The Walking Dead 6x11

The Walking Dead 6x11

Die Episode Knots Untie von The The Walking Dead verschwendet kaum Zeit mit Nichtigkeiten, sondern zeigt den Überlebenden, dass da draußen vielleicht noch viel mehr ist, als sie dachten. Doch sind sie der Aufgabe gewachsen?

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Knots Untie“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Knots Untie“ / (c) AMC

Mit rasanten Schritten geht es bei The Walking Dead in dieser zweiten Hälfte der sechsten Staffel mit der Episode Knots Untie weiter. Man könnte meinen, dass nicht nur Liebe in der Luft liegt, sondern auch Expansionsgeist, Abenteuerlust und der Wille, Großes zu schaffen. Dafür ist auch das Auftauchen von Jesus (Tom Payne) mitverantwortlich, der ein völlig neuer Typus eines Überlebenden ist. Er ist ein Freigeist, ein Entfesselungskünstler, ein geborener Spion und ein formidabler Kämpfer mit gutem Herz - ein Held wie gemacht für die Zombie-Apocalypse.

Abraham im Gefühlschaos

Anders verhält es sich momentan bei Abraham (Michael Cudlitz), der sich fragen muss, was seine Aufgabe ist, wenn das Team keine Marschroute vorgibt. Er ist gefangen zwischen dem Verlangen nach zwei Frauen: der unnahbaren Sasha (Sonequa Martin-Green), die ihm gezeigt hat, dass sie auch mit Stresssituationen zurecht kommt, und seiner Vertrauten Rosita (Christian Serratos), die ihm die körperliche Nähe und Befriedigung gibt, die er sucht. Wobei man sich bei der Bettszene in dieser Episode durchaus fragen kann, warum er das aufs Spiel setzen will. Sasha jedenfalls zeigt ihm die kalte Schulter und tauscht mit Eugene (Josh McDermitt) die Schichten, wahrscheinlich um Abraham aus dem Weg zu gehen. Ist die Situation damit geklärt?

Wohl eher nicht. Die gesamte Episode über interessiert sich Abraham für das Liebesleben der anderen Überlebenden. Ob nun die Frage nach Glenns Absicht, ein Kind in diese Welt zu setzen, oder der Beziehung von Rick (Andrew Lincoln) und Michonne (Danai Gurira) - aus irgendeinem Grund beschäftigt ihn das alles. Ob das nun mit der eigenen Sterblichkeit und der Frage nach dem Vermächtnis zu tun hat oder andere Gründe eine Rolle spielen, können wir nur hineininterpretieren. Wobei es einen Eureka-Moment im späteren Verlauf gibt, der eventuell Bände spricht.

Jesus bringt Hoffnung

Nachdem Jesus das neue Paar „Richonne“ beim Schlafen gestört hat, wartet er nun höflich draußen vor dem Schlafzimmer, bis sich die beiden angezogen haben. Das wiederum ruft aber Carl (Chandler Riggs) auf den Plan, der bereit ist, den Fremden ins Visier seiner Pistole zu nehmen und eine Erklärung zu verlangen. Bald sind auch andere wichtige Player am Start.

Jesus verdeutlicht ihnen, dass sie wohl etwas zu unvorbereitet sind, was ihre Vorsichtsmaßnahmen angeht: Eine Wache bei zwei Ausgängen ist nicht die sicherste Variante. Und auch sonst konnte sich der langhaarige Beau ordentlich in der Alexandria Safe-Zone umsehen, das Waffenarsenal begutachten, eine kleine Volkszählung machen (klingt 54 wie eine angemessene Zahl?) und feststellen, dass es ihnen an Nahrungsvorräten mangelt. Doch Jesus kann Wunder vollbringen und Munition in Nahrung umwandeln: Denn er gehört nach eigenen Angaben zu einer Gemeinschaft, die mit anderen Gemeinschaften Handel treibt, eine eintägige Autofahrt entfernt ist und somit ein ganz neues zivilisatorisches Konstrukt eröffnet.

Your World ist about to get a whole lot bigger

Ich bin positiv überrascht, wie sehr man sich in dieser Episode an die Comicvorlage hält und dazu noch viel Geschichte in schneller Folge abhandelt. Jesus' Heimat ist in gewissen Belangen der Safe-Zone ein paar Schritte voraus. Es gibt dort bereits Nutztiere und eine Agrarwirtschaft, die in Alexandria noch in den Babyschuhen steckt.

Die Gruppe verschwendet also keine Zeit und nimmt Jesus beim Wort. Mit einem Wohnwagen soll diese Oase der neuen Möglichkeiten in Augenschein genommen werden. Interessant ist dabei die Teamzusammensetzung: Rick, Daryl (Norman Reedus), Abraham, Glenn (Steven Yeun), Maggie (Lauren Cohan) und Michonne fahren gemeinsam mit Jesus los.

Zuvor gibt es noch ein kurzes Vater-Sohn-Gespräch zwischen Carl und Rick, bei dem Rick seine Beziehung zu Michonne erklärt. Außerdem bietet er Carl an mitzukommen - das hätte der „alte“ Rick sicherlich nie getan. Carl verzichtet aber, weil jemand auf den Rest der Gruppe aufpassen muss. Eine weitere Sache, die der Ricktator nie getan hätte: Gabriel vertrauen. Doch der scheint nun so etwas wie die christliche Nanny von L'il Asskicker zu sein - so viel kann sich in nur zwei Monaten ändern.

Zum zweiten Mal in Folge wird außerdem eine kleine Szene zwischen Denise (Merritt Wever) und Daryl dargeboten. Offenbar erinnert sie der ungewaschene Überlebende an jemanden aus ihrer Vergangenheit. Wo wir schon bei Details sind: Richonne halten während der Fahrt Händchen, was alle Shipper - mich eingeschlossen - glücklich macht und beweist, dass das kein einmaliges Ding war.

Crash

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Auf dem Weg begegnet der Gruppe ein gecrashtes Auto, von dem Jesus annimmt, dass es zu seiner Gruppe gehört. Jesus' Gruppe besteht seiner Auskunft nach nicht unbedingt aus vielen Kämpfern, sodass er helfen möchte. Hundertprozentig vertraut man ihm verständlicherweise nicht, weswegen Maggie aufpassen soll, dass das keine Falle ist, während der Rest der Gruppe sich umschaut, den Ort von Walkern säubert und den verunglückten Menschen hilft. Dabei sticht eigentlich wieder nur Abraham hervor, dem es wohl schwer fällt, Menschen und Untote zu unterscheiden. Passenderweise bildet sich Freddie, einer der Geretteten, seine Frau ein, womit Abe wohl mitfühlen kann.

Die geretteten Personen stellen sich teilweise als Glücksgriffe für die Gruppe heraus: Unter ihnen befindet sich ein Pränatalmediziner, was für Glenn und Maggie wie gerufen kommt. Kurz darauf ist die Gruppe auch angekommen und wir lernen die Hilltop-Colony kennen.

Hilltop

Bevor die Gruppe jedoch eintritt, wird sie von mit Speeren bewaffneten Wachen begrüßt, die ihnen drohen. Doch Jesus und die Geretteten bürgen für sie. Mancher wird hier sicherlich an Terminus oder Alexandria erinnert.

Innen sieht es tatsächlich wie eine Mischung aus Alexandria, Woodbury und dem Gefängnis kurz vor dem Ausbruch der Seuche aus. Hier wird gefarmt, hier gibt es Handwerk, eine Wohnwagenkolonne, einen gut befestigten Zaun und eine Villa (?!) im Stadtinneren. Jesus erklärt, dass man von dort eine meilenweite Sicht hat und Gefahren früh im Blick haben kann. Hoffentlich denken die Bewohner des Hilltops - anders als die Alexandriner - auch an Wachposten. Doch Jesus' Fähigkeiten nach zu urteilen, dürfte das auf der Agenda stehen.

Abraham ist vom Inneren der Villa jedenfalls schwer beeindruckt. Wer jedoch einen weniger guten Ersteindruck macht, ist Gregory (Xander Berkeley), der Anführer der Gemeinschaft. Er wirkt von oben herab, als er der Gruppe sagt, dass sie sich erst einmal frisch machen sollen, ehe sie mit ihm reden. Rick bestimmt Maggie zur Sprachführerin, womöglich weil er selbst ihm in die selbstgefällige Visage hauen würde. Maggie dürfte da etwas diplomatischer sein und wurde von Deanna ohnehin für solche administrativen Rollen vorbereitet.

Verbales Sparring

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Weitere Sympathiepunkte verliert Gregory, als er sich Maggies Namen nicht merken kann, was natürlich auch eine Frage des Respekts ist. Dafür wird er von ihr auch direkt zurechtgewiesen. Gregory merkt man an, dass er Dreck am Stecken hat und etwas verbirgt, was auch in einem Halbsatz zu gewissen Details deutlich wird, die er gerne ausspart. Schon bald erfahren wir aber mehr dazu.

Das gegenseitige Abtasten ist durchaus faszinierend anzusehen. Gregory weiß, wie es um die Vorräte steht, und will deswegen, dass Maggies Gruppe im Gegenzug dafür arbeitet. Das wäre normalerweise wohl kein Problem. Wenn es aber so herablassend und überheblich eingefordert wird, kann man verstehen, warum Maggie sich zunächst nicht darauf einlassen möchte und ihm erstmal die Schwächen seiner Gruppe aufzeigt. Allerdings scheint er an Munition und Waffen nicht interessiert zu sein. Jesus muss nun versuchen, Gregory zu bearbeiten, und erbittet sich einige Tage. War die komplette Aktion also überflüssig?

Mit Grüßen von Negan

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Bald kehren ein paar Bewohner zurück zum Hilltop. Doch offenbar ist die Rückkehrer-Truppe nicht komplett. Ein gewisser Craig befindet sich noch immer in der Gefangenschaft eines gewissen Negans (ein Name, den auch die Biker-Gang schon als Drohgebärde benutzt hat). Demnach ist eine Übergabe schiefgelaufen, weil die Abgabe zu gering war.

Bald darauf bricht das Chaos aus. Gregory wird in Negans Auftrag angestochen, was Ricks Gruppe nicht untätig mitansieht und eingreift. Rick wird ebenfalls beinahe mit einem Messer erstochen, kann sich aber durch den alten Halsschlagadertrick retten, während Abraham fast erwürgt wird (Rositas Kette verliert) und von Daryl gerettet wird, der dabei den Arm des Angreifers bricht. Erst als Jesus dazwischengeht und sagt, was Sache ist, beruhigen sich die Gemüter wieder. Wobei noch eine Frau Rick einen Schlag verpasst und deswegen von Michonne zu Boden geworfen wird. Was ist hier los?

Wie Jesus ihnen mitteilt, ist Gregory nicht der Anführer, den er gewählt hätte, und einer, der Konfrontationen aus dem Weg geht. Darum ist er einen Deal mit Negan und seinen sogenannten Saviors eingegangen. Dieser beruhte darauf, dass man die Hälfte von allem, was sie haben, abgibt und dafür nicht von ihnen angegriffen wird. Um den Ernst dieses Vertrags zu verdeutlichen, wurde ein 16-Jähriger namens Rory damals vor ihren Augen von Negan umgebracht.

Als Daryl, Rick, Abe & Co. davon erfahren, kommt nicht nur zur Sprache, dass sie schon Bekanntschaft mit den Saviors gemacht haben, sondern auch, dass sie sich um sie kümmern wollen, wenn es dafür Vorräte im Tausch gibt.

Dies wird von Maggie ausgehandelt, die beim zweiten Gespräch mit dem verletztem Gregory ziemlich hart in die Verhandlungen geht und ebenfalls fünfzig Prozent von allem fordert. Erfahrung bringt die Gruppe ohne Frage mit, doch ob sie auch dieser Herausforderung gewachsen ist, muss sich zeigen. Trotzdem geht Gregory diesen Deal ein. Die Gruppe kriegt, wie Jesus sagt, sogar mehr mit auf den Weg als Negan. Wäre ich Teil der Hilltop-Colony, würde mir das auch nicht unbedingt schmecken, vor allem, wenn die andere Hälfte schon anderweitig versprochen ist.

Nun muss ein Plan her und Rick will von einem der überlebenden Rückkehrer alles über Negans Basis wissen.

Jesus kehrt mit den anderen nach Alexandria zurück, weil dort noch seine Messer aufbewahrt werden, während Maggie und Glenn mit einem ersten Ultraschallbild des Nachwuchses gen Zuhause fahren und alle teilhaben lassen.

Besonders bei Abraham sieht es so aus, als wachsen da wieder Vatergefühle in ihm heran.

Fazit

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Ich bin dieses Tempo von The Walking Dead kaum gewöhnt und deswegen ziemlich dankbar, dass man es einmal probiert. Für mich funktioniert es wunderbar. In Knots Untie werden einige wichtige Momente aus den Comics fast 1:1 umgesetzt, während anderes auch als gewohnter Remix präsentiert wird.

Endlich ist Maggies Rolle wieder etwas größer und die Abneigung, mit der sie Gregory begegnet, ist so dick, dass man sie schneiden könnte. Berkeley ist wie geboren für die Rolle des feigen Hilltop-Chefs und Jesus bleibt auch in seinem zweiten Auftritt eine tolle Ergänzung zum Cast.

Was im Comic leichter funktioniert als in der TV-Serie, ist das Einführen neuer Figuren, und hier muss man aufpassen, dass wir nicht wieder einige Charaktere kennenlernen, die uns als Zuschauer egal sind oder die nur als Kanonenfutter fungieren. Diese Gefahr besteht bei den Hilltop-Bewohnern, die nicht Jesus oder Gregory heißen. Doch vielleicht ist es auch noch zu früh, um das zu beurteilen. Der Arzt dürfte sicherlich noch eine größere Rolle spielen.

Was ich sonst oft bemängelt habe, stört mich diesmal gar nicht so sehr. Weiterhin fehlt die Hälfte des Ensembles, wobei ich dieses bigger world building spannender finde, als zu sehen, was Tara, Eugene oder Gabriel und Aaron treiben. Auch wenn ich Carol und Morgan schon ein wenig vermisse. Aber kommt Zeit, kommt Fokus auf diese Figuren.

Dafür gefällt mir die Balance, mit der die vorhandenen Figuren eingesetzt werden, ausgesprochen gut. Ricks fast schon nonchalant-brutaler Kill fällt vielleicht etwas aus dem Rahmen, ist aber noch okay. Ich bin gespannt, wie die drohende Konfrontation nun vorbereitet wird, und denke, dass es bald zu einem großen Knall kommen könnte - besonders, wenn man an Jesus' Worte zur Vorstellung Negans in der Stadt denkt.

Ein Kompliment muss ich diesmal auch an die Score-Abteilung machen. Mir ist die musikalische Untermalung sehr positiv aufgefallen. Für mich persönlich ist die zweite Hälfte der sechsten Staffel bisher eine Positivüberraschung, die gerne so weiter verlaufen kann. Mit einem Mix aus Comictreue und Innovation. So macht mir The Walking Dead Spaß.

Serientrailer zur Episode Not Tomorrow Yet der Serie The Walking Dead (6x12):

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 29. Februar 2016

The Walking Dead 6x11 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 11
(The Walking Dead 6x11)
Deutscher Titel der Episode
Lösung
Titel der Episode im Original
Knots Untie
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 28. Februar 2016 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 29. Februar 2016
Autoren
Matthew Negrete, Channing Powell
Regisseur
Mike Satrazemis

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 6x11

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