The Walking Dead 4x10

Inmates oder auf deutsch „Insassen“ heißt diese Episode der US-Serie The Walking Dead. Doch genau das sind die Überlebenden, die in der Handlung eine Rolle spielen, ja gar nicht mehr, seit das Gefängnis zerstört wurde. Aber sind nicht sowieso alle Menschen gefangene in dieser Welt? Die neue Folge setzt den im letzten Abenteuer angefangenen Erzählstrang über die Gefahren des Alleinseins fort. Was passiert ohne eine starke Gruppe in der Hinterhand?
Beth und Daryl
Eingeleitet wird die Episode durch ein Voice-Over von Beth (Emily Kinney), die im Gefängnis ihr Tagebuch wiederentdeckt hat und dort nach dem Einzug ihre Hoffnungen festhält, was mit Bildern ihrer aktuelle Situation kontrastiert wird. Hoffnungen auf eine sichere Zuflucht, auf ein Leben ohne große Ängste, aufs Schlafen im eigenen Bett und die Rückkehr von Normalität. Ein schönes Stilelement, das so sonst eher spärlich in The Walking Dead vorkam. Dialogtechnisch mag das Ganze zwar kein Meisterwerk sein, aber vor jeglicher Kritik sollte man Beths Alter und ihre Herkunft bedenken, bevor man Genialität fordert. Einmal bereits gab es eine ähnliche erzählische Rahmung, als Rick in sein Walkie Talkie gesprochen hat in der Hoffnung, Morgan (Lennie James) zu erreichen.
Doch wie wir alle wissen (oder wissen sollen): Aus dem Gefängnisparadies ist nichts geworden, da der Governor und seine Gefolgschaft zugeschlagen haben. Für die Figuren galt das Gefängnis zwar als erster Schritt für einen Neuanfang, aber in der Serienhandlung wurde insgesamt zu viel dieser „guten Zeit“ übersprungen, um das als Zuschauer vollends nachvollziehen zu können. Wir haben die schwierigen Anfänge gesehen und das bittere Ende, aber die guten Zeiten wurden uns nur Ansatzweise gezeigt. Das ist allerdings auch der Kern von The Walking Dead: Der immerwährende und nie enden wollende Kampf ums Überleben.
Beth ist gemeinsam mit einem der bestmöglichen Partner unterwegs: Daryl (Norman Reedus). Der braucht jedoch einen Antrieb, und den erhält er von Beth, die die Hoffnung nicht aufgibt und sich sicher ist, dass andere den Anschlag überlebt haben. Daryl soll seine Trackerskills anwenden und nach Spuren suchen. Beth glaubt, dass Luke oder Molly (waren das zwei der jüngeren Überlebenden?) noch leben könnten. Während Daryl tatsächlich einige Spuren findet, bleibt er rational, dämpft damit Beths Erwartungen und begeht ein Foul, als er ihren toten Vater ins Spiel bringt, den seine Hoffnung auch nicht retten konnte. Bald deuten die Spuren auf einen Angriff von mindestens einem Dutzend Walker und eine panikartige Flucht hin. Auch die beiden werden von einem Walker aus dem Busch überrascht. Nach dem Abwehren kommen die beiden an Eisenbahnschienen an, wo eine Gruppe von Walkern, die fast wie Geier aussehen, sich an Leichen verköstigt.
Daryl beseitigt die Untoten mit einigen präzisen Pfeilen und Pfeilstößen. Wie es scheint, waren dort alte Bekannte dabei. Wir sehen einen Schuh, der uns wohl einen Hinweis darauf geben soll, und Beth, die in Tränen ausbricht. R.I.P. Luke und Molly? Wir haben euch kaum gekannt. Allerdings ist es nicht gerade einfach, die Komparsen und Hintergrunddarsteller wiederzuerkennen. Nachdem Beth während der Seuche im Gefängnis ihre Stärke bewiesen hat, kriegt ihre Fassade auf sich allein gestellt nun wieder Risse. Dennoch sollte man natürlich nie vergessen, dass Beth noch eine ziemlich junge Frau ist.
Tyreese, Mika und Lizzie
Die nächste Gruppe, mit der wir Zeit verbringen, könnte man auch „Tyreese and the Orphan Kids“ nennen. Denn der hammerschwingenden Hühne ist mit Mika (Kyla Kenedy) und Lizzie (Brighton Sharbino) unterwegs. Die erste positive Überraschung bei dieser Konstellation ist, dass darüber hinaus auch Baby Judith als lebendig präsentiert wird und mit Tyreese als Beschützer eigentlich wenig schief gehen sollte. Eigentlich. Zwar hält er die Mädels auf Trab und bleibt immer in Bewegung, wenn Geräusche zu vernehmen sind, doch flüchtet Mika auf eigene Faust, als sie glaubt, einen Walker zu hören. Weglaufen sei zwar gut, so versichert er ihr, aber wenn man in einer Gruppe sei, müsse man zusammenbleiben. Erschwerend für die Überlebenschancen der Gruppe kommt hinzu, dass das Baby natürlich schreit. Immerhin hat man zumindest etwas Nahrung und Wechselwindeln dabei, sodass man sich in dieser Hinsicht nicht um das Baby sorgen muss.
Problematisch wird es, als Tyreese (Chad Coleman) einen Hilfeschrei vernimmt und nachsehen möchte, ob das jemand aus der Gefängnisgruppe ist. Denn natürlich sorgt sich Ty um das Wohlergehen seiner Schwester Sasha (Sonequa Martin). Ob seine Idee aber wirklich so ausgeklügelt ist? Die beiden Schwestern Mika und Lizzie sollen sich, Judith tragend, Schulter an Schulter stellen, weil sie so alle Seiten im Blick haben, und im Wald verweilen, bis Tyreese wiederkommt. Abgesehen davon, dass die Möglichkeit besteht, dass Tyreese hingerafft werden könnte, haben die Kinder nicht die nötige Erfahrung, um mit größeren Walker-Gruppen umzugehen. Ja, sie haben Ty beim Sturm auf das Gefängnis gerettet und sind auch teilweise durch Carols Messerschulung gegangen, aber ganz auf sich allein gestellt, mit einem Baby auf dem Arm und mit einer Menge Angst, wirkt die Entscheidung grob fahrlässig. Und natürlich kommen dann einige Untote aus dem Gestrüpp, während Tyreese mit seinem Hammer einigen Fremden hilft.
Lizzie greift in dieser Gefahrensituation zu einem rabiaten und gefährlichen Mittel: Sie hält Baby Judiths Mund und Nase zu, um nicht noch mehr Walker anzulocken. Eine Szene, die beim Zuschauen so sehr wehtut, dass man hofft, sie möge glimpflich enden. Denn der etwas instabil wirkenden Lizzie würde man tatsächlich zutrauen, die eigenen Grenzen zu überschätzen.
Der große Mann mit dem Helferkomplex hämmert auch weiter, als aus der Richtung der Kinder ein Schuss fällt, während eigentlich abzusehen ist, dass bei seiner Gruppe jede Rettung zu spät ist. Doch die Autoren haben den passenden Joker parat.
Carol saves the day
Die Kinder werden von Carol (Melissa McBride) aus der Gefahr geholt! Mika hatte ihren Namen am Anfang ihrer Sequenz bereits kurz genannt, als sie sagte, sie wünschte Carol wäre da. Nun ist sie also wieder bei den Überlebenden. Und damit wurde sie direkt in ein potenzielles Pulverfass geschickt. Denn sie ist laut eigenem Bekunden diejenige, die Tyreeses Freundin Karen getötet hat, bevor ihre Krankheit zur Gefahr für den Rest der Gruppe werden konnte. Als Rick davon erfuhr, setzte er sie bei einem Nahrungsmittelsammeltrip mit einem Auto aus.
Davon weiß Tyreese nichts, da er ja die Medikamente gegen die Seuche holen war. Darum biegt sich Carol die Wahrheit auch ein wenig zurecht und verschweigt Ricks Entscheidung und ihre Tat zunächst. Vom Angriff des Governors hat sie nur die letzten Züge mitbekommen und ist dann der Gruppe gefolgt. Ihr fahrbarer Untersatz sei aber inzwischen wertlos und so etwas wie ein Grab. Dafür hat sie etwas Wasser und Nahrung dabei.
Vom letzten Überlebenden der Gruppe, der Tyreese helfen wollte, erfährt die Gruppe, dass die Schienen zu einem sicheren Zufluchtsort führen. Ohne ihm zu danken, setzt die Gruppe dann ihre Reise fort und sieht mit eigenen Augen ein Schild, auf dem „Terminus“ steht sowie der Spruch: „Those who arrive, survive“ (Diejenigen, die ankommen, überleben). Dorthin wird sich diese Gruppe wohl aufmachen.
Man kann gespannt sein, wie, wann und ob es zur Aussprache zwischen Tyreese und Carol kommt. Vielleicht ist ihm inzwischen ein Wiedersehen mit seiner Schwester wichtiger als der Rachegedanke.
Maggie, Bob und Sasha
Im direkten Vergleich fällt die Spannung bei Maggie (Lauren Cohan), Bob (Lawrence Gilliard Jr.) und Sasha leider etwas ab. Für Maggie hat die Suche nach Glenn (Steven Yeun) höchste Priorität. Zur Not würde sie auch allein nach ihm suchen gehen. Doch das lässt vor allem Bob nicht zu, der seine Erfahrungen damit gemacht hat, als einziger Überlebender einer Gruppe übrig zu bleiben. Und auch Sasha schließt sich den beiden bald fast gezwungenermaßen an. Immerhin hat ihr Bob vorher Hoffnung gemacht, dass ihre Bruder Tyreese sicherlich noch am Leben ist.

Maggie glaubt, dass Glenn zu denjenigen gehört, die im Bus aus dem Gefängnis gefahren sind. Bald erreicht das Trio einen liegengebliebenen Bus, der jedoch voller Walker ist, die ihre Arme teilweise aus den Fenstern strecken. Maggie lässt sich nicht davon abbringen, ihren Mann zu suchen.
Bob schlägt jedoch eine überlegtere Vorgehensweise vor. Man nimmt sich die Walker einzeln vor und kann so prüfen, wer drin war. Das geht allerdings nur kurz gut, denn bald stürmen gleich mehrere Walker durch die Bustür. Maggie verfällt in eine Art Trance, schlägt einen Walker wiederholt mit den Kopf gegen das Busäußere und sieht im fast ausgeleerten Bus nach. Die Autoren spielen noch ein bisschen mit den Zuschauern und zeigen den letzten Walker nur von hinten, wo er tatsächlich etwas wie Glenn aussieht. Aber es ist klar, dass er das nicht ist, als Maggies Weinen zum nervösen Lachen umschlägt. Noch ist ihr Mann wohl irgendwo da draußen.
Glenn - Home Alone

Wie sich herausstellt, ist es Glenn nicht gelungen, aus dem Gefängnis zu kommen. Stattdessen befindet er sich - leicht erhöht - auf der verbindenden Brücke zwischen zwei Zellblöcken und schreit nach seinem Aufwachen zunächst nach seiner Frau, von der jegliche Spur fehlt. Mit einem Gewehr bewaffnet, erkundet er dann das Gefängnisinnere und kehrt in seine Zelle zurück. Dort findet er die Wärterschutzkleidung. Auf seinem Bett reflektiert er nun still über seine nächsten Schritte. Als sein Auge auf das Polaroid von Maggie fällt, ist klar, was er unternimmt. Er packt einige Dinge, die ihm außerhalb des Gefängnisses beim Überleben helfen können, in seinen Rucksack und zieht den Anzug an. Das Ganze hat etwas von Rollenspiel und Egoshooter: Glenn sammelt Loot und wir sehen teilweise das, was er durch das dreckige Visier betrachtet. Dass das Ganze fast komplett non-verbal geschieht, ist wieder mal ein netter Touch, der manchen Zuschauern aber sicherlich auch etwas ermüdend und zu lange vorkommen könnte.
Nachdem er sich todesmutig durch die Walkermenge schiebt, erblickt er Tara (Alanna Masterson), die sich in einem umzäunten Bereich befindet und vor sich hinstarrt. Ihr Pistolenmagazin ist noch voll, was bedeutet, dass sie nicht einmal geschossen hat und ihre Teilnahme am Massaker bereut. Glenn überredet sie, ihm bei der Flucht zu begleiten. Zur Ablenkung wirft Glenn einen Molotowcocktail auf ein Auto, der die Untoten zum Feuer lockt.
Die Flasche mit dem Alkohol hatte er im Gefängnis gefunden.
Als sie an der Autobahn angekommen sind, erfährt Glenn von Tara weitere Details zum Vorfall. Denn Tara drückt nun ihre Reue aus und kommt dabei auf Hershels Tod zu sprechen, von dem Glenn noch nichts wusste. Auch Taras Schwester Lilly scheint den Angriff nicht überstanden zu haben, da sie meint, sie in der Zombieherde gesehen zu haben.
Obwohl sie Teil der Gruppe des Governors war, glaubt Glenn, dass es besser ist, auf Taras Hilfe zu setzen, denn er will unbedingt Maggie finden. Auch die beiden werden von Walkern angegriffen, die sie mit Mühe und Not abwehren können. Glenn bricht zusammen und Tara muss nun zeigen, dass sie nicht aus Zucker gemacht ist. Sie lässt ihre Wut an einem Untoten ab.
Tara bemerkt, dass die beiden nicht allein sind und riskiert eine kesse Lippe als sie in die Richtung eines Militärjeeps mit laufendem Motor schreit. Heraus kommen drei Gestalten, die Fans der Comics sicherlich sofort einordnen können und einen schönen Cliffhanger für die nächste Episode bieten (- und mir den besten Moment der Episode beschert haben).
Fazit
More Character-Bang for your buck! So oder so ähnlich könnte man die Episode Inmates wohl beschreiben. Zuletzt hatten wir gerade mal drei Figuren, die im Fokus standen. Nun gibt es ein Wiedersehen mit allen restlichen relevanten Figuren. Außerdem ein großes Reinemachen, was den Woodbury-Altballast ohne Namen betrifft, eine schöne Rückkehr, die Gewissheit, dass auch die Autoren dieser Serie (noch keine) Babys töten und die Einführung dreier Figuren, die in dieser Comicphase eine wichtige Rolle spielen und teilweise zu den Fan-Favorites gehören.
Allerdings laufen zwei der vier Handlungsstränge der Episode auch zunächst ins Leere. Beth und Daryl sind fast da, wo sie am Anfang waren und auch bei Maggies Suche nach Glenn gibt es wenig Fortschritt, außer die Gewissheit, dass er nicht im Bus war. Dafür sorgt das Wort „Terminus“ für einen Hoffnungsschimmer und besagte neue Figuren für ein Fragezeichen, wie es hier weitergehen wird. Besonders Carols Rückkehr könnte noch für Zündstoff sorgen.
Der Anthologie-Charakter dieser Episode hat sich erst beim zweiten Durchgang, bei dem ich noch einmal auf gewisse Details achten konnte, für mich richtig erschlossen und bezahlt gemacht. Nach zwei Staffeln, in denen man die Gruppe gestärkt hat, ist es für mich nun interessant zu sehen, wie sich die Figuren auf sich allein gestellt schlagen. Besonders, wenn dabei Konstellation zustande kommen, die man sonst nicht zusammen sieht. Aber auch diejenigen, die eingespielt sind - hier denke ich an Michonne, Rick und Carl - versprechen Interessantes hervorzubringen. Mal schauen, ob die Autoren das hinkriegen.
Dennoch sind gewisse, sich ständig wiederholende Tropen der Serie nervig: Sollen wir glauben, dass die Figuren (zuletzt Beth und Carl und in gewissem Maße auch Glenn) so unachtsam sind, dass sie sich immer wieder vor Zombies, die keine zehn oder zwanzig Meter von ihnen auftauchen, überrascht werden? Man könnte die Autoren in Schutz nehmen und sagen, dass diese drei Figuren zuletzt wenig in Außeneinsetzen aktiv waren oder nicht die effektivsten und stärksten Kämpfer sind. Oder aber, dass man sich bemüht, die Gefahr, die von den Zombies ausgeht, beizubehalten. Aber wirkliche Spannung tritt in solchen Fällen nur noch selten auf. Und auch die Tatsache, dass überall, wo eine Scheibe oder eine durchlässige Oberfläche zu sehen ist, zu einem Zombie-Schockmoment kommt, nutzt sich aktuell ab (gesehen beim Bus).
Ansonsten ist „Inmates“ für mich eine ordentliche Episode, mit ein paar Längen, aber auch einigen Highlights. Zwar kein Serienhighlight, aber grundsolide.
Videovorschau auf die Episode 4x11 der US-Serie The Walking Dead:
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 17. Februar 2014(The Walking Dead 4x10)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 4x10
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