The Walking Dead 4x12

The Walking Dead 4x12

Die The Walking Dead-Episode Still steht ganz im Zeichen von nur zwei Überlebenden. Die beiden haben gegensĂ€tzliche Ansichten ĂŒber die Zukunft - oder doch nicht? Jedenfalls braucht eine Figur in der Episode erst einmal einen Drink.

Szenenfoto aus der Episode „Still“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der Episode „Still“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c) AMC
© zenenfoto aus der Episode „Still“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c) AMC

Im Original heißt diese zwölfte Episode der vierten Staffel der US-Serie The Walking Dead Still, was sowohl immer noch als auch ruhig oder unbewegt bedeutet. Was die fortlaufende Handlung angeht, kann man auch vom Stillstand sprechen. Wenn man sich jedoch das Seelenleben und die Beziehung der beiden Figuren, die hier im Fokus stehen, anschaut, werden hier große Fortschritte und Aussprachen gemacht.

Beth hat genug vom Wald

In dieser Episode tauchen lediglich Beth (Emily Kinney) und Daryl (Norman Reedus) auf. Keine andere Einzelgruppe erhĂ€lt Screentime. Mit einem Episodenintro, das wortlos ablĂ€uft, wollen die Autoren den Ernst der Lage klarmachen. Rastlos kommen die beiden aus dem Wald, finden ein Autowrack und verstecken sich offenbar eine ganze Nacht lang zu zweit mit gezogenen Waffen im Kofferraum. Denn draußen warten die Walker, die den Kofferraum aber nicht aufkriegen. Zu zweit auf engstem Raum eine ganze Nacht lang ums Überleben bangend - das ist sicherlich kein angenehmes GefĂŒhl. Auch wenn Beth mit Daryl jemanden an ihrer Seite hat, der eine gute Option fĂŒr die Überlebenssicherung sein sollte.

Am nĂ€chsten Morgen wird vom Auto ausgeschlachtet, was verwertbar ist. Felgen werden als Stolperdraht und FrĂŒhwarnsystem gespannt, wĂ€hrend Glas und Spiegel zum Feuermachen benutzt werden. Daryls Pfeile haben allerdings schon bessere Tage gesehen, das Eichhörnchen, das im Visier war, entkommt. DafĂŒr gibt es eine frisch erlegte, gehĂ€utete und gerĂ€ucherte Schlange, die Daryl wie ein Halbwilder in sich reinschlingt. Beth legt wie schon bei ihrem letzten Auftritt gesunden Optimismus an den Tag und will aktiv werden. Diesmal erscheint ihr Ziel jedoch etwas einfĂ€ltig: Sie möchte etwas trinken. Kein Wasser, sondern Alkohol. Da ihr Vater Alkoholiker war, hat sie auf diese Erfahrung bisher verzichtet, möchte dies nun aber nachholen. An ihrem Timing könnte sie aber noch feilen.

Da ihre Worte bei Daryl auf taube Ohren stoßen, geht sie allein auf Achse und hat GlĂŒck, dass ein paar versprengte Walker die Richtung wechseln, bevor sie ihre Spur aufnehmen. Trotz seiner PassivitĂ€t ist Daryl zur Stelle. Doch Beth will nicht zurĂŒck ins Lager, sondern ihrem Wunsch nachgehen, und verdeutlicht Daryl, was sie von seiner aktuelle Null-Bock-AttitĂŒde hĂ€lt, indem sie ihm den Stinkefinger zeigt.

Daryl und Beth im Country Club

Bald fĂŒhrt sie ihr Weg in den Pine Vista Country Club, wohin ihnen auch einige Untote auf den Fersen sind. BegrĂŒĂŸt werden sie von einigen erhĂ€ngten Exmitgliedern, die wohl nicht wussten, dass diese Art des Todes in dieser verĂ€nderten Welt nicht endgĂŒltig ist - ein sehr effektvolles Bild, das ich selbst so noch nicht gesehen haben. Im Club angekommen, nimmt zumindest Daryl einige Dinge mit, die er fĂŒr nĂŒtzlich hĂ€lt, wĂ€hrend Beth hauptsĂ€chlich ihren Fokus auf den Alkohol gerichtet hat.

An einer Stelle sieht es fast so aus, als wĂŒrde sie einen Ă€hnlichen Fehler wie Bob Stookie bei seinem ersten Außeneinsatz machen und sich fĂŒr den Alk in Gefahr begeben. Eine Flasche Wein erhascht sie oben auf einem Regal, wird dann aber bald von einem Walker ĂŒberrascht, den sie mit der Flasche verdrischt und abzustechen versucht, ehe sie doch einsichtig wird und zum Messer greift. Auch hier ist Daryl eigentlich zur Stelle, lĂ€sst sie aber selbst den Kill machen. Denn sie kann ja angeblich selbst auf sich aufpassen...

Spaß mit GolfschlĂ€gern

Kurz darauf kommen die beiden an einem Raum vorbei, der so etwas wie ein Bekleidungsladen ist, wie Kasse und Schaufensterpuppen nahelegen. Dort ergreift Beth die Chance, sich zumindest ein neues KleidungsstĂŒck zu gönnen (ein kleiner Trend dieser Staffel). Außerdem hat sich jemand wohl an einem Mitglied oder einer Mitarbeiterin vergriffen, sie wie eine Art Schaufensterpuppe aufgestellt und mit einem Schild, auf dem „Rich Bitch“ steht, versehen. Daryl lĂ€sst das halbwegs kalt, weil die Person ohnehin verstorben ist, doch Beth wĂŒrde ihr gerne den letzten Respekt erweisen. Als Kompromiss wird ihr ein StĂŒck Stoff ĂŒbergeworfen.

Die beiden bleiben in Bewegung und werden im Gang vom Klingeln einer alter Standuhr ĂŒberrascht, die weitere Untote in ihre Richtung lockt. GlĂŒcklicherweise findet man in einem Country Club auch schon mal ein Set GolfschlĂ€ger, das in so einer Situation sehr hilfreich sein kann. So muss Daryl nicht seine Pfeile weiter strapazieren und haut lieber per Eisen weitere SchĂ€del ein. ZunĂ€chst noch sehr effektiv, dann aber eher exzessiv. Denn der letzte Untote erhĂ€lt die volle Packung Daryl-Wut. Im Endeffekt spielt er dann mit seinem Kopfinneren Golf und erwischt Beths schöne neue Jacke, die sie sich gleich wieder ablegt.

Im Salon mit Bar, Pooltisch und Dart angekommen, beharrt Beth weiterhin darauf, ihren Drink zu bekommen. Doch alles, was ĂŒbrig zu sein scheint, ist Pfirsichschnaps. Daryl vertreibt sich die Wartezeit, in der Beth zögert, ob es dieses GetrĂ€nk wert war, die schwierige Reise auf sich nehmen, mit etwas Dart. Im Endeffekt nimmt Daryl ihr dann, als sie in TrĂ€nen ausbricht und wohl wieder an ihren Vater und ihr altes Leben denkt, die Entscheidung ab. Er kann nicht zulassen, dass dieses Gesöff ihre erste Erfahrung mit Alkohol sein soll.

Der gute Selbstgebrannte

Stattdessen fĂŒhrt Daryl die beiden zu einer kleinen HĂŒtte im Wald, die er nach eigener Aussage mit Michonne gefunden hat. Der Besitzer hat dort nĂ€mlich selbst Fusel hergestellt, sogenannten „Moonshine“, eine SpezialitĂ€t unter Rednecks wie Daryl. Anfangs zögert Beth noch, weil sie sich an die weisen Worte Hershels erinnert, der sagte, dass schlechter Moonshine zum Erblinden fĂŒhren könnte. Aber: You Only Live Once, wie die Jugend von heute sagt, wĂ€hrend Daryl richtig anmerkt, dass es in dieser Welt ohnehin kaum noch etwas gibt, was sich zu sehen lohnt. Oh Daryl, du alter Charmeur! Er selbst verzichtet zunĂ€chst auf ein Glas, weil er lieber Wache schieben möchte, denn einer muss ja vernĂŒnftig bleiben. Dann entscheiden sie sich aber doch, etwas zu verweilen, und die Folge wird langsam spannend. Denn nicht die Zombiebedrohung, die hier mehrfach zum Zuge kommt, macht diese Episode sehenswert. Nein, vielmehr sind es die Auswirkungen des Alkohols, die hier die Wahrheit ans Licht bringen und die Figuren zur Aussprache zwingen.

Ein harmlos angedachtes „Have you ever“-Trinkspiel lĂ€sst eine Seite von Daryl hervorkommen, die wir schon lange nicht mehr gesehen haben. Fragen nach Familientripps, verlassen des Heimatstaates und vor allem die Frage, ob er schon einmal in einem GefĂ€ngnis war, treffen beim Hillbilly-Hawkeye einen Nerv. Auch wenn Beth das so sicher nicht beabsichtigt hat. Jedenfalls pinkelt Daryl nach dieser undurchdachten Frage mitten in den Raum und rastet danach regelrecht aus. Der einzelne Walker, der um die HĂŒtte herumstreift soll nun als laufende Zielscheibe dienen, um Beth den Umgang mit der Armbrust aufzuzwingen, als er sie mit ungewaschenen HĂ€nden regelrecht rauszerrt. Doch bevor er die Pfeile fĂŒr den Walker bereit hat, macht Beth dem Untoten mit ihrem Messer ein Ende. FĂŒr sie sollte es keinen Spaß machen, die Walker zu töten. Gleichzeitig soll Daryl seine harte Schale endlich ablegen, denn es scheint, dass ihn nichts tangiert, was die Gruppe erlebt hat.

Der gesamte Dialog und der Weg dorthin sind wirklich sehr starke Szenen, die auch eine so beliebte und sonst so schweigsame Figur wie Daryl (der in manchen Angelegenheiten Michonne in nichts nachsteht) zur Selbstoffenbarung zwingen. Und das war endlich einmal nötig. In den letzten Episoden haben wir ihn entweder als Badass gesehen oder eben als passiven, fast instinktiven Überlebenden, der so jedoch in die EindimensionalitĂ€t abzudriften drohte. Seine letzte wirklich große Sternstunde war in der Interaktion mit Merle in der dritten Staffel. Besonders die Episode, in der klar wurde, dass Merle es nicht geschafft hatte.

Gebt Daryl keinen Alkohol

Szenenfoto aus der Episode „Still“ der US-Serie „The Walking Dead“
Szenenfoto aus der Episode „Still“ der US-Serie „The Walking Dead“ - © AMC

Die Streitszene mit der optimistischen Beth lĂ€sst die beiden Weltansichten aufeinanderprallen und die Figuren einige wichtige Wahrheiten aussprechen. Der pessimistische Daryl spricht etwa an, dass Beth zwei Freunde verloren und keine TrĂ€ne vergossen hat, auch erinnert er an ihren Selbstmordversuch, um Aufmerksamkeit zu erregen. Außerdem scheint er zu glauben, dass die Chancen auf ein Wiedersehen mit dem Rest der alten Gruppe minimal sind. Doch insgeheim macht er sich selbst VorwĂŒrfe, dass es ĂŒberhaupt soweit kommen konnte. HĂ€tte er damals nur nicht die Suche nach dem Governor aufgegeben, und auch im Fall von Hershels Tod hĂ€tte er, wie er meint, etwas tun können. Ihm ist die Gruppe also nicht egal, wie man an seinem erneuten TrĂ€nenausbruch sieht. Vielmehr ist das Daryls eigener Schutzmechanismus, der in solch einer Situation wohl wieder zum Vorschein und nun durch den Alkoholkonsum unverblĂŒmt zur Sprache kommt.

Was war Daryl frĂŒher?

Ähnlich wie schon ihr Ex Zach zu Beginn der vierten Staffel, zeigt sich Beth in dieser Folge neugierig, was Daryls Vergangenheit vor der Zombieseuche angeht. Kurz habe ich gedacht, dass die Autoren eventuell vorhaben, den Bogen zu spannen und Beth ebenfalls sterben zu lassen. Doch dazu kommt es zumindest hier nicht. Vielmehr öffnen sich die beiden Charaktere einander noch mehr. Daryl erzĂ€hlt nicht nur davon, dass sein Vater eine Ă€hnliche HĂŒtte wie diese hatte, sondern auch ĂŒber eine seiner frĂŒheren Nahtoderfahrungen, die ganz harmlos durch dumme SprĂŒche beim Anschauen einer TV-Serie verursacht wurde und im Beisein seines Bruder Merle und eines Bekannten geschah.

Auch die Frage nach seiner Vergangenheit wird aufgelöst. Anders als die Menschen um ihn herum denken, ist die Auflösung allerdings ziemlich ernĂŒchternd. Denn Daryl war davor ein Niemand, ein MitlĂ€ufer, der nach der Pfeife seines Bruders tanzte und sich von diesem zu Dummheiten verfĂŒhren ließ. Erst durch die Bekanntschaft mit Rick und Co. wuchs er dann zu dem, der er jetzt ist - oder bis vor kurzem war. Es sind optimistische Menschen wie Beth, die den Funken und den Überlebenswillen wieder erwecken können.

Beth sehnt sich derweil nur noch nach NormalitĂ€t: Sie hĂ€tte gerne eine Nichte oder einen Neffen und einen Vater, der alt wird und dann friedlich dahin scheidet, Geburtstage, Feiertage und Picknicks. Das alles ist im Moment allerdings sehr weit entfernt beziehungsweise unmöglich. Das sieht die knapp 18-jĂ€hrige Beth auch selbst ein und lĂ€sst einige weise Worte folgen. Man darf in dieser Situation nicht zu sehr in der Vergangenheit verweilen, sondern muss nach vorne sehen. Man muss das alte Ich, so hart die frĂŒheren Zeiten vielleicht auch erscheinen, hinter sich lassen. Statt die HĂŒtte einfach zu verlassen schlĂ€gt sie deswegen auch den radikaleren Schritt vor: sie zu verbrennen. SĂ€mtliche Moonshine-Reserven werden also großzĂŒgig im Haus verteilt und das Symbol fĂŒr Daryls alte Tage in Asche verwandelt. Carpe Diem und YOLO!

Interessant ist bei dieser Paarung, die vor unterschwelliger sexueller Spannung - gerade von Beths Seite aus - zu platzen droht, dass die Autoren diese Option bewusst nicht weiter verfolgen. Überhaupt ist SexualitĂ€t in The Walking Dead bis auf wenige Ausnehmen kaum existent oder wird bestraft. Man denke nur an Tyreese und Karen, Rick und Lori, Shane und Lori, Maggie und Glenn, Andrea und den Governor, Governor und Lily oder Tara und ihre AffĂ€re. Dass Daryl allerdings manchmal fast wie ein asexuelles Wesen rĂŒberkommt, wirkt bisweilen befremdlich. Gerade da die Fanbase der Figur so vollkommen im Kontrast dazu steht.

Fazit

Beths Verlangen nach Alkohol hat mich anfangs stutzen lassen, was ich von dieser Episode halten soll. Es gibt sicherlich passendere Gelegenheiten, so einem Wunsch nachzugehen. Aber man muss auch bedenken, dass die Figuren in einer Extremsituation sind und stĂ€ndig und immer wieder um ihr Überleben kĂ€mpfen. Der töricht erscheinende Wunsch nach Alkohol sorgt im weiteren Verlauf der Folge fĂŒr einige spannende Unterhaltungen, fĂŒr die sich die Serie in der Vergangenheit nicht die Zeit nehmen konnte. Gerade Daryl wird hier einmal wieder von einer Seite gezeigt, die verdeutlicht, dass er eben nicht der knallharte Super-BogenschĂŒtze ist, an dem alles und jeder abprallt, der aber auch unangenehme Seiten hat. Vielleicht findet man die Figur nach diese Episode sogar ein StĂŒck weit unsympathischer. Auf jeden Fall versteht man sie etwas besser.

In dieser Episode ist der Weg das Ziel - nicht „Terminus“. So steht die eigentliche Handlung still, aber die Figurenentwicklung eben nicht. Trotzdem gibt es Zombiekills, und durch die GolfschlĂ€ger im County Club und einige weitere Szenen dort sogar recht kreative. Es war von den Produzenten eine Art GlĂŒcksspiel, gerade Beth und Daryl eine ganze Episode einzurĂ€umen, aber es hat im Endeffekt ganz gut geklappt. NĂ€chstes Mal mĂŒsste dann endlich einmal die Gruppe um Tyreese und Carol mehr Screentime bekommen, denn so richtig fair ist die Balance zwischen den einzelnen Gruppen bislang nicht.

Videovorschau auf die Episode Alone 4x13 der US-Serie The Walking Dead: .

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 3. MĂ€rz 2014

The Walking Dead 4x12 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 12
(The Walking Dead 4x12)
Deutscher Titel der Episode
Alkohol
Titel der Episode im Original
Still
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 2. MĂ€rz 2014 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 3. MĂ€rz 2014
Autor
Angela Kang
Regisseur
Julius Ramsay

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 4x12

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