The Walking Dead 7x16

© zenenfoto aus der âThe Walking Deadâ-Folge âThe First Day of the Rest of Your Lifeâ (7x16) / (c) AMC
Nach Last Day on Earth, einem der kontroversesten Staffelfinale der jĂŒngeren Vergangenheit, sahen sich die The Walking Dead-Autoren rund um Serienschöpfer Robert Kirkman und Showrunner Scott M. Gimple mit einer Herkules-Aufgabe konfrontiert. Das siebte Staffelfinale The First Day of the Rest of Your Life darf bloĂ nicht mit einem Cliffhanger enden. Doch auch gewisse andere Ereignisse sollten eigentlich noch nicht eintreffen. Nur eines war relativ klar: Das Schicksal von Sasha (Sonequa Martin-Green) scheint besiegelt, das merkt man schon sehr frĂŒh in dieser Episode. Nun lautet die Frage: Wie nah bleibt man an der Comicvorlage, die eine Ă€hnliche Situation vorgelegt hat? Die Anwort: Man wandelt sie per Remix einfach ab.
We kick shit and eat snakes
Eine Regel bei The Walking Dead lautet offenbar tatsĂ€chlich: Wenn eine Figur einen groĂen Fokus erhĂ€lt, dann könnte sie dem Tode nah sein. Sasha erleben wir in dieser Folge immer wieder musikhörend und es scheint, als wĂŒrde sie in einem Auto transportiert werden. Dabei sieht es stark danach aus, als wĂŒrde sie leiden. WĂ€hrend bei manchen Darstellungen das Leben an den Augen der Protagonisten noch einmal vorbeilĂ€uft, erinnert sie sich an wenige SchlĂŒsselmomente der Vergangenheit.

Dazu gehört auch eine Konversation mit Abraham (Michael Cudlitz), die kurz vor seinem Ableben einzuordenen ist, denn er spricht davon, dass es Maggie (Lauren Cohan) schlecht geht und Rick (Andrew Lincoln) einen Trip ins Hilltop unternehmen möchte. Doch ein wenig untypisch fĂŒr Sasha schlĂ€gt sie eigennĂŒtzig vor, dass man diesmal aussetzen und die Begleitung jemand anderem ĂŒberlassen sollte.
Abraham wurde allerdings immer als Anpacker gezeigt und so bleibt er auch hier standhaft, er glaubt, dass die beiden noch einiges vor sich haben und durch kaum etwas aufzuhalten sind. Damals wusste er noch nicht, welche Maschinerie hinter Negan steckt.
Ich muss zugeben, dass mich die Art und Weise dieser Einblicke in Sashas Psyche in der Folge nicht immer begeistert hat. Stellenweise wirkte es etwas zu gefĂŒhlsduselig und das Aufteilen in kurze Sequenzen hat mir weniger gut gefallen - lieber hĂ€tte ich dazu ein oder zwei Mal eine lĂ€ngere Szene gesehen.
Der Moment, der Sasha ĂŒberzeugt, ist Abrahams lange Rede, die auch ein wenig untypisch fĂŒr ihn ist, denn er ist kein Mann langer Monologe, dafĂŒr erleben wir aber noch einmal ein paar Abrahamismen. Aber dadurch, dass Maggie die Zukunft der Ăberlebenden quasi in sich trĂ€gt, kann er Sasha ĂŒberzeugen, ihr Leben zu riskieren, wobei er es etwas direkter ausdrĂŒckt.
Dieses Nahtodflashback ist ein altbekanntes Stilmittel von The Walking Dead. Etwas Ă€hnliches hatten wir auch schon bei Sashas Bruder Tyreese oder auch bei Abraham selbst, nur war er dort noch nicht dem Tode geweiht. Wie im Fall von Rosita kommt diese verspĂ€tete Information allerdings meiner Meinung nach nicht zum richtigen Zeitpunkt. Klar, man soll bei Sashas Todeskampf mitfĂŒhlen, doch wenn dabei schon so klar herausgestellt wird (etwa durch den Song âWe'll be freeâ, den sie auf dem iPod hört), dass sie sterben wird, dann verliert das meinem Empfinden nach an Wirkung.
Schrödingers Sarg
Da hilft auch Schrödingers Sarg nur wenig, der immerhin als Abwandlung zum Comic prĂ€sentiert wird, wo das Sasha-Ăquivalent Holly per Beutel ĂŒber den Kopf als Austauschgeisel angeboten wird (siehe auch FTWD) und ebenfalls eine Liebschaft von Abraham darstellte, wenn auch mit etwas weniger starker Charakterisierung als Sasha.
WĂ€hrend Negan nĂ€mlich davon ausgeht, dass Sasha ihn bei der Verhandlung mit Rick unterstĂŒtzt, bei der er die Regeln diktiert und mindestens ein Todesopfer fordert, hat die mit ihrem Leben, auch dank Eugenes (Josh McDermitt) Todespille, schon lange abgeschlossen. Negans Charakterisierung ist derweil durchaus interessant anzusehen, denn Sasha fĂ€llt in die Kategorie der Menschen, deren StĂ€rke er bewundert und in die er sich gar verliebt (siehe Carl, Daryl oder in gewisser Weise auch Rick). Darum will er sie auch tatsĂ€chlich zur Savior umschulen, wie es ihm offenbar mit Eugene bereits gelungen ist.
Der Vokuhila-TrĂ€ger hat er aber bewusst oder unbewusst - darĂŒber lĂ€sst sich vortrefflich streiten - mit der Pille geholfen. Es mag vielleicht nicht das Messer oder die Waffe gewesen sein, die sie eigentlich haben wollte, wenn sie Negan aber ĂŒberraschen kann oder der Gruppe einen Vorteil verschafft, dann hat sie in ihren Augen schon etwas geleistet. Auch wenn sie weiĂ, dass man als Untoter keinerlei direkte Kontrolle mehr hat.
ĂberlĂ€ufer Dwight
Dwight (Austin Amelio) möchte Negan ebenfalls tot sehen. Weil jedoch alles und jeder in der Sancutary Negan ist, wĂ€re es wenig erfolgreich, wenn er ihn im Alleingang umbringt. Allerdings trĂ€gt er Verantwortung fĂŒr so manchen Ballast: den Mord an Denise beispielsweise, den Tara (Alanna Masterson) ihm ankreidet. Deswegen und wegen der Komplizenschaft mit Negan will auch Daryl (Norman Reedus) ihn aus dem Verkehr ziehen, sollte er lĂŒgen. Seine VertrauenswĂŒrdigkeit wird insgesamt in Frage gestellt, doch Daryl ist es im Endeffekt, dessen Urteil hier wohl den Ausschlag gibt, ihn anzuhören, denn er warnt vor dem baldigen Angriff. Den möchte Dwight versuchen zu verlangsamen, damit Ricks Gruppe den Despoten ausschalten und den Rest der Saviors hereinlegen kann. Rick, Michonne und Daryl sind sich bewusst, dass sie ein Risiko eingehen, denn wenn er lĂŒgt, sind sie alle schon so gut wie tot.
Hilltop und Kingdom
Sowohl im Hilltop als auch im Kingdom stehen derweil Entscheidungen an. Maggie etwa muss entscheiden, ob sie als Siedlung Rick und seiner Crew beistehen, wÀhrend Carol (Melissa McBride) auf Morgan (Lennie James) trifft, der so zwiegespalten wie lange nicht mehr ist.
Eigentlich plant er die Saviors in den Hinterhalt zu locken, doch Carol merkt sehr richtig an, dass sein Scheitern die Leute im Kingdom gefÀhrden könnte.
Nach den Worten seiner Begleiterin und des Kingdom-Herrschers Ezekiel (Khary Payton), der bemerkt, dass Morgan Benjamins alte RĂŒstung trĂ€gt und die Saviors mit Drachen vergleicht, schlieĂt er sich doch der kleinen Truppe an. Kam nur mir die Crew mit etwa zehn MĂ€nnern und Frauen - trotz Carol und Tiger - etwas mickrig vor? Nun ja, immerhin kĂ€mpfen Letztgenannte beide wahrscheinlich wie zehn normale Krieger.
Letzte Schlachtvorbereitungen
In Alexandria machen sich Ricks WeggefĂ€hrten und die MĂŒll-People auf FĂ€hrrĂ€dern und mit MĂŒllwagen derweil bereit zum Kampf. FĂŒr den Fremdscham-Moment der Folge sorgt diesmal Jadis (Pollyanna McIntosh), die in Michonnes Anwesenheit ihr Interesse an einem SchĂ€ferstĂŒndchen mit Rick Ă€uĂert.
Aaron (Ross Marquand), Rosita (Christian Serratos) und Daryl kĂŒmmern sich inzwischen um SprengsĂ€tze mit FernzĂŒndern (mein erster Gedanke: Hoffentlich hat Rosita eine ordentliche Unterweisung gegeben, sonst sprengen sich gleich alle versehentlich in die Luft).
Nicht nur Dwight will versuchen, Zeit zu schinden, sondern auch Eugene bietet Negan (Jeffrey Dean Morgan) an, sich etwas einfallen zu lassen, um Rick und Co. zu sabotieren. Michonne platziert sich auf den Ausguck und wird von einer MĂŒll-Lady unterstĂŒtzt.
Will you comply, Rick?

Die erste Vorhut der Saviors besteht also aus Eugene, der Rick und Co sichtlich verwirrt, ihm aber die Wahl lĂ€sst aufzugeben, bevor der erste Schuss fĂ€llt. Als man realisiert, dass Eugene die Seiten gewechselt hat, ist Rosita bereit ihn dafĂŒr in die Luft zu sprengen, doch die Bombe geht nicht hoch. Das liegt daran, dass Jadis und ihre Leute VerrĂ€ter sind, die einen besseren Deal mit Negan herausgehandelt und ihn mit Informationen versorgt haben. Negan ist sich nun siegessicher, obwohl auch er verwundert ist, dass man Eugene einfach geopfert hĂ€tte. Nun fordert er also: Alle Waffen, jemanden, der durch Lucille getötet wird, die RĂŒckgabe von Daryl sowie den Pooltisch mit allem Drum und Dran. Bevor Rick allerdings darauf eingeht, will er Sasha sehen, die im Sarg zum Walker geworden ist und sich auf Negan stĂŒrzt, als er sie frei lĂ€sst.

Das allgemeine Chaos der Situation nutzt ausgerechnet Carl um die Attacke zu starten und einige VerrĂ€ter zu durchlöchern. Negan wird allerdings von seinem Helfer gerettet, der dafĂŒr mit dem Leben zahlen muss, wĂ€hrend Simon (Steven Ogg) ihn wegschafft. Rick versucht trotz Verrat einen neuen Deal mit Jadis einzutĂŒten, doch diese schieĂt ihn lieber an, als er nicht auf sie hört. Michonne kĂ€mpft dagegen mit ihrer Kollegin auf dem Turm und kann sich mit MĂŒhe und Not verteidigen, wird aber stark lĂ€diert. Die Autoren wollen uns auĂerdem kurz glauben lassen, dass sie den KĂŒrzeren zieht, was sie natĂŒrlich nicht tut.
Kneel before Negan

Es sieht kurzzeitig stark danach aus, als sĂ€Ăe Negan wieder am lĂ€ngeren Hebel. Er lĂ€sst Carl knien und holt zu einem patentierten Negan-Monolog aus, wobei er androht Ricks Sohn mit einem Schwung umzubringen und dann Ricks Hand zu zertrĂŒmmern. Carl droht inzwischen so etwas wie Glenn 2 zu werden, denn im Fall Negans wird der junge Grimes natĂŒrlich gerne als Druckmittel genutzt und diesmal - das muss ich zugeben - hat es auch bei mir funktioniert. Ich hatte Angst um ihn. Rick verspricht derweil, dass er Negan eines Tages erwischen und ihn umbringen wird und zitiert dabei wieder einen Dialog aus den Comics 1:1.
Die wecken den Tiger in ihr!

SpĂ€testens an dieser Stelle habe ich mich aber auch gefragt, wann denn Carol und das Kingdom kommen und siehe da: Kurz vor dem Schwung darf Shiva endlich die BeiĂer und Krallen zeigen und mich innerlich zum Jubeln bringen.
Doch nicht nur das Kingdom ist da, sondern auch Maggie, Jesus und Co., die fĂŒr die Wende sorgen. SpĂ€testens hier hatte mich die Folge dann wieder, die mich in der ersten HĂ€lfte bei einigen der Sasha-Flashbacks kurzzeitig etwas genervt hat. Momente wie die Tiger-Attacke oder die Hilfe von Morgan fĂŒr Rick gehören bei TWD zu meinen Lieblingsmomenten, die glĂŒcklicherweise aber nicht allzu inflationĂ€r eingestreut werden. HĂ€tte ich Shiva gerne schon frĂŒher in Aktion gesehen? Klar, aber so ist sie deutlich wirkungsvoller in meinen Augen.
Dass es sich bei dieser Schlacht eben nur um eine solche handelt und nicht um den Krieg, merkt man daran, dass vergleichsweise wenig wichtige Figuren, sondern eher Randos und MĂŒllpeople aka die neuen Red Shirts umkommen. Die haben immerhin eine Taktik fĂŒr den RĂŒckzug mit Leuchtfeuer und Rauchbomben, wĂ€hrend Negan sich mit ausgestrecktem Mittelfinger aus dem Staub macht. Die Verfolgung wird verhindert, dafĂŒr bleibt Zeit nach den Verletzten zu schauen, zu denen neben Michonne noch Rosita gehört. Wieder einmal ist sie also davongekommen.
101 Days without a recordable incident
ZurĂŒck in der Sanctuary fragt sich Negan unweigerlich, wie es zu Sashas Tod kommen konnte. Doch Eugene kommt relativ schnell auf die Idee, dass sie schlicht und ergreifend erstickt sein könnte. Er spielt das lange Spiel und offenbart natĂŒrlich nicht, dass er ihr geholfen hat, um sein eigenes Leben zu retten. Negan kĂŒndigt derweil den offenen Krieg an.
Die Episode endet mit einem recht netten Voice-Over von Maggie, die die Geschichte von The Walking Dead mit der Begegnung von Rick und Glenn umrahmt, wĂ€hrend die Bilder zeigen, dass der Sasha-Zombie von Jesus und Maggie gefunden und erlöst wird. Das ganze erinnert ein bisschen an Serien wie Lost, bringt eine ordentliche Portion Pathos (Hershels Uhr!) mit und könnte auch ein guter Ausstiegspunkt fĂŒr diejenigen sein, die die Serie nicht weiterverfolgen möchten. Einen saubereren Schnitt findet man fĂŒrs Erste wohl nicht.
Allerdings hat der Krieg gerade erst begonnen. Daryl findet auf einer der Schachfiguren eine Botschaft von Dwight, der beteuert, dass er nichts von Negans Plan wusste. Somit hat man weiterhin einen Maulwurf in der Sanctuary, der sehr viel mehr Ăbung im Taktieren und hinters Licht FĂŒhren hat als andere.
Fazit
Die TWD-Episode Last Day on Earth glĂ€nzt wieder einmal durch groĂe ĂberlĂ€nge und teils stark schwankende QualitĂ€t. Die Versprechungen durch Scott M. Gimple im Vorfeld sind eingetroffen, was dazu fĂŒhrt, dass dieses Finale den Eindruck eines emotionalen Gemischtwarenladens vermittelt.
Manches funktioniert und manches eben nicht. Die Aufteilung in kleine Sasha-Flashbacks hat mir dabei nicht durchgÀngig gefallen, eben auch, weil man sich seit lÀngerer Zeit ausmalen kann, was Sasha erwartet. Das hÀtte man durch Straffung in meinen Augen etwas pointierter prÀsentieren können.
Der Fan von Schlachten und KĂ€mpfen in mir kam dafĂŒr in der zweiten EpisodenhĂ€lfte mehr auf seine Kosten und da ich auf einen Shiva-Moment seit ihrer EinfĂŒhrung gewartet habe, bin ich damit vollends zufrieden.
Den Verrat hat man sich denken können, aber vielleicht nicht unbedingt kommen sehen. DafĂŒr liefert dieser auch die Grundlage fĂŒr die spĂ€tere befriedigende VerstĂ€rkungsszene. Licht und Schatten also, wobei ich der Meinung bin, dass Licht ĂŒberwiegt. Ich bin durchaus zufrieden und freue mich als Comickenner, was da noch auf uns zukommt.
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 3. April 2017The Walking Dead 7x16 Trailer
(The Walking Dead 7x16)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 7x16
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