The Walking Dead 6x02

Man hätte wetten darauf abschließen können: Die The Walking Dead-Episode JSS beleuchtet das Schicksal der in Alexandria verbliebenen Bewohner. Zunächst wirkt hier alles ruhig, idyllisch und harmlos, doch wenn es eine Lektion aus den Ereignissen der Episode zu ziehen gibt, dann, dass man immer wachsam sein sollte und Veränderungen dringend benötigt werden.
Blick in Enids Vergangenheit
Die Episode beginnt mit einem Blick in Enids (Katelyn Nacon) Vergangenheit. Dabei sehen wir, wie ihre Eltern von Walkern gefressen werden, sie sich dann allein im Wald versteckt, eine Schildkröte roh verspeist, um zu überleben und in einem Auto Zuflucht sucht, ehe sie vor den Toren Alexandrias steht. Dabei sparen die Flashbacks bewusst immer die kill shots aus, vielleicht als Zeichen dafür, dass Enid sie in der Erinnerung auch gerne selbst ausblendet.
Dabei begleitet sie ein Mantra, das sie immer wieder schreibt oder legt: JSS. Um hier vorwegzugreifen: Es bedeutet just survive somehow - überlebe einfach irgendwie. So ist es Enid bisher gelungen, sich durchzuschlagen. Als die W-Gang angreift, versucht sie, sich per Flucht zu retten, doch Carl (Chandler Riggs) will sie verteidigen und nicht Lebewohl sagen. Trotz Carls Bemühungen gelingt es ihr doch, sich davonzumachen. Ob wir Enid noch einmal wiedersehen, muss sich zeigen. Es wäre Carl zuzutrauen, dass er nach ihr sucht. Mit der W-Gang scheint sie auf den ersten Blick jedenfalls nichts gemein zu haben. Doch wo will sie hin?

The Fake Housewife of Alexandria
Carol (Melissa McBride) hält unter den Frauen ihre Tarnung als Heimchen aufrecht. So tauscht man sich beim „ Shoppen“ im Vorratslager über Rezepte aus und sehnt sich nach Nudeln. Shelley (Susie Spear Purcell) etwa hätte gerne eine Nudelmaschine, wie sie auch schon in der Episode Forget zum Ausdruck gebracht hatte. Carol bietet ihr an, zu zeigen, wie sie Nudeln selbst macht, sofern sie aufhört, im Haus zu rauchen. Wie man später sieht, tut sie das, allerdings mit fatalen Konsequenzen für sie. Auch Sam gegenüber hat Carol den Ratschlag, dass er über den Verlust seines Vaters endlich hinwegkommen soll - der Pre-Teen kriegt also weiterhin kein Mitgefühl von ihr.
Jessie (Alexandra Breckenridge) will derweil ihren anderen Sohn Ron (Austin Abrams) durch einen Haarschnitt zum Gespräch zwingen, doch dieser will sich darauf nicht einlassen. Statt seinen Vater Pete zu verdammen, wegen dem er seinen Arm nicht anständig heben kann, schiebt er die Schuld für die Misere auf Rick (Andrew Lincoln). Selten gab es eine unpassendere Zeit für Teenagerlaunen und Ron entwickelt sich neben Gabriel schnell zum Nervcharakter schlechthin.
Maggie (Lauren Cohan) und Deanna (Tovah Feldshuh) unterhalten sich derweil über die Zukunft Alexandrias. Deanna kämpft weiterhin mit der Trauer und dem Verlust ihres Ehemanns. Maggie versucht, sie aufzubauen, indem sie einen Plan vorschlägt, der ihm gefallen hätte. Expansion der Wohnfläche, Weiterbau des Zauns und Ackerbau. Wenigstens denkt hier also einmal jemand mit, wie man den nächsten Schritt sinnvoll gestalten könnte. Ob Deanna nach ihrem Verhalten als Anführerin noch weiter tragbar ist, muss sich ebenfalls zeigen.
Eugene (Josh McDermitt) und Tara (Alanna Masterson) sind derweil in der Krankenstation, um Aspirin für die noch angeschlagene Tara zu holen. Dort lernen sie die neue Doktorin Denise Cloyd (Merritt Wever) kennen, die nach Petes Ableben nun die medizinische Versorgung übernimmt und sich nicht besonders dafür geschaffen fühlt. Auch die beiden denken über Verbesserungen nach. Etwa ein zweiter Hochsitz, während Eugene sich darüber hinaus darüber aufregt, dass eine Kirche statt einer wissenschaftlichen Einrichtung für die erste Expansion durchgewunken wurde. Denise ist eigentlich Psychiaterin, hat aber auch eine normale ärztliche Ausbildung und wirkt wie der Rest der Bewohner Alexandrias ängstlich und unsicher.
Gabriel (Seth Gilliam) will derweil von Carl nun doch lernen, wie man sich selbst verteidigt und das, obwohl die Gruppe weiß, was er Deanna über sie gesagt hat.
The Great Alexandria Massacre
Während Carol also in der Küche ist und per Babymonitor Judith im Auge hat, sieht sie, wie Shelly urplötzlich von einem Wahnsinnigen mit einer Machete angefallen wird. Das hat sie nun davon, wenn sie auf Carols Rat hört und draußen raucht. Derweil wird Richard, der Wächter am Zaun, von einem Molotov-Cocktail erwischt, was zeigt, dass die Angreifer auf Tod und Verderben aus sind.

Für Carol ist klar, was zu tun ist: Geistesgegenwärtig schaltet sie in den Rambo-Modus um, der durch einen Ninja-Mode ergänzt wird. Ihr Ziel: so viele Angreifer wie möglich ausschalten und zur Waffenkammer vordringen, um sich einen taktischen Vorteil zu verschaffen. Die Angreifer sind eine ganz neue Qualität von Verrückten, denn ein erkennbares Ziel scheinen sie gar nicht zu haben, sie hacken mit ihren Stichwaffen vielmehr wie im Wahn auf ihre Opfer ein.
Carl soll derweil seine kleine Schwester Judith beschützen, während Jessie sich mit Sam im Schrank versteckt, weil dieser verständlicherweise große Angst hat.
Zudem wird klar, wer das laute Horn zu verantworten hat, das die Walker, die Rick und Co fortlocken wollen, wieder auf Alexandria aufmerksam macht. Spencer (Austin Nichols) befindet sich im Wachturm, ist aber ein dermaßen schlechter Schütze, wenn der Faktor Angst dazukommt, dass er eher Hindernis als Helfer ist. Den LKW-Fahrer, der auf die Stadt zusteuert, kann er zwar außer Gefecht setzen, dabei gerät aber auch der Turm selbst in Mitleidenschaft. Erst der dazukommende Morgan kann das Geräusch verstummen lassen, wie wir wissen, wurde er bereits von Rick vorgeschickt, um den anderen über Carter zu erzählen. Das ist allerdings gut für die Gemeinde, denn neben Carol ist er eindeutig der aktivste Beschützer gegen die Wolf-Gang. Spencer ist jedenfalls nicht für den Kampf gemacht und wählt die Option, sich außerhalb der Stadtmauern zu verstecken. Später entscheidet sich Deanna ebenfalls dafür.
Während Morgan weiterhin versucht, keine Menschenleben zu nehmen, sieht das bei Carol schon anders aus, sie schießt auf alles, was kein Bewohner der Stadt ist. Davor gibt sie sich sogar per blutigem W auf der Stirn als Wolf aus und infiltriert die Angreifer. Die Tarnung ist perfekt, da sie sogar Morgan als Gefangenen präsentiert. Carol ist bereit, Gabriel sich selbst zu überlassen, der von einem Wolf angegriffen wird, aber Morgan eilt ihm zur Hilfe, nur damit Carol den Gefangenen doch exekutiert. Zumindest hier kann man Carol einen Vorwurf machen, denn von dem Gefesselten hätte man sicherlich Informationen erhalten können.
Es handeln also vor allem die ursprünglichen Überlebenden, während die Bewohner Alexandria fast alle wie Lämmer auf der Schlachtbank warten. Rob etwa rennt vor einem Angreifer fort, wobei Carl ihm das Leben rettet und dann kurzzeitig auf die Mitleidsschiene seines Opfers reinzufallen scheint. Allerdings will der hormongesteuerte Ron dann nicht bei Carl und Enid bleiben, sondern begibt sich wieder in Gefahr und bringt auch seine Mutter in Zugzwang. In Jessies Haus ist derweil auch eine Angreiferin, die die zweifache Mutter mit ihrer Friseurschere attackiert und schließlich auch per Scherenstoß ins Gehirn endgültig eliminiert. Immerhin eine Person, die ebenfalls tätig wird.
Fest steht: Ohne die wachsame Carol wäre die gesamte Stadt verloren. In der Waffenkammer findet sie die sich im Schrank versteckende Olivia (Ann Mahoney), die natürlich auch keinen Plan von Schusswaffen und Selbstverteidigung hat. Also übernimmt Carol das Verteilen von weiteren Waffen. Glücklicherweise gibt es noch Rosita (Christian Serratos) und Aaron (Ross Marquand), die ebenfalls ihren kleinen Teil zur Verteidigung der Stadt abliefern.
OP ruft Doctor Cloyd

Die neue Doktorin wird natürlich auch bei dem Sturm auf Alexandria gefordert, auch wenn es Taras Motivationsansprache braucht, damit sie sie aktiv wird. Sie kümmert sich um die schwer verletzte Holly und versucht ihr Bestes, dabei stellt sich aber heraus, dass man eben nicht immer erfolgreich sein kann. Hoffentlich nimmt sie Taras anderen Rat ernst und sorgt dafür, dass sie das Gehirn erwischt, wenn sie sich um Hollys Leichnam kümmert. Interessant auch, dass man sich die aus den Comics bekannte Holly als Opfer wählt und somit wohl zahlreiche künftige Geschichten abwandeln muss. Welche das sind, kann gerne mit entsprechender Spoilerkennzeichnung in den Kommentaren besprochen werden.
Wer hat Schuld?

Die Schuldfrage in dieser Episode ist ein spannender Fall an sich. Nicht ganz klar ist, wie die Angreifer nach Alexandria vordringen konnten. Haben sie, wie Enid es schon getan hat, einfach den Zaun erklommen? Durch Aarons zurückgelassenen Rucksack mit den Bildern darin hatten sie jedenfalls optische Eindrücke des Ortes, die ihnen weitere Hinweise über dessen Beschaffenheit liefern konnten. Doch was ist Aarons Fazit daraus? Will er nun ähnlich wie Rick niemanden mehr reinlassen, weil einmal so etwas Katastrophales passieren konnte?
Auch Morgan trifft in gewisser Weise eine Schuld, schließlich war er einigen Mitgliedern der Wolf-Gang schon begegnet und hatte sie mit dem Leben davonkommen lassen, obwohl sie ihn hatten angreifen wollen.
Zudem hält er sich bei seinen Konfrontationen zurück, lässt fünf Angreifer sogar ziehen und mindestens einen auch mit einer Waffe gehen. Erst, als er den Mann sieht, der ihn bereits einmal angegriffen hat, scheint es so, als hätte er genug und greift gegenüber einem menschlichen Gegner zum Äußersten.
Haben die Angreifer ihre Lektion gelernt oder kommen sie wieder? Was wurde eigentlich aus ihren eigenen LKW-Zombies? Oder werden sie bei ihrer Flucht von der Zombiemasse angegriffen? Es gibt einige Optionen, wie es hier weitergehen kann. Rick und Co sind bislang ahnungslos und anders als Morgan noch lange nicht wieder auf dem Rückweg.
Solange Carol da ist, dürften die meisten menschlichen Bedrohungen aber wohl zu meistern sein, doch wie verhält es sich bei einer Untotenherde?
Fazit
Die Wolf-Gang hat in der The Walking Dead-Episode JSS ihren ersten Warnschuss abgefeuert und musste dabei einige Mitglieder opfern, konnte aber auch zahlreiche Bewohner Alexandrias „reißen“. Die große Schwachstelle der Episode ist dabei, dass in keinster Weise eine Motivation für den Angriff dargebracht wird. Wollen sie wirklich nur Chaos anrichten und Menschen töten, weil sie so verrückt sind und dies als Naturzustand ansehen?
Die Folge nimmt sich diesmal Zeit, alle restlichen Bewohner kurz zu beleuchten und ein Statusupdate zu geben. Trotz des Angriffs der Wölfe ist dabei kein nennenswertes Opfer zu beklagen - mal abgesehen von zahlreichen namenlosen Wölfen und red shirts.
Carol ist natürlich die Figur der Stunde und Melissa McBride zementiert weiter ihren Status als weiblicher badass und fan favorite. Morgan darf wieder einmal als Kontrastfigur für die Verrohung der Figur und Ricks Überlebende allgemein fungieren. Hier stellt sich kaum die Frage, welcher Weg der bessere darstellt, um die Zukunft der Gemeinde zu sichern. Ohne Carol gäbe es diese vielleicht gar nicht mehr.
Für Fans von Actionepisoden liefert JSS genau das, auch wenn die Action sich hauptsächlich zwischen Menschen untereinander abspielt. Dabei gibt es einige „WTF“-Momente - angefangen mit dem brutalen Mord an Shelly und dem Molotowcocktail -, aber auch einige Momente der Reflexion (Aaron, Morgan, Carol). Doch der große Kampf mit den Untoten lässt bestimmt nicht lange auf sich warten.
Der Trailer zur Episode Thank You (6x03) der US-Serie The Walking Dead:
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 19. Oktober 2015The Walking Dead 6x02 Trailer
(The Walking Dead 6x02)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 6x02
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