The Walking Dead 4x08

The Walking Dead 4x08

Das Midseason-Finale der vierten Staffel der US-Serie The Walking Dead ist eine Art Anti-These zum dritten Staffelfinale. Was dort aufgespart wurde, wird hier nachgeholt. Dennoch macht sich ein Gefühl der Unzufriedenheit breit.

Szenenfoto aus der Episode „Too Far Gone“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der Episode „Too Far Gone“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c) AMC

Bereits in der letzten Review zu The Walking Dead habe ich viele Gedanken zur Richtung dieser ersten Staffelhälfte der vierten Staffel niedergeschrieben (Zur Review von 'Dead Weight'). Der Hauptkritikpunkt war, dass sich zu vieles im Kreis drehe. Mit Too Far Gone kommt nun ein Midseason-Finale mit einem Ausrufezeichen. Es besteht das Potenzial, viele Altlasten loszuwerden und einen Neuanfang zu starten. Obwohl vor allem im letzten Drittel einiges passierte, kann ich nicht sagen, dass es einen besonders zufriedenstellenden Abschluss für mich darstellte. Für wichtige Dinge wird sich zu wenig Zeit genommen, für eigentlich unwichtige dagegen umso mehr.

Das passiert in „Too Far Gone“

Wie zu erwarten, bringt der Governor (David Morrissey) seine neue Trailer-Park-Gruppe durch eine Rede, die durch Lügen und Halbwahrheiten gespickt ist, auf seine Seite. Er stellt Ricks Gruppe als Buhmänner da, als die Verantwortlichen für sein fehlendes Auge, den Tod seiner Tochter, das Abbrennen von Woodbury und insgesamt als Bande von Lügnern, Mordern und Betrügern. Mehr als das scheint es auch nicht zu brauchen, denn nach wenigen Worten fressen die meisten ihm bereits aus der Hand.

Die neue Gruppe soll das Gefängnis übernehmen. Durch die Beobachtung des Camps gelingt es ihm fast mühelos, Michonne (Danai Gurira) und Hershel (Scott Wilson) zu überwältigen, die die Leichen der Erkrankten verbrennen wollten.

Es ist ausgerechnet Lilly (Audrey Marie Anderson), die den größten Widerstand leistet und wohl am liebsten eine andere Lösung anstelle des offenen Konflikts vorziehen würde. Da das Wasser eine Art natürlich Barriere für die Walker zu sein scheint, wäre ein neuer Zufluchtsort, der in der Nähe eines Gewässers liegt, eigentlich keine schlechte Wahl. Doch wenn sich der Governor etwas in den Kopf gesetzt hat, zieht er es durch.

Trotz ihrer Gefangenschaft erhalten Michonne und Hershel vom Governor etwas zu essen. Während Michonne fast wie ein wilder Hund weiterhin Drohungen ausspeit, versucht es Hershel mit Diplomatie. Der gutmütige Ex-Farmer bietet sogar an, man könnte sich das Gefängnis auch teilen. Doch der Governor erwidert, dass er schwerlich mit Rick (Andrew Lincoln) oder gar Michonne friedlich ko-existieren könnte.

Bevor der Governor und seine Truppe allerdings den Weg zum Gefängnis antreten, will er sich von Megan (Meyrick Murphy) verabschieden, die mit Matschkuchenbauen beschäftigt ist. Eine Umarmung ist aber trotz schmutziger Hände drin. Es ist durchaus interessant, wie viel Menschlichkeit und Wärme - zumindest nach außen hin - dem Governor hier zu Episodenbeginn zugestanden wird.

Derweil im Gefängnis

Während der noch kranke Glenn (Steven Yeun) und Maggie (Lauren Cohan) darüber reden, dass bald ihr Jahrestag anstehen könnte (wer weiß das schon genau ohne richtigen Kalender) und darüber fantasieren, ihn außerhalb zu feiern, weiht Rick Daryl (Norman Reedus) über seine Entscheidung bezüglich Carol (Melissa McBride) ein. Daryl ist aufgebracht, womit fast in Vergessenheit gerät, dass er dem Mörder von Karen und David eigentlich eine Kugel in den Kopf schießen wollte, wenn herauskommt, wer es ist. Es bleibt wenig Zeit über Carol zu reden. Rick glaubt weiterhin, dass sie eine Überlebenskünstlerin ist, während Daryl sich fragt, was mit den beiden Mädchen passieren soll, die Carol unter ihre Fittiche genommen hat.

Bleibt noch Tyreese (Chad Coleman) einzuweihen. Doch dieser hat einen Fund gemacht, der ihn beunruhigt. Er macht Rick und Daryl auf eine Rattensezierung aufmerksam und glaubt, dass die gleiche Person, die dafür und für die Ratten am Zaun verantwortlich ist, auch seine Freundin und David auf dem Gewissen hat. Bevor jedoch weiter darüber gesprochen werden kann, kommt der erste Knall - und zwar im Wortsinn. Der Governor ist da - und mit ihm der Panzer. Nebenbei bedankt sich Sasha (Sonequa Martin) bei Bob (Larry Gilliard Jr.), ohne dessen Hilfe sie wohl nicht überlebt hätte. Doch Bob glaubt eher, man sollte Hershel danken. Irgendetwas hält er trotzdem geheim.

One Eyed Bri und sein Panzer

Mit seinem Panzer, einigen Pick-Up-Trucks und einer Koalition der Willigen steht der Governor also nun vor dem Gefängniszaun und ruft Rick zu einem Gespräch zu sich. Was folgt, ist ein merkwürdig gezwungen wirkender Austausch, der noch einmal deutlich machen soll, dass Rick nicht mehr der Entscheider und Anführer der Gruppe ist. Aber ob das in einer solchen Gefahrensituation wirklich die geschickteste Lösung ist? Während Rick das Gespräch sucht, machen Daryl, Tyreese und Co. im Hintergrund die Waffen bereit. Außerdem scheint es einen groben Evakuierungsplan mit einem Schulbus zu geben.

Der Governor präsentiert seine Geiseln - Hershel und Michonne - und räumt Rick bis Sonnenuntergang Zeit ein, ihm und seiner Gruppe das Gefängnis zu überlassen. Rick versucht es mit Vernunft und Mitleid. Wahrheitsgetreu befinden sich Kranke und Kinder im Inneren, die sterben würden, ohne diese Unterkunft. Doch der Governor bleibt uneinsichtig.

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Too Far Gone%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC
Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Too Far Gone%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC

Lilly ist derweil mit Megan zurückgeblieben, wo sich zunächst dramatisch langweilige und dann dramatisch doofe Szenen abspielen. Sie beobachtet, wie ein Walker versucht, sich den Weg durch das Wasser zu ihr zu bahnen, während ihre Tochter sie bittet, ihr beim Graben zu helfen. Der Walker schafft es nicht und wird vom Wasser fort getrieben. Doch ausgerechnet da, wo Megan spielt, bricht ein modriger Untoter aus der Erde heraus und setzt zum Biss an. Lilly ist zu langsam und zu weit entfernt, um rechtzeitig eingreifen zu können. R.I.P. Megan.

Apropos Kinder: Die Episode bringt ein Wiedersehen mit Lizzie (Brighton Sharbino) und Mika Samuels (Kyla Kenedy White), die sich und andere Kinder, darunter Baby Judith in Sicherheit bringen wollen. Zumindest bis Lizzie die Lehren aus Carols Unterricht zieht und vorschlägt, dass sie auch aushelfen sollten. Also machen sie sich auf, ein paar Waffen zu besorgen.

Governor swings first

Die Lage zwischen Rick und dem Governor spitzt sich weiter zu. Auch Rick bietet an, dass alle zusammen leben könnten, in verschiedenen Zellblöcken, und niemand zu Schaden kommen müsse. Doch der Governor blockt ab. Das sei nicht mehr möglich, vor allem nicht nach Woodbury und nicht nach Andrea. Als Rick ihn beschwichtigt, dass es noch nicht zu spät sei, nennt der Governor ihn einen Lügner und schwingt mit Michonnes Schwert in Richtung Hershel, so dass er ihn lebensgefährlich verletzt. Dass ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt und Rick das Feuer eröffnen lässt. Es bricht ein offener Schusswechsel aus, der zahlreiche Opfer fordert. Der Governor köpft Hershel, was seine Töchter natürlich zutiefst mitnimmt. Doch im offenen Gefecht bleibt zunächst wenig Zeit zur Trauer. Auch Tara (Alanna Masterson ) ist in einer Schockstarre und kann nicht glauben, was sie hier gerade mitmachen muss. Da nützt auch die kurze Interaktion mit Alicia nichts.

Lilly ist derweil mit der toten Megan zum Kampfort aufgeschlossen. Der Governor nimmt dies zur Kenntnis und schießt ihr, um die Verwandlung zu vermeiden, in den Kopf. Obwohl Rick davor gewarnt hat, dass das Gefängnis ohne Zaun so gut wie nutzlos sei, rollt der Panzer los und der offene Faustkampf zwischen Rick und dem Governor beginnt.

Endlich mal wieder Badass Daryl

Daryl darf in dieser Auseinandersetzung wieder einmal einige Badass-Momente abliefern. Nicht nur, dass er einen Walker als Schutzschild nimmt, sondern auch dadurch, dass er einige Granaten werfen kann, darunter eine, die er direkt in den Lauf des Panzers wirft, um diesen außer Gefecht zu setzen und im Anschluss auch noch Mitch tötet. Kurzzeitig herrscht Aufregung darüber, wo Beth (Emily Kinney) ist, doch auch diese taucht bald an Daryls Seite wieder auf. Ein Bus mit einigen im Kampf nicht erprobten Gefängnisinsassen fährt derweil davon. Und auch Bob wird im Feuergefecht angeschossen. Immerhin ein glatter Durchschuss und somit wohl keine lebensgefahr.

Lizzie und Mika sind die viel zu jungen Schutzengel, die Tyreese retten, als er von einem grauhaarigen Governorsjünger und von Alicia beschossen wird. Die Geschwister erwischen beide durch gezielte Schüsse.

Ende des Schreckens

Rick droht den Kampf gegen den Governor zu verlieren und ist im Gesicht sichtlich davon gezeichnet. Zumindest bis Michonne dem Goveror durch die Brust sticht und ihn seinem Schicksal überlässt. Angesichts dessen, was er mit Hershel gemacht hat (oder insgesamt wegen seiner Vergehen, etwa im Fall Andreas), fragt man sich wohl, warum sie ihm nicht sofort den Garaus macht. Doch die Autoren wählen lieber die Variante, in der es seine Kurzzeitliebhaberin Lilly ist, die ihn endgültig beseitigt.

Ricks erste Sorge nun: Carl (Chandler Riggs). Carl geht es gut, doch in der allgemeinen Aufregung scheint man Baby Judith vergessen zu haben. Hat man sie vorher noch bei den anderen Kindern gesehen, sieht man nun nur ihren leeren und leider auch blutigen Babytragekorb. Ein Schock für Rick, Carl und die Zuschauer. Rick kann seine Trauer kaum unterdrücken, Carl schafft es jedoch einen kühlen Kopf zu bewahren und einige Walker umzulegen, bevor man die Flucht antritt. Im Gefängnis gibt es für die Gruppe nichts mehr zu holen, es wird von Walkern überrannt.

Raus aus dem Gefängnis

Das Gefängnis ist damit endgültig Geschichte. Und obwohl es den Umweg über die Seuche gebraucht hat, bis es zur finalen Konfrontation kam, fühlt sich diese wie eine recht sinn - und vor allem ziellos wirkende Ballerei und Klopperei an, in der die Kugeln wie durch Zufall alle wichtigen Figuren verfehlen. So gut wie alle Gefolgsleute des Governors sind tot (die haben aber ehrlich gesagt kaum jemanden interessiert, außer vielleicht Lilly, Tara und Megan) und auf der Seite von Ricks Gruppe sind zwei herbe Verluste hinzunehmen: Hershel und Baby Judith. Mit Hershel ist nun eine Figur fort, die neben Rick wohl die meisten Verbindungen innerhalb der Gruppe hatte: Beth, Maggie und Glenn. Damit eröffnen sich für diese Figuren natürlich einige interessante neue Möglichkeiten. Der Body Count ist dennoch überraschend gering ausgefallen. Selbst Sasha, Bob und Beth haben das ganze überstanden, womit man im Vorfeld wohl nicht unbedingt gerechnet hätte. Dazu sind einige Woodbury-Altlasten mit dem Bus weggefahren. Dass man sich etwas zurückgehalten hat, ist dennoch verständlich, schließlich hat man noch acht Episoden in dieser Staffel vor sich. Fraglich ist nun, wie schnell man einen neuen Zufluchtsort findet, ob es einen erneuten Zeitsprung geben wird und welche offenen Fragen noch behandelt werden.

Ganz vorne mit dabei dürfte nun der Verbleib von Carol sein, die vielleicht sogar eine Rolle beim neuen Zuhause der Gruppe spielen könnte. Ebenfalls offen bleibt, ob Tyreese über Carols Taten informiert wird und wer derjenige mit dem ausgeprägtem Ratteninteresse ist. Werden Lilly und Tara vielleicht nun zum Teil der Gruppe?

Dass der Angriff ohne die große Zombieherde (die Michonne, Bob, Daryl und Tyreese begegnete) passiert ist, kann den einen oder anderen wahrscheinlich ebenfalls enttäuscht haben, aber vielleicht ergibt sich im Staffelfinale noch etwas in diese Richtung.

Remix - Achtung Comicspoiler!

Ein paar Anmerkungen noch dazu, dass der Showrunner Scott M. Gimple im Vorfeld über seinen Ansatz als Remix zum Comic gesprochen hat. Ohne im Detail den Verlauf des Comics zu spoilen, kann man hier festhalten, dass das hier tatsächlich eingetroffen ist. Im Comic köpft der Governor ebenfalls eine Figur, jedoch eine andere, mit einer ähnlichen Funktion. Der Panzer spielt ebenfalls eine Rolle, genauso wie eine Figur namens Lilly. Und auch Baby Judith überlebt den Handlungsbogen im Gefängnis nicht. Darüber hinaus wird der Governor in der Serie wohl deutlich zahmer dargestellt als im Comic. Besonders solche Momente, wie die Umarmung von Megan hätte es da wohl nicht gegeben.

Die Comicvorlage und die TV-Serie sind allerdings aufgrund von Figuren wie Daryl und Merle oder durch das frühere oder spätere Ableben gewisser Figuren ohnehin mittlerweile als zwei eigenständige und voneinander unabhängige Interpretationen des selben Ausgangsmaterials zu sehen. Im Comic ist die Storyline nach vier Publikationsjahren mit Ausgabe 48 beendet worden, also fast der gleichen Zeit, wie es nun in der TV-Serie gedauert hat.

Comicspoiler Ende

Fazit

Scott Gimple gelingt es in der ersten Hälfte der vierten Staffel nur bedingt, überzeugende Arbeit als Showrunner zu leisten. Der Versuch, den Fokus mehr auf Charakterinteraktionen zu legen, geht nicht immer auf. Dazu kommt, dass man durch die Seuchenstoryline und dem langen Verbleib im Gefängnis als Zuschauer bisweilen unter Lagerkoller gelitten hat.

Im Midseasonfinale gibt es einige merkwürdige Dialoge (vor allem von Rick bezüglich der Gruppenorganisation) und Momente, wo ich persönlich entweder laut lachen (die beiden Mädchen retten Tyreese) oder mir an den Kopf fassen musste (Megans Schicksal und die schnelle Überzeugung der Trailer-Park-Gruppe). Auch sonst wirkt es fast so, als hätte man die Erzählzeit etwas aus den Augen verloren - etwa was das Einweihen von Tyreese angeht, was nun wieder aufgeschoben ist - und sich stattdessen anderem gewidmet (welche Funktion hatten die kurzen Szenen zwischen Glenn und Maggie und Bob und Sasha, außer sie alibimäßig zu zeigen?) oder sie einfach durch Redundanzen vertrödelt hat. Die Mischung stimmt einfach nicht. Und dass die Action immer in den letzten 15 Minuten losgeht, wird auch langsam zu vorhersehbar und langweilig.

Der Governor ist besiegt, die Seuche ausgestanden, hoffentlich gibt es nun bald eine Art frischen Start, der wieder mehr überzeugt. So geht die erste Hälfte der vierten Staffel für mich bislang als die schwächste neben der ersten Hälfte der zweiten Staffel in die bisherige Seriengeschichte ein.

Videovorschau auf die Rückkehr von The Walking Dead im Februar 2014:

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 2. Dezember 2013
Episode
Staffel 4, Episode 8
(The Walking Dead 4x08)
Deutscher Titel der Episode
Kein Zurück
Titel der Episode im Original
Too Far Gone
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 1. Dezember 2013 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 5. Dezember 2013
Autor
Seth Hoffman
Regisseur
Ernest R. Dickerson

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 4x08

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