The Walking Dead 6x07

The Walking Dead 6x07

Die The Walking Dead-Episode Heads Up zeigt, dass Wut und Hoffnung oft nah beieinander liegen. AlleingÀnge können sowohl gefÀhrlich als auch lebensrettend sein. Manche ZufÀlle sind allerdings fast schon zu viel des Guten.

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Heads Up“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Heads Up“ / (c) AMC

In der The Walking Dead-Episode Heads Up bekommen die Zuschauer Gewissheit ĂŒber etwas, das sie nun schon mehrere Episoden lang beschĂ€ftigt. Ob die Auflösung zufriedenstellend ist, kann vortrefflich diskutiert werden. Ebenso, ob es nun wirklich fĂŒr den ein oder anderen dazu fĂŒhrt, die Serie fortan zu meiden oder in einem anderen Licht zu sehen. Ohne große Umschweife nun also zum großen Spoiler!

Szenenfoto aus der %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo;-Episode %26bdquo;Heads Up%26ldquo; © AMC
Szenenfoto aus der %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo;-Episode %26bdquo;Heads Up%26ldquo; © AMC

Glenn lebt!?

Nach mehreren Einzelepisoden wird nĂ€mlich klipp und klar gezeigt, dass Glenn (Steven Yeun) aus der Sackgasse entkommen konnte, weil Nicholas' (Michael Traynor) Körper durch dessen Selbstmord schĂŒtzend auf Glenn lag. Aus einer anderen Perspektive, die keine Superzeitlupe ist, sehen wir dann, dass sich Glenn unter den MĂŒllcontainer retten kann, sich einige Walker vom Leib hĂ€lt und dort stundenlang verharrt, bis die Walker durch andere Reize abgelenkt werden.

Einzig ein kleiner Schluckrest an Wasser bleibt ihm. Doch zufĂ€llig befindet sich Enid (Katelyn Nacon) in der NĂ€he, um ihm eine neue Trinkflasche zuzuwerfen. Die ZufĂ€lle in The Walking Dead sind schon ziemlich bemerkenswert, besonders das Enid just in dem Moment zur Stelle ist, als sich Glenn wieder hervortraut, ist in etwa so wahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto. Aber sei es drum. Glenn ĂŒbersteht erneut eine schier unmögliche Todesfalle - was zumindest den Trend unterbricht, dass stets das Gewissen der Gruppe draufgehen muss. Aber wir haben ja noch Morgan ... Irgendwer musste Glenn ja helfen, denn sonst wĂ€re das letzte HĂ€uflein GlaubwĂŒrdigkeit verschwunden. Dass es nun Enid ist, fĂ€llt wieder in die Kategorie bequeme Lösung, die gerade noch akzeptabel ist.

Glenn versteht es nach seiner Rettung als seine Mission, Enid davon zu ĂŒberzeugen, nach Alexandria zurĂŒckzukehren, auch wenn sie sich dagegen strĂ€ubt und lieber in einem Haus voller Plunder versteckt. WĂ€hrend Glenn immer helfen will - auch wenn die Lage und die Chancen gegen ihn stehen -, sucht Enid nach dem Motto just survive somehow die Flucht und die Selbsterhaltung.

Die Autoren versuchen Glenns FĂŒrsorglichkeit weiter zu unterstreichen, indem sie ihn Zombie-David (Jay Huguley) (wir erinnern uns an die Episode Thank You) finden lassen, dessen Auge am Zaun festklebt und dessen Brief fĂŒr seine Frau Betsy nun doch noch nach Alexandria kommen soll - allerdings ist Betsy inzwischen selbst ein Walker, der von Jessie (Alexandra Breckenridge) in Now erstochen wurde. Dennoch passt die Parallele, weil Glenn und Maggie in „TWD“ das einzige harmonische Liebespaar sind.

Glenn schließt bald wieder zu Enid auf. Die zielt jedoch mit einer Waffe auf in und versucht weiter die EinzelkĂ€mpferschiene zu fahren. Sie sieht weder Alexandria noch die Leute, die dort wohnen, als ihre Freunde an. Untergekommen war sie bei Olivia, der Dame, die sich um die Waffen und VorrĂ€te kĂŒmmert. Irgendwie schafft es Glenn also doch zu ihr durchzudringen, vielleicht ja wegen der HĂ€lfte der Herde, die alle zu töten droht. Immerhin finden sie einige der Ballons, die als Zeichen in Richtung Alexandria geschickt werden. Als die beiden immer nĂ€her kommen, sind sie geschockt, was die Menge der Untoten angeht. Doch auch davon lĂ€sst sich Glenn nicht unterkriegen: Solange die Wand und die HĂ€user noch stehen, gibt es Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Maggie und seinen Freunden.

Harte Linie oder Rehabilitation?

Szenenfoto aus der %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo;-Episode %26bdquo;Heads Up%26ldquo; © AMC
Szenenfoto aus der %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo;-Episode %26bdquo;Heads Up%26ldquo; © AMC

Rick (Andrew Lincoln) muss mehrere Brandherde bekĂ€mpfen: Die Untoten rund um die Stadt sollen fortgeschafft werden, auch damit Daryl (Norman Reedus), Sasha (Sonequa Martin) und Abraham (Michael Cudlitz) sowie Glenn sicher in die Stadt kommen können. Überdies beschĂ€ftigt ihn Morgans (Lennie James) Verhalten. Besonders die Tatsache, dass fĂŒnf der Wölfe versucht haben, Rick im Wohnmobil zu töten. Dazu kommt noch die Tatsache, dass Blut durch den Zaun kommt, das aber - wie diese Episode nahelegt - tatsĂ€chlich nur von den Walkern stammt.

Mein Lieblingsdetail dieser Episode ist dabei die Szene, in der Gabriel (Seth Gilliam) Zettel fĂŒr Gebetskreise anhĂ€ngt, die Rick einfach wieder abreißt (Rick being a dick sozusagen). Auch wenn es wohl keinen Zuschauer da draußen gibt, der Gabriel als Figur etwas abgewinnen kann.

DafĂŒr fĂ€hrt Rick weiter damit fort, Ron (Austin Abrams) ein paar Lektionen in Waffenkunde zu geben, wĂ€hrend Carl ein wenig den Trashtalker gibt. Dabei versorgt Rick Ron sogar mit einer Waffe, die er zur Selbstverteidigung bei sich tragen soll, findet dessen Idee fĂŒr ein paar ÜbungsschĂŒsse im Stadtzentrum allerdings wenig ĂŒberzeugend. Ron verbirgt eine Agenda, die etwas spĂ€ter zum Tragen kommt, als er Olivia ablenkt und sich Kugeln in der Waffenkammer klaut. Es sieht so aus, als habe er es auf Carl abgesehen. Etwa wegen Enid oder der Kabbelei von neulich? Oder doch als spĂ€te Rache an Rick, weil er Pete erschossen hat? So oder so: Ron ist einfach the worst...

Auch Morgen bereitet Rick sowie seinen Stellvertretern Michonne (Danai Gurira) und Carol (Melissa McBride) Kopfzerbrechen. Er beharrt auf der Maxime, dass alles Leben kostbar ist, und konnte deswegen selbst die mordenden und zerstörenden Wolfs nicht töten.

Er glaubt und hat schon mehrfach gesehen - an sich selbst und den Leuten, die ihm gegenĂŒber sitzen -, dass ein Sinneswandel möglich ist. Darum hĂ€lt er auch den Wolf versteckt und weiht in dieser Episode einzig Ärztin Denise (Merritt Wever) ĂŒber dessen Verletzung und seinen Aufenthaltsort ein. Die denkt zunĂ€chst, dass er das Antibiotikum fĂŒr sich benötigt, doch Morgan will seinem Gefangenen helfen, obwohl der keinerlei Einsicht gezeigt hat und sogar mit weiteren Morden gedroht hat. In seinem Fall kann ich mir tatsĂ€chlich nicht vorstellen, dass sich seine Einstellung Ă€ndert. Da Carol aber sowieso auf Morgans Spur ist, könnte sein letztes StĂŒndchen ohnehin bald geschlagen haben.

Carol verteilt derweil kurz zuvor ein paar harte Wahrheiten in Richtung Sam, der weiterhin nicht aus dem ersten Stock seines Hauses bewegt werden kann, und lĂ€dt Baby Judith bei Jessie ab. Sowohl die Szene rund um das GesprĂ€ch mit Morgan als auch Sams Intermezzo mit Carol gehören fĂŒr mich zu den besseren Szenen dieser Folge. Einen stĂ€rkeren Kontrast als Carol und Morgan gibt es in der Serie wohl kaum. Sie glaubt, dass man einige schwarze Schafe gezielt aussortieren muss, um die Welt von Monstern zu sĂ€ubern, wĂ€hrend der Zen-Meister Morgan tatsĂ€chlich jedes Leben fĂŒr schĂŒtzenswert hĂ€lt. Bisher ist The Walking Dead klar auf Carols Seite gewesen. Ob das so bleibt, wird sich zeigen.

Hoffnung versus RealitÀt

Obwohl Rick gegenĂŒber Maggie andeutet, PlĂ€ne schmieden zu wollen, wird dies noch einmal aufgeschoben. DafĂŒr ist Deanna (Tovah Feldshuh) voll des Optimismus, dass Alexandria selbst nach dieser Krise fortbestehen kann, und ĂŒbergibt Michonne die PlĂ€ne fĂŒr die Expansion, die sie neulich aufgemalt hat. Rick selbst versucht den Zaun durch ein paar Querbalken zu stabilisieren und erhĂ€lt UnterstĂŒtzung von Tobin (Jason Douglas), der zugibt, dass der alte bĂ€rtige Rick die Bewohner der Stadt damals mit Angst und Respekt erfĂŒllt hat. Allerdings erzĂ€hlt er nicht unbedingt etwas Neues, als er meint, dass die Dinge fĂŒr die lĂ€ngste Zeit einfach viel zu gut und unbeschwert fĂŒr die Stadt liefen und sich die Ereignisse dann viel zu schnell ĂŒberschlagen haben. Auch er appelliert an Rick, dass er die Bewohner Alexandrias (oder was von ihnen noch ĂŒbrig ist) nicht abschreiben sollte. Einen triftigen Grund dafĂŒr haben aber bisher vielleicht eine Handvoll der OrtsansĂ€ssigen erbracht.

Rosia (Christian Serratos) macht sich derweil nĂŒtzlich, indem sie den Menschen vor Ort den richtigen Umgang mit Macheten und Stichwaffen zeigt, wobei Eugene (Josh McDermitt) von seinem feigen Verhalten her hervorragend zu den Alexandrianern passt. DafĂŒr hagelt es fĂŒr den Ă€ngstlichen Eugene allerdings auch eine Standpauke, die sich gewaschen hat.

GefÀhrlicher Alleingang

Szenenfoto aus der %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo;-Episode %26bdquo;Heads Up%26ldquo; © AMC
Szenenfoto aus der %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo;-Episode %26bdquo;Heads Up%26ldquo; © AMC

Die Dummheit der Woche kommt von Spencer (Austin Nichols), der sich, ohne irgendwen darĂŒber einzuweihen, mit einem Drahtseil ĂŒber die Walkeransammlung bewegt und in Todesgefahr begibt. Gut, dass - wieder zufĂ€llig! - Rick und Tobin sowie Tara und Eugene in der NĂ€he sind, die nun ihrerseits ihr Leben riskieren, als das Seil nachgibt und Spencer mitten in die Untoten fĂ€llt. Tara empfiehlt sich dabei als SchĂŒtzenkönigin, die allerhand Walker erwischt und damit Rick und Tobin ermöglicht, Spencer wieder ĂŒber den Zaun zu ziehen.

Spencers Gedanke war sicherlich nicht verkehrt. Er wollte das in die Tat umsetzen, was Rick angedacht hat, nur eben ohne Plan oder großes Nachdenken. Rick schnauzt sowohl Tara als auch Spencer an. WĂ€hrend Tara die SolidaritĂ€t der Gruppe als Grund fĂŒr ihr handeln nennt, bedankt sich Deanna dafĂŒr, dass er ihren Sohn gerettet hat. Doch hat Rick Spencer tatsĂ€chlich nur gerettet, weil er Deannas Sohn ist? Oder weil er insgeheim doch wie Tara denkt? Es bleibt keine Zeit, darĂŒber nachzudenken, denn Glenns Zeichen taucht am Horizont auf und gibt neue Hoffnung auf sein Überleben - just als der Turm zusammenfĂ€llt und so die Walker in die unvorbereitete Stadt lĂ€sst.

Fazit

Anders als vermutet haben sich die The Walking Dead-Autoren die Offenbarung rund um Glenn doch nicht fĂŒr das Mid-Season-Finale aufgespart und spielen in der Episode Heads Up nun mit dem Hoffnungsmotiv, das immer wieder hinterfragt oder negiert wird. Der große Knall folgt auf den Fuß. Und mit der großen Walker-Herde werden Rick und Co. nun erst einmal alle HĂ€nde voll haben.

Es steht fest, dass man so etwas nicht noch einmal mit Glenn machen kann. Denn niemand wird glauben, dass ihm etwas zustĂ¶ĂŸt, wenn man es nicht auf konventionelle Art zu sehen bekommt - sprich ohne fragwĂŒrdige Kamerawinkel, Zeitlupe oder Musik. Im Lauf der Serie ist Glenn nun schon vielfach dem Tod von der Schippe gesprungen. Man hat die Figur auf jeden Fall wieder ins GesprĂ€ch gebracht, weswegen der echte Tod, der irgendwann sicher folgen wird, nun umso schmerzhafter sein muss.

Die Staffel hat sich auf dem Weg zum Halbstaffelfinale eine Mischung aus sehr actionreichen und sehr ruhigen Episoden gegönnt, die nicht immer aufgegangen ist und zuletzt sogar etwas langatmig wirkte. DafĂŒr ist diese Episode als Vorbereitung auf das Mid-Season-Finale gut gelungen.

Man kann sich in etwa denken, wie die nÀchste Episode ablÀuft, und sollte sicherlich auch Daryl, Sasha, Abraham, den Tanklaster und die RPGs im Hinterkopf behalten (womit man die Herde vortrefflich ablenken oder beseitigen kann). Ebenso wie Glenn und Enid, die schon ganz nah an der alten Heimat sind.

Es ist geradezu unmöglich, dass die nĂ€chste Folge ohne Opfer enden kann, denn sonst wĂ€re der lange Aufbau rund um die große Walkerherde vergebens. Ich habe sogar ein spezifisches Bild aus dem Comic im Kopf, das einen fantastischen Cliffhanger abgeben wĂŒrde. Ich bin gespannt, ob die Autoren Ă€hnlich denken.

Der Serientrailer zur Episode Start to Finish der Serie The Walking Dead (6x08)

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 23. November 2015

The Walking Dead 6x07 Trailer

Episode
Staffel 6, Episode 7
(The Walking Dead 6x07)
Deutscher Titel der Episode
Die Wand
Titel der Episode im Original
Heads Up
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 22. November 2015 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 23. November 2015
Autor
Channing Powell
Regisseur
David Boyd

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 6x07

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?