The Walking Dead 4x11

The Walking Dead 4x11

In der The Walking Dead-Episode Claimed erfahren wir von der Motivation der Neuankömmlinge. Rick hat es mit Einbrechern zu tun und Michonne und Carl lernen einander etwas besser kennen.

Michonne auf einem Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Claimed“ / (c) AMC
Michonne auf einem Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Episode „Claimed“ / (c) AMC

Die The Walking Dead-Episode Claimed folgt diesmal zwei Gruppen, die im weiteren Verlauf zu drei Parteien werden. Michonne (Danai Gurira) ist nun Teil der Grimes-Männer Rick (Andrew Lincoln) und Carl (Chandler Riggs). Derweil sind Tara (Alanna Masterson) und Glenn (Steven Yeun) Passagiere bei Abraham (Michael Cudlitz) und seinen beiden Begleitern.

Familie Grimes 2.0

Michonne kam gerade zum richtigen Zeitpunkt, denn Rick ist noch immer gesundheitlich angeschlagen. Da passt es gut, dass die Schwertschwingerin bester Freund spielen kann, während er Papa sein muss. Doch die Laune, die durch Michonnes Kleiderwechsel während des Cornflakes-Essens verbreitet wird, schwingt um, als Carl Michonne eine Geschichte zum Thema Milch erzählt, die ihn an seine vermeintlich verstorbene Schwester erinnert. Das Spiel des jungen Riggs zeigt hier allerdings deutliche Schwächen, sodass der Moment scharf an der Grenze zur unfreiwilligen Komik entlangzuschlittern droht.

Michonne fragt Rick später, ob das Haus ein dauerhaftes Domizil oder nur ein Zwischenstopp sein soll. Eine Entscheidung, die im weiteren Verlauf der Episode Andere für sie übernehmen. Vorher gilt es jedoch die Vorräte aufzustocken. Weil Rick zuletzt am Rand seiner Kräfte war, ermöglicht Michonne dem erschöpften Ex-Sheriff eine Auszeit und streift allein mit Carl umher. Dessen gute Laune kann allerdings nicht mal durch Sprühkäse aufgeheitert werden, den sie sich in den Mund stopft.

Dafür aber mit einem Spiel: Denn zum ersten Mal öffnet sich Michonne jemandem und weiht Carl darüber ein, dass sie einmal einen Sohn hatte. Verknüpft an die Bedingung, dass pro Raum, der abgecheckt wird, eine Frage beantwortet wird, kommt dabei heraus, dass dieser drei Jahre alt war und den Namen Andre Anthony trug. Für die sonst so schweigsame Zombieslasherin ist das ein wahrer Meilenstein an Auskunftsfreude. Auch wenn die Zuschauer diese Informationen in etwa schon aus ihrem Traum in Episode 4x09 erfahren haben, zeugt es doch von einer echten Charakterentwicklung, dass sie nun Carl davon erzählt.

Ob sie ihre Vergangenheit überwunden hat, wird in der Episode dadurch auf die Probe gestellt, dass sie ein Zimmer mit extrem pinken Anstrich durchsucht und dort einen schrecklichen Fund macht: eine ganze Familie, die wahrscheinlich freiwillig aus dem Leben geschieden ist. Das lassen zumindest die Kopfwunden vermuten. Vor Carl verbirgt sie den wahren Inhalt des Zimmers und redet sich damit heraus, dass dort ein Hund liegen würde. Mit den Taschen voller Beute machen sie sich kurz darauf wieder auf den Weg zu Rick.

Rick allein zu Haus

Rick nutzt die Zeit allein für einen längst nötigen Kleiderwechsel nebst Körperwäsche sowie ein ausgiebiges Schläfchen. So ausgiebig, dass er trotz der vermeintlich schützenden Couch überraschenden Besuch von Einbrechern erhält. Die Gruppe stellt sich von vornherein als sehr gefährlich heraus, denn das erste Todespfer, das um Gnade bettelt, lässt nicht lange auf sich warten. Rick bleibt in der allgemeinen Panik nichts anderes, als sich unter dem Bett zu verstecken. In einer suspenselastigen Szene wird Rick auch tatsächlich dort nicht gefunden und verweilt nun unter dem schlafenden Einbrecher. Zumindest bis ein weiteres Gruppenmitglied dazukommt, neidisch auf dessen Bett ist und es zu einem tödlichem Handgemenge kommt. Auch wenn man solche Szenen sicherlich schon anderswo gesehen hat, passen sie in dieser Episode sehr gut als spannungsaufbauender Exkurs hinein. Während Rick und der Zuschauer darum wissen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis der erdrosselte Einbrecher aufwacht, kaut man doch an den Nägeln, weil man mit dem gefangenen Protagonisten mitfiebert. Mit Mühe und Not kann Rick aus seinem Bettexil flüchten, muss dabei jedoch jeden Schritt und jede Geste gründlich überlegen. Selbst die Uhr, die er von Carol (Melissa McBride) als Ersatz für seine an die Fruchthippies abgegeben erhalten hat, droht ihn an einer Stelle zu verraten.

Sämtliche Fast-Begegnungen drohen vergebens zu sein, als ein Mitglied der Gruppe Rick im Badezimmer begegnet. Warum er auf einer zugeklappten Toilette sitzt und dabei die Hose hochgezogen hat, kann man wohl nur damit erklären, dass er mal verschnaufen und sitzen wollte - oder dass die Autoren nicht aufgepasst haben. Jedenfalls ist es diesmal Rick, der würgt und seinen Gegner fast mit bloßen Händen umbringt. Als Alternative hätte er noch eine Bürste und eine Schere, die jedoch nicht zum Einsatz kommen. Durch das Badezimmerfenster gelingt Rick dann auch die nicht ganz leise Flucht, immerhin so unauffällig, dass die Gruppe nichts davon mitbekommt. Mit Jacke und einer erbeuteten Knarre hockt Rick dann auf der Veranda und wartet seine Fluchtmöglichkeit ab, während er in der Ferne schon Carl und Michonne kommen sieht, die natürlich keine Ahnung haben, was sich dort abgespielt hat. Dass die Gruppe nicht aus Sympathieträger besteht wurde eingangs auch unterstrichen, als sie Michonnes abgelegtes Hemd gefunden haben und dabei besprechen, wer wohl zuerst „das Vergnügen“ haben darf.

Doch soweit kommt es gar nicht: Die Verstorbenen rächen sich bald und werden zu Walkern, die nun ihre Aufmerksamkeit fordern, was Rick und Co. die Flucht ermöglicht. Recht so, möchte man da sagen. Ob es das Letzte ist, was wir von der Gruppe sehen?

Ein wenig erinnerte dieser kleine Handlungsbogen an einen Home-Invasion-Film, wie „Kevin allein zu Haus“ oder „Stirb Langsam“ mit schmalerem Budget und intimerem Setting. Sehr kurzweilig und durchaus spannend erzählt. Und es verdeutlicht wieder eines der Mottos der Serie: Nicht die Zombies sind die Gefahr, sondern so mancher Mitmensch, dem die Situation zu Kopf steigt.

Bald verschlägt es auch dieses Trio an die Schienen und somit dahin, wo auch schon Tyreese, Carol und die Kinder aufgebrochen sind. Nach „Terminus“, wo denen Zuflucht angeboten wird, die soweit überleben.

Mr. Ford goes to Washington

Tara und Glenn befinden sich auf dem Truck gen Washington. Zumindest bis Glenn von seinem Schwächeanfall erwacht. Doch als das soweit ist, ist die Gruppe mit dem Auto schon drei Stunden vom Buswrack entfernt. Tara versichert Glenn, dass alle, die sie erblicken konnte, Tod waren. Glenn allerdings ist das nicht Grund genug zum Aufgeben. Tara hat sich alle wichtigen Abzweigungen auf die Arme geschrieben und könnte den Weg rekonstruieren. Glenn verlangt sehr laut, dass unverzüglich angehalten wird und geht sogar soweit die Heckscheibe des Autos einzuschlagen. Für seine Frau Maggie ist er auch bereit, auf eigene Faust drei Fahrstunden zu Fuß zurückzugehen.

Abraham warnt ihn eindringlich, weiht ihn gleichzeitig über seine Mission ein und stellt sich ihm vor. Sein voller Titel lautet Sergeant Abraham Ford, während seine Begleiter Rosita Espinosa (Christian Serratos) und Dr. Eugene Porter (Josh McDermitt) heißen. Eugene ist dabei der Schlüssel zur Mission. Der Wissenschaftler weiß angeblich über die Gründe des Seuchenausbruchs Bescheid und möchte nach Washington, D.C., um die Menschheit zu retten. Über ein Satellitentelefon versucht er Kontakt aufzunehmen, konnte aber zuletzt niemanden erreichen. Als Glenn nach Details fragt, erwidert Eugene allerdings, dass diese „classified“, also „streng vertraulich“ seien. Obwohl Abraham einer der ersten Menschen mit einem anständigen Plan zu sein scheint, der außerdem den Durchblick hat, will Glenn weiter nach Atlanta marschieren, um Maggie zu suchen. Abraham glaubt, dass es dafür zu spät ist - es kommt zur Prügelei, bei der Glenn den ersten Schlag ausführt. Doch dabei bleibt es nicht. Der Lärm lockt die „Walker of the Corn“ an, also Untote aus dem umliegenden Maisfeldern. Während Abraham und Glenn mit einander zu tun haben, ergreift Eugene die Initiative und gleichzeitig zur Waffe, die er aber nie unter Kontrolle hat. Statt die Untoten zu treffen, durchsiebt er den Wagen und erst das Eingreifen von Abraham und Co. entschärft die Situation. Dafür, dass Eugene so schlau sein soll, hat er ein ganz schöne Dummheit begangen. Hier fragt man sich direkt: Hat er noch nie eine Waffe abgefeuert? Ist er wirklich das, was er vorgibt zu sein?

Eugene auf einem Szenenfoto aus der %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo;-Episode %26bdquo;Claimed%26ldquo; © AMC
Eugene auf einem Szenenfoto aus der %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo;-Episode %26bdquo;Claimed%26ldquo; © AMC

Doch an solche Situation hat man sich als Zuschauer von The Walking Dead sicherlich gewöhnt. Irgendeine Figur muss etwas dummes oder unüberlegtes tun. a) Damit die Gefahr hoch bleibt, b) um für Wendungen und Stolpersteine zu sorgen, c) weil es auch im echten Leben eben nicht immer glatt läuft. Nun steht die Gruppe also ohne fahrbaren Untersatz da. Immerhin hat man zum Anfang der Episode erklärt, wo der Treibstoff herkommt: Beim ersten Zwischenstopp, bei dem Abraham mit einem Brecheisen und einem Lächeln auf den Lippen einige Untote aus dem Weg geschafft hat, bittet er Tara im Anschluss ihm beim Absaugen des Benzins behilflich zu sein.

Für Glenn steht nun umso mehr fest, dass er den Rückweg antritt, Tara folgt auf dem Fuß und auch Rosita sieht schnell ein, dass das wohl der einzige Weg ist. Eugene argumentiert, dass man weiß, dass die Richtung frei ist und man sich dort am besten nach einem neuen Gefährt umsieht, während der Weg nach vorne unbekannt ist. Also wird das gemacht. Eugenes Aussage: „Vertrau mir, ich bin schlauer als du“ kann man nach seinem Ausrutscher mit der Waffe aber wohl jetzt schon nicht so ernst nehmen.

Beim kurzen Gespräch mit Abraham bezweifelt Tara die Absichten des Ex-Soldaten. Eugenes Rolle scheint ihr klar und Rosita ist verliebt in Abraham. Aber erzählt er über sich die ganze Wahrheit? Was treibt ihn nach Washington? Dazu schweigt er vorerst.

Das Trio ist jedenfalls ein willkommener Zuwachs zum Walking-Dead-Ensemble, und eine Figur, die nicht ganz planlos in den Tag hineinlebt, finde ich persönlich fantastisch. Bisher gab es zuviel Improvisation unter den Gruppenanführern. Das Ricktatorship ist durchgefallen, der Gefängnisrat war ein guter Ansatz, schien aber davon auszugehen, dass alles schon irgendwie klappen würde. Auf den Extremfall hat man sich wohl nie vorbereitet. Dazu gehört beispielsweise irgendeine Art von zentralem Platz, an dem man sich treffen könnte, wird die Gruppe einmal getrennt. Abraham hat eine Mission und ein Ziel und scheint anders als der Governor kein größenwahnsinniger Despot zu sein, sondern an Gruppenzusammenhalt zu glauben. Optisch sind die Figuren auch sehr nah am Comic dran, ob nun auch grob der Handlung gefolgt wird oder es zu einem Remix kommt, muss sich zeigen. Die TV-Serie ist in dieser Hinsicht immer mal für Überraschungen gut.

Fazit

Claimed ist eine durchaus gelungene und kurzweilige Episode. Wir erfahren mehr über Abrahams Gruppe und dessen Mission, Michonne öffnet sich Carl und Rick sieht ein, dass man auf Dauer wohl nicht „Happy Family“ spielen kann, sondern eine größere Gruppe erstrebenswert ist. Rick erlebt dabei ein kleines spannendes Abenteuer, das für ihn noch einmal glimpflich endet, während Abraham und Co. durch den vermeintlich intelligentesten der Gruppe ausgebremst werden und Glenn nicht eher ruht, bevor er seine Frau findet.

Spannung, Zombiekills, etwas Galgenhumor (der Käse!), kleine Charaktermomente und die obligatorische Portion Charakterdummheit sind vorhanden und insgesamt verging die Episode für mich fast schon wie im Flug.

Videovorschau auf die Episode Still (4x12) der US-Serie The Walking Dead: [snacktvfj=1192531]

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 24. Februar 2014
Episode
Staffel 4, Episode 11
(The Walking Dead 4x11)
Deutscher Titel der Episode
Besetzt
Titel der Episode im Original
Claimed
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 23. Februar 2014 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 24. Februar 2014
Autoren
Nichole Beattie, Seth Hoffman
Regisseur
Seith Mann

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 4x11

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