The Walking Dead 7x15

© zenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Something They Need“ / (c) AMC
Die The Walking Dead-Episode Something They Need ist in meinen Augen nicht besonders leicht zu bewerten. Ich kann mich nach dem Sichten nämlich nicht entscheiden, wie ich manche Ereignisse finden soll. Daher ist die Wertung diesmal mit Vorsicht zu genießen...
Tara (Alanna Masterson) erzählt Rick (Andrew Lincoln) und Co von Oceanside, aber auch von ihren Vorbehalten, ihr Versprechen den dortigen Frauen gegenüber zu brechen. Immerhin hat sich besonders Cyndie (Sydney Park) für ihr Überleben eingesetzt. Die Oceanside-Community hat sowohl Kämpfer als auch Waffen zu bieten und genau das brauchen die Leute aus Alexandria, um den Kampf mit den Saviors zu wagen.
Silent, not deadly
Die Herangehensweise der Gruppe ist diesmal schlau und auf nicht tödliche Konfrontation ausgelegt. Michonne (Danai Gurira) spielt die Sicherung von oben, Jesus (Tom Payne) und Daryl (Norman Reedus) legen ein paar Sprengfallen aus, die für Angst und Ablenkung sorgen und Eric (Jordan Woods-Robinson) ist zur Abwechslung mit seinem Lebensgefährten unterwegs. Er muss sich also nicht sorgen, dass er verprügelt wird und leistet auch seinen Teil für die Schlacht.
Jesus ist der Meinung, dass man stärker auf Sasha (Sonequa Martin-Green) und Rosita (Christian Serratos) hätte einreden müssen, denn vielleicht hätte ein Tag schon einen großen Unterschied machen können. Daryl hat derweil Vertrauen in die Überlebenskünste und Sashas Fähigkeiten am Gewehr. Ich bin da - aus logischer Sicht - allerdings eher bei Jesus.
Weil Tara sich in Oceanside am besten auskennt, obliegt ihr das Einschleichen bei Natania (Deborah May), die sie mit gezogener Waffe begrüßt. Sofort bereut das Oceanside-Oberhaupt, dass man sie am Leben gelassen hat und natürlich kommt auch Enkelin Cyndie kurz darauf dazu. Tara ist sehr vorsichtig und tastet beide nach Waffen ab und wartet nicht lange, um zu unterbreiten, was sie vorzuschlagen hat: den Kampf gegen die Saviors. Doch die Zeit läuft, denn der Sprengstoff hat einen Timer.
Tara schafft es nicht, die Frauen - oder besser gesagt Natania - zu einer Auseinandersetzung mit den Saviors zu überzeugen. Doch Ricks Gruppe hat eine Strategie, die alle an einen zentralen Ort bringt, ohne dass jemand verletzt werden muss. Logistisch ist die Aktion wirklich eine der größeren, die die Gruppe vollbracht hat, denn auch Enid, Carl, Tobin oder Gabriel beteiligen sich.
Take the damn guns and go

Während Natania bei ihrem Standpunkt bleibt, wollen die jüngeren Frauen einen Zusammenschluss wagen. Doch zunächst tauchen wegen des Lärms und des Feuers Untote auf, die es gemeinsam zu bekämpfen gilt, wobei die Frauen zeigen, dass sie vertrauenswürdig sind (allerdings war das auch die Taktik bei Taras erster Begegnung mit ihnen). Im Endeffekt weigert sich Natania, ihre Gefährtinnen zu opfern, die ohnehin schon Bekanntschaft mit den Saviors gemacht haben, erlaubt aber, dass sie die Schusswaffen nutzen, die ihnen später wieder zurückgebracht werden sollen.
Die von der Nähe zum Wasser optisch veränderten Walker sehen wieder sehr schön gestaltet aus, von ihnen geht aber - auch wegen der guten taktischen Abstimmung - keine wirkliche Gefahr aus. Witzig ist hingegen, dass Psychokind Rachel auch wieder austeilen darf und später von Tara einen Mittelfinger abbekommt, als Ricks Crew mit sämtlichen Waffen abzieht.

Ein wenig merkwürdig eingestreut ist Carls Dialog mit Enid, der davon handelt, dass man sich auch diejenigen Leute einprägt, die man am Leben lässt und nicht nur die, die man tötet.
Maggie mit dem grünen Daumen
Die Macher von The Walking Dead sind offenbar in die Baumschule gegangen, um dem Zuschauer ein wenig mehr Pflanzenwissen zu vermitteln. Denn nach Ezekiels königlichem Garten ist nun Maggie (Lauren Cohan) dran, die Tipps gibt, wie Pflanzen überwintern können (sollte denn jemals ein Winter in der Serie gezeigt werden...).
Auch später sieht man sie in einem Blumenbeet, als Gregory (Xander Berkeley) sie besucht und befragt, wo der Rest der Bande ist und warum sie weiterhin im Hilltop verweilt. Dem Gespräch merkt man an, dass es in Gregory brodelt und er es nicht ausstehen kann, wenn er die Kontrolle verliert und ihm jemand Konkurrenz macht. Bezeichnend für seine Feigheit ist, dass er zuvor offenbar niemals außerhalb der Mauern war. Er tut so, als sei er daran interessiert, mit Maggie an einem Strang zu ziehen, der es viel besser als ihm gelingt, das Volk hinter sich zu versammeln und ihnen außerdem die Möglichkeit anbietet, Selbstverteidigung zu lernen. Ob Gregory es jedoch mit dem Ausstrecken des Olivenzweigs ernst meint, sollte man anzweifeln.
Als Maggie ihn bittet, kurz Wache zu schieben, sieht man bereits, dass er mit sich hadert, ob er sie nicht auf der Stelle mit seinem Messer umbringen sollte. Als dann noch Walker aus den Büschen kommen, merken wir, dass er wohl noch nie direkt mit dem Überlebenskampf konfrontiert wurde. Er spielt sich zwar machomäßig auf und tönt, dass er die Schwangere beschützen will, die Arbeit bleibt aber im Endeffekt an ihr hängen. So muss sie nicht nur ihren Angreifer, sondern auch seinen aus dem Weg räumen.
Vor einigen Hilltoppern stellt sie ihn dann auch bloß, indem sie zu Protokoll gibt, dass er übt und noch nie einen Untoten beseitigen musste. Das könnte tatsächlich zu viel Bloßstellung für ihn sein, denn, als wir ihn später wiedersehen, trinkt er sich Mut an und will offenbar Simon (Steven Ogg) in der Sanctuary Bericht über die Aufmüpfigen erstatten.
Das Planen eines geheimen Kriegs dürfte sich ohnehin in Wohlgefallen auflösen, denn auf beiden Seiten gibt es Überläufer oder Verräter - ob nun freiwillig oder unfreiwillig.
Suicidal Sasha with Beachball Sized Lady Nutts
Sasha hat indes ihren Sturm auf die Sanctuary überlebt, wurde aber in eine Arrestzelle verfrachtet. Ihren Wächter David, seines Zeichens Abschaum höchster Güte, fragt sie nach Wasser, sieht sich aber seinen ekligen Anzüglichkeiten ausgesetzt, die sie mit einer kraftvollen Kopfnuss erwidert. Zumindest, bis Negan (Jeffrey Dean Morgan) sieht, was er versucht, und ihn vor ihren Augen wegen der versuchten Vergewaltigung ermordet. Seine Regel, die direkt aus der Comicvorlage stammt: Vergewaltiger sind unerwünscht und werden bestraft.

Sashas Chuzpe („Beachball sized lady nuts“) will Negan allerdings honorieren und lässt ihr ein Messer mit der Möglichkeit, ihn anzugreifen (was jedoch schlecht für sie ausginge), den irgendwann zum Zombie werdenden David zu erstechen oder sich selbst zu richten, um nicht als Druckmittel gegen ihre Freunde benutzt zu werden. Auch eine Zusammenarbeit als Savior bietet Negan ihr unverblümt an. Tatsächlich erinnert er sich auch an Sasha, die vor einiger Zeit bei seinen Morden an Glenn und Abraham anwesend war. Negan beteuert, dass die Saviors keine Monster sind, doch das sieht Sasha natürlich anders, weil sie nur den Mann vor sich sieht, der ihren Partner umgebracht hat.
Rekrutierungsversuch zwei findet durch Eugene (Josh McDermitt) statt, der ihr Bettzeug, eine Lampe und einen Becher bringt - das ist somit schon mehr, als Daryl je hatte. Ihr gegenüber bleibt Eugene dabei, dass er übergelaufen ist und er möchte sie ebenfalls dazu bewegen, obwohl er weiß, dass Abraham das nie wollen würde.
Hinhaltetaktik

Im Lauf dieser Storyline fragt man sich, warum Sasha denn so lange zögert, den Toten an der Wandlung zu hindern, aber wir sollen natürlich hinterfragen, was sie macht, und sie scheint sich tatsächlich auch nicht sicher zu sein, andernfalls hätte sie wohl innerhalb von Sekunden schon ins Hirn gestochen. Im Endeffekt schickt sie Eugene weg, als die Wandlung vollzogen ist, entscheidet sich aber dazu, sich nicht beißen zu lassen.
Negan glaubt, als er das Messer in der Leiche seines Ex-Saviors sieht, dass sie sich entschieden habe, gibt ihr jedoch mit auf den Weg, dass für sie ein langer Weg bevorsteht. Er erklärt auch, dass er - eventuell durch Eugene - von Ricks Plan weiß und verspricht etwas Großes für den kommenden Tag.
Das Instrumentalisiertwerden möchte Sasha auf jeden Fall verhindern - für sie steht also eines fest: Sie muss ebenfalls sterben und macht Eugene zum Komplizen für den Selbstmord. Nach einer Bedenkzeit kehrt er jedoch nicht mit Scherben oder Schneidwerkzeugen zurück, sondern mit der Pille, die er für Negans verzweifelte Frauen gefertigt hat. Damit überlässt er ihr die Wahl, ob sie es durchziehen will, wobei er sie auf seine Art bittet, es nicht zu tun.
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Autoren ein Comicszenario umsetzen, wird also immer höher, wobei sie die Rolle einer anderen Figur übernehmen dürfte.
The Prisoner
In Alexandra ist Rosita derweil unbeschadet zurückgekehrt und öffnet dort das Tor für Rick, Daryl und Co. Auf die Frage, wo Sasha ist, antwortet sie derweil so gut wie Daryl, wenn man ihn etwas fragt. Stattdessen zeigt sie den Rückkehrern, dass jemand in der von Morgan gebauten Zelle wartet. Es ist Dwight (Austin Amelio), der seine Hilfe anbietet, was Daryl wütend macht, so dass er von Rick zurückgehalten werden muss. Aber auch Rick scheint wieder etwas vom Ricktator-Juice getrunken zu haben, denn unter gezogener Waffe befiehlt er ihm rotzfrech zu knien, wie er es für Negan tut. Ein Cliffhanger, der cool wirken soll, aber irgendwie nicht so recht mit dem Rick der letzten paar Folgen zusammenpasst, der eher gechillt wirkte. Zumindest, wenn er es mit neuen Gruppen zu tun hatte...
Fazit
Die The Walking Dead-Folge Something They Need setzt ein paar Comicmomente um (Negans Einstellung zu Vergewaltigern, Dwights Verrat) und bereitet andere vor (Sashas Schicksal), schafft es dabei aber - zumindest bei mir nicht - für „Hell-Yeah-Momente“ zu sorgen. Im Fall des Negan-Moments war das für mich in der Vorlage ein ziemlicher „Gamechanger“, der mich Negan in einem anderen Licht hatte sehen lassen (vielleicht geht das den „Nur-TV-Zuschauern“ ähnlich, wer weiß...). Das ändert aber nichts daran, dass die Szene nicht gerade leicht zu ertragen ist.
Die Herangehensweise bei Oceanside mag ich hingegen ganz gerne und ich freue mich, dass das nicht in einem unnötigen Gemetzel unter Menschen ausgegangen ist. Auch wenn die Waffen in Richtung Alexandria wandern, bin ich mir sicher, dass wir die Frauen noch einmal sehen werden. Sie sind sicherlich auch ohne Schusswaffen kompetent genug, sich im Ernstfall als gute Verstärkung zu erweisen und dürften verlässlicher sein als Jadis und ihre Müllmenschen. Insgesamt eine okaye Folge ohne große High- oder Lowlights.
Trailer zur Episode The First Day of the Rest of Your Life (7x16) der US-Serie The Walking Dead: Verfasser: Adam Arndt am Montag, 27. März 2017The Walking Dead 7x15 Trailer
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