The Walking Dead 4x07

The Walking Dead 4x07

Der Exkurs mit dem Governor aka Brian geht in der The Walking Dead-Episode Dead Weight in die zweite Runde. Kann er seine Ersatzfamilie tatsächlich beschützen? Oder spielt er nur ein ausgedehntes Schachspiel, für das er neue Bauern braucht?

Szenenfoto aus der Episode „Dead Weight“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der Episode „Dead Weight“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c) AMC

Auch die Episode Dead Weight, die siebte der vierten Staffel The Walking Dead, steht im Zeichen des Governors (David Morrissey) oder One-Eyed-Bri, wie er von einem seinen neuen Gruppenkameraden genannt wird. Martinez (Jose Pablo Cantillo) nimmt ihn tatsächlich in seine Gruppe auf, die aus Martinez selbst und vor allem Exarmeemännern besteht. Gemeinsam hat man sich einen eigenen kleinen Trailerpark aufgebaut, der als Hauptattraktion einen Panzer enthält.

Zum Episodenbeginn wird gleich noch einmal die Schachmetapher bemüht, um deutlich zu machen, dass sich der Governor einem internen Konflikt stellt, den das Bild vor dem Vorspann wohl am besten einfängt: Wohnwagen oder Panzer? Welches Vehikel wird der Governor wählen? Wird er mit Lilly (Audrey Marie Anderson) und Megan (Meyrick Murphy) Familie spielen oder sich doch wieder zum Despoten entwickeln? Oder geht das eine bei ihm nicht ohne das andere? Muss er zum Killer werden, um Leute, die ihm nahe stehen zu beschützen? Die Tendenz geht ganz klar zu letzterem. Und auch, dass der Governor die kleine Megan niemals beim Schach gewinnen lässt, ist bezeichnend für den Mann, den wir bisher kennengelernt haben. Er mag sich noch so verstellen können, am Ende kommt doch wieder das gleiche alte Selbst zum Vorschein.

Kein Ballast erwünscht

Martinez hat in der Gruppe das Kommando übernommen und eine respektable kleine Gemeinschaft aufgebaut, die mithilfe der beiden Exsoldaten Pete (Enver Gjokaj) und seinem Bruder Mitch (Kirk Acevedo) gedeihen konnte. Das Motto ist einfach: Entweder man trägt etwas zum Wohl der Gruppe bei oder man sucht das Weite. Ballast könne man nicht gebrauchen, wenn man überleben will. Dem muss sich Brian aka der Governor zunächst auch unterordnen, wenn nicht herauskommen soll, dass er der Verrückte ist, unter dessen Knute eine ganze Stadt stand.

Während der Governor nach Größerem strebt, scheint es Lilly hier ganz gut zu gefallen. Der Ort scheint sicher, die Gruppe groß genug und auch Tara (Alanna Masterson) findet in Alicia, die ebenfalls eine Armeevergangenheit hat, eine verwandte Seele, in die sie sich offenbar verliebt.

Eine erste Bewährungsprobe gibt es für den Governor, als man zu viert eine Hütte im Wald genauer betrachten und nach verwertbaren Vorräten suchen will. Den Weg pflastert eine Reihe von kopflosen Leichen, die Zettel mit verschiedenen Aufschriften wie „Lügner“, „Vergewaltiger“ und „Mörder“ tragen. In der Hütte angekommen, findet man nicht nur die abgetrennten und dennoch bissfreudigen Köpfe vor, sondern auch zwei Walker, die sehr wahrscheinlich dafür verantwortlich sind, aber inzwischen den Kampf gegen die Welt da draußen verloren haben. Es ist jeweils der Governor, der die Walker durch beherzte Schläge auf den Kopf ausschaltet und seine neuen Kameraden rettet. Das erkauft ihm Respekt und ein abgestandenes Bier.

Dass der Governor verändert erscheint, entgeht auch Martinez nicht. Dieser gesteht ihm gegenüber, dass er ihn - wäre er allein in der Grube gewesen - nicht in die Gruppe aufgenommen hätte. Aber da er sich um Megan und Co. geradezu aufopfernd gekümmert hatte, verdiente er in Martinez' Augen eine zweite Chance. Zwar mustert er seinen Exboss auffällig oft, aber er unterschätzt dessen Ausdauer. Nebenbei klärt Martinez die Zuschauer noch darüber auf, was mit dem zweiten Begleiter, Shumpert (Travis Love), passiert ist. Er war zu unvorsichtig und wurde von den Walkern erwischt.

Martinez frönt dem Alkohol und spielt der alten Zeiten wegen auf einem Wohnwagen Golf mit dem Governor, während der Rest der Gruppe unterwegs ist. Dabei wird er unvorsichtig, was seine Wortwahl und seine Attitüde angeht. Martinez könnte nach eigener Aussage nicht noch einmal Teil einer Familie sein, was beim Governor nicht gut ankommt. Er zieht ihm mit einem Golfschläger kräftig eine über und sagt dabei, dass er das nicht will. Gemeint ist sicherlich die Verantwortung und die Anführerschaft, doch die Schwächlinge um ihn herum lassen ihm scheinbar keine Wahl.

Anschließend zerrt er ihn zum Walkerloch und wirft ihn den Untoten zum Fraß vor. Damit ist der größte Rivale für die Anführerschaft aus dem Weg geräumt und es bleiben noch die beiden Dolgen-Brüder.

Die Rückkehr des Killers

Nachdem die Gruppe von Pete über Martinez' Tod informiert wird, schlägt Pete sich unvermittelt als neuen Anführer vor. Während Neuankömmling Tara und einige andere sofort dagegen rebellieren und eine Abstimmung verlangen, beschwichtigt Pete sie, dass diese in den nächsten Tagen erfolgen kann. Der Gruppenstabilität wegen wird er jedoch vorerst das Kommando übernehmen. Anders als sein Bruder ist Pete auch keineswegs auf Krawall oder Gewalt aus und er fragt den Governor nach dessen Hilfe, was die Führung angeht. Als man bei einer weiteren Suche nach Verpflegung ein Camp mit einigen Zelten sieht, schlägt Pete vor, die Gruppe zu vergrößern. Bruder Mitch ist für die feindliche Übernahme - zur Not mit tödlicher Gewalt. Pete obsiegt und will sich andernorts nach Nahrung umsehen, dabei kommen aber nur ein paar Eichhörnchen zusammen. Erschwerend kommt hinzu, dass das Camp kurze Zeit später tatsächlich überfallen und geplündert wird. Ihnen ist also jemand zuvorgekommen.

David Morrissey auf einem Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Dead Weight%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC
David Morrissey auf einem Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Dead Weight%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo; © AMC

Den Vorfall nimmt der Ex-Governor als Zeichen dafür wahr, dass das Camp wohl doch gefährlicher sein könnte als zunächst angenommen. Lilly gegenüber schlägt er in aller Deutlichkeit vor, die Segel zu streichen. Gehen will sie allerdings nicht ohne Tara, was auch heißt, dass Alicia mitkommen soll. Gemeinsam brechen sie in einem Auto auf. Doch der Fluchtweg wird von einer Gruppe von Walkern versperrt, die in einer Art Sumpf oder Treibsand stecken geblieben sind. Also wird der Rückweg angetreten und der Governor braucht eine neue Taktik.

Der Governor scheint Pete für zu schwach zu halten und ersticht ihn, ohne dass jemand es sehen kann, in einem Wohnwagen. Anschließend besucht er Mitch mit vorgehaltener Pistole und stellt ihm ein Ultimatum zur Zusammenarbeit, das dieser schließlich auch annimmt. Er erzählt ihm, wie Pete ihn an seinen eigenen Bruder erinnert, der ihn vor dem gemeinsamen Vater in Schutz genommen und dafür zuerst die Prügel kassiert hat. Der Governor versichert ihm, dass ihm nichts zustößt, wenn er kuscht.

Petes Leiche wird in einem nahegelegenen Gewässer entsorgt und dem Rest der Gruppe soll er als gefallener Held verkauft werden. Allerdings wird nicht dafür gesorgt, dass er nicht als Walker zurückkommt. Vielmehr fristet Walker-Pete an eine Kette gelegt sein weiteres Dasein als Unterwasserzombie, der allerdings kaum eine Chance hat, Schaden anzurichten. Wahrscheinlich wurde dieses Bild von den Machern der Serie auch nur wegen der sehr coolen visuellen Idee eingebaut und um die Frage zu stellen, ob Zombies auch unter Wasser überleben könnten.

Der Governor hat sich also jeglicher Konkurrenz entledigt oder sie hörig gemacht und übernimmt nun die Organisation des Camps. Taktisch klug sollen die anderen nach Waffen und Munition suchen, aber diese nur vorsichtig, wenn überhaupt, einsetzen. Besser ist es, auf Distanz zu bleiben, zu beobachten und dem Rest Bericht zu erstatten.

Der Governor möchte, dass das Camp für die Gruppe ein sicherer Ort sein soll. Doch bereits früh wird klar, dass das schwierig wird. Als Tara und Megan fangen spielen, zieht das die Aufmerksamkeit eines vereinzelten Walkers an, der es auf Megan abgesehen hat. Zwar kann die Kleine unter einen fahrbaren Untersatz kriechen, der Walker stellt ihr allerdings trotzdem nach. Und Taras unbeholfene Versuche, ihn wegzuziehen, helfen auch wenig, da sein Bein bereits stark verwest ist und sie ständig abrutscht. Immerhin kommt der Governor selbst rechtzeitig, um den Zombie zu erschießen.

Doch er scheint sich fest in den Kopf gesetzt zu haben, dass etwas Besseres her muss. Alleine macht er sich auf den Weg zum Gefängnis, wo er kurz Rick (Andrew Lincoln) und Carl (Chandler Riggs) beobachtet. Der Zeitpunkt ist der Morgen, nach dem die Untoten den Zaun einreißen konnten und die Kranken auf der Krankenstation für viel Unheil sorgten. Doch der Governor wendet sich vom Vater-Sohn-Gespann ab und sieht stattdessen Michonne (Danai Gurira) und Hershel (Scott Wilson). Mit der Todfeindin Michonne im Visier seiner Pistole endet die Episode dann allerdings auch. Kommt nun der Angriff mit dem Panzer oder gibt es doch noch eine Alternative? Das Midseason-Finale gibt darauf wohl die Antwort.

Dreht sich alles im Kreis?

Dreht sich bei The Walking Dead gerade die Erzählung etwas im Kreis? Nachdem die vorherige Episode Live Bait durchaus Hoffnung darauf gemacht hatte, dass der Governor sich verändert haben könnte, sieht es in Dead Weight nun fast wieder so aus, als wäre er wieder der gleiche mordlustige Despot.

Die Schachmetapher könnte allerdings eventuell einen Hinweis darauf geben, wie sich die Handlung weiterentwickelt. Nachfolgend also einige Spekulationen, wie es in der nächsten Folge weitergehen könnte.

Die Morde an den Konkurrenten fanden im Geheimen statt und nur Petes Bruder weiß etwas davon. Sollte der Governor also wirklich einen weiteren Angriff auf das Gefängnis planen, müsste er sein Camp auf seine Seite locken. Wie macht er das am besten? Mit Propaganda und Lügen. Er könnte Rick als denjenigen bezeichnen, der einst ausgerastet ist und so die Menge gegen ihn aufbringen. Das hat er bekanntlich auch schon in Woodbury gemacht. Damit würde er aber natürlich auch seine Ersatzfamilie in Gefahr bringen.

Sein Ass im Ärmel ist der Panzer. Und auch wenn es so scheint, als hätte der Governor Ricks Gruppe nicht lange observiert, war es um die Gruppenstärke im Gefängnis schon einmal besser bestellt. Der Governor selbst hat jedoch ebenfalls eine sehr unerprobte Gruppe an seiner Seite, dazu gehören allerdings einige Exsoldaten, die ihm taktisch helfen könnten.

Überraschender wäre allerdings tatsächlich, wenn der Governor in Frieden kommt und es irgendwie eine diplomatische Lösung für den Konflikt geben könnte. Lilly als Krankenschwester wäre für Ricks Gruppe im Moment Gold wert. Dass der Governor neben Rick, Maggie, Michonne, Glenn, Daryl und Tyreese allerdings koexistieren könnte, erscheint wenig wahrscheinlich, nachdem diese bereits ihre Erfahrungen mit ihm gemacht haben. Im Moment wären sie allerdings auch nicht hinreichend für einen derartigen Überraschungsangriff gewappnet.

Zum Winterfinale der Serie werden sich die Autoren aber sicherlich auf irgendeine Art mit einem Knall verabschieden wollen, bei dem wohl kaum alle Figuren überleben werden.

Fazit

Dead Weight war für mich im Vergleich zur ersten Episode weniger überzeugend, weil sich der Handlungsbogen um den Governor im Kreis zu drehen scheint. Zwar ist eine Kernfrage dieser vierten Staffel, ob man sich von den vergangenen Taten erholen und neu anfangen kann - und die Antwort war bisher in vielen Fällen ein eindeutiges „Nein“. Dennoch muss das ja nicht bedeuten, dass man alles so oft wiederholen muss. Im Moment ist das allerdings der Fall. Da man im Finale der dritten Staffel mit Absicht den Showdown hinausgezögert hat, fühlt sich die erste Hälfte der vierten Staffel wie ein langer und manchmal etwas ermüdender Einschub an, der das Unvermeidliche nur aufgeschoben hat.

Sollte der Governor vorhaben, das Gefängnis anzugreifen, wäre das nun mindestens schon der dritte Versuch. Mit einem Panzer an seiner Seite stehen die Vorzeichen jedoch nicht unbedingt schlecht. Aber was dann? Und wie schlägt sich eine Gemeinschaft, die erst kurz zusammen ist, gegen die eingeschworene Gruppe rund um Rick? Oder wird diese Gemeinschaft durch bald fällige Aussprachen auf die Probe gestellt?

Zwar wird in der Folge deutlich, dass der Governor wieder mal das Kommando hat, aber nicht, wie gut oder schlecht die Gruppe vorbereitet ist. Oder ob der Governor sie ohnehin nur als Bauernopfer für seine Privatvendatta sieht, die er mutwillig zu opfern bereit ist. Klarere Antworten gibt es hoffentlich in der nächsten Episode.

Videovorschau auf die Episode Too Far Gone (4x08) der US-Serie The Walking Dead:

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 25. November 2013
Episode
Staffel 4, Episode 7
(The Walking Dead 4x07)
Deutscher Titel der Episode
Handicap
Titel der Episode im Original
Dead Weight
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 24. November 2013 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 28. November 2013
Autor
Curtis Gwinn
Regisseur
Jeremy Podeswa

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 4x07

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?