The Walking Dead 4x13

In der The Walking Dead-Episode Alone sind die Überlebenden weiterhin in Kleingruppen unterwegs. Nur eines haben die meisten Gruppen gemein: Die Hinweisschilder zum angeblich sicheren Zufluchtsort „Terminus" begegnen (fast) allen.
Dass Alleinsein nur selten Glück bringt, demonstriert das Videoclip-artige und mit Musik untermalte Episodenintro mit Bob Stookey (Larry Gilliard Jr.) in der Hauptrolle. Der Flashback auf seine Tage vor dem Treffen mit Daryl (Norman Reedus) und Glenn (Steven Yeun) zeigt, wie er apathisch in den Tag hineinlebt. Fast wie ein Zombie unter Zombies. Allein war er immerhin agil und leise genug, um sich in engen Räumen oder auf LKW-Dächern zu verstecken, nur der Alkohol leistete ihm Gesellschaft. Bei der ersten Gelegenheit, sich wieder einer Gruppe anzuschließen, springt er sofort an. Drei Fragen später und nach der Bekenntnis, dass er einen Menschen getötet hat, weil dieser ihn darum gebeten hatte, ist er Teil der ehemaligen Gefängnisgruppe - und nun nicht mehr allein. Wobei sein Blick damals so gelesen werden konnte, dass er glaubt, sein Schicksal werde sich immer und immer wiederholen. Zumindest ein Stück weit hat er Recht, auch diese Gruppe hat nicht ewig gehalten. Allerdings ist Stookie inzwischen ein anderer Mensch als damals und deutlich weniger pessimistisch.
Zombies im Nebel
Eine schöne und bisher in der Serie noch nicht verwendete Idee sind die Zombies im Nebel, mit denen Bob, Maggie (Lauren Cohan) und Sasha (Sonequa Martin) es kurzzeitig zu tun bekommen. Es ist überraschenderweise Sasha, die hier ihre Qualitäten als gute Schützin zur Schau stellen darf und ihren Gefährten die Haut rettet. Ein kurzer Schreckmoment verpufft, als Sasha annimmt, ein Walker hätte Bob erwischt. Doch dieser hat wohl nur seine alte Wunde wieder zum Bluten gebracht. Allerdings neigt sich ihre Munition dem Ende und auch der Kompass ist kaputt. Gut, dass das Trio bald ein Hinweisschild zu „Terminus" sieht. Für Maggie steht fest, dass es ein Hoffnungsschimmer ist. Sie glaubt, ihr Mann Glenn würde genau dorthin aufbrechen, um nach ihr zu suchen. Sasha zweifelt, ob der Ort wirklich die Oase an Glückseligkeit ist, die dort versprochen wird. Bob ist in erster Linie für den Gruppenzusammenhalt. Hauptsache, niemand muss allein sein.
Doch natürlich kommt es genau dazu. Maggie verlässt die Gruppe über Nacht und hinterlässt nur eine Botschaft im Boden. Während Bob Maggie suchen will, fantasiert Sasha von einer erhöhten Zuflucht, wo man neu anfangen kann. Diese soll sie später sogar kurzzeitig finden, doch ganz allein nützt ihr auch so ein Ort nur wenig.
Die temporäre Einzelgängerin Maggie schlitzt derweil Walker auf, um mit deren Blut entlang der Schienen Botschaften für Glenn zu hinterlassen. Auch für Bob und Sasha liefert das Indizien, um zu ihr aufzuschließen. Bevor sich ihre Wege trennen, versucht Bob, Sasha mit einem Kuss dazu zu überreden zusammenzubleiben. Dennoch lässt sich Sasha nicht abbringen, es kurzzeitig allein zu versuchen, was sich für Maggie zur glücklichen Schicksalsfügung entwickelt. Denn zufällig erblickt Sasha aus dem Fenster ihres verlassenen Lofts Maggie, die neben einigen Leichen eine kleine Verschnaufpause eingelegt hat. Doch das herausfallende Fenster lockt die Untoten an und schreckt Maggie auf. Sasha eilt zur Hilfe und mit Verkehrsschildern als Waffen, gelingt es ihnen, die Walker zu beseitigen. Maggie sieht ein, dass sie es alleine unmöglich schaffen kann und bittet Sasha, sie nach "Terminus" zu begleiten. Nun muss nur noch Bob eingesammelt und der Weg fortgesetzt werden. Außerdem scheint auch Glenn tatsächlich "Terminus" zum Ziel zu haben. Aber: Wo sind seine Begleiter?
Ausbilder Daryl

Daryl und Beth (Emily Kinney) sind nach dem reinigenden Abfackeln der Hütte im Wald zu einer noch besseren Einheit verschmolzen. Daryl bringt ihr - diesmal in einem gesitteten Ton - bei, wie man Spuren liest und Walker mit der Armbrust ins Visier nehmen kann. Allerdings gerät Beth dabei in eine Tierfalle und verletzt sich ihr Bein. Kein Problem für Daryl, der seine junge Begleiterin kurzerhand Huckepack nimmt. Nach einem kurzen Schweigemoment für einen anonymen verstorbenen Vater, bei dem sie Händchen halten, erreichen sie eine Art Trauerhalle, die noch recht gut in Schuss ist, was zur Annahme verleitet, dass jemand sich die Mühe macht, sie zu pflegen.
Fun Home
Selbst Walkerleichen wurden hier präpariert und in entsprechende Kleidung für eine Beerdigung gesteckt. Ansonsten gibt es im Haus einen schönen Vorrat an Cola Light, Erdnussbutter und Marmelade - was Beth und Daryl dankbar annehmen, aber immerhin nicht alles plündern. Ein beistehendes Klavier nutzt noch Beth dazu, die alten Stimmbänder mal wieder zu ölen. Auch wenn Daryl in betrunkenem Zustand über ihren Gesang gelästert hat, hört er ihr, in einem bequemen Sarg liegend, doch gerne zu. Die optimistische Beth möchte sogar eine Dankesbotschaft hinterlassen, während der mürrische Daryl sich eher darüber wundert. Allerdings kann er sich auch vorstellen, hier ein wenig zu bleiben. Das Zusammensein mit Beth hat ihm gezeigt, dass es doch noch gute Menschen auf der Welt gibt, auch wenn er seine lieben Probleme hat, das nicht in Grunzgeräuschen, sondern mit ausformulierten Worten deutlich zu machen.
Hier könnte man also bleiben. Wäre da nicht ein etwas schreckhafter Hund, der ums Haus streunt und bei seinem zweiten Auftritt dafür sorgt, dass Daryl unvorsichtig wird. Das Kläffen hat einige Walker vor das Haus gelockt, die nun angreifen und dem geübten Bogenschützen herausfordern wie selten. Mit Hilfe einiger Krankentragen, auf denen sich die präparierten Toten befinden, dem Operationswerkzeug sowie seiner Pfeile gelingt es Daryl knapp, mit dem Leben davon zu kommen. Beth sollte derweil schon einmal ihre Sachen packen und fliehen. Als Daryl jedoch zu ihr aufschließen will, findet er nur ihre Tasche und sieht, wie sie mit jemandem in einem Leichenwagen davonfährt (in der Comicvorlage gibt es eine Figur, die vielleicht hier reinpassen könnte). Es gelingt Daryl jedoch nicht, das Auto einzuholen. Er verausgabt sich und bleibt letztlich an einer Wegkreuzung stehen. Der amerikanische Begriff Crossroads verdeutlicht, dass die Figur vor einer wichtigen Entscheidung steht...
Daryl und die Einbrecher
Denn ausgerechnet die Verbrecherbande, mit der es Rick in der Episode Claimed zu tun hatte, gabelt Daryl auf. Die sechsköpfige Bande umkreist Daryl, der dem Anführer allerdings blitzschnell eine verpasst und seine Armbrust auf ihn richtet. Die Standoff-Situation kann Daryl nicht für sich entscheiden, wenn fünf andere Männer mit Waffen auf ihn zielen. Stattdessen bietet der Anführer namens Joe (Jeff Kober) ihm an, Teil der Gruppe zu werden, was Daryl vorerst zumindest akzeptiert. Ob Daryl allerdings mit ihren Mitteln einverstanden ist, muss sich zeigen.
Noch weiß er nichts von der Fast-Begegnung mit Rick. Zunächst hat Daryl das Nötige getan, um zu überleben und um Beth zu finden. Hoffentlich fällt er nun nicht in alte Muster zurück. Ob der Schauspieler des Joe mit der Absicht gewählt wurde, Daryl ein mögliches zukünftiges Selbst, das sich für die dunkle Seite entschieden hat, vorzuhalten? Der Schauspieler sieht jedenfalls aus wie eine Mischung aus Daryl und Merle mit ein paar Jahren mehr auf dem Buckel.
Pikant wäre natürlich auch, wenn das Gruppenmitglied, das mit dem Anführer um das bequeme Bett rangelte, gar nicht gestorben ist, sondern tatsächlich nur bewusstlos gewürgt wurde. Denn das würde bedeuten, dass es von Ricks Anwesenheit im Haus weiß und es hier noch zu Ärger kommen könnte, sollte diese Gruppe auf Rick, Michonne und Carl treffen.
Sage nein zu allein, allein
Die Episode Alone möchte mit dem Holzhammer die Botschaft verbreiten, dass das Alleinsein zum Scheitern verurteilt ist. Gleichzeitig aber auch nicht jede Gruppe ideal ist, wie Daryl sicherlich bald am eigenen Leib erfährt.
Maggie kommt alleine zwar mit vereinzelten Walkern klar, aber sobald es mehr werden, kommt auch sie schnell an ihre Grenzen. Bobs Psyche leidet unter dem Alleinsein, und das will er um jeden Preis verhindern. Zumal er sich ganz offensichtlich in Sasha verliebt hat. Aber ob daraus etwas werden kann oder die Walking-Dead-Autoren auch hier eine körperliche Beziehung mit dem Tod strafen werden, muss sich zeigen. Mit sechs Kugeln kommt die Gruppe aber in Extremsituation nicht weit. Dafür nähern sie sich "Terminus", wohin auch Rick, Carl, Michonne, Tyreese, Carol, Lizzie, Mika, Judith und Glenn gehen.
Ob Beth freiwillig in das Auto gestiegen ist, bleibt fraglich. Zumindest aber war es überstürzt, warum sonst würde sie ihre Tasche fallen lassen? Und nachdem die Beziehung zu Daryl sich stark verbessert hat, ist es unwahrscheinlich, dass sie ihn einfach zurücklassen würde.
Daryl selbst blieb in seiner Situation eigentlich keine andere Wahl. Allerdings wäre es nicht das erste Mal, dass er seinen Kopf aus der Schlinge ziehen konnte. Bereits in Woodbury ist ihm das gelungen. Dort hatte er allerdings auch Merle an seiner Seite und Verstärkung durch Rick und Co. Wie schnell kommt Daryl in seiner neuen „Gruppe" an seine Grenzen?
Nette Ideen
Man kann den Walking-Dead-Autoren natürlich einige Ungereimtheiten vorwerfen, was interne Gruppenabsprachen und sich manchmal wiederholende Spannungs- und Angriffsmuster im Bezug auf die Walker angeht. Dennoch muss man einmal herausstellen, dass es nicht an guten Ideen und visuellen Einfällen mangelt. In dieser Episode sind es es etwa Zombies im Nebel oder die Tatsache, dass sich jemand um die Walker-Leichen kümmert, um sie mit etwas Würde zu bestatten.
Auch die Szenen im Countryclub (die hängenden Leichen, die Golfschläger und die Schaufensterpuppe) aus der vorherigen Episode, Rick gegen die Hauseinbrecher oder die Seniorenzombies aus der ersten Staffelhälfte gehören dazu. Die Struktur dieser zweiten Hälfte der vierten Staffel ermöglicht erfreuliche Experimente und umgeht die Beschwerden darüber, dass man sich immer nur an einem Ort befindet, wie in Staffel zwei (die Farm) und Staffel drei und vier (das Gefängnis). Außerdem bleibt so viel mehr Zeit, auch Randfiguren kennenzulernen.
Davor konnte man jemanden wie Bob Stookie oder Sasha fast nur durch Versorgungstrips oder Interaktion mit ihrem Bruder sehen und wenig über sie lernen. Auf sich allein gestellt, erfährt man mehr von ihrer Vergangenheit, ihrer Denkweise und ihren Gefühlen. Ein weiteres gutes hat die Struktur außerdem: Anders als im Comic ist die TV-Serie in diesem Abschnitt nicht die Rick-Grimes-Show. Viel zu oft haben wir bereits einen leidenden, emotionalen und fertigen Rick gesehen, der gebeutelt durch seine Verluste umherstreifte oder Visionen von Toten hatte.
Die Einzelmitglieder des Schauspielensembles profitieren davon nur. Später freut man sich natürlich wieder darüber, wenn die Gruppe endlich vereint ist. Doch auf sich allein gestellt, sind die einzelnen Figuren im Moment spannender als im Verbund.
Fazit
Alone ist eine ordentliche Episode von The Walking Dead. Die Mischung aus innovativen und experimentierfreudigen Walker-Attacken, aus Action, Spannung und Charaktermomenten stimmt. Darüber hinaus möchte man wissen, wie es mit den Figuren weitergeht. Die Erwartungen, was genau sich hinter "Terminus" nun verbirgt, werden wie wahnsinnig geschürt, während auch die Frage nach dem weiteren Schicksal von Beth und Daryl neugierig stimmt. Denn auch die menschliche Gefahr sollte man wohl nicht außer Acht lassen.
Videovorschau auf die Episode The Grove (4x14) der US-Serie The Walking Dead:
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 10. März 2014(The Walking Dead 4x13)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 4x13
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