The Walking Dead 6x05

Now ist wohl die bisher ruhigste Episode der aktuellen sechsten Staffel von The Walking Dead. Die Verluste der letzten Tage und Stunden werden aufgearbeitet, die Trauer auf verschiedene Weise bewältigt. Zentral ist dabei auch die Frage, wie es hier nun weitergehen soll, und vor allem, ob die Anführerschaft neu ausgerichtet werden muss.
Open the gate!
Deanna (Tovah Feldshuh) nagt ganz schön an den vielen Verlusten und überdies noch daran, dass Ehemann Reg ihr keinen Beistand mehr leisten kann. Ein Fakt, an den sie erinnert wird, als sie den Aussichtspunkt der Stadt erklimmt und das Schild sieht, wo der Grundstein für den Zaun gelegt wurde - just in dem Moment, als die Leichen aufgesammelt und Michonne (Danai Gurira) Maggie (Lauren Cohan) mitteilt, was mit Glenn (Steven Yeun) passiert ist.
Als Rick (Andrew Lincoln) ruft, dass das Tor geöffnet werden soll, herrscht leichte Panik, denn er kehrt alleine zurück. Von Abraham, Sasha und Daryl keine Spur. Ganz alleine ist er jedoch nicht, denn er bringt etwa die Hälfte der Untoten an die Stadtmauern. Der Cliffhanger der Episode war also nicht wirklich einer. Rick ist einfach drauf los gelaufen und hat gehofft, dass er damit durch kommt. Für mich eine milde, aber verschmerzbare Enttäuschung. Eine bessere Lösung hätte ich mir dennoch ausgemalt.

Wegen der untoten „Zaungäste“ werden die strukturellen Schwachstelle des Zauns untersucht und neue Taktiken der Vorsicht besprochen. Rick rät dazu, den Geräusch- und Reizpegel zu minimieren, was auch Einschränkungen bei Strom und Licht bedeutet. Er glaubt, dass der Zaun hält, bezweifelt aber, dass das Gleiche auch für seine Mitmenschen gilt. Zu seiner Verteidigung springt Aaron (Ross Marquand) ein, der zudem einen Teil der Verantwortung auf sich nimmt. Er war es, der gemeinsam mit Daryl (Norman Reedus) in eine Falle der Wölfe gelockt wurde und dort seinen Rucksack verloren hat, der die Angreifer zur Stadt geführt haben wird.
Deanna läuft derweil apathisch fort und weiß nicht, wie sie reagieren soll. Das ist nicht gerade hilfreich für ein ängstliches Volk, das glaubt, dass es jede Sekunde zu Ende sein könnte.
We don't bury killers inside
Jessie (Alexandra Breckenridge) ist eine der wenigen Personen in der Stadt, die nicht den Kopf in den Sand stecken, den Vorratsraum plündern oder sonst wie die Hoffnung verlieren. Sie packt an, schafft ihr Wolfopfer aus dem Haus und setzt sogar an, ein Grab auszuheben. Doch Ricks Regel, die schon für Pete galt, gilt auch bei den Wölfen: Es gibt kein Begräbnis für Mörder.
Was es auch nicht geben soll, ist das Plündern der Vorratskammer aus Angst vor einem baldigen Ende. Einige wollen sich und ihren Familien nämlich noch einmal so richtig den Bauch vollschlagen, bevor die Zombies bald den Ort übernehmen.
Spencer (Austin Nichols) hält ihnen einen Vortrag darüber, dass es erst recht schnell vorbei ist, wenn sich niemand mehr an die Regeln hält. Seine Bilanz ist allerdings nicht ganz sauber: Er hat die Tür aufgelassen und so erst ermöglicht, dass die Wölfe reinkommen. Aber er hat auch den Truck aufgehalten und somit Schlimmeres verhindert. Ironischerweise hält er sich später nicht an seine eigene Regel und so bereichert sich Deannas Sohn am Essensvorrat und betrinkt sich. Seiner Mutter wirft er ebenfalls Versagen vor, nur ihretwegen seien alle solche „Weicheier“. Steile These, denn dazu gehören schließlich immer zwei. Zwischenzeitlich fasst Deanna nämlich wieder neuen Mut und zeichnet die Pläne für eine etwaige Expansion der Stadt auf. Ob es dazu noch kommen wird, muss sich zeigen. Hat sie sich zu viel erträumt?
If we don't fight, we die

Jessie auf der anderen Seite, erspielt sich langsam einen verdienten Platz bei den Fähigen rund um Rick. Sie erledigt etwa eine Bewohnerin, die sich zu einem Zombie gewandelt hat und versucht mit ihren Worten die anderen zum Kämpfen zu animieren. Ob das etwas bringt, wird sich zeigen. Sie jedenfalls macht die richtige Entwicklung durch. Dabei hat sie es als alleinerziehende Mutter weiß Gott nicht einfach. Bei ihrem kleinen Sohn Sam versucht sie das Trauma des Angriffs mit Keksen zu bekämpfen. Doch Sam fühlt sich nur im oberen Teil des Hauses sicher, weil sich dort nichts verändert hat. Ihre Sicherheit erhält Jessie von Rick, der ihr eine Zukunft verspricht, was die beiden mit Küssen besiegeln.
Wie diese Paarung beim anderen Sohn, Ron (Austin Abrams), ankommt, steht auf einem anderen Blatt. Bei ihm dringen Ricks Worte jedenfalls nun auch durch. Er wendet sich an ihn, nachdem Carl seine Absichten deutlich macht, auf eigene Faust nach Enid (Katelyn Nacon) suchen zu wollen. Außerdem will er, dass Rick ihm nun das Schießen beibringt. Der fackelt nicht lange und gibt Ron seinen Colt zum Üben.
Ich bin kein Waffenexperte, aber selbst als Laie weiß ich, dass das nicht die beste Übungswaffe ist, der Rückschlag sollte für einen Ungeübten ziemlich heftig sein, auch wenn er vorher die Patronen entfernt. Wir hören somit auch keinen Schuss, aber dennoch spricht der Gebrauch von Feuerwaffen direkt gegen das, was Rick bei seiner Rückkehr vorgeschlagen hat.

Auf die alberne „Prügelei“ beziehungsweise Schubserei zwischen Carl und Ron möchte ich gar nicht weiter eingehen.
The writings on the wall

Einige Bewohner der Stadt, darunter jemand, der wie Carl (Chandler Riggs) aussieht, schreiben die Namen der jüngsten Verluste als Mahnmal an die Wand. Maggie allerdings kann und will nicht glauben, dass ihr Mann fort ist. Also versorgt sie sich mit einem Survivalpaket und will nachforschen. Es freut mich, dass Maggie endlich einmal wieder proaktiv ist. Aaron, der von Schuldgefühlen geplagt ist, begleitet sie dabei. Er kennt einen Weg an den Walkern vorbei, der durch die Kanalisation führt. Dass das erst jetzt zur Sprache kommt, wirkt dabei wie die bequeme Lösung - und eventuell auch als die Möglichkeit, dass Glenn noch am Leben sein könnte, wenn er denn irgendwo einen offenen Gullydeckel vorfindet.
Die Kanalisations-Walker, die ihnen dabei begegnen, sind für mich dabei mit die ekligsten Kreaturen, die die Serie bisher hervorgebracht hat. Man male sich nur den Gestank aus... Im Endeffekt ist es Aaron, der sie ausschaltet. Gut also, dass er Maggie zum Mitkommen bewegen konnte, obwohl er sich eine Platzwunde am Kopf zuzieht, die Maggie notdürftig versorgt. Fraglich ist dabei, wie sauber ihr Taschentuch ist, aber das ist sicherlich nur die kleinste Sorge der beiden. Maggie will die Suche unbedingt fortführen, weil sie glaubt, dass Glenn ihre Hilfe braucht. Und sie will Gewissheit haben, sie möchte ihn noch einmal sehen, nachdem sie sein letztes Bild verbrannt hatte.
Im Endeffekt kann sie sich jedoch nicht dazu durchringen, die Kanalisation zu verlassen, und schreit Aaron an. „Denk doch einmal an die Gefahr, Maggie!“, will man ihr zurufen. Doch ihre plötzliche Zurückhaltung hat einen Grund, den man schon bei der Besprechung von Ricks Plan erahnen konnte. Maggie ist ganz offenbar schwanger, was spätestens dann bestätigt wird, als sie und Aaron Glenns Namen wieder vom Zaun wischen und sich so die Hoffnung zu bewahren.
Hot Damn!
Dr. Denise Cloyd (Merritt Wever) ist zwar mit der Gesamtsituation ebenfalls total überfordert, versucht aber trotzdem in der Fachliteratur nach einer Schmerzlinderung für Scott (Kenric Green) zu suchen. Tara (Alanna Masterson) schaut dabei mal wieder rein, um zu sehen, ob sie die Flinte schon ins Korn geworfen hat oder doch weiter durchhält. Der Geistesblitz kommt dann tatsächlich, sie saugt etwas Eiter aus der Wunde ab, was auch anzuschlagen scheint. Dafür bedankt sie sich dann mit einem Kuss bei Tara.
Diese Storyline zeigt wieder die Remix-Mentalität der TV-Serie auf. Da es Tara im Comic so nicht gibt und Scott und Denise eine andere Geschichte durchlaufen, die noch eine andere Figur einschließt, hat man sich nun zu dieser Variante entschieden. Sicherlich nicht die schlechteste. Außerdem kriegt Tara so mal wieder etwas mehr zu tun. Problematisch wäre es nun jedoch, wenn man die homosexuellen Figuren über die Klinge springen lässt, denn das letzte Mal, als Tara eine Freundin hatte, hielt das auch nicht allzu lange. Und wir wissen, dass es auch rund um schwarze Figuren ein paar unglückliche Zufälle/Autorenentscheidungen gibt (Stichwort: Black-Highlander-Theory).

Kriegt Deanna die Kurve?
Als Deanna das von Spencer entwendete Essen zurückbringen will, überrascht sie ein vergessenes Todesopfer, das sich gewandelt hat. Mit einer zerbrochenen Flasche kann sich die kleine Anführerin der Stadt zur Wehr setzen, wobei ihr offenbar nicht in den Sinn kommt, den Kopf damit anzugreifen. Vielmehr traktiert sie den Brustbereich. Erst Ricks Eingreifen beendet die Berserker-Wut. Sie selbst möchte sowohl weiterleben als auch die Community retten, glaubt aber, dass Rick der bessere Mann für den Job sein könnte. Rick zeigt sich von seiner weichen Seite, als er ihr versichert, dass ihre Träume nicht vergeblich waren.
In den kommenden Wochen muss sich aber zeigen, ob Gimple und Co. damit die Geschichte aus der zweiten Hälfte der fünften Staffel wieder weiterführen, als Rick, Daryl und Carol geheime konspirative Treffen veranstalteten, die gewisse Notfallpläne beinhaltet haben, ob diese aufgrund der Gefahrensituation längst wieder abgeschrieben sind und ob Ricks Plädoyer für sie an der Spitze ernst gemeint ist.
Deanna jedenfalls verdammt die Walker, was man auch an ihrem Schlag gegen den Zaun schön sieht. Dieser bröckelt (oder „blutet“) aber, was nichts Gutes für die meisten Menschen der Stadt bedeuten wird. Denn für eine Kampfausbildung war bisher weiterhin keine Zeit.
Days of our Zombie Lives
Auffällig ist in dieser Episode, wieder einmal, wie manche Figuren einfach ins bodenlose verschwinden. Ein Gabriel findet beispielsweise kaum noch statt, wobei wohl kaum einer eine große Storyline für ihn fordert. Aber auch Carol (Melissa McBride) und Morgan (Lennie James) oder auch Carl und Rosita, die zumindest sprechen, bleiben hier größtenteils auf der Reservebank. Das Motto der Autoren ist anscheinend: alles oder nichts. Entweder stehen die Figuren direkt im Fokus oder sie werden einfach ausgeblendet. Ein Gespräch zwischen Carol und Deanna wäre in dieser Situation sicherlich nicht verkehrt gewesen.
Darüber hinaus ist Now eine der soapigsten Episoden, die die Serie seit langem hervorgebracht hat. Manche werden es sicherlich belanglos nennen, was hier erzählt wurde, und ich tendiere diesmal sogar dazu, zuzustimmen. Besonders dann, wenn sich in einer der nächsten Folgen herausstellt, dass ein Drittel der Bewohner wieder dem Zombiekiefer zum Opfer fallen wird. Das Mitleid mit den Ur-Alexandrinern hält sich bei ihrer Schläue, ihrer Empathie und ihren Fähigkeiten aber ohnehin stark in Grenzen.
Fazit
Spannend ist sicherlich anders. Die The Walking Dead-Episode Now widmet sich den Figuren aus der Serie, die den Ruf haben, etwas langweiliger zu sein. Und die Autoren können leider nicht das Gegenteil beweisen. Nach dem temporeichen Anfang der Staffel ist das nun schon der zweite Durchatmer in Folge und in meinen Augen der bisherige Staffeltiefpunkt.
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 9. November 2015The Walking Dead 6x05 Trailer
(The Walking Dead 6x05)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 6x05
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