The Walking Dead 4x14

The Walking Dead 4x14

Die neue The Walking Dead-Episode The Grove ist vor allem eines: ganz harter Tobak! Tyreese, Carol, Baby Judith sowie die beiden Geschwister Lizzie und Mika kommen an einen Wendepunkt, der alles verÀndert.

Szenenfoto aus der Episode „The Grove“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der Episode „The Grove“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c) AMC
© zenenfoto aus der Episode „The Grove“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c) AMC

Man möchte meinen, dass es Episoden wie The Grove sind, die den Existenzgrund der Serie The Walking Dead rechtfertigen. Trotz so mancher Logiklöcher, Style over Substance, Zombieaction plus Blut und Gewalt sind es hier die zwischenmenschlichen Töne, die diese Episode zu einer der bislang erinnerungswĂŒrdigsten der Serie werden lassen. Dabei liegt der Fokus wieder einmal auf wenigen Akteuren. Lediglich Carol (Melissa McBride), Tyreese (Chad Coleman), Mika (Kyla Kenedy), Lizzie (Brighton Sharbino) und Baby Judith tauchen auf und sorgen hier fĂŒr eine Tour-de-Force, die manchen Zuschauer vielleicht an seine Grenzen bringen könnte.

Was ist nur mit den Samuels-Schwestern los?

Wie schon mehrfach in dieser StaffelhĂ€lfte ködern die Autoren die Zuschauer mit einer Eröffnungsszene, die neugierig macht. Ein MĂ€dchen - wie wir spĂ€ter noch erfahren sollen, ist es Lizzie - spielt darin mit einem Zombie Fangen. Die Szene ist kurz, aber effektiv. Weil sie aus der Perspektive des KĂŒchenfensters eingefangen wird, wo ein Wasserkessel pfeift. Außerdem macht sie deutlich, dass hier etwas nicht stimmen kann. Wer ist schon so fahrlĂ€ssig, und spielt mit einem Walker fangen? Es ist ein Vorgriff auf das, was in dieser Episode noch kommen wird.

FĂŒr Lizzie ist Carols RĂŒckkehr eine gute Sache. Sie möchte sich ihr gegenĂŒber beweisen und will ebenso wie sie Wache schieben. Außerdem gibt sie vor Carol damit an, wie nĂŒtzlich sie ist. WĂ€hrenddessen schlafen Tyreese und Mika auf den Gleisen, was ebenfalls ein schönes Bild ergibt: eine kleine Metapher fĂŒr die imaginĂ€ren ZĂŒge, die sie in dieser Episode noch ĂŒberrollen werden. Gleichzeitig wirkt es so, als wĂŒrde Carol die Kinder stĂ€ndig prĂŒfen. Fast so, wie Rick es mit ihr getan hat, kurz bevor er sie in der Episode Indifference auf sich allein gestellt zurĂŒck ließ.

WĂ€hrend Lizzies Verhalten bei Carol die Alarmglocken klingeln lĂ€sst, weil sie nicht zu verstehen scheint, wie gefĂ€hrlich die Walker sein können und sie durchaus mit Stolz berichtet, dass sie Tyreese im GefĂ€ngnis gerettet hat, indem sie zwei Menschen erschoss, scheint Mika ihr fast so, als wĂ€re sie nicht hart genug. Ein spĂ€teres GesprĂ€ch mit der jĂŒngeren der beiden ergibt, dass sie sich nicht scheut Walker zu erledigen, aber bei Menschen eben ihre Skrupel hat. Eigentlich ganz vernĂŒnftig, möchte man meinen - zumindest wenn die alten Regel noch gelten wĂŒrden. Mika erinnert Carol offenbar stark an ihre eigene, inzwischen verstorbene Tochter Sophia, die keiner Fliege etwas zuleide tun konnte, und deren Verschwinden bekanntlich einen Großteil der zweiten Staffel ausmachte. Auch Mika wĂŒrde kein unschuldiges Reh töten. Immerhin haben sie ja Pfirische...

Tyreese leidet nebenbei an einer Arm-Wunde und hat leichte FieberalbtrĂ€ume. Um die Wunde zu verarzten, benutzt Carol etwas Baumharz, was die EntzĂŒndung verhindern soll. Alles Weitere scheint eigentlich harmonisch zu laufen. Man erinnert sich an Carols Vorlesen im GefĂ€ngnis - was Tyreese schon fast vergessen hat -, sucht nach etwas Wasser und Mika macht den Fehler, die Hasenleichen anzusprechen, wofĂŒr sie einen bösen Blick der Schwester erntet. Doch noch bringt keiner der Erwachsenen Lizzie damit in Verbindung oder vermutet gar eine ernste Störung...

Manche Walker muss man töten, andere nicht

Szenenfoto aus der Episode „The Grove“ der US-Serie „The Walking Dead“
Szenenfoto aus der Episode „The Grove“ der US-Serie „The Walking Dead“ - © AMC

WĂ€hrend Carol und Mika Wasser suchen, spielen Tyreese und Lizzie etwas „ich sehe was, was du nicht siehst“, bis ein Walker sie aufschreckt, der ins Gleisbett stolpert und dort liegen bleibt. Tyreese will ihn reflexartig erlösen, damit er spĂ€ter nicht zur Gefahr wird, aber Lizzie hindert den hammerschwingenden HĂŒhnen daran - mit der BegrĂŒndung, manchmal sei es nötig, sie zu töten, und manchmal nicht. Es soll nicht die letzte Begegnung mit diesem Walker sein...

Bald riechen Carol und Tyreese ein Feuer in der NĂ€he und finden einige HĂ€usschen, die von einem kleinen, aber feinen Stacheldrahtzaun umgeben sind. Die beiden Erwachsenen gehen rein, um das Haus zu sichern, die Kinder sollen draußen warten. NatĂŒrlich lĂ€sst eine Walkerattacke nicht lange auf sich warten. Es ist Mika, die den Untoten mit drei SchĂŒssen erledigt, wĂ€hrend Lizzie eine Art Zusammenbruch hat. Es scheint, als sĂ€he sie die Walker als Freunde, wie sich etwas spĂ€ter auch bei ihrem fahrlĂ€ssigen Fangspiel zeigt, nach dem sie einen Totalausraster hat und Carol anschreit. SpĂ€testens hier dĂŒrfte Carol und allen Zuschauern wohl klar werden, dass hier etwas im Argen liegt und man Lizzie am besten nicht aus den Augen lassen sollte. Außerdem wurde sie am Anfang der vierten Staffel so eingefĂŒhrt, dass sie einen Walker Nick nannte und somit vermenschlichte. Die Entwicklung zu einer gestörten Persönlichkeit ist somit eigentlich nur konsequent.

Man muss sich natĂŒrlich auch Fragen, was die Gesamtsituation mit der Psyche eines jungen Menschen anrichten kann. In The Walking Dead haben wir dazu nun verschiedene EntwĂŒrfe gesehen. Sophia und Mika, die beide sehr unschuldig blieben, sowie Carl und Lizzie, die bisweilen gefĂ€hrlich Nahe an den Soziopathenstatus kamen. Carl hat den Vorteil eines (fast) stabilen sozialen Umfelds. Es gab zwar manche HĂŒrde auf dem Weg - Shane oder Loris Tod -, aber auch moralische StĂŒtzen wie Dale, Rick, Hershel und Michonne, die ihn wieder ausgeglichen haben.

Dennoch bleibt es nicht bei Lizzies Ausraster, nachdem Carol ihre „SpielgefĂ€hrtin“ tötet. Sie schleicht sich erneut davon und wird von ihrer kleinen Schwester dabei erwischt, wie sie den Gleisbettwalker mit einer Maus fĂŒttert. Damit ist unomstĂ¶ĂŸlich klar, dass es Lizzie war, die die Untoten am GefĂ€ngniszaun gefĂŒttert und somit die ganze Gruppe in Gefahr brachte. Außerdem hat Lizzie bekanntlich auch eine Ratte an ein Brett genagelt und einige unschuldige Hasen auf dem Gewissen, die der Gruppe am Wegesrand begegnet waren. Dass es ausgerechnet die kleine Schwester ist, die die einsichtige und vernĂŒnftigere der beiden ist, ist eine nette Wendung. Doch Lizzie scheint nicht kapieren zu können, dass tot in dieser Welt tot bedeutet. Stattdessen meint sie, sie könne die Walker kontrollieren oder zur Vernunft bringen, und so streckt sie dem Gleiswalker ein wenig lebensmĂŒde die Hand hin. Dabei bleibt es nicht: Das Feuer sorgt dafĂŒr, dass einige angesengte Untote aus dem GestrĂŒpp kommen und die Schwestern aufscheuchen. Kurz vor dem Ziel bleibt Mika im Zaun hĂ€ngen und nur das beherzte Eingreifen von Carol kann die Situation entschĂ€rfen. Zu viert erschießen sie die verkolten Untoten, wobei es fast ein wenig so wirkt, als wĂŒrde Lizzie sich erneut zurĂŒckhalten. Immerhin scheint sich Tyreeses Treffsicherheit erheblich verbessert zu haben, seit er in Woodbury war.

Dieses Erlebnis scheint Lizzie aufzuwecken - diesen Eindruck vermittelt sie jedenfalls Carol. Lizzie meint, die Gefahr durch die Walker nun einschĂ€tzen zu können. Und Carol macht ihr noch einmal deutlich, dass diese Welt schrecklich und angesteinfĂ¶ĂŸend sein kann und dass sie einen verĂ€ndert. Das Heranwachsen ist eben nicht mehr so, wie es frĂŒher einmal war. Die Gruppe versucht, trotz aller Warnzeichen, etwas NormalitĂ€t einkehren zu lassen, röstet einige PecannĂŒsse und vertagt etwaige Konsequenzen auf einen anderen Zeitpunkt.

Tyreese und seine TrÀume von Karen

Szenenfoto aus der Episode „The Grove“ der US-Serie „The Walking Dead“
Szenenfoto aus der Episode „The Grove“ der US-Serie „The Walking Dead“ - © AMC

Nicht nur wegen des Psychogramms der Kinder ist diese Episode spannend. Auch wegen der Brisanz, die in der Paarung Tyreese und Carol liegt. Er ist der Mann, der so viel verloren hat: Seine Freundin wurde im GefĂ€ngnis umgebracht, und ĂŒber den Aufenthaltsort oder das Überleben seiner Schwester Sasha kann er nur mutmaßen. Er ist verletzt, muss sich um drei fremde Kinder kĂŒmmern und leidet unter AlptrĂ€umen. Darin trĂ€umt er von seiner Ex und vergisst, dass sie tot ist und sieht einen Killer, der ein Fremder ist. Das alles erzĂ€hlt er ausgerechnet der Frau, die ihm seine Liebe genommen hat. Eigentlich mit der Intention, die Krankheit einzudĂ€mmen und so die Gruppe zu beschĂŒtzen, aber das verrĂ€t sie ihn bei diesem GesprĂ€ch (noch) nicht. Vielmehr wertschĂ€tzt Tyreese das, was Carol fĂŒr die Kinder und die Gruppe tut und quittiert das mit einer Umarmung. Die Unterhaltung findet im Kontext der Erörtung statt, ob man an diesem Ort etwas verbleiben sollte. Doch diese Entscheidung wird ihnen von jemandem abgenommen.

Lizzie, the Killer

Als Carol und Tyreese von ihrem Spaziergang zurĂŒckkehren, finden sie Lizzie vor, die ihre eigene Schwester erstochen hat und mit blutigen HĂ€nden vor ihnen steht. Auch die Versicherung, dass sie ja bald zurĂŒckkehren wird, weil sie ihren Kopf verschont hat, sorgt nicht gerade fĂŒr Freude. Als Carol auch nur einen Schritt in Mikas Richtung macht, zielt Lizzie mit ihrer Pistole auf ihre Mentorin. In dieser Situation ist noch das Beruhigendste, dass sie Baby Judith nichts getan hat (was bezĂŒglich ihres vorherigen Mundzuhaltens fast einem Wunder gleicht). Obwohl sie selbst in einem Nebensatz sagt, ihr Werk sei noch nicht zu Ende, sie habe durchaus die Absicht, Ähnliches mit dem Baby anzustellen.

Lizzie will warten und den beiden Erwachsenen zeigen, was passiert. Durch geschicktes zureden schafft es Carol, Lizzie davon zu ĂŒberzeugen, ihr die Waffe zu ĂŒberreichen, sich mit Tyreese von der Leiche ihrer Schwester zu entfernen und erst einmal ins Haus zu gehen. Lizzie begreift nicht, was sie getan hat. Carol sorgt dafĂŒr, dass die kleine Mika nicht zum Walker wird, und diskutiert dann mit Tyreese die weitere Vorgehensweise. Ob Carol etwa mit Lizzie weggehen soll? Oder Tyreese? Oder sollte man erst versuchen, mit ihr zu reden?

Just look at the flowers, Lizzie

Es kommt, wie es kommen muss. Lizzie bemerkt zunĂ€chst den ernst der Lage nicht und lĂ€uft durch die Gegend, als wĂ€re nichts gewesen. Vielleicht sogar noch etwas fröhlicher als sonst. Dann dĂ€mmert ihr jedoch endlich an Carols Verhalten ihr gegenĂŒber: Sie hat etwas unverzeihbares getan. Carol muss das tun, was sie bei ihrer eigenen Tochter noch Rick ĂŒberlassen hatte. Mit den Worten: „Just look at the flowers, Lizzie“ setzt sie dem MĂ€dchen per Kopfschuss ein Ende. So traurig Lizzies Schicksal ist, so abgebrĂŒht muss das Reh sein, das erneut zu sehen ist und sich auch von dem Schuss nicht hat verschrecken lassen. Tyreese und Carol beerdigen die MĂ€dchen noch an Ort und Stelle und Carol nutzt im Anschluss die Gelegenheit fĂŒr ihr eigenes GestĂ€ndnis.

Vergeben, aber nicht vergessen

Szenenfoto aus der Episode „The Grove“ der US-Serie „The Walking Dead“
Szenenfoto aus der Episode „The Grove“ der US-Serie „The Walking Dead“ - © AMC

Am Tisch schiebt sie Tyreese ihre Pistole zu und gesteht den Mord an Karen und David. Sie legitimiert ihr Handeln mit der Absicht, die Gruppe beschĂŒtzen zu wollen. Es war weder ein Fremder noch Lizzie, wie Tyreese zeitweise dachte. Carol ist bereit, die Konsquenzen zu tragen. Zwar muss sich Tyreese sehr beherrschen und krallt sich am Tisch fest, dennoch vergibt er ihr. Das ist sicherlich ein großer Akt der Menschlichkeit und fĂŒhlt sich nach der Zeit, die inzwischen vergangen ist, sogar richtig an. Die Frage ist nun, wie sich die Zweckgemeinschaft der beiden entwickeln wird. Kann Tyreese tatsĂ€chlich vergessen? Könnte er Carol etwa absichtlich in einer Gefahrensituation hĂ€ngen lassen? Eins steht fest, dort im Haus können und werden sie nicht bleiben. Also versuchen sie einen Neuanfang in "Terminus"...

Fazit

The Grove ist eine emotional aufwĂŒhlende Episode von The Walking Dead. Es ist genau jene Gruppe im Fokus, die man nach den Episoden mit Beth und Daryl sehen wollte. Es kommt zu einigen Ereignissen, die sich abgezeichnet haben, aber dennoch unerwartet aufgelöst werden.

Comiclesern kommt die Geschichte um die Samuels wie ein Remix einer Nebenhandlung in der Vorlage mit getauschten Protagonisten vielleicht bekannt vor, das schmÀlert aber nicht die Umsetzung in der TV-Serie, die in dem Fall vielleicht sogar besser gelungen ist.

Scott Gimple und die Autoren der Serie lösen Geheimnisse auf, die in der ersten StaffelhĂ€lfte etabliert wurden und nehmen die Figuren dermaßen in die Zange, wie es selbst große Mengen von Zombies kaum könnten. Insgesamt ist es erfreulich, wie nebensĂ€chlich die Zombies eigentlich sind (auch wenn die verkohlten Zombies wieder ein optisch ansprechendes Gimmick der Woche sind) und wie sehr die menschliche Tragödie im Mittelpunkt steht. Lizzie und Mika gehen damit als tragische Opfer ihrer LebensumstĂ€nde in die Seriengeschichte ein und die Zahl der Kinder, die in dieser Welt Platz haben, sinkt erneut.

Tyreese und Carol bleiben mit seelischen Wunden zurĂŒck, die erst einmal aufgearbeitet werden mĂŒssen, wĂ€hrend am Horizont schon wieder neue Gefahren drohen. Denn obwohl sich Tyreese gĂŒtig zeigt, ist lĂ€ngst nicht klar, ob er seine Worte spĂ€ter nicht bereuen wird. Dazu kommt, dass die AusfĂŒhrung der Geschichte ausgesprochen gut gelungen ist. Hoffentlich bleibt das Niveau der verbleibenden zwei Episoden ebenso hoch.

Videovorschau auf die Episode US (4x15) der US-Serie The Walking Dead:

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 17. MĂ€rz 2014
Episode
Staffel 4, Episode 14
(The Walking Dead 4x14)
Deutscher Titel der Episode
Schonung
Titel der Episode im Original
The Grove
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 16. MĂ€rz 2014 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 17. MĂ€rz 2014
Autor
Scott M. Gimple
Regisseur
Mike Satrazemis

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 4x14

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