The Walking Dead 4x05

Internment die inzwischen fünfte Episode der vierten Staffel von The Walking Dead ist eine weitere Folge, die in der ersten Hälfte sehr gemächlich die Figuren auf ihrem Leidensweg beobachtet, ehe im letzten Drittel das Chaos ausbricht - und das an gleich zwei Fronten.
Während Rick (Andrew Lincoln) nach seiner Essens- und Medikamentensuche ohne Carol (Melissa McBride) den Weg zurück ins Gefängnis antritt, sieht man, wie sehr die Kranken inzwischen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Es sind künstliche Beatmungen nötig und für manche - wie den lieben Dr. S. ((Sunkrish Bala) - scheint inzwischen sämtliche Hoffnung verloren zu sein. Darum ermahnt er auch Hershel (Scott Wilson), für den schlimmsten Fall vorbereitet zu sein. Nach Patricks Amoklauf hat der Arzt vorgesorgt und Waffen und Munition in seiner Zelle verstaut. Außerdem solle Hershel die Türen nachts verschließen. Gut mitgedacht, Dr. S.! Was in der Theorie so leicht klingt, erweist sich in der Praxis und bei so vielen Notleidenden allerdings als ziemlich schwierig.
Hershels Problem: die Verstorbenen vor den Augen der Lebenden endgültig aus der Welt zu schaffen. So kommt es, dass er stets eine Krankentrage bemüht, um einen Toten wegzuschaffen, auch wenn das Risiko einer überraschenden Zombie-Wiedergeburt so erhöht wird. Glenn (Steven Yeun) und Sasha (Sonequa Martin) tun alles, um Hershel zu unterstützen, obwohl sie selbst erkrankt sind. Als Lizzie zufällig sieht, wie einer der Toten (deren Namen tatsächlich zweitrangig sind, weil sie nur zu den Neuankömmlingen gehören) weggeschafft wird, versucht Hershel sie mit einem „Job“ abzulenken. Sie soll „Tom Sawyer“ lesen, am besten in einem Rutsch, auch wenn sie das wegen des bald fehlenden Tageslichts nicht mehr schaffen wird, soll sie das zumindest beschäftigten.
Auch Maggie (Lauren Cohan) wird die vollständige Wahrheit verschwiegen. Hershel dehnt die Fakten nämlich ein bisschen, als er ihr auftischt, ihr Freund sei zu erschöpft, um sie zu sehen. Dabei will Glenn nur verhindern, dass seine Freundin der Krankheit direkt ausgesetzt wird. Sähe sie seinen Zustand, ließe sie sich schwerlich abschütteln. Also kümmert sich Maggie draußen als Einzige um die immer größer werdende Zombie-Ansammlung am Zaun. Eine sehr viel kleinere Gruppe drohte vor kurzem schon den Zaun zum Einsturz zu bringen, und nun ist die Zahl der Untoten sehr viel größer. Zum Glück kehrt Rick rechtzeitig zurück, der sich zuerst nach dem Wohl seiner Kinder erkundigt und dann nach den („wichtigen“) Kranken fragt. Zunächst weicht er Maggies direkter Frage nach Carols Verbleib aus, packt dann aber die Wahrheit aus und nennt auch seine Gründe: der Schutz vor Tyreese (Chad Coleman) und seine eigenen Bedenken, was ihren Platz in der Gruppe angeht. Maggie akzeptiert die Begründung, denkt aber auch darüber nach, ob sie diese schwere Entscheidung hätte fällen können. Dennoch soll sie zunächst niemandem davon erzählen. Und auch Rick weiht vorerst nur Hershel ein.
Ricks nächster Zwischenstopp ist bei Carl (Chandler Riggs), der seinem Vater berichtet, dass er die Waffe nicht einsetzen musste. Rick ist übervorsichtig, bleibt zunächst auf Distanz und wirft Carl einige gesammelte Nahrungsmittel zu. Doch Carl bemerkt ganz richtig, dass er in der unmittelbaren Nähe von einigen Seuchenherden (etwa Patrick) war und dabei nicht erkrankt ist. Rick blockt vorerst ab. Gleichzeitig hat Carl aber ebenfalls recht, dass er ihn nicht ewig mit Samthandschuhen anfassen kann. Die Gefahr und das Chaos lassen sich nun mal schwer vermeiden in dieser Welt.
Hershels Hoffnung gegen die traurige Realität
Als gläubiger Mann zögert Hershel sehr lange, bis er die Toten für immer töten kann. Das Bewahren seiner Menschlichkeit ist gleichzeitig sympathisch und töricht, denn genau das lässt ihn schnell unvorsichtig werden. Für Hershel ist jedes einzelne Leben kostbar - was natürlich stimmt, aber ihn und den Rest der Kranken in Gefahr bringt. Als er Sasha ohnmächtig vorfindet, kümmert er sich sofort um sie, statt seinen Rundgang und das Schließen der Zellentüren fortzusetzen. So entgeht ihm, dass ein Patient verstorben ist und zum Walker auferstehen konnte. Und auch im Fall des Männer-Duos lässt er sich abwimmeln, obwohl klar sein sollte, dass es dem einen Mann unmöglich gut gehen kann, wenn der andere schon so verdächtig abblockt. Da hatte jemand Abschiedsängste, was die anschließende Kettenreaktion noch einmal viel gefährlicher macht. Daneben ist nämlich auch der künstlich Beatmete am Ende seiner Kräfte, und Glenn kann in seinem Zustand nicht einmal mehr um Hilfe rufen, ohne fast zu ersticken. So kommt es wie es kommen muss: Ein Großteil der Patienten wird verwandelt, gebissen oder angeschossen.
Dazu gehören das Männer-Duo, eine blonde Frau und der arme Dr. S. Während Lizzie immerhin einen Walker aus Glenns Nähe weglocken kann, versucht Maggie zu Hilfe zu eilen, kommt aber anfangs nicht durch. Lizzie stolpert und muss derweil von Hershel gerettet werden, der den künstlich Beatmeten über das Geländer in ein Auffangnetz stößt. Mit der Hilfe von Dr. S.' Waffenlager kann Hershel einige Walker ausschalten, ehe er sich der Rettung von Glenn widmen kann. Doch dazu bräuchte er den Beatmungsbeutel, der immer noch am Netzwalker steckt. Die inzwischen zum Chaosherd vorgedrungene Maggie, kann den Walker ausschalten und gemeinsam gelingt es, Glenn künstlich zu beatmen und zu stabilisieren.
Walker 1, Zaun 0
Da es zuletzt immer wieder sprichwörtliche Feuer gab, die es zu Löschen galt, hatte die Gruppe keine Zeit, den Zaun anständig zu verstärken. Während Maggie zu den Kranken eilt, bittet Rick endlich Carl zu Hilfe, was in einem tollen Team-Up mündet. Zunächst versuchen sie mit Baumstämmen dem Zaun mehr Stabilität zu verleihen, doch die Gruppenstärke der Untoten ist viel zu hoch. Da hilft nur eins: Laufen. Rick denkt kurz darüber nach, einen Truck vor das Loch zu stellen. Der Plan wird aber bald verworfen und eine offensivere Strategie gefahren. Mit Schnellfeuerwaffen stellen sich Vater und Sohn Grimes der Herde entgegen und schießen alles in den Kopf, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Es macht Rick sicherlich fast schon etwas Angst, wie effizient sein Sohnemann nach einer kurzen Einweisung ins kleine Maschinengewehr 1x1 ist. Ohne große Angst walzt Carl die Herde nieder und kann seinem Vater sogar noch ein Magazin zuwerfen, als dieser seines leer geschossen hat. Als die größte Gefahr gebannt ist, kümmern sie sich noch um einige Walker, die noch Lebenszeichen zeigen.
Endlich kommt auch das Antibiotika-Quartett wieder und mit ihm kehrt auch wieder Hoffnung ein. Tyreeses erste Sorge gilt seiner Schwester, während Bob (Larry Gilliard Jr.) Hershel bei der Stabilisierung von Glenn hilft, Michonne (Danai Gurira) die Leichen aus dem Weg schafft und Daryl (Norman Reedus) nach Carol fragt. Da erwartet ihn wohl bald ein interessantes Gespräch mit Rick.
Auch für Hershel bedeutet die Rückkehr der Gruppe eine Entlastung, auch wenn er Daryl gegenüber stark tut, haben ihn die Ereignisse sehr mitgenommen. Er sucht Trost in der Bibel und lässt seinen Tränen freien Lauf. Später schnappt er etwas frische Luft und will gemeinsam mit Michonne auf eine kleine Tour gehen.
Während Rick und Carl sich eine Erbsenschote teilen, sieht man ganz in der Nähe eine bekannte Figur: Der Governor (David Morrissey) ist näher als gedacht.
Krankheit gebannt, neue Gefahr in Sicht
Hoffentlich ist damit die Krankheits-Storyline langsam in ihren Endzügen. Es ist durchaus interessant, dass die Gruppe mit einer solchen Gefahr konfrontiert wurde. Nun könnte man sich allerdings auch wieder anderen Dingen widmen. Der Frage etwa, ob man im Gefängnis bleibt. Und wenn ja: Welche Schritte man unternimmt, um es sicherer zu machen. Gerade klafft im Zaun eine gewaltige Lücke, die nicht nur durch etwas Flicken wieder repariert werden kann. Der Ansatz mit den Fallen, die bei Morgan abgeguckt wurden, ist richtig, aber nicht konsequent bis ans Ende gedacht. Stellt man einige spitze Pfahlbauten an den Zaun ran, würden sich die Walker vielleicht dort gar nicht versammeln. Und wahrscheinlich würden sie sich dort überhaupt nicht versammeln, wenn nicht jemand mit Ratten nachgeholfen hätte. Vielleicht der Governor? Am Sicherheitskonzept muss also drastisch gefeilt werden.
Auch Carols Morde und Ricks Exil-Entscheidung müssen noch zur Sprache kommen. Ob Daryl also auch für eine gerechte Bestrafung ist, wenn er erfährt, was Carol getan hat, oder er nach ihr suchen wird, muss sich zeigen. Ebenso, wie Tyreese reagiert und ob Lizzie von der Sache Wind bekommt.
Der große Gewinner der Episode ist Hershel. Sein Führungsstil rangiert irgendwo zwischen Carol und Rick. Ihm sind die Menschen das wichtigste - darum auch die Hemmung sie endgültig zu töten und der Kampf für jeden Einzelnen - aber er kann die harten Entscheidungen nicht mit seinem Gewissen vereinbaren und somit nicht für das Wohl der Gesamtgruppe sorgen. Immerhin zeigt Hershel, dass man trotz aller Schicksalschläge nicht seine Menschlichkeit verlieren muss, sondern bis zum Schluss kämpfen kann und sollte.
Ansonsten reiht sich diese Episode ein in das Erzähltempo, das von Showrunner Scott Gimple bislang vorgelegt wurde. Langsam aber sicher werden Erinnerungen wach an das herausgenommene Tempo, das den Anfang der zweiten Staffel ausgezeichnet hat. Hoffentlich trügt der Schein. Zwar mag es eine noble Absicht sein, mehr Wert auf die Figureninteraktionen und Charaktermomente zu legen, aber so ganz hat man den Groove noch immer nicht gefunden. Viel zu oft sprechen die Figuren miteinander, ohne so richtig miteinander zu sprechen. Über manche Figuren wie Tyreese, Sasha und Bob wissen wir viel zu wenig, um sie richtig ins Herz zu schließen. Ähnlich verhält es sich bei Michonne, die in der dritten Staffel zu geheimnisvoll daher kam und in der vierten Staffel zwar offener gezeigt wird, aber warum genau, weiß man auch nicht.

Glenn und Maggie geraten in dieser Episode, wie schon in der Vorgängerstaffel, in Gefahr. Da man die Figuren auch kennt, hat man Angst um sie. Aber gleichzeitig bleibt ein Fortschritt in der Charakterentwicklung aus. Natürlich sorgt sich Maggie um die beiden Männer in ihrem Leben und riskiert im Endeffekt auch ihr eigenes Leben. Dennoch habe ich das Gefühl, dass irgendetwas fehlt. Da bin ich etwas schizophren: Auf der einen Seite fordere ich den Mut der Autoren, eine wichtige Figur in Mitleidenschaft zu ziehen oder gar sterben zu lassen. Auf der anderen Seite möchte ich dann doch nicht, dass es Glenn trifft, der hier so kurz vor dem Tod war wie wahrscheinlich noch nie zuvor. Es klappt also, mich mitfiebern zu lassen. Trotzdem fehlt das gewisse Etwas, um mich vollends zu überzeugen. Gerne denke ich an die erste Hälfte der dritten Staffel zurück, die fast Woche für Woche große WTF-Momente bot. Man denke nur an die Einführung Michonnes, die ursprünglichen Gefängnisinsassen, die Walker-Arena, Penny, das Kopf-Aquarium, Judiths Geburt, Merles Rückkehr und viel mehr. Die großen Momente fehlen mir in dieser Staffel bisher. Aber es sind nicht nur die lauten Momente. Auch die leisen Töne, etwa als Daryl Walker-Merle sah, Maggies und Glenns Entführung oder die Morgan-Episode konnten mich mehr überzeugen.
Das Team-Up zwischen Rick und Carl hingegen fand ich äußerst befriedigend. Vielleicht auch, weil es so lange hinausgezögert wurde. Als Maggie Rick sagte, dass er das Flicken des Zauns nicht alleine schaffen kann, dachte ich mir: 'Fuck Yeah! Er holt Carl!' Wen auch aber sonst? Die Hälfte der Gruppe ist weg, krank oder kümmert sich um Kranke. Eigentlich wäre das der ideale Zeitpunkt für den Angriff des Governors gewesen. Ohne die Kämpfer der Gruppe und mit einer stark dezimierten Gruppenstärke hätte das wohl zu einer empfindlichen Niederlage geführt. Aber auch mit den Kriegern sieht es - wegen des unter der Oberfläche brodelnden Konflikts - fast so aus, als könne man viel Chaos stiften. Tyreese gegen Rick (Thema Carol) und Daryl gegen Bob (Thema Alkohol) sind zwei Konfliktherde, die am köcheln sind. Mal schauen, was in diese Richtung noch kommen wird.
Fazit
Auch die Episode Internment kommt für mich nicht über leicht überdurchschnittliches Mittelmaß hinaus. Vielmehr kriegt man als Zuschauer langsam Gefängnis- und Krankheitslagerkoller und freut sich darauf, wenn es mal an die frische Luft geht. Einige in der Luft schwebende Konflikte sind vielversprechend, sollten aber bald endlich auch einmal eskalieren oder zumindest adressiert werden. Auch am Tempo könnte wieder etwas mehr geschraubt werden, wenn man nicht die Fehler der zweiten Staffel wiederholen möchte.
Videovorschau auf die Episode Live Bait(4x06) der US-Serie The Walking Dead:
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 11. November 2013The Walking Dead 4x05 Trailer
(The Walking Dead 4x05)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 4x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?