The Walking Dead 8x01

© zenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Mercy“ (c) AMC
The Walking Dead ist wieder da. Die Folge Mercy zeigt Ricks (Andrew Lincoln) Verbündete voller Tatendrang, denn sie wurden von den drei Anführer auf die bevorstehende Schlacht eingeschworen. Neben Rick selbst sind das Maggie (Lauren Cohan) und Ezekiel (Khary Payton), die im Verlauf der Folge alle Reden in bester „Braveheart“ und „Independence Day“-Manier halten.
Diesmal hat man offenbar an einiges gedacht. Es wirkt fast so, als wäre die Steinbruchsituation von vor einigen Staffeln eine Generalprobe für das Organisationstalent der Überlebenden gewesen. Diesmal darf nur nichts schief gehen, darum werden Listen abgestrichen, Teams aufgestellt und minutiös das Timing geplant.
Menschlichkeit
Neben der Schlacht demonstriert die Folge allerdings auch, dass man dabei die Menschlichkeit nicht aus den Augen verlieren sollte, wie die Situation rund um Carl (Chandler Riggs) zeigt. Der Grimes-Sproß ist auf der Suche nach Benzin oder Vorräten und bemerkt dabei einen verängstigen Mann, der Kontakt aufnehmen will. Im Endeffekt wird er jedoch von Rick verscheucht, der in die Luft schießt und meint, dass das die menschliche Variante ist. Es ist verständlich, dass der große Angriffsplan nicht gefährdet werden kann, für den Fall, dass es sich um einen Savior-Spion handelt. Der gutgläubige Carl wünscht sich von seinem Vater vielleicht etwas mehr Hoffnung und Vertrauen für die Zukunft der Menschheit, auch wenn er selbst schon oft genug erlebt haben dürfte, dass Naivität nicht immer gut geht.
Die Welt gehört uns
Für Rick hat sich nach dem ersten Treffen mit Jesus (Tom Payne) gedanklich einiges verändert, obwohl es vielleicht gedauert hat, bis er vollständig begriffen hat, was damit gemeint war, als er sagte, dass die ihm bekannte Welt bald sehr viel größer werden könnte. Doch inzwischen hat er eine Vision von einer besseren Welt, bei der eigentlich nur ein großer Störfaktor, nämlich Negan (Jeffrey Dean Morgan), im Weg steht. Die Gemeinschaften von Alexandria, Hilltop und dem Kingdom sind sich einig, dass sie eine bessere und fairere Zukunft verdient haben, bei der nicht nur eine Person das Sagen hat, sondern gemeinschaftlich Entscheidungen getroffen werden.
Während Rick zunächst der Ansicht ist, dass Negan sterben muss und das durch seine Hand geschehen soll, könnte man meinen, dass sich diese Sichtweise im Lauf der Episode ändert und auch die Visionen/Flash-Forwards/Träume sprechen eine andere Sprache, aber dazu später mehr.
Teamwork
Während eine Gruppe rund um Rick, Maggie und Ezekiel den Sturm auf die Sanctuary vorbereitet und mit Autos aufwartet, die ähnlich wie Alexandrias Mauern mit Metall verstärkt werden, kümmern sich Tara (Alanna Masterson), Carol (Melissa McBride), Morgan (Lennie James) und Daryl (Norman Reedus) um eine Herde, die Negans Stützpunkt überfallen soll.
Morgan ist dabei wieder vollkommen in Clear-Modus und stürzt sich mit seinem angespitzten Bo auch auf Lebende, während Tara die Frau für das Timing ist und Daryl wagemutig dafür sorgt, dass die Herde ihm auf seinem Motorrad folgt, von dem er zielsicher (vielleicht etwas zu zielsicher) für Explosionen am Wegesrand sorgt. Klar, die Macher lieben die Coolness der Figur und Reedus sicherlich auch, trotzdem kann ich mir nicht verkneifen das Actionheldgehabe mit Explosionen wenige Zentimeter vor seinem Gesicht wenigstens ein Stück weit albern zu finden.

Insgesamt wirkt der ganze Plan zu perfekt und ich wurde das Gefühl nicht los, dass noch der große Twist kommt, was aber ausbleibt. Rick überlässt fast nichts dem Zufall und erhält auch Negas Aufmerksamkeit. Die Gruppe ist so von ihrem Plan überzeugt, dass Rick den Lieutenants (Simon, Gavin, Eugene, Dwight und Regine) Gnade anbietet, wenn sie sich ergeben, wobei Dwight natürlich schon gemeinsame Sache mit Ricks Truppen macht und einige davon direkt in ihr explosives Verderben geschickt hat.
The Hilltop stands with Maggie

Dennoch kommt ein Gegenversuch von Negan, denn Simon hat Gregory (Xander Berkeley) in der Hinterhand, der versucht die Krieger aus dem Hilltop zur Aufgabe zu bringen. Gregory hat jedoch jegliche Autorität und Respekt seiner Mitmenschen verloren und niemand nimmt ihn ernst, als es heißt, dass Mitstreiter und deren Familie aus der Stadt geschmissen werden.
Denn hier hat längst Maggie die Hosen an, die zudem jedem einräumt das Angebot wahrzunehmen. Nicht nur das Hilltop hat vollstes Vertrauen in die schwangere Maggie, auch Rick ist bereit die Anführerschaft an sie abzutreten, wenn die Schlacht geschlagen ist. Das überrascht schon ein wenig und wir müssen erst einmal abwarten, ob er sich an diese Unterredung hält.
Die Gregory-Idee verpufft also wirkungslos und man fragt sich, worauf Rick und Co eigentlich warten, denn der viel zu selbstbewusste Negan lässt sich nicht einmal von der Truppenstärke einschüchtern, sondern steht wie auf dem Präsentierteller in der Gegend rum. Genau dann läuft Ricks Countdown ab, der den rechten Händen eine Chance zur Flucht einräumen soll, wobei er zwar ab zehn runterzählt, aber ab sieben schießt. Prinzipiell hätte er aber auch genau da schon Negan erwischen können. Das ist aber offensichtlich gar nicht der Plan, die systematische Schwächung der Sanctuary steht vielmehr auf der Agenda, weswegen auch die zahlreichen Fenster zerschossen werden und die Untoten dahin gelenkt werden.
Von Gabriel (Seth Gilliam) muss Rick daran erinnert werden, dass der Angriff sich nicht um seine Person dreht, auch wenn er liebend gerne auf Negans Deckung zu schießen scheint. Der Tag wird wohl noch kommen, wo man ihn sich vorknöpft, dann jedoch mit deutlich reduzierter Savior-Armee - so zumindest der Plan von Rick und Co. Also steht der Rückzug an, wobei Gabriel jedoch den verletzten Gregory sieht und ihn retten möchte, wenn sich der richtige Zeitpunkt ergibt. Gregory klaut aber - feige wie er so ist - den fahrbaren Untersatz und macht sich aus dem Staub, während Gabriel nichts anderes übrig bleibt, als der Rückzug nach vorne und damit zu Negan, der sich verkrochen hat. Gregory ist somit aktueller Titelhalter des größten Feiglings ohne Rückgrat.
Satellit
Man könnte meinen, dass der Plan damit bereits erledigt sei, doch Carol, Ezekiel und einige Kämpfer besuchen die bereits bekannte Satellitenstation der Saviors, wo Maggie und Co einst bereits einmal ordentlich aufgeräumt haben (in der Folge The Same Boat). Hier stoßen Carol und Co auf Widerstand durch jemanden mit einer Granate und wir wissen vorerst nicht, wie es um diese Crew steht.
Carl hinterlässt derweil für den unbekannten Mann ein paar Konservendosen und eine Entschuldigung. Dabei wird er auch von ihm beobachtet. Ihn haben wir also sicher nicht zum letzten Mal gesehen.
Another one bites the dust
Kommen wir also zu den Visionen/Träumen/Flash-Forwards. Ich blende sämtliche Comic-Kenntnisse an dieser Stelle aus und mutmaße, was uns die Serie sagen möchte. Wir sehen ein alten bärtigen und langhaarigen Rick, der aufwacht und Musik hört (es ist „Another One Rides the Bus“ von Weird Al Yankovic und nicht„Another one bites the Dust“ von Queen), wobei die Ironie an Carl nicht verloren gegangen scheint. Wir sehen einen Gehstock und sollen annehmen, dass einige Zeit vergangen ist, entweder weil Rick sich das vorstellt, träumt oder es sich um Flash-Forwards, also Blicke in die Zukunft handelt.
Darin erfahren wir, dass es der gesamten Grimes-Familie gut geht. Judith ist ordentlich gewachsen und auch Carl ist nichts zugestoßen. Darüber hinaus kann es sich Rick leisten auszuschlafen, weil der Rest auch ohne ihn klarkommt. Dafür ist ein großes Fest geplant, wo auch eine große Eule ins Spiel kommt.
Ob nun Traum oder Realität, es sieht wie ein Utopia für Rick aus und eines, für das es sich zu kämpfen lohnt. Was genau das für die Saviors bedeutet, werden wir wohl bald erfahren.
Allerdings sollte man sich wohl nicht drauf einstellen, dass aus The Walking Dead plötzlich „Unsere kleine Farm“ wird, obwohl wir das in gewisser Weise schon in Staffel zwei hatten. Selbst wenn die Vision die Zukunft zeigt, dürfte das vielleicht nur eine Momentaufnahme des Glücks sein und bald schon werden wieder untote Gefahren oder neue menschliche Bedrohungen lauern, sofern die Serie nicht doch überraschend vorzeitig beendet wird.
Fazit

Mercy ist gleichzeitig auch die 100. Episode von The Walking Dead. Würde man von diesem Umstand nicht wissen, könnte das womöglich unbemerkt an einem vorbeiziehen. Ja, wir sehen den ersten großen koordinierten Gegenschlag und Angriff der Überlebenden rund um Rick und Co auf Negan und auch die Visionen zeigen uns eine mögliche Zukunft oder eben auch nicht, die bevorstehen könnte. Aber für mich schreit nichts lauthals Jubiläumsfolge. Das gilt auch für die Inszenierung und die Qualität des Auftakts, was beides okay, aber nicht herausragend ist. Aufgefallen ist mir, dass die Rolle von Negan zumindest hier deutlich heruntergefahren wurde und er selbst auch erst ab der Hälfte überhaupt auftritt.
Die Folge ist eine klassische Ensemble-Folge, was in The Walking Dead bisweilen etwas rar geworden ist und deswegen durchaus Beachtung verdient, wobei aufgrund der immensen Größe des Casts sicherlich dennoch nur die Hälfte (oder vielleicht zweidrittel) der zentralen Figuren tragende Rollen spielen.
Trotz allem bin ich gespannt, wie die Macher rund um Scott M. Gimple den „All Out War“ inszenieren und verteilen werden, denn so viel Comicwissen kann hier angedeutet werden: dort wurde die Schlagzahl der Erscheinungsweise der Comics für eine Zeit verdoppelt. Könnte nach diesen acht Folgen also vielleicht ein neuer Status Quo - wie auch immer der aussieht - anstehen?
Trailer zur Episode The Damned der Serie The Walking Dead (8x02):
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 23. Oktober 2017The Walking Dead 8x01 Trailer
(The Walking Dead 8x01)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 8x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?