The Walking Dead 4x04

Während die Krankheit weiter um sich greift und Daryls Gruppe durch die gewaltige Zombie-Herde einen ganzen Tag verloren hat, beschließt Rick (Andrew Lincoln), gemeinsam mit Carol (Melissa McBride) auf einen eigenen kleinen Ausflug zu gehen. Offiziell lautet die Begründung dafür, dass die Lebensmittel in Zellblock D unbrauchbar geworden seien und man Hershel behilflich sein möchte, schnell einige Medikamente zu besorgen, die vielleicht die Symptome lindern könnten. Doch Ricks Ausflug hat auch noch einen weiteren Zweck, der sich allerdings erst zum Episodenende offenbart - und doch überraschend kommt.
I'm a survivor!
Bereits früh in der Episode liefern die Autoren eine recht starke, wenn auch expositionsgeladene Szene mit Carol und Lizzie (Brighton Sharbio). In Hinblick auf das Episodenende wirkt es fast wie eine Abschiedsszene. Carol fasst noch einmal einige wichtige Überlebenslektionen zusammen, während Lizzie behauptet, stark zu sein. Das junge Mädchen kann die Veränderung, die nach dem Tod in dieser Welt eintreffen, nicht so recht verstehen und nähert sich dem Zustandswechsel etwas unbeholfen mit der eigenen Pubertät an. Beim Gespräch rutscht Lizzie ein „mom“ statt „ma'am“ heraus, auf das Carol fast ein wenig allergisch reagiert und sie bittet, das zu unterlassen. Interessant ist, dass Carol später in der Episode die beiden Geschwister als so etwas wie ihre Kinder bezeichnet.
Gemeinsam mit Rick macht sie sich also auf zu einem Trip, der Erinnerungen weckt an den Abschied eines Familienhundes in so manch anderen fiktionellen Werken, wo es dann heißt: "Balto wird ab sofort bei unseren Verwandten auf der Farm wohnen." Bisher weiß eben nur Rick, dass Carol Karen und David umgebracht hat, bevor die beiden zu einer ähnlichen Gefahr wie Patrick werden konnten. Er scheint Carol auf dem Ausflug zu evaluieren und ständig darüber nachzudenken, wie er mit ihr verfahren sollte.
Das Problem dabei ist: Carols Handlungen sind durchaus nachvollziehbar. Sie hat zum Wohle der Gruppe gehandelt, wenngleich auch etwas voreilig. Sie hat gesehen, was ein einziger kranker Walker anrichten kann (nämlich 12 Tote) und wollte das Risiko minimieren. Für Rick jedoch stellt sich die Frage: War das Risiko schon gegeben oder war das Handeln vorschnell? Erschwerend und etwas scheinheilig kommt hinzu, dass Karen eben die Freundin von Tyreese war und nicht einfach irgendein Fremder.
Bald treffen Rick und Carol im ersten Haus, das sie durchsuchen, nicht nur einen Zombie, sondern auch ein junges Survivor-Pärchen, das von der eigenen Gruppe getrennt wurde und sich seitdem allein rumschlägt. Der junge Mann, Sam, hat eine ausgekugelte Schulter, die Frau eine Beinverletzung, die nie richtig verheilen konnte. Carol zeigt ihre nützliche Seite und renkt die Schulter des Mannes wieder ein. Nachdem sie von sich und ihrer Geschichte erzählt haben, stellt Rick seine drei Fragen und zögert ein wenig ihnen von dem Gefängnis zu erzählen. Zum einen weil es eben zur Zeit alles andere als sicher ist und zum anderen weil Ricks zögerliche, alte Seite wieder zum Vorschein kommt. Die enthusiastischen jungen Überlebenden sind glücklich über die Aussicht auf ein neues Zuhause und eine neue Gruppe und sind bereit, vorher mit anzupacken, aus dem naheliegenden Gewächshaus Nahrungsmittel und Medikamente zu beschaffen. Rick stattet sie mit einer Uhr und Schusswaffen aus - obwohl sie selbst gestehen, dass sie damit nicht besonders effektiv sind -, damit sie einen Warnschuss abgeben können, sollten sie in Gefahr geraten. In zwei Stunden sollen sie sich wieder am Treffpunkt einfinden, um zum Gefängnis zurückzufahren.
Daryl und sein Club der gebrochenen Seelen
Daryl (Norman Reedus) und Michonne (Danai Gurira) scheinen in ihrer Vierergruppe, die durch Tyreese (Chad Coleman) und Bob Stookey (Larry Gilliard Jr.) komplettiert wird, die ausgeglichensten zu sein. Während Tyreese wiederholt demonstriert, wie lebensmüde und apathisch er nach dem Tod Karens - und wegen seiner infizierten Schwester Sasha - ist, gibt sich Bob ebenfalls nicht unbedingt als die Wunschbegleitung für so einen Ausflug zu erkennen.
Gegenüber Daryl gesteht Bob ein, sich für den Vorfall im Supermarkt verantwortlich zu fühlen, da es seine Aktion mit dem Alkoholregal war, die den Deckeneinsturz und Zacks Tod verursachte. Außerdem hat Bob in der Vergangenheit bereits viel durchgemacht: In gleich zwei Gruppen war er jeweils der last man standing, also der letzte Überlebende. Diesen Umstand hat er mit der Flucht in den Alkoholismus zu kompensieren versucht. Fast wäre es deswegen damals auch einfach weitergelaufen, als er vor kurzem auf Daryl getroffen ist. Nun ist er immerhin durch seine medizinische Erfahrung nützlich für diese Gruppe.
Doch zunächst muss die Gruppe sich einen neuen fahrbaren Untersatz suchen. Zwar finden sie schnell ein Auto, dessen Batterie hat jedoch den Geist aufgegeben. Auch Tyreese bereitet weiterhin Sorgen. Nach seinem Tobsuchtsanfall gegen die Zombies ist er immer noch wütend und stur und bringt die Gruppe in eine Bredouille, als sie einen verlassenen Laden von Gestrüpp befreien und dabei einige Walker auf den Plan rufen. Während Michonne und Daryl auf der Höhe sind, scheint Tyreese es darauf anlegen zu wollen, dass er dahingerafft wird. Bob beendet das - unnötig laut - mit einem Kopfschuss. Später nimmt sich Michonne Tyreese zur Brust. Sie meint, Wut mache ihn dumm, und das könne ihn töten. In diesem Austausch kommt auch Michonnes Suche nach dem Governor zur Sprache. Zwar sinnt sie weiterhin auf Rache und würde ihn ohne mit der Wimper zu zucken mit ihrem Schwert zerfetzen, wütend sei sie allerdings nicht. So recht weiß sie auch nicht, warum sie weiter nach ihm sucht.
Schließlich gelingt es der Gruppe, das Auto wieder zum Laufen zu bringen und zum Veterinärmedizin-College vorzudringen. Bevor er irgendetwas anderes macht, sieht Bob eine Flasche Alkohol, die er sich nicht entgehen lassen kann. Ansonsten stellt sich der Ort als genau richtig heraus. Hershels Liste wird abgearbeitet und der Rückweg angetreten. Allerdings - wie sollte es auch anders sein - kommt dann eine Walkerattacke. Bob stellt fest, dass es sich bei den Walkern um Infizierte (was man an ihrer tränenunterlaufenden Gesichtspartie sehen kann) handelt, deren Blutspritzer bereits eine Gefahr sein könnten. Also muss ein anderer Weg her. Nach einigem Suchen gelingt es Tyreese, mit einem Feuerlöscher ein Fenster einzuschmeißen. Beim Satz aus dem Fenster fällt Bobs Tasche fast den Walkern in die Hände. Mit aller Mühe klammert er sich an ihr fest, obwohl andere Gruppenmitglieder rufen, er solle sie loslassen. Der Grund dafür liegt auf der Hand: der Alkohol, den er vorher eingesteckt hat. Daryl steht kurz davor, die Flasche wegzuwerfen. Das bringt Bob dazu, sein verwirrtes wahres Gesicht zu zeigen. Er steht kurz davor seine Waffe auf Daryl zu richten. Daryl stellt sich ihm sehr offensiv entgegen, nimmt ihm die Pistole ab und droht, ihn fertig zu machen, sollte noch jemand wegen seiner Sucht zu Schaden kommen. Hat Daryl bei seinem ersten Geständnis noch Verständnis aufgebracht, ist dieses nun aufgebraucht. Langsam scheint er es zu bereuen, ihn mitgenommen zu haben. Dennoch ist die Mission geglückt. Michonne scheint außerdem das Interesse an der Jagd auf den Governor verloren zu haben, solange es keine heißen Spuren gibt. Apropos Michonne: Flirtet sie tatsächlich offensiv mit Daryl? Wir werden sehen, ob sich da noch was ergibt.
Also geht es zurück zum Gefängnis, sofern es dort noch etwas zu heilen gibt. Denn die Autoren vermeiden es zum Episodenende die beiden Ausflugsgruppen an ihrem Ziel angekommen zu zeigen. Bringt die Medizin also die Rettung oder nicht?
You will survive out here
Die Geschichte um Rick und Carol ist noch nicht vorbei und hat auch noch einige Brisanz zu bieten. Zwischenzeitlich sehen Rick und Carol, dass das Mädchen zum Zombieopfer wurde. Nach dem Ablauf der Zweistundenfrist ist es an der Zeit, sich zu entscheiden. Die Rollen sind nun leicht vertauscht. Rick würde gerne noch etwas warten und hofft auf Sam. Carol spricht es aus: Es ist Zeit zu gehen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Sam noch lebt, allerdings nutzt es auch nichts, den Rückweg noch hinauszuzögern.
Vielleicht zögert Rick allerdings auch einfach eine andere Entscheidung hinaus, die ihn beschäftigt. Nämlich die über Carols Zukunft mit der Gruppe. Er ist der festen Überzeugung, dass ihre Tat falsch war und denkt über die Konsequenzen nach, wenn Tyreese und der Rest der Gruppe davon erfahren. Tyreese hätte Rick fast umgebracht, als er Karen fand, und das aus purer Emotion. Was würde er mit Carol machen? Was passiert, wenn die Krankheit im Gefängnis mittlerweile noch viel mehr Opfer gefordert hat? Was ist, wenn Carl und Judith betroffen wären? Rick kann Carol nicht mitnehmen. Er nimmt ihr allerdings auch nicht das Leben. Stattdessen setzt er sie aus. Vielleicht kann sie für eine andere Gruppe noch nützlich sein und anderswo neu anfangen. Er stattet sie mit einigen Nahrungsmitteln und dem Nötigsten, wie etwas Benzin und einem eigenem Auto, aus.
Carol ist hart getroffen und würde gerne Lizzie und Mika mitnehmen. Doch da die eine krank und die andere zehn Jahre alt ist, wird Rick das nicht zulassen. Er ist überzeugt, dass Carol inzwischen mehr als in der Lage ist, allein hier draußen zu überleben. Sie hat die Misshandlung durch den Mann überlebt, sie hat den Verlust Sophias und noch viel mehr überlebt. Aber: Ist es wirklich an Rick, das zu entscheiden? Damit setzt er sich direkt über eine mögliche Entscheidung des Rates hinweg. Er tut Carol zwar einen Gefallen, gleichzeitig setzt sie aber auch einer großen Gefahr aus. Nun ist sie zumindest nicht mehr der Seuche ausgesetzt, aber vorerst völlig auf sich allein gestellt. Nachdem sie Rick die Uhr ihres Ex schenkt, fährt sie also völlig allein davon.
Ja, die Carol, die wir in der vierten Staffel bisher zu sehen bekamen, ist ohne Frage eine stärkere Person als zu Anfang der Serie. Was passiert aber, wenn sie mit ihrem Auto in eine Walker-Herde gerät oder auf den Governor trifft? Ist das wirklich schon der Abschied von Carol oder werden wir sie bald wiedersehen? Vielleicht erlebt Carol fortan auch ihre eigenen Abenteuer, wie Andrea in der dritten Staffel. Weitere Fragen, die sich nun stellen: Wird Rick den Rest der Gruppe einweihen? Oder wird er sagen, dass es Carol beim Ausflug erwischt hat? Wenn ja, wie wird Daryl das aufnehmen? Was wird aus Lizzie und Mika?
Und wie genau unterscheidet sich Carols handeln von dem von Rick gegenüber Shane? Auch Rick hat in diesem Fall einen Menschen ermordet, den er als Gefahr für die Gruppe ausgemacht hat. Carol hat zwar zwei vermeintlich friedliche Kranke getötet, aber zuvor hat man ja sehen können, was passiert, wenn die Krankheit den Wirt umbringt.
Fazit

Die Episode Indifference macht deutlich, dass die Überlebenden mit einigen schwierigen Gruppenmitgliedern umgehen müssen. Manche davon sind tickende Zeitbomben. Wenn Bob etwa sein Alkohol wichtiger ist als das Wohl der Gruppe und Tyreese mit schweren Depressionen und einem Verlust zu kämpfen hat, während andere sich um erkrankte Verwandte sorgen, ist das nicht gut für die Gruppendynamik und Sicherheit. Ob die Medikamente Heilung versprechen, muss sich zeigen. Was ist beispielsweise, wenn beide Doktoren - also Doktor S. und Hershel - bereits unheilbar erkrankt sind? Könnte man sich dann auf Bob verlassen? Auch wie sich Ricks Handeln auf den Rest der Gruppe auswirkt, bleibt eine spannende Frage für die kommenden Episoden.
Insgesamt vielleicht keine Highlight-Episode, aber ein wichtiger Schritt für die Charakterentwicklung, besonders für Carol, Tyreese und Bob.
Videopromo zur Episode Internment (4x05) der US-Serie The Walking Dead: Verfasser: Adam Arndt am Montag, 4. November 2013The Walking Dead 4x04 Trailer
(The Walking Dead 4x04)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 4x04
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?