The Walking Dead 4x15

Nur noch zwei Episoden bis zum vierten Staffelfinale der Serie The Walking Dead, und so langsam finden die versprengten Figuren auch wieder zusammen. Während zuletzt die Gruppe um Tyreese (Chad Coleman) und Carol (Melissa McBride) gänzlich im Mittelpunkt stand, sind in der Episode Us fast alle anderen Figuren aktiv.
Daryl, Joe und die Claimed-Meute
Daryl (Norman Reedus) ist widerwillig Teil von Joes (Jeff Kober) Gruppe geworden. Probleme bereitet ihm dabei vor allem Len (Marcus Hester), der ihn bei jeder Gelegenheit schikaniert. Beispielsweise als Daryl sich morgens auf Nahrungssuche begibt und Len den Hasen, den er im Visier hat, für sich beansprucht, was Daryl fast dazu bringt, sein Messer zu zücken. Doch Joe selbst schreitet ein und verhindert dies. Auch eine so grobe Gruppe wie diese lebt nach Regeln: Wenn einem etwas gefällt, dann sagt man an, dass man es für sich beansprucht (ähnlich wie die Möwen bei „Findet Nemo“), außerdem ist man ehrlich zueinander. Mit dem Lügen hat Daryl weniger Probleme als mit dem stupiden und nahezu kindlichen „claimen“. Doch das soll sich noch rächen. Der Hase wird zunächst salomonisch von Joe geteilt, wobei sich Daryl über das „Hinterstück“ freuen kann.
Um mit einer Alpha-Männchen-Gruppe klarzukommen, sind gewisse Regeln eben erforderlich. Diese Testosteron-Truppe hat sich das „Überleben des Stärksten“ zum Motto gemacht. Also arrangiert sich Daryl zunächst mit seinem - wie er es eigentlich auch von Beginn an klarstellt - temporären Zuhause. Und scheint zumindest Joes Respekt erlangt zu haben. Joe scheint außerdem zu glauben, dass sich die Gruppe die Welt so zum Untertan machen könnte. Denn wenn man sich immer nimmt, was man möchte, wer soll einen dann aufhalten? Daryl hält er für jemanden, der so tut, als würde er sich nach Harmonie und einem Zuhause sehnen, aber insgeheim auf die Straße gehören, wie eine streunende Katze.
Die Nacht verbringt die Gruppe in einer verlassenen Autowerkstatt, wo wieder wie wild alle ihre Reviere markieren und der Streit zwischen Len und Daryl eskaliert. Joe prüft die beiden auf ihre Ehrlichkeit, schlägt Len dann nieder und brandmarkt ihn als Lügner und Betrüger. Denn insgeheim hat er Len dabei gesehen, wie er Daryl in den Schlamassel reiten wollte - was bedeutet, dass der Rest der Gruppe ihn nach Strich und Faden verprügelt. Obendrein darf Daryl die andere Hasenhälfte für sich haben. Doch das ist noch nicht alles. Als er erwacht, findet Daryl Lens Leiche mit einem Pfeil durchs Auge vor. Das soll eventuell auch eine Warnung in Richtung Daryl sein: Das passiert, wenn er sich nicht an die Regeln hält.
Als einer der letzten aus Ricks Gruppe begegnet Daryl nun auch den Terminus-Schildern. Er erfährt von Joe, wohin es die Gruppe treibt. Sie ist von Rache getrieben: Rache an Rick, der einen der ihren ermordet hat. Pikant ist dabei, dass Daryl noch nicht ahnt, dass es Rick ist, dem sie nun auf den Fersen sind und in Terminus vermuten. Von Terminus hält Joe im Übrigen nichts, er traut der Sache nicht beziehungsweise glaubt, dass die Versprechen, die auf den Schilden gemacht werden, für solche Menschen, wie sie nicht gelten. Daryl zeigt erste Anzeichen davon, dass er bei der Gruppe angekommen ist, als er tatsächlich etwas Gemüse für sich beansprucht. Man kann davon ausgehen, dass es im Finale zu einer Begegnung der beiden Parteien kommen wird.
Eine offene Frage der Episode bleibt: Wo ist eigentlich Beth (Emily Kinney)?
Spiel, Spaß und Überraschung bei Rick, Carl und Michonne
Ganz kurz sehen wir in dieser Episode auch Rick (Andrew Lincoln), Carl (Chandler Riggs) und Michonne (Danai Gurira), die sich auf den Gleisen befinden. Rick sorgt sich um die Vorräte, was Michonne und Carl wenig tangiert. Denn die beiden sind wieder im Spiele- und Wettmodus. Die Frage, wer länger auf den Gleisen balancieren kann, ist hier essentiell für den Gewinn eines Schokoriegels nach Wahl. Carl gewinnt (oder Michonne lässt ihn gewinnen), sie teilen sich den Preis und auch Rick scheint etwas lockerer geworden zu sein. Aber wie lange noch?
Glenn ist blind vor Liebe
Wenn es um die Wiedervereinigung mit Maggie (Lauren Cohan) geht, dann handelt Glenn (Steven Yeun) nicht unbedingt rational. Beim ersten Hinweis, der von ihr hinterlassen wurde, rennt er blindlings los - und scheint zu vergessen, in was für einer Welt er lebt. Dabei ist er Teil einer der größeren Gruppen von Überlebenden, einer Gruppe, die ihm mit Abraham (Michael Cudlitz), Eugene (Josh McDermitt), Rosita (Christian Serratos) sowie Tara (Alanna Masterson) eigentlich bei seiner Mission helfen könnte. Das Kommando hat aber immer noch Abraham, dessen Mission der Schutz Eugenes ist, weswegen er auch versucht, Glenn zu bremsen. Beim Zwischenstopp streuen die Walking-Dead-Macher einen der altbekannten Stolperwalker ein, der von einem Hochsitz runterfällt, wobei Tara zum Schutz Eugenes von Abraham weggeschubst wird und sich am Bein verletzt. Allerdings hat Glenn nur seine Frau im Kopf und will sich davon nicht aufhalten lassen - auch wenn Rosita ihm den Kopf wäscht, weil Tara aus Schuldgefühlen alles für Glenn tun würde. Als Kompromiss bietet er an, seine Schutzkleidung an Eugene abzutreten, wenn die Gruppe dafür ihren Weg fortsetzt.
Bald erreichen sie einen Tunnel, für Abraham ein zu großes Risiko, weswegen sich die Gruppe spaltet. Glenn und Tara gehen durch den Tunnel und das Trio versucht, einen fahrbaren Untersatz zu finden, um das dunkle Hindernis zu umfahren. Vor der Trennung plappert Eugene noch seine Gedanken frei heraus und gesteht Tara, dass er verliebt in sie ist. Sie aber teilt ihm mit, dass sie auf Frauen steht. Dass er das ja wusste, wirkt wenig glaubwürdig, ebenso wie seine Masche, dass er der Schlauste von allen sei.
Tunnelblick
Glenn und Tara suchen sich einen, zumindest auf den ersten Blick, unpassenden Moment aus, um über die Vergangenheit zu sprechen. Allerdings ist es vielleicht auch das erste Mal, dass sie ungestört sprechen können. Ähnlich wie schon bei Daryl und Beth wird die Situation genutzt, um das Seelenleben Taras zu präsentieren. Die Quintessenz aus diesem Gespräch ist, dass sie eine der ersten war, die auf die plumpen Versuche des Governors reagiert hat, als er seinen Angriffsplan vorgetragen hat. Sie hat als erste Blut geleckt und Aggressionen geschürt, weswegen sie jetzt einen Schuldkomplex hat und Glenn jeden Wunsch von den Lippen abliest.
Im Tunnel stoßen die beiden auf im Geröll eingeklemmte Walker, die es auszuschalten gilt, ehe sie passieren können. Auf der anderen Seite befinden sich noch viel mehr Untote, darunter allerdings keine Maggie, wie Glenn beruhigt feststellt. Taras Bein steckt unter den Steinen fest. Statt sie jedoch im Stich zu lassen, bleibt Glenn bei ihr und nutzt seine letzten Kugeln, um einige Walker zu erledigen. Hier scheint der gute, alte Glenn durch, der sein Leben für andere aufs Spiel setzt; der Glenn, den man in der ersten Staffel gesehen hat, wie er einen wildfremden Rick den Weg gewiesen hat. Doch Rettung naht...
Trio mit vier Fäusten
Rosita, Eugene und Abraham sichern sich einen neuen fahrbaren Untersatz, und Eugene gelingt es, Rosita den Posten als Navigator abzuluchsen. Rosita hält Eugene für einen schlechten Navigator, doch er hat ohnehin andere Pläne. Er nutzt Abrahams Schläfchen aus, um Rosita, die am Steuer sitzt zum anderen Ende des Tunnels zu locken, wo Glenn und Tara nach seinen Kalkulationen bald ankommen müssten. Auch wenn Abraham darüber erbost ist, stellt sich das als der richtige Impuls heraus.

Als sich Glenns Kugeln dem Ende neigen, werden die beiden von einer Gruppe im Schatten gerettet, die noch einiges an Feuerkraft hat. Diese stellt sich als eine Fusion aus Abrahams Gruppe und Maggie, Bob (Larry Gilliard Jr.) und Sasha (Sonequa Martin), die endlich mal wieder erwähnt, dass sie ihren Bruder sucht, heraus. Es kommt zum lang vorbereiteten Wiedersehen der Liebenden und zur Teambesprechung. Abraham möchte seinen Weg nach Washington fortsetzen. Die anderen Gruppenmitglieder würden sich anschließen, allerdings ist auch Terminus eine reizvolle Variante, die manche gerne erkunden möchten. Ausschlaggebend sind allerdings Eugenes Worte, denen Abraham wie immer folge leistet. Die Gruppe hat bereits acht Mitglieder verloren und ist im Moment zu weit vom eigentlich Ziel entfernt, und es wäre nur ein Tagesmarsch nach „Terminus“, wo man eventuell Vorräte aufstocken und kurz verschnaufen könnte. Also entscheidet man sich, geschlossen dort hinzugehen und im Anschluss nach Washington aufzubrechen.
Maggie verspricht Glenn unterdessen, dass sie nichts mehr trennen kann und dass Glenn ihr Polaroid nicht mehr brauchen wird. Zur Feier des Tages wird es dann, nach kurzen Einwänden von Glenn, verbrannt. Ob das vielleicht nicht etwas voreilig war?
Those who arrive...
Der erste Blick auf Terminus, macht einen guten Eindruck. Ein großes Areal, geschützt durch Zäune und stabile Türen, das eigene Essen wird angebaut und die Neuankömmlinge mit Postern begrüßt. Das wahre Leben tobt hier allerdings nicht. Aber Menschen gibt es kaum. Einzig Mary (Denise Crosby) ist da, um die Gruppe zu begrüßen. Ist das eine bloße Vorsichtsmaßnahme oder lauert hier etwas im Verborgenen? Geht von den Bewohnern eine Gefahr aus? Wird eine aus den Comics bekannte Storyline übernommen? (Welche, soll hier nicht verraten werden, sie fand dort aber nach der Gefängnis-Ära statt). Und auch wenn Terminus das versprochene Paradies sein sollte, machen Rick und Co. sowie Daryls neue Begleiter das Refugium kaputt? Viele Fragen. Viele Möglichkeiten. Hoffentlich bringt das Staffelfinale zumindest einige Antworten.
Fazit
Man muss sich nach den letzten Episoden fast wieder ein wenig umgewöhnen, an eine Folge, in der so viele Figuren vorkommen. Darum wirkt es schon fast hektisch und überladen, was hier passiert. Dennoch wird der Grundstein für ein vielversprechendes Finale gelegt, was aber bei The Walking Dead gerne auch mal etwas hinter den Erwartungen bleiben kann (siehe das Finale der dritten Staffel). Nun, da die Figuren alle unvermeidlich auf den selben Ort zusteuern, könnte man sicherlich die Gelegenheit nutzen, um neue Pläne zu machen und alte Missionen zu diskutieren. Inwiefern kann man Eugene etwa trauen? Wie harmoniert Abrahams Crew mit dem Rest?
Jedenfalls ist es schön, Glenn und Maggie wieder vereint zu sehen, obwohl man sich nun noch mehr um sie fürchten muss. Auch Rick und Co. scheinen potentiell in großer Gefahr zu schweben, und Daryl wurde in dieser Staffel so verletzlich dargestellt und in den Fokus gerückt, dass man sich (fast) damit abfinden könnte, wenn seien Figur geopfert würde. Ob die Macher allerdings die Fanbase dermaßen schocken und vor den Kopf stoßen möchten? Mindestens ein Hauptdarstellertod scheint unausweichlich. Durch das Figuren-Showcase der Halbstaffel ist kaum einer nicht in Gefahr. Auch Carol könnt sich durch einen Märtyrertod rehabilitieren und Buße zeigen, oder ein Bob geopfert werden, um der These zu widersprechen, dass er immer der letzte Überlebende ist. Am sichersten scheinen Carl, Rick und Michonne zu sein, aber vielleicht trügt der Schein?
Und wo steckt eigentlich Beth?
Videovorschau auf die Episode A (4x16) der US-Serie The Walking Dead:
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 24. März 2014(The Walking Dead 4x15)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 4x15
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