The Walking Dead 6x08

Während in der The Walking Dead-Episode Start to Finish die Untoten durch die Stadtmauern schlurfen, lenkt sich Jessies (Alexandra Breckenridge) Sohn Sam (Major Dodson) mit Musik und Spielzeug (darunter auch Mini-Mates von Robert Kirkmans anderer großen Comicserie „Invincible“) ab. Die Ameisen, die in Sams Zimmer wandern, weil dort schmackhaftes Essen zu finden ist, verbildlichen dabei die instinktgetriebenen Walker, für die in Alexandria ein Festmahl wartet.
Improvisieren statt Planen
Rick (Andrew Lincoln) ist zum Improvisieren gezwungen und gibt den Befehl, sich in die Häuser zurückzuziehen. Das gelingt manchen besser als anderen. So muss sich Maggie (Lauren Cohan) etwa auf den Aufsichtsposten retten und dort ausharren, während Carol (Melissa McBride) und Morgan (Lennie James) nicht drinnen beim gefangenen Wolf sind, sondern ebenfalls noch draußen.
Deanna (Tovah Feldshuh) versucht Rick zu helfen, die Herde zumindest etwas auszudünnen, verletzt sich dabei allerdings - wie sich später herausstellt schwerer, als es zunächst den Anschein macht.
Ein Mini-Rätsel aus der Episode Always Accountable wird ebenfalls gelöst. Demnach ist es Eugene (Josh McDermitt), den Daryl (Norman Reedus) über Funk um Hilfe rufen hört. Der Vokuhila-Träger wird derweil von Rosita (Christian Serratos) und Tara (Alanna Masterson) gerettet.
Wo sich Michonne (Danai Gurira), Gabriel (Seth Gilliam), Jessie, Carl (Chandler Riggs) und Ron (Austin Abrams) befinden, wissen wir durch diesen actionreichen Einstieg in die Episode also. Diese größere Gruppe kommt zunächst bei Jessievunter, wo sich auch Baby Judith aufhält, während die Gruppe rund um Rosita auf sich allein gestellt ist.
Maggies Ehemann Glenn (Steven Yeun) sucht derweil mit Enid (Katelyn Nacon) einen halbwegs sicheren Weg in die Gefahrenzone. Glenn muss weiterhin Überzeugungsarbeit leisten, um den Teenager von dessen fatalistischen Weltsicht abzubringen. Die Offenbarung, dass Maggie schwanger ist, scheint jedenfalls ganz gut zu funktionieren. Gutmensch und Kämpfer Glenn will also keinesfalls aufgeben.

In Jessies Haus soll der verstörte Sam unterdessen die Musik lauter machen und einfach so tun, als wäre er jemand, der keine Angst hat. Das hilft dem posttraumatisch gestressten Jungen allerdings kaum weiter. Rick überlegt, was zu tun ist, wobei zunächst eine neue Variante des heldenhaften Alleingans inklusive des Fortlockens der Walker entworfen wird. Doch allein könnte das sehr schwierig werden.
Der Wolf und die drei kleinen Alexandrianer

Carol wirkt angeschlagen - zumindest gegenüber Morgan, dem sie aufgrund seiner Lebenseinstellung und seiner Lüge für eine Gefahr hält. Morgan will das Gespräch aufschieben, Carol sieht das jedoch anders und greift wieder zu „unlauteren“ Mitteln: Als sie so tut, als müsse sie sich ausruhen, schleicht sie sich in bester Ninja/Batman-Manier zum Gefangenen, um ihn umzubringen - und wenn sie dafür über Morgans Leiche gehen muss.
Der Wolf wird derweil von Denise mental und körperlich behandelt. Er erzählt ihr, wie er sich die Verletzung zugezogen hat, und denkt nicht dran, seine Einstellung bezüglich seiner Mordslust zu ändern. Denise tendiert allerdings auch eher zu Morgans Schule der „zweiten Chance“, was sicherlich auf ihre Ausbildung als Psychologin zurückzuführen ist.
Was die Autoren hier bei Figuren wie Denise, Morgan oder Glenn und manchen anderen Versuchen, nämlich auch das Gute im Menschen zu sehen, mag nobel sein. Aber gerade in dieser lebensbedrohlichen Situation, ist es doch wenig nachvollziehbar.
So kommt es, dass sich Morgan tatsächlich gegen Carol aufbäumt und es zum Zweikampf mit dem schlimmsten Ausgang kommt: Carol wird von Morgan KO geschlagen, und der wiederum vom Wolf. Dieser bedroht nun Denise mit Carols Messer. Kurz flammt Hoffnung auf, als Rosita und Tara (die langsam, aber sicher zur Chefmotivatorin wird) mit Eugene (der sich zuvor als Schlossknacker nützlich macht) und zwei Pistolen dazukommen. Da der Wolf Denise (die einzige mit medizinischer Expertise) in seiner Gewalt hat, kuschen die Frauen jedoch und lassen ihn gehen. Hätten sie mal alle auf Carol gehört. Ob der Wolf aber überhaupt aus dem von Untoten überrannten Alexandria fliehen kann, muss sich erst noch zeigen.
Deanna macht nicht mehr lange
Deanna hat sich bei ihrem Widerstand gegen die Zombieinvasion eine Kratz-/Bisswunde zugezogen und hat demnach nicht mehr allzu lange zu leben. Allerdings genügt ihre Lebenszeit noch, um sich mit Michonne über die Expansionspläne, das lateinische Zitat darauf („Someday this pain will be useful to you“) und mit Rick über die Anführernachfolge zu unterhalten. Darüber hinaus sorgt sie für eine Schrecksekunde, als sie auf die „glorreiche“ Idee kommt, Baby Judith in ihrem schwachen Zustand zu besuchen. Außerdem hat sie eine Botschaft für Sohn Spencer und Maggie aufgesetzt, die Rick übergeben soll. Ganz schön voll ihr Programm. Michonne motiviert sie dazu, die Hoffnung auf Alexandria nicht aufzugeben. Bei Rick gibt sie den letzten Anstoß dafür, dass die Bewohner der Stadt allesamt seiner Verantwortung unterliegen.
Das Carl-Ron-Intermezzo
Das Hormon-Drama rund um Carl und Ron erhält ebenfalls ein weiteres Kapitel. Aber anders als gedacht. Denn Rons Waffe kommt nicht zum Einsatz, dafür sorgt eine erneute Schubserei dafür, dass die Walker ins Haus kommen und nun die ganze Gruppe darin bedrohen. Good Job, Ron! Dabei geht es um mehrere Themen, die sich bei Ron aufgestaut haben: Enid etwa, die er für tot hält, oder den Mord an seinem Vater Pete, den er noch nicht verkraftet hat und Rick weiterhin als Bringer des Unheils sieht. Diese Launen lässt er nun an Carl ab, der nach Ricks Eingreifen allerdings davonkommt und ihn nicht ans Messer liefert, dafür aber die Pistole anknüpft und Petes Vater als „Arschloch“ tituliert. Ron is the worst...
Zombies in da house!
Die Untoten dringen immer weiter vor und können nur mit einigen Möbel davon abgehalten werden, zu den anderen vorzudringen. Man könnte sich Fragen, warum Rick und Michonne nicht einigen davon den Garaus machen. Das wäre allerdings nur eine kurzfristige Lösung, die den anderen Bewohnern der Stadt nicht wirklich helfen würde. Ein Anfang wäre es dennoch. Man muss bedanken, dass neben Rick, Michonne und Carl, aber eben auch Jessie, Ron, Sam und Gabriel zur Gruppe gehören, die zumindest teilweise nicht die geübtesten Zombiekiller sind.

Also kommt ein Plan zum Tragen, der ohnehin öfter ins Auge gefasst werden sollte: Ein paar Walkerleichen werden ausgeweidet und deren Innereien benutzt, um den menschlichen Geruch zu überdecken und sich so durchzuschleichen. Auch Baby Judith darf dabei natürlich nicht außen vor gelassen werden, während Carl sie bei der riskanten Mission trägt.
Michonne kümmert sich derweil um die immer schwächer werdende Deanna, die jedoch durchhalten und sich schließlich selbst aus dem Leben verabschieden möchte. Bevor es dazu kommt, durchlöchert sie noch ein paar Zombieschädel. Wir sehen sie zwar (noch) nicht sterben, wissen aber, dass ihre Tage gezählt sind. Sicherlich hätte es also einen schlimmeren Abgang gegeben.
Cliffhanger!
Im letzten Review hatte ich geschrieben, dass ich ein bestimmtes Comicbild für dieses Midseason-Finale im Kopf hatte. Dies wurde nicht auf den Bildschirm gebracht, dafür aber ein ganz anderes, das für mich nichts Gutes verheißt. In den letzten Minuten saß ich jedenfalls angespannt vor dem Bildschirm und habe mit dem Schlimmsten gerechnet. Passiert ist (noch) nichts. Die Macher sparen sich das also konsequent für die Rückkehr nach der Winterpause auf. Allerdings merkt man schon am Ende der Episode, dass Sam vielleicht das quengelnden Zünglein an der Waage sein könnte, sodass der eigentlich gute Plan eventuell doch nicht aufgehen wird.
Es brennt also wieder an mehreren Fronten: bei Rick, bei Morgan und Carol und auch bei Maggie und Glenn, die ihre Wiedervereinigung ebenfalls nicht erhalten. Fest steht: Die zweite Staffelhälfte dürfte mit einem Knall starten.
Merkwürdig mutet ein anderer Aspekt der Episode an. Es gibt keinerlei Randos zu sehen. Normalerweise ist das ein gutes Zeichen, weil die screen time ohnehin oft verschwendet scheint. Doch überhaupt niemanden aus der zweiten oder dritten Garde zu zeigen, wirkt in dieser katastrophalen Situation auch nicht stimmig. Wo sind wichtigere Figuren wie Aaron, Heath oder Eric? Und wo sind eigentlich Daryl, Abraham und Sasha? Zum letztgenannten Trio gibt es immerhin bereits einen Teaser, der im Zuge von „Talking Dead“ gezeigt wurde, der aber bitte in den Kommentaren mit entsprechenden Spoilern besprochen werden sollte.
Fazit
Start to Finish ist ein Halbstaffelfinale, das gegen so manche Erwartungen erzählt wird. Die großen Verluste bleiben aus, auch wenn mindestens einer feststeht. Der große Actionmoment wird bereits im ersten Folgendrittel erledigt, trotzdem bleibt es danach spannend. Hauptsächlich geht es dabei aber um die Antizipation der nächsten Folge und das Heißmachen auf die zweite Hälfte der Staffel. Diese Folge ist wie eine Vorspeise, nach der das Restaurant erst einmal für den Winter zumacht, weil die Zutaten ausgegangen sind, und hinterlässt deswegen ein leicht unbefriedigendes Gefühl, obwohl die Grundlage an sich spannend ist.
P.S.: Und dieser Teaser! Hoffentlich fängt sich die Serie nach einigen etwas holprigen Folgen nun bald wieder. Es steht jedenfalls Großes an.
Vorsicht! Spoiler! Hier der besagte Teaser auf die The Walking Dead-Folge 6x09:
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 30. November 2015The Walking Dead 6x08 Trailer
(The Walking Dead 6x08)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 6x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?