The Walking Dead 6x06

The Walking Dead 6x06

Die The Walking Dead-Episode Always Accountable dreht sich um gleich drei Figuren, die nicht gerade zu den gesprächigsten gehören. Im Mittelpunkt stehen Daryl, Abraham und Sasha, die in eine lebensgefährliche Situation geraten.

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Always Accountable“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Always Accountable“ / (c) AMC

In der The Walking Dead-Episode Always Accountable befassen sich die Autoren ausschließlich mit den Figuren Daryl (Norman Reedus), Sasha (Sonequa Martin-Green) und Abraham (Michael Cudlitz), die die Walkerherde (beziehungsweise die Hälfte davon) erfolgreich 20 Meilen von Alexandria fort geführt haben. Doch genau diese 20 Meilen werden dem Trio fast zum Verhängnis: Sie geraten in das ist das Territorium einer neuen Gruppe von Menschen, die Fremde nicht mit offenen Armen empfangen.

Don't mess with us

Die Wege von Sasha, Abraham und Daryl trennen sich. Das Auto, in dem sie sitzen, wird erleidet einen Totalschaden. Aber sie kommen mit dem Leben davon und durchlöchern das Gefährt der Verfolger (und diese selbst) wie einen Schweizer Käse. Allerdings haben sie die Spur von Daryl verloren und ziehen sich zunächst zurück, wobei sie Spuren hinterlassen, die Daryl zu ihnen führen sollen.

Die beiden haben zunächst unterschiedliche Ansichten zum weiteren Plan. Abraham glaubt, dass Daryl allein fortgefahren ist, und will deswegen keine Zeit verschwenden. Sasha kann sich das aber nicht vorstellen. Also finden sie zunächst Unterschlupf in einem Autoversicherungsgebäude. Nebenbei wird die Frage diskutiert, warum Abraham der Meinung ist, dass er jeden Walker töten müsse - was ein wenig an Morgan (Lennie James) „clearen“ erinnert, allerdings von ihm gewohnt charmant („Loose ends make my ass itch“) begründet wird. In ihrem temporären Unterschlupf jedenfalls leistet ihnen ein untoter Versicherungskaufmann Gesellschaft, der jedoch hinter einer Glastür eingesperrt ist. Ein wandelndes Mahnmal und eine Geduldsprobe für beide Charaktere, die ihre Probleme gerne durchs Zombiekillen lösen.

Sasha fragt sich, warum Abraham sich ihr unbedingt anschließen musste. Sie wollte ursprünglich allein fahren, doch er hat gesehen, in welchem emotionalen Loch sie sich befand. Er wurde dabei wahrscheinlich an die Zeit erinnert, als er Eugene noch nicht kannte und der Mord an seiner Familie für einen Tiefpunkt bei ihm gesorgt hatte. Inzwischen scheint Sasha dieses Tal überwunden zu haben, denn mit einem Dach über dem Kopf eröffnen sich zahlreiche neue Überlebenschancen. Abe sieht das ein und will seine Entscheidung auf den nächsten Morgen vertagen.

Er selbst wird mehrfach an seine Vergangenheit bei der Armee erinnert, etwa als er im Schrank die Jacke eines hochdekorierte Soldaten erblickt oder als er den Walker begegnet, der aufgespießt an einer Brücke hängt. Dort findet er ebenfalls einige Panzerfäuste, die sicherlich noch gegen große Bedrohungen (Zombie-Herde?) nützlich werden könnten, und einige Zigarren. Was Abraham genau reitet, als er zum Walker klettert und versucht, auch noch die letzte RPG zu holen, ist nicht ganz klar. Warum schaltet er den Walker nicht aus der Distanz aus und holt sich dann die Waffe? Kommt da der lebensmüde Teil in ihm durch, der sich auch schon aus dem fahrenden Auto geworfen hat, der einfach spüren will, was es heißt, lebendig zu sein?

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Später entscheidet er sich für das Vertrauen in Rick und Co. und gibt zu Protokoll, dass er die Situation in Alexandria für optimal hält und sich die Gruppe dort etwas aufbauen könnte. Allerdings gibt es gewisse Dinge, die er vorher erledigen möchte, etwa heftig mit Sasha zu flirten. Hat er etwa genug von Rosita?

Daryl zwischen den Fronten

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Daryl landet nach der Verfolgung erschöpft im Wald. Er schiebt sein Motorrad, um keine größere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Der Funkkontakt mit Abraham und Sasha ist abgebrochen, darüber hinaus blutet er. Es ging ihm schon deutlich besser. Im Wald überraschen ihn dann auch noch zwei Frauen und ein Mann, wobei letzterer ihn niederschlägt und fesselt.

Man könnte meinen, dass sich die gesamte Situation durch ein Gespräch klären ließe. Doch so funktioniert Dramatik von The Walking Dead bekanntlich nicht. Vielmehr muss es erst zu einer Reihe von Missverständnissen kommen, ehe die beiden Parteien mehr übereinander erfahren. Sicherlich kann man Daryls Verhalten auch als die mögliche Rekrutierungstaktik sehen, eine Gruppe erst einmal zu beobachten und einzuschätzen. Doch ob das nach einer anstrengenden Tour inklusive Verletzung wirklich Daryls Gedanken sind, ist fraglich. Das halb geknurrte „I ain't who you think“ reicht als Kommunikationsansatz nicht aus, und so geht das Missverständnis weiter. Das Trio erzählt ein wenig, wie es bisher in der Zombie-Apokalypse überleben konnte. Die Gruppe selbst ist - anders als die Wölfe - nicht auf chaotisches Umbringen bedacht, sondern eine kleine Splittergruppe einer größeren Gemeinschaft, die ihre Menschlichkeit bewahrt hat (siehe das Teilen des Trinkens) - was bekanntlich in „TWD“ oft nicht die besten Überlebenschancen einräumt.

Es wird schnell deutlich, dass sie auf der Flucht vor einer anderen Gruppe sind, die nach Tributen verlangt und sich womöglich betrogen fühlt. Dabei werden bei Comiclesern sicherlich einige Assoziationen geweckt; die TV-Zuschauer tappen aber vorerst im Dunkeln.

Daryl weiß nicht so recht, was er von dem Trio halten soll, das ihm mit einer Pistole zum Mitkommen zwingt. Bei erster Gelegenheit ergreift er die Flucht und klaut dabei ihr wichtigstes Hab und Gut. Der anschließende Angriff des Baum-Zombies wird dabei zur künstlichen Gefahr aufgebauscht, die dem Zuschauer durch Daryls Erschöpfung glaubhaft gemacht werden soll, aber irgendwie nur lachhaft wirkt. Immerhin kann man so zeigen, dass die Gruppe nicht unbedingt böse Pläne hat, sondern nur um ihr Überleben bedacht ist. Denn in der Tasche befindet sich Insulin, was Daryl umdenken lässt.

Um den Schein vor der Gruppe zu wahren, tauscht er den Sack mit dem Insulin gegen eine selbst geschnitzte Figur des Mannes - der offenbar Dwight (Austin Amelio) heißt - und haut wieder ab. Doch dann kommt der Rest der anderen Gruppe, was Daryl zur Rückkehr bewegt. Dabei sorgt eine geschickte Ablenkung dafür, dass ein eingeklemmter Walker einen der Verfolger beißt, was dazu führt, dass dessen Arm vom Anführer Wade (dessen Gesicht allerdings nie gezeigt wird) abgehakt werden muss.

How many people did you kill? Why?

Als die Gefahr vorerst gebannt ist, zieht die Gruppe weiter und kehrt - aus welchem Grund auch immer - dahin zurück, wo die beiden Frauen einmal als Babysitter tätig waren. Dort finden sie zwei mit geschmolzenem Plastik/Glas „überbackene“ Leichen, die jedoch noch intakte Gehirne haben. Und so stirbt die Blonde Tina (Liz E. Morgan) einen dummen und vermeidbaren Tod. Diese kurz eingeführten Figuren interessieren einen dabei wahrscheinlich genau so sehr, wie die ständig neu auftauchenden Bewohner Alexandrias.

Für Daryl steht fest, dass es an der Zeit ist, die drei Fragen von Rick zu stellen. Dwight liefert Antworten, die zu Daryls eigentlicher Gruppe passen. Er verspricht Dwight und Sherry (Christine Evangelista), dass es in seiner Gruppe noch so ist, wie es früher normal war. Doch sie kommen ins Zweifeln, als Daryl ihnen nicht sagen kann, wo seine Begleiter sind. Da muss Daryl wohl noch einmal eine Nachhilfestunde in Vertrauensseligkeit von Aaron einholen...

Als er Dwight den Rücken zuwendet, richtet dieser seine Pistole auf Daryl, fordert dessen Armbrust und nimmt ihm sein Motorrad weg. Die beiden schlagen sich lieber weiter auf eigene Faust durch, als Daryl zu vertrauen - der ihnen wohlgemerkt gerade noch das Leben gerettet hat.

Daryl kommt allerdings auch ohne seine beiden Lieblingswerkzeuge aus und findet schließlich denn als auf den Namen Patty getauten Benzintruck, mit dem er Abraham und Sasha abholt und nach Alexandria zurückkehrt. Als Daryl versucht, Rick zu erreichen, ruft jedoch noch jemand um Hilfe. Die erste Assoziation ist wohl Glenn, aber so klingt die Stimme am anderen Ende des Walkie Talkies nicht ...

Fazit

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Always Accountable ist eine merkwürdige The Walking Dead-Episode. Der von vielen Zuschauern geforderte und längst überfällige Fokus auf Daryl kann nicht richtig überzeugen. Er wird nur genutzt, um neue Figuren einzuführen, mit denen man (noch) nichts anfangen kann. Wenn es sich wirklich bei Dwight um die Figur aus den Comics handelt, dann ist die Abweichung diesmal so stark, dass es eigentlich ein ganz anderer Charakter ist. Das wäre nicht so schlimm, wenn nur das Debüt packender wäre. Ja, die Feinde des Trios scheinen gefährlich. Aber ob sich die Autoren rund um Scott M. Gimple einen Gefallen tun, so viele Gefahrenherde auf einmal zu präsentieren, ohne die Vorhandenen ausreichend zu einem Abschluss zu bringen, steht auf einem anderen Blatt. Als erster Teaser für die zweite Staffelhälfte ist die Handlung um Daryl sicherlich okay - wenn es denn ein Wiedersehen gibt.

Obwohl ich Abraham als Figur (vor allem im Comic) sehr mag, gelingt es in der TV-Serie nur bedingt ihm ähnliche Tiefe zu verleihen. Die Paarung mit Sasha könnte allerdings interessanter sein als die mit der notorisch unterbeschäftigten Rosita. Gespannt bin ich, was die Gruppe mit so vielen RPGs macht und ob es demnächst vielleicht ein kleines Zombiefeuerwerk gibt.

Die Episode verdeutlicht, dass alle drei Protagonisten, obwohl sie immer wieder gewisse Todessehnsüchte durchschimmern lassen, im Endeffekt an das übergeordnete Ziel der Gruppe glauben. Daryl träumt davon, die Bevölkerung wachsen zu lassen, während Abraham an alte Glanzzeiten erinnert wird, die nun durch einen Zufluchtsort wie Alexandria vielleicht noch einmal möglich sind. Ob Sasha dem Charme des rothaarigen Ex-Soldaten erliegt, muss sich zeigen. Sie nur auf Abrahams nächste Gespielin zu reduzieren, wäre allerdings schade.

Insgesamt kann die Folge in meinen Augen wieder nicht an den guten Staffelauftakt anknüpfen. Ich hatte merkwürdigerweise in keinem Moment Angst um Daryl, obwohl die Figur hier wohl als menschlich und fehlbar dargestellt werden soll. Obwohl der Einstieg und das Auftauchen der feindlichen Gruppe durchaus seien Reize hatte, war manches andere ziemlich unerheblich für den eigentlichen Ausgang. Die neuen Figuren hinterlassen kaum einen bleibenden Eindruck.

Wissen will ich jedoch, wer da um Hilfe ruft, und wie diese Person an ein Funkgerät der Gruppe gekommen ist.

Der Serientrailer zur Episode Heads Up der Serie The Walking Dead (6x07):

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 16. November 2015
Episode
Staffel 6, Episode 6
(The Walking Dead 6x06)
Deutscher Titel der Episode
Wer die Wahl hat
Titel der Episode im Original
Always Accountable
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 15. November 2015 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 16. November 2015
Autor
Heather Bellson
Regisseur
Jeffrey F. January

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 6x06

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