehrt kurzzeitig in seine Zelle zurück, während Rick in einen Kampf verwickelt wird, den er im Endeffekt für sich gewinnen kann, weil er sein Gegenüber an einem Haken erdolcht. Hier verstecken die Autoren die Lektion zum Thema Tücken des Krieges, denn der Mann ist offenbar doch nur ein Vater, der versucht seine Tochter zu retten, was Rick wieder einmal den Spiegel vorhält und ihn seine Tat direkt bereuen lässt. Trotzdem finde ich, dass diese Vermenschlichung der Savior an dieser Stelle zu spät kommt und nicht den gewünschten Effekt erzielt. Gleichwohl räume ich ein, dass die Rick-Szenen, die am Anfang am wenigsten Sinn ergeben hatten und sich wie Zeitschinderei (x-te-Wiederholung einer altbekannten Situation) angefühlt haben, durch die Offenbarung der verwaisten Tochter doch einen emotionalen Schlag gelandet haben.

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Damned“
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „The Damned“ - © AMC

Obendrein wird der mitgenommene Rick von Morales (Juan Gabriel Pareja) überrascht, den wir zuletzt in Staffel eins gesehen haben. Die Chancen stehen aber gut, dass man diese Figur bereits völlig vergessen hat, wenn man nicht schon mindestens einen oder regelmäßige Rewatches der Serie betrieben hat. Als kleine Erinnerung: Morales und seine Familie haben sich damals dagegen entschieden mit Rick und Co ins CDC zu gehen und dort trennten sich dann die Wege. Nun hat es ihn offenbar über viele Wege und Umwege von Atlanta ins Sanctuary verschlagen. Was genau die Autoren vorhaben, ist unbekannt und dürfte für die ein oder andere Überraschung sorgen, weil die Figur auch im Comic keine Rolle spielt. Sein Auftritt schlägt auch den bisherigen Rekord von Morgan, der bisher der späteste Rückkehrer zur Serie ist.

Fazit

The Damned möchte viel, schafft aber nicht so viel. An Action haben die Macher diesmal nicht gespart, dafür aber an der Übersichtlichkeit. Denn bisweilen fällt es schwer, dem Geschehen klar zu folgen und die Aktion der Figuren nachzuvollziehen. Intentionen lassen sich eindeutig herauslesen, aber diese Absichten müssen dann auch in einer vernünftigen Inszenierung münden, ohne dass man jedes Detail mehrmals genauer betrachten muss.

Die Großaufnahmen der Gesichter, die überdurchschnittlich oft eingebaut wurden, haben in meinen Augen also eher für weniger visuelle Klarheit gesorgt. Erschwerend kommt hinzu, dass man durch die verschiedenen Handlungsorte einfach schwer unterscheiden kann, wo man sich befindet.

Darum mein Fazit: gute Absicht einer vielschichtigen Betrachtung einiger Schattenseiten des Krieges, mittelmäßige Umsetzung.

Trailer zur Episode Monsters der Serie The Walking Dead (8x03):

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 30. Oktober 2017

The Walking Dead 8x02 Trailer

Episode
Staffel 8, Episode 2
(The Walking Dead 8x02)
Deutscher Titel der Episode
Die Verdammten
Titel der Episode im Original
The Damned
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 29. Oktober 2017 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 30. Oktober 2017
Autoren
Matthew Negrete, Channing Powell
Regisseur
Rosemary Rodriguez

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 8x02

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