The Walking Dead 4x09

The Walking Dead 4x09

Die The Walking Dead-Episode After öffnet ein neues Kapitel für die Figuren der Serie. Nachdem das Gefängnis unbewohnbar geworden ist, müssen sich kleine Gruppen allein um ihr Überleben kümmern.

Szenenfoto aus der Episode „After“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der Episode „After“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c) AMC

Für die letzten eineinhalb Staffeln war das Gefängnis in The Walking Dead die Heimat der Überlebenden um Rick Grimes (Andrew Lincoln). Doch dann kehrte der Governor (David Morrissey) nach längerer Abwesenheit zurück und wagte einen erneuten Angriff mit einer neuen Gruppe, die er durch seine Hetzreden aufwiegeln konnte. Dabei kam Hershel (Scott Wilson) zu Tode und auch für Baby Judith sah es nicht gut aus. Auf ihrem Babysitz konnte man Blut sehen und von ihr selbst fehlte jede Spur.

Darüber hinaus ließen viele Menschen aus dem Team des Governors ihr Leben, der Governor selbst wurde mit einem Schwert durchbohrt und von seiner Freundin erschossen. Derweil wurde das Gefängnis so sehr in Mitleidenschaft gezogen, dass zahllose Walker es in ihren Besitz genommen haben. Ricks Gruppe hatte im allgemeinen Chaos keine Gelegenheit zum Sammeln und flüchtete vereinzelt in viele verschiedene Richtungen.

Back to the Survival Roots

Die Eröffnung der Episode After lässt keinen Zweifel darüber zu, ob der Governor nun wirklich tot ist. Man sieht seine Leiche mit einer Schusswunde am Kopf. Der Zuschauer folgt Michonne (Danai Gurira), die recht schnell wieder in den sole survivor-Modus schaltet. Sie lockt zwei Walker in die aufgestellte Fallen und wiederholt anschließend ihr Erfolgsmodell zum Überleben:

Sie schnappt sich zwei Walker und präpariert sie für ihre Zwecke. Ohne Arme und Unterkiefer und gezogen von einer Leine sind die Untoten für sie keine Bedrohung, sondern sogar ein Schutz. Denn so greifen die anderen Untoten sie nicht an, wenn sie sich unauffällig verhält. Bevor Michonne das Gefängnis ebenfalls verlässt, erlöst sie Hershells abgetrennten Kopf von seinem Zombiedasein und schließt dessen Augen. Mit Michonnes Abgang aus dem Gefängnis hat man in diesem cold open der Episode einen schönen Schlussstrich gesetzt und kann nun auf zu neuen Ufern.

Die Grimes

Rick und Carl (Chandler Riggs) sind lediglich zu zweit unterwegs. Während Rick noch von seiner Auseinandersetzung mit dem Governor, wo er unter anderem angeschossen wurde und Faustschläge ins Gesicht einstecken musste, gezeichnet ist, scheint Carl entschlossen zu sein, die Führung zu übernehmen. Beiden sitzt der Verlust von Judith in den Knochen, allerdings zeigt sich das unterschiedlich. Zumindest nach außen hin.

Carl versucht, Stärke zu demonstrieren und seinen Wert zu beweisen, indem er stets voraus geht und das Tempo vorgibt. Doch Rick scheint gar nicht schneller zu können, was Carl verdrängt oder ignoriert.

Um das unmittelbare Überleben zu sichern, werden die üblichen Prioritäten gesetzt: Nahrung und Verpflegung suchen und dann nach einer Unterkunft Ausschau halten. An einer Gaststätte angekommen ist es allerdings Rick, der seine übrig gebliebenen Kräfte maßlos überschätzt und stur seinem Sohn sagt, er sollte draußen bleiben. Doch Carl besteht darauf mit hinein zu gehen, was die richtige Entscheidung ist. Sie finden ein wenig Essen, aber auch einen verbarrikadierten Zombie, dessen Sohn es nicht übers Herz brachte, ihn zu erschießen. Der Untote steht nun der wertvollen Verpflegung im Weg.

Ricks Versuch, ihn mit der kleinen Axt zu töten, droht zu scheitern, bis Carl schießt. Dieser ganze Exkurs wurde sicherlich eingefügt, um Ricks folgende Mahnung anzubringen: Sei nicht so verschwenderisch, denn jede Kugel zählt. Carl scheint den Ernst der Lage nur bedingt zu verstehen, für ihn scheint das Abenteuer einem Spiel oder Wettbewerb zu gleichen. Dies wird im weiteren Verlauf der Episode um so deutlicher.

Home sweet Home?

Nach der erfolgreichen Nahrungsbeschaffung gilt es, einen temporären Unterschlupf zu finden. Da Rick sich kaum noch auf den Beinen halten kann, versuchen die beiden es gleich bei einem der ersten Häuser, das sie sehen. Auch hier behält Carl sein riskantes Verhalten bei und versucht etwaige Untote durch laute Geräusche und Beschimpfungen herauszulocken. Anschließend wird das Haus näher geprüft und nach weiteren verwertbaren Dingen durchsucht.

Carl ist euphorisch, als er das Jugendzimmer voller Poster und normalen Gegenständen eines Teenagers entdeckt. Erinnerungen an bessere Zeiten weckt wohl vor allem der Fernseher und auch die angeschlossene Konsole. Doch trotzdem bleibt Carl wachsam und schnappt sich die Kabel, um damit die Türen zu sichern. Dass Kabel genau zu diesem Zweck genutzt werden können, habe er von Shane gelernt, der ihn ein paar Knotentechniken beibrachte, was er seinem Vater auch sogleich unter die Nase reibt und fragt, ob er sich an ihn noch erinnern würde. Für Rick vergeht kein Tag, an dem er das nicht tut. Allerdings will Rick auf Nummer sicher gehen und die Tür durch weitere Möbel absichern, was sicherlich nicht die schlechteste Idee ist. Konfliktpotential bietet auch die Verpflegung: Rick möchte, dass sein Sohn etwas isst, während der glaubt, dass man sich die Vorräte noch etwas aufheben sollte. Rick kann sich schließlich durchsetzen.

Carls Spiel

Carls „Machtspielchen“ gehen am folgenden Morgen weiter. Dennoch genießt er die kleinen Momente der Normalität und schenkt sich und seinem Vater eine Schüssel Cornflakes ein. Der ist jedoch so weggetreten, dass er auch durch laute Schreie nicht aufwacht. Carls Verhalten bleibt weiterhin irgendwo zwischen Kind und Möchtegernanführer. Denn seine Schreie locken Walker an, die an der Tür rütteln. Durch den Hinterausgang schaut er nach ihnen und lockt sie mit seiner Stimme vom Haus weg, sicherlich mit der Absicht keine weiteren Beißer anzulocken. Das macht er eigentlich auch gut, nur wird er bald überheblich und unvorsichtig. Denn ein dritter Untoter kommt bald dazu, der Carl unvorhergesehen angreift.

Nur mit Mühe und Not kann er ihn mit seiner Pistole abwehren, ist aber nur bedingt effizient, was seinen Kugelverbrauch angeht. Außerdem wird er unter den fallenden Untoten begraben. Bezeichnend ist nicht nur die Tatsache, dass er sich nach diesem Angriff übergibt, sondern dass er tatsächlich glaubt, dass er sich in einer Art Videospiel befindet und glaubt, gewonnen zu haben. Unverständlich ist, warum Carl keinerlei Anstalten macht seinem Vater zu helfen. Sollte er sich nicht sorgen, dass er nicht aufwacht?

Stattdessen hält er einen Monolog vor seinem besinnungslosen Vater, weil er der Überzeugung ist, dass er auch ohne ihn überleben könnte, was er sich selbst ja gerade bewiesen hat. Carl macht seinem Frust Luft und behauptet, dass Rick als Vater und Anführer versagt hat und er ohne ihn besser dran wäre. Denn er konnte niemanden beschützen, obwohl er es versprochen hat. Außerdem redet er sich ein, dass er damit klarkäme, wenn er sterben würde. Diese Szene gibt es übrigens fast identische in der Comicvorlage.

Um seine Theorie zu testen geht Carl auf Erkundungstour in der Nachbarschaft. Wie selbst überschätzend er ist, demonstriert sein Versuch, die Tür mit seinem Körper und Anlauf einzubrechen. Da hat wohl jemand zu viele Comics gelesen oder Filme gesehen. Aber er lernt schnell und benutzt eine Stablampe aus dem Garten, um das Schloss aufzubrechen und sich hier umzusehen. Erneut findet er einige Vorräte und darunter den heiligen Gral für einen hungrigen Jungen: eine Konserve mit Pudding.

Doch Carl ist nicht allein im Haus. Erneut wird er von einem Walker überrascht und erneut wird dabei deutlich gemacht, wie schwierig es ist, wenn man alleine mit ihnen fertig werden muss. Der junge Grimes verschießt seine Kugeln und wird wieder fast gebissen, bis es ihm gelingt, den Walker in ein Zimmer einzusperren und mit Kreide eventuell andere verzweifelte Überlebende zu warnen. Und wieder ist es ein Spiel beziehungsweise Wettbewerbsmetapher, die hier herangezogen wird: „Walker inside. Got my shoe. Didn't get me“. Es sind die Bücher, die Carl fast zum Verhängnis geworden sind. Sollte man das als Anspielung auf die fehlende Schulbildung nach der Zombie-Apocalypse lesen? Carl hätte ja versuchen können, ihm mit einem Buch den Mund zu stopfen...

Am Ende hat der Junge mehr Glück als Verstand und genießt seine Riesenportion Pudding auf dem Vordach, während der eingeschlossene Zombie unermüdlich durch das halbgeöffnete Fenster greift.

Als Carl abends wieder in sein temporäres Zuhause zurückgeht, packt ihn die Angst, denn sein angeschlagener Vater atmet schwer und klingt wie ein frisch verwandelter Zombie. Carl muss einsehen, dass er nur große Worte machte und er seinen Vater nicht verlieren möchte. Doch zu seinem Glück ist der Ernstfall natürlich nicht eingetreten und Rick meldet sich beruhigenderweise zurück.

Michonne alone

Michonne schaltet - wie schon angedeutet - auf Überlebensmodus und nutzt die Walker, die sie an der Kette führt, um unter den Zombies nicht aufzufallen und in ihrem Tempo mitzuwandern. Spätestens als neben ihr ein Zombie-Lookalike von sich auftaucht, merkt sie aber, dass sie sich wohl nicht noch einmal völlig alleine durchschlagen möchte. Auch wenn sie es besonders anfangs nicht hat durchscheinen lassen, so scheint diese Gruppe das Beste zu sein, was ihr seit langem passiert ist.

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;After%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC
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Die Autoren dieser Episode experimentieren hier auch mit der üblichen linearen Erzählform, denn man könnte für einen kurzen Moment vermuten, dass man es mit einem Flashback aus Michonnes Vergangenheit zu tun hat. Doch diese Sequenz soll sich bald als Traum beziehungsweise Albtraum herausstellen. Dennoch erklärt der Exkurs einiges: Die beiden Begleiter waren sehr wohl Menschen aus Michonnes Vergangenheit, einer davon war sogar ihr Mann und der Vater eines gemeinsamen Kindes. Michonne war außerdem, wie man schon abschätzen konnte, nicht immer die grimmige Person, die man in der Serie kennengelernt hat. Durch den Traum ist nun auch klar, warum Michonne in der Interaktion mit Baby Judith so zusammengebrochen ist. Die Erinnerung an den eigenen Verlust hat sie dort wieder eingeholt.

Michonnes Verhalten in der Herde macht klar, dass sie genug davon hat, in der Vergangenheit zu leben. Das eigene Spiegelbild erlöst sie vom Zombiedasein, ebenso wie die neuen Zombie-Haustiere, sie schnetzelt auch sonst alle Walker in Schwingweite nieder. Dann erwacht Michonne aus ihrer eigenen melancholischen und antriebslosen Phase und macht sich auf die Suche nach den anderen. Schnell gelingt es ihr, die Spuren zu lesen und zu Carl und Rick aufzuschließen.

Nebenbei wird auch eine aus den Comics bekannte Ebene von Michonne in der Serie eingeführt: Das eingebildete Gespräch mit ihren früheren Begleitern. Ähnlich wie Carl sieht sie sich gezwungen, für sich selbst zu rechtfertigen, warum sie diejenige ist, die überleben konnte, während andere sterben mussten. Dass man mehr aus Michonnes Vergangenheit erfährt, kann der Figur eigentlich nur guttun, komplett beleuchten muss man sie zwar nicht, aber etwas mehr Dreidimensionalität kann nicht schaden. Denn so cool ihr nonchalantes Zombie-Enthaupten auch ist, ein wenig mehr Tiefe und Offenheit der Gruppe gegenüber kann schon Wunder wirken. Gerade auch, da sie in der Interaktion mit Carl und Rick und auch Daryl (Norman Reedus) bisher einige ihrer Glanzmomente im Bezug auf ihre Menschlichkeit zeigen konnte.

It's for you

Dem erwachten Rick hat Carl inzwischen mitgeteilt, dass er den ganzen Pudding allein verputzt hat. Der ist ihm darüber nicht böse. Allerdings könnte er die Hilfe seines Sohnes sicherlich ganz gut gebrauchen. Rick entschuldigt sich gleichzeitig, dass er kein Kind mehr sein kann, sondern nun ein Mann sein muss und - aber das sollte nun auch Carl begriffen haben - die Rückkehr zur Normalität im Moment nur bloßes Wunschdenken ist. Immerhin gibt es einen Hoffnungsschimmer, als es an der Tür klopft, Rick Michonne sieht und sich den Scherz erlaubt, dass der Besuch für Carl sei.

Insgesamt gibt es in dieser Episode mehrfach Situation mit rabenschwarzen Humor. Außer der Abschlussszene ist auch Carls Puddingmoment mit Sicherheit ein Moment, über den man Schmunzeln kann. Carls Reaktion seine Situation als Spiel anzusehen ist sicherlich nicht ganz unproblematisch. Da noch nicht ganz eindeutig ist, wohin die Autoren mit Carl hinwollen.

Vom Möchtegern-Cowboy der Dales Tod mitverantwortet hat, zu demjenigen, der Zombie-Shane erschossen hat, dem Anflug von Soziopathie nach der ersten Hälfte der dritten Staffel, über seine Rehabilitation und Normalisierung in der zweiten Hälfte der dritten Staffel, die damit endet, dass er beweisen darf, wie kompetent er ist, geht es nun ein Stück weit zurück zu jugendlicher Naivität oder aber direkt in die Pubertät. Denn es lässt sich nicht abstreiten, dass er gegenüber seinem Vater mit rebellischen Verhalten glänzt. Das leichtfertige Fluchen und Krachmachen im Haus, die Erwähnung von Shane oder seine schuldzuweisende Ansprache sind alles übliche Zeichen von Non-Konformität. Doch gleichzeitig zeigt die Episode auch mehrfach, dass ihm gewisse Situation einfach über den Kopf wachsen. Was sie auch sollten, schließlich ist er ein Teenager in einer Grenzsituation.

Wie sich die anderen Figuren wohl mit der neuen Situation zurecht finden? Nach knapp drei Staffeln, in denen die Charaktere so sehr zu einer gutgeölten Maschine geworden sind, ist der Ansatz, sie auf sich allein zu stellen, in meinen Augen dramaturgisch betrachtet gar nicht so verkehrt.

Fazit

Back to the roots! Unter diesem Motto läuft die Episode After. Gleichzeitig gilt es aber auch, aus alten Fehlern zu lernen. Was mal gelingt und mal weniger. Der Fokus auf wenige Figuren gefällt mir hier ziemlich gut. Und auch die Mischung der Figuren ist gut gewählt. Als Trio sind Rick, Carl und Michonne sicherlich bereits einigermaßen eingespielt, auch wenn Rick aktuell nicht in bester gesundheitlicher Verfassung ist.

Diese Episode gehörte eindeutig Carl und Michonne, die zuletzt zwar durchaus Teil der Handlung waren, aber von deren Innenleben die Zuschauer lange nichts mehr erfahren konnten. Irgendwann sollte Rick seinem Sohn aber tatsächlich mehr zutrauen und auch entsprechend auf den schlimmst möglichen Fall vorbereiten. Hätte Rick ohne Carl überlebt und andersherum? Wahrscheinlich nicht. Alleingänge können aber ebenso fatal sein.

Videovorschau auf die Episode 4x10 der US-Serie The Walking Dead:

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 10. Februar 2014

The Walking Dead 4x09 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 9
(The Walking Dead 4x09)
Deutscher Titel der Episode
Für Dich
Titel der Episode im Original
After
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 9. Februar 2014 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 10. Februar 2014
Autor
Robert Kirkman
Regisseur
Gregory Nicotero

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 4x09

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