The Walking Dead 6x15

Passend zum nahenden Staffelfinale benehmen sich einige Charaktere bei The Walking Dead in der Episode East irrational, sodass der Rest der Gruppe sich für sie in Gefahr begeben muss. Das trifft besonders auf Carol (Melissa McBride) und Daryl (Norman Reedus) zu, die auf eigene Faust Alexandria verlassen, um... Ja, was eigentlich?
I can't kill anymore
Carols Abschied wurde in der vorherigen Episode bereits mit einem Brief an Tobin (Jason Douglas) angekündigt. Diesmal sehen wir noch etwas mehr Kontext und Hintergrund. Ihr Rucksack ist kurz vor ihrem Abgang bis oben voll mit Proviant und Dingen zum Überleben, sie versteckt ihn aber vor ihrem Partner Tobin, der über Denise (Merritt Wever) spricht, die er von Anfang an kannte und über den neuen Aussichtsturm, der aktuell gebaut wird. Allerdings blendet Carol seine Stimme irgendwann aus. Hier entscheiden sich die Autoren für Carols Trauma und weniger für eine Ausschmückung von Tobin, der eine B-Figur bleibt. Carol hat dennoch eine passende Erwiderung parat und sorgt sich darum, wie Tara (Alanna Masterson) die Nachricht vom Tod ihrer Partnerin aufnehmen wird. Carol wartet bis zur Nacht ab und schleicht sich dann von allen unbemerkt mit einem Auto voller spitzer Holzpflöcke davon.
Nebenbei sehen wir noch, dass sich Carl (Chandler Riggs) - wahrscheinlich das erste Mal nach seiner Verletzung - am Morgen wieder eine Waffe nimmt - und was für eine! Wir sehen eine Waffe mit einem Baseballschläger mit Stacheldraht Womöglich ist das eine Andeutung auf eine künftige Storyline. Maggie (Lauren Cohan) und Glenn (Steven Yeun) duschen, während Glenn einen großen blauen Fleck bei seiner Frau entdeckt. Abraham (Michael Cudlitz) löst derweil Sasha (Sonequa Martin-Green) ab, die eine Zigarre für ihn hat, was auch von Rosita mit einer Mischung aus Eifersucht und Wut beäugt wird. Darüber hinaus ist Daryl ruhelos wegen Dwights Gruppe, die weiterhin ungeschoren frei herumläuft.
Rick (Andrew Lincoln) und Michonne (Danai Gurira) ahnen von dieser allgemeinen Unruhe nichts, als sie im Bett einen Apfel genießen (Rick isst den Apfel ungefähr so elegant wie er die Limonade getrunken hat). Michonne und Maggie sorgen sich um einen Angriff, wobei Rick ziemlich ruhig bleibt und glaubt alles unter Kontrolle zu haben, falls es die Saviors wagen sollten. Er ist entschlossen Alexandria und alles was das einschließt mit allen Mitteln zu verteidigen, doch verschätzt er sich dabei oder wird ist er durch die jüngsten sehr einseitigen Ereignisse geblendet?
Timing ist etwas, das Daryl nicht zu haben scheint, darum entschließt er sich für einen Alleingang außerhalb der Stadtmauern. Rosita (Christian Serratos) kann sich denken, wo er seine Suche beginnt und wird von Michonne und Glenn begleitet, Abraham soll Rositas statt den Wachdienst schieben. Tobin zeigt derweil Rick Carols Abschiedszeilen, was auch Morgans (Lennie James) Alarmglocken klingeln lässt. Die beiden Männer, die sich seit Episode 1 kennen, brechen also gemeinsam auf.
Rosenkranz und Spikemobil

Besonders weit scheint Carol nicht zu kommen, ohne auf Ärger sprich die Saviors zu stoßen, denn ein Pick-Up-Truck, der an ihr vorbeifährt, beschießt sie, sodass sie zum Aussteigen gezwungen wird. Sofort ist Performance-Carol wieder da, die ihre Requisite den Rosenkranz herausholt und auf Unschuldslamm macht. Dabei wollen die Savior Informationen aus ihr herausholen, über ihr Zuhause und über sie, doch blitzschnell hat sie sich schon eine Fake-Identität (Nancy aus Mt. Clair) zugelegt und schwindelt, dass sich die Balken biegen.
Allerdings wissen die Saviors von Alexandria und den Autos mit den Pflocks, die dort stehen und wollen direkt dort aufschlagen.
Das ist das Stichwort für Terminator-Carol, die das Feuer per versteckter Schusswaffe eröffnet, die jedoch die Präzision missen lässt, die sie sonst an den Tag legt. Denn gleich mehrere Savior überleben. Beispielsweise der Fahrer, der direkt Bekanntschaft mit einem Spieß macht und auch der Wortführer mit der großen Klappe lebt noch.
Dieses Aufeinandertreffen macht wieder einmal deutlich, dass auch Carol als laufender Tod verstanden werden kann, denn überall wo sie inzwischen auftaucht, gibt es Tote, wenn sie das Wohl ihrer Gruppe auch nur ansatzweise bedrohen. Ja, in letzter Zeit wurde versucht zu verdeutlichen, dass ihr das keinen Spaß macht und sie belastet, aber bisweilen kommt sie einfach nicht umhin Tod und Verderben zu bringen. Aber was gibt es realistisch betrachtet für eine Alternative für Carol? Wenn sie auf eigene Faust unterwegs ist und Menschen begegnet, wird sie in dieser Welt fast immer um ihr Überleben kämpfen - spricht töten müssen. Dabei ist sie eventuell kurz davor zu Morgan in seiner Clear-Phase zu werden, nur dass er keine Menschen, sondern die Untoten tilgen musste.
Nun ist es also ausgerechnet Morgan, der sie gemeinsam mit Rick sucht. Rick glaubt nämlich, dass dieser Carol überhaupt nicht kennt, doch inzwischen hat Morgan viel Zeit in Alexandria verbracht und Zeit für Unterhaltungen gehabt und bekanntlich auch mit Carol. Für Morgan gibt es kein Richtig und Falsch mehr, sondern nur das Falsche, das einen nicht runterzieht, aber eventuell doch seinen Tribut fordert.
Als Rick und Morgan am Tatort ankommen (#TrueDetectiveSeason3), sehen sie, dass Carol mindestens vier der Angreifer getötet hat, was Rick respektiert. Dabei wird auch das alte Thema Exil während des Gefängnisses angesprochen. Das würde Rick wohl bei einer Wiederholung zur jetzigen Phase der Gruppe anders bewerten, dennoch hat ihm das damals das Leben gerettet und das gleich auf mehrfache Weise.
Der Gruppenälteste ist ebenfalls noch am Leben und folgt Carols Spur, die aber eventuell mit Absicht so offensichtlich ist, denn immerhin lässt sie den Rosenkranz zurück.
All Life is Precious

Rick und Morgan sind unsicher, ob Carol noch lebt oder sie diesmal ihre Meister gefunden hat. Ein Gefühl, was auch durch eine Walker-Dame kurzzeitig bestärkt wird. Dabei treffen sie auf einen Menschen, der sich gegen einige Walker erwehrt und in Gefängniswärtermontur und mit einem Speer, der an die aus Hilltop erinnert, herumschlägt. Als Comicleser könnte man hier eine Vermutung haben, woher diese Person kommt, wir müssen aber abwarten, denn bis auf die Kleidung gibt es kein Indiz. Einzig, dass Morgan aufgrund von fehlender Beweise Rick daran hindert, ihn direkt zu erschießen. Doch Rick ist wieder mal an einen Punkt angekommen, wo er es nicht darauf ankommen lassen möchte, was jedoch mit Morgan in der Nähe schwer werden könnte.
Late Callback Time!
Diese Situation ist offenbar für Morgan und die Autoren die perfekte Gelegenheit, um Rick darüber zu informieren, was der stockschwingende Pazifist mit dem Wolf gemacht hat. Aus Morgans Sicht hat die zweite Chance für den Wolf dazu geführt, dass er beim Angriff der Zombieherde einen Sinneswandel erlebt hat und Denise vor dem sicheren Tod gerettet hat, die dann Carl retten konnte. Das ist natürlich eine Sichtweise auf die Geschichte. Allerdings muss man fairerweise sagen, dass wir nicht wissen, was sonst passiert wäre. Wären Morgan und Carol in Ricks Nähe gewesen, wäre es vielleicht gar nicht erst zu Carls Verletzung gekommen. Auch Rick hat ein „riesiges“ Geständnis für Morgan, denn Michonne hat damals tatsächlich den letzten Protein-Riegel verputzt. Morgan will Carol wieder zurückholen und schickt Rick deswegen mit dem Auto zurück nach Alexandria, wo er im Fall eines Angriffs besser aufgehoben wäre.
Dort angekommen spricht Rick mit Abraham, der ähnlich denkt wie Rick und nun wieder etwas hat, wofür es sich zu kämpfen lohnt.
Neue Frisur für Maggie
Enid (Katelyn Nacon) ist bereit ihrer Ersatzmutter Maggie zu helfen und übernimmt deren Wache, während diese sich frischmachen und ein paar saure Gurke gönnen darf. Später ruft sie den Teenager noch einmal mit einer besonderen Aufgabe zu sich. Für Maggie ist es Zeit für eine neue Kurzhaarfrisur (die Comics lassen grüßen), die Enid schneidet.
Die Freude darüber währt nur kurz, denn Maggie scheint Schwangerschaftsschmerzen zu haben. Doch wie wir wissen, ist der Spezialist nicht in Alexandria, sondern in der Hilltop Colony zu Hause...
Back on Tracks

Rositas Vermutung erweist sich als richtig und Daryl versucht Dwight (Austin Amelio) ausfindig zu machen. Glenn ist davon überzeugt, dass unüberlegte Handlungen nur dazu führen werden, dass Daryl stirbt und bald finden Michonne und Co. auch Daryl, dessen Armbrust wohl wieder alte Seiten in ihm zu wecken scheint, denn er lässt einen Warnschuss in Richtung Rosita ab. Ähnlich, aber doch anders als im Fall Carol und Maggie, hatte Dwights Gruppe ihn gefesselt und mit einer Waffe bedroht, doch Daryl hat sie damals gehen lassen, was er nun als Fehler ansieht, denn es zu tilgen gilt. Allerdings glaubt Glenn, dass diese Lebensgefahr nicht in Denises Sinne ist. Trotzdem spalten sich Daryl und dann auch Rosita wieder einmal ab. Kurz darauf werden Michonne und Glenn von Dwights Gruppe umstellt und gefangengenommen, aber - und das ist womöglich wichtig - nicht direkt erschossen. Es dauert wiederum nicht lange, bis Daryl und Rosita herausgefunden haben, was mit ihren Freunden passiert ist.
You'll be alright

„It's a Trap!“, möchte Glenn wohl seinem Gefährten zuschreien. Doch dazu kommt es nicht, denn Dwight steht mit gezogener Waffe hinter dem Hillbilly Hawkeye, der seine Waffe runternimmt, aber dennoch von Dwight angeschossen wird, sodass das Abschlussbild in Blut getränkt wird. WTF?
Mit einem kontroversen Finalbild endet East also. Doch wer sich den Abschluss in Slo-Mo anschaut, der sieht, dass Dwight nicht in die Kopfregion zielt, sodass Daryl sehr wahrscheinlich mit dem Leben davon kommt. Außerdem ist das „You'll be alright“ in der Schwarzblende ein weiterer Hinweis, dass noch nicht aller Tage Abend ist. Man soll einfach nur auf das Staffelfinale hinfiebern und bis zur nächsten Woche mitzittern. Ich bin zudem überzeugt, dass der Tod von Daryl Dixon, sollten wir ihn einmal erleben, auf sehr viel spektakulärere und heldenhafte oder zumindest explizitere Art und Weise vonstatten gehen würde.
So bleibt dies vor allem eines: eines der merkwürdigeren Episodenenden in der TWD-Geschichte.
Fazit

East bereitet das große extralange Finale vor und lässt dabei gleich mehrere wichtige Figuren in Gefahr schweben. In dieser Episode ist dabei wieder die Carol-Szene ein Highlight, auch wenn es sich bei einer so hohen Frequenz langsam aber sicher auch etwas abnutzt, Carol damit immer wieder durchkommen zu sehen.
Die gemeinsamen Szenen von Rick und Morgan kommen gefühlt etwas zu spät für meinen Geschmack und haben deswegen auch nicht unbedingt den Impact, denn die Autoren wohl bezwecken. Ich wüsste allerdings auch nicht unbedingt, an welcher Stelle sie angebracht gewesen wären.
Die Alleingänge der Figuren sind derweil etwas frustrierend, wobei man sich natürlich ganz genau denken kann, dass sie aus dramaturgischen Gründen so kurz vor dem Finale eingestreut werden.
Insgesamt kann diese Episode aber nicht das spannende Niveau der zweiten Hälfte halten und macht den Eindruck einer reinen Aufbaufolge.
Serientrailer zur Episode Last Day on Earth der Serie The Walking Dead (6x16):
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 28. März 2016The Walking Dead 6x15 Trailer
(The Walking Dead 6x15)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 6x15
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