The Walking Dead 4x01

The Walking Dead ist zurück! Und mit der neuen Staffel - fast schon traditionell - ein neuer Showrunner. Scott M. Gimple, der einige der interessantesten Episoden der Serie geschrieben hat (darunter Clear oder die Episode, in der Sophia als Walker in Hershels Stall offenbart wurde), übernimmt das Ruder. Gimple gilt selbst als großer Fan der Comicvorlage und versprach im Vorfeld der vierten Staffel einen Greatest-Hits-Ansatz und mehr Fokus auf die Figuren.
Den Fokus auf die Figuren kann man in der Episode 30 Days without an Accident bereits erkennen. Allerdings muss man sich wohl zuerst an das wieder etwas zurückgenommen Erzähltempo gewöhnen, während die Autoren herausfinden müssen, wie man dem inzwischen so groß gewordenem Cast am besten gerecht wird.
Was ist neu in der vierten Walking-Dead-Staffel?
Die Antwort lautet: so einiges. Rick (Andrew Lincoln) ist nun ein Farmer, der sich um den Anbau von Nahrung, aber auch um Schweine, oder besser gesagt um das von Carl „Violet“ getaufte Schwein kümmert. Denn irgendwas stimmt nicht mit Violet. Ob sie nun krank ist oder vielleicht nur schwanger muss sich zeigen. Oder wollen die Autoren etwa der Frage nachgehen, ob Tiere auch zu Walker werden können?
Rick jedenfalls scheint die Anführerschaft niedergelegt zu haben, ebenso wie den Weg der Gewalt. Stattdessen kümmert er sich lieber um seine beiden Kinder Carl (Chandler Riggs) und Judith. Etwas, das er in der dritten Staffel im Zuge der Trauerbewältigung von Loris Tod sträflich vernachlässigt hatte. Spätestens Carls Mord an einem Jugendlichen aus der Gruppe des Governors dürfte ihm klargemacht haben, dass sein Sohn dem Vorbild folgt, was er ihm bietet. Also wird sich um Normalität bemüht. Carl liest Comics und wird aus den gefährlichen Jobs herausgehalten. Zu dem Versuch, Carl zur Normalität zurückzuführen, gehört auch, dass die Gemeinschaft nun wieder einige neue Kinder und Jugendliche in ihren Reihen hat. Besonders Brillenträger Patrick scheint gut mit Carl zu harmonieren.
Auch die anderen Neuen machen sich nützlich, etwa durch Dienst am Schutzzaun, wo wie am Fließband Walker per Kopfstich ausgeschaltet werden. Von der Begegnung mit Morgan hat man gelernt. Das Areal ist nun mit einigen spitzen Pfählen gesichert, in denen sich die Walker verfangen könnten. Des Weiteren scheint sich die Gruppe zurück in eine Zivilisation zu organisieren: Essensstationen, Ärzte, Geschichtsstunden und Selbstverteidigung für die Kleinsten wurden eingerichtet oder angeboten. Und statt eines alleinigen Anführers gibt es nun einen Rat, der laut Hershel (Scott Wilson) aus Daryl (Norman Reedus), Glenn, Carol (Melissa McBride) und Sasha (Sonequa Martin) besteht. Dieser sorgt sich um Ricks Sicherheit. Denn wenn dieser allein in den Wäldern herumstreift, verzichtet er - etwas leichtsinnig - darauf, seine Pistole mitzunehmen, und verlässt sich stattdessen nur auf sein Messer. Apropos Hershel: Dem Gruppenältesten hat man eine Fußprothese gebastelt oder organisiert. Er läuft nun ohne Krücken und ist in seinen Szenen extra so ins rechte Licht gesetzt, dass man seinen Ersatzfuß gut sehen kann.
Ansonsten ist Liebe in der Luft: Tyreese (Chad Coleman) hat eine neue Liebschaft, ähnlich wie Beth (Emily Kinney), die sich den etwa gleich alten Zach (Kyle Gallner) angelacht hat. Die bereits gefestigte Liebe zwischen Glenn (Steven Yeun) und Maggie (Lauren Cohan) wird hingegen auf die Probe gestellt. Die beiden sind an einem Punkt in ihrer Beziehung angekommen, wo man nicht mehr unbedingt ständig sein Leben riskieren möchte. Die Verlobung in der dritten Staffel hat die beiden eng zusammengeschweißt und nun scheint ein möglicher Baby-Alarm zu schlagen. Widerwillig geht Glenn mit auf die Scouttour nach Nahrungsmitteln, denkt aber insgeheim darüber nach, wie es wäre, in dieser Welt zum Vater zu werden.
Kurz bevor es losgeht, kommt auch Michonne (Danai Gurira) auf einem Pferd reitend zur Gruppe zurück. Zwar ohne eine Spur des Governors (David Morrissey), dafür aber mit frischen Comics für Carl, die sie selbst gern nach ihm lesen möchte. Die Gefahr, die vom Governor ausgeht, hat die Gruppe also nicht vergessen. Mit Daryl bespricht Michonne auch kurz, wo man noch nach dem unberechenbaren Widersacher suchen könnte. Michonne scheint sich - dem Empfang durch Rick und Carl nach zu urteilen - inzwischen besser in die Gruppe einfügt zu haben und kommt auch weitaus freundlicher und offener rüber. Von ihrer Ruhelosigkeit hat sie aber nichts eingebüßt: Sie möchte sich der Scoutgruppe sofort anschließen.

Das möchte auch der Neue im Bunde, Bob Stookey (Larry Gilliard Jr.). Seit einer Woche ist der ehemalige Militär-Sanitäter nun bei der Gruppe und möchte sich für die Gastfreundschaft und die Nahrungsversorgung revanchieren. Zwar hat Sasha bedenken bezüglich des Einzelgängers, doch wird dieser nach kurzer Diskussion mitgenommen. Wie sich herausstellt, soll sich diese Entscheidung noch rächen.
0 Days without an Accident
Die Scoutgruppe besteht aus Glenn, Daryl (weiterhin auf dem lauten und spritfressenden Motorrad), Tyreese (der lieber auf solche Touren geht, als am Zaun Zombies zu erledigen), Michonne, Bob und Zach. Das Ziel ist ein „Big Spot“-Laden: ein größeres Geschäft, das offenbar noch nicht geplündert wurde und kurzzeitig vom Militär gesichert worden war, ehe die Walkers die Überhand gewannen. Eigentlich ein guter Ort um die Vorräte aufzufüllen, wenn da nicht die Überraschung auf dem Dach und Bobs Leichtsinnigkeit wären. Wobei Leichtsinnigkeit vielleicht der falsche Begriff ist. Denn er kann ja nicht ahnen, dass ein Griff ins Weinregal dazu führt, dass dieses morsche Konstrukt einstürzt und die Dach-Walker in Aufruhr und Bewegung versetzt.
Die Autoren scheinen dem Zuschauer wenig subtil vermitteln zu wollen, dass Stookey ein Alkoholproblem hat, was ihm und der Gruppe nun zum Verhängnis wird. Denn nicht nur das Regal ist morsch und brüchig, sondern das gesamte Dach ist massiv einsturzgefährdet. Bald krachen die Walker - fast schon ein wenig unfreiwillig komisch - wie die Lemminge durch die Decke, zerplatzen hier und da, werden von den eigenen Gedärmen erdrosselt oder überstehen den Fall und bedrohen nun das Leben der Gruppe.
Da gerät fast schon in Vergessenheit, dass Stookey unter dem Regal eingeschlossen ist. Der Gruppe gelingt es in gewisser Weise, die Oberhand zu gewinnen und Bob zu befreien, allerdings erwischt es dann doch noch den armen Zach, der zuvor mindestens sechs Wochen lang versucht hat, herauszufinden, was Daryl vor der Zombie-Apocalypse gemacht hat. Nun wird es wohl nie erfahren und Beth ist wieder Single. Bevor der Laden in sich zusammenstürzt, gelingt dem Rest der Gruppe die Flucht. Doch ein besonders ausgiebiger Ausflug scheint das nicht gewesen zu sein. Zuvor gab es 30 Tage lang keinen nennenswerte Unfälle, und nun hat die Gruppe wieder ein Mitglied verloren.
Während Daryl Beth über den Verlust einweiht, den sie recht gefasst aufnimmt, und den Arbeitsplatzunfallzähler von neuem startet, scheint Tyreese aufgrund seiner neuen Liebe genug von solchen Ausflügen zu haben. Bei Maggie und Glenn hat sich die Schwangerschaftspanik in Luft ausgelöst. Während Maggie positiv in die Zukunft blickt und glaubt, auch in dieser schwierigen Welt ein Kind in die Welt setzen zu können, sieht Glenn das aufgrund der Ereignisse im Kaufhaus und wegen Loris Ableben etwas pessimistischer.

Rick, der einsame Wanderer aka die drei Fragen

Rick kann die Alleingänge nicht lassen. Im angrenzenden Wald trifft er auf eine ziemlich mitgenommen aussehende Frau, die mit ihrem Mann gerade auf gewesen Reisen war, bevor die Zombieplage angefangen hat. Sie bittet Rick, einen Tierkadaver in ihr Camp zu schaffen oder alternativ nach essen, mit dem Rick ihr auch dienen kann. Schnell nutzt sie die Chance und fragt nach Ricks Camp und der Möglichkeit, sie und ihren Ehemann dort aufzunehmen.
Rick scheint offen und durchaus vorsichtig vertrauensvoll zu sein, besteht jedoch darauf, mit dem Mann zu sprechen und ihm drei Fragen zu stellen. Zuvor sucht er die Frau noch auf Waffen ab, die ihm gefährlich werden könnten. Die Fremde ist eindeutig verwirrt, mitgenommen und am Ende ihrer Kräfte, weiht Rick jedoch in ihre Geschichte ein und verwickelt ihn in ein Gespräch. An ihrem Camp angekommen, stellt sich heraus, dass ihr Mann, dem sie das gemeinsamen Überleben zu verdanken hat, inzwischen selbst zu einem Walker wurde. Ob sie tatsächlich versuchen wollte Rick als Zombiefutter zu missbrauchen oder dies ein Hilferuf ihrerseits war, bleibt wohl offen. Doch zurechnungsfähig ist sie nicht mehr und beendet mit dem Messer, das Rick ihr nach dem filzen auf Waffen zurück gegeben hatte, vor dessen Augen ihr Leben.
Mit ihren letzten Atemzügen möchte sie die drei Fragen erfahren, die als Aufnahmeritual dienen. Diese lauten: Wie viele Walker haben Sie getötet? Wie viele Menschen haben Sie getötet? Und warum? Die Frau hat nur sich selbst getötet und wünscht sich, dass sie im Tod gemeinsam mit ihrem Lebenspartner umherstreifen kann. Vielleicht etwas untypisch für Rick, gewährt er ihr diesen Wunsch und kehrt zum Gefängnis zurück. Ob dieser Walker vielleicht noch einmal zurückkehrt und für die Gruppe zur Gefahr wird?
Klar ist, dass das Schicksal der Frau, die optisch einer gewissen Lori gar nicht mal so unähnlich sah, wieder einmal ein was-wäre-wenn-Szenario für Rick bereithält. Bis zu einem gewissen Punkt ähnelt ihr Schicksal dem des ehemaligen Polizisten stark. Ihr größter Fehler war es, sich als Einzelgänger durchschlagen zu wollen und sich nicht auf die Stärke einer Gruppe zu verlassen. Gleichzeitig hat sie auch einige Sünden aufgezählt, die Rick ebenfalls begangen hat. Etwa unterlassene Hilfeleistung (der Anhalter in Clear). Ähnlich wie Morgan - und kurzzeitig auch Rick selbst - hat sie dem Druck des Verlusts nicht standgehalten, was ihr den Verstand gekostet hat und im Endeffekt auch das eigene Leben. Nun stellt sich die Frage, ob und wie lange Rick es diesmal tatsächlich schafft, einen friedlichen Weg zu gehen oder ob er bald wieder zur Gewalt gezwungen wird.
Carl und die Messer und weitere interessante Aspekte
Auch wie sich Carl entwickeln wird, sollte spannend bleiben. Er fühlt sich zu alt für die von Carol angebotene Storytime, kommt dann aber zum Vorschein, wenn Carol den Kindern den Umgang mit Messern erklären möchte. Liest man in die Szene zuviel rein, wenn man leichte psychopathische Tendenzen bei Carl wahrnimmt?
Michonne hat derweil die Stadt Macon im Visier, wo sich der Governor eventuell aufhalten könnte. Freunde der brillanten Walking-Dead-Point-and-Click-Adventure von Telltale Games dürften diesen Ort durchaus bereits kennen. Ein netter kleiner Verweis.
Das Gastspiel von Patrick erweist sich als ein kurzes. Nach der Geschichtsstunde entschuldigt er sich wegen Unwohlseins. Zwar glaubt Carol, dass es sich um etwas Harmloses handelt, wie sich allerdings zum Ende der Episode herausstellt, leidet er an einer mysteriösen Krankheit, die ihn dahinrafft und als Walker auferstehen lässt. Ist das die bisher unbekannte Gefahr, von der die Autoren im Vorfeld sprachen? Greift nun neben den Zombies noch eine andere tödliche Seuche um?
Kritik

30 Days Without an Accident startet mit einigen vielversprechenden und interessanten Entwicklungen. Man sieht die Mühe des neuen Showrunners, sich stärker auf die interpersonellen Konflikte der Figuren abseits der Zombiebedrohung zu kümmern. Das klappt mal mehr und mal weniger. Es ist schön, wenn Beth mal eine eigene Story und Liebschaft bekommt, aber diese dann gleich nach dem ersten Kennenlernen dahinzuraffen, sorgt nicht dafür, dass dem Zuschauer der Tod besonders wichtig erscheint.
Auch Patrick wird vielleicht schon etwas zu früh aus dem Verkehr gezogen. Zugegeben, damit kommt eine Gefahr aus dem Inneren, mit der nach einer fast sorglosen und harmonischen Periode kaum einer der Gefängnisinsassen rechnen wird, allerdings erscheint die Figur so wie simples Kanonenfutter.
Dazu kommt, dass die große Zombieszene der Episode beim Rezensenten statt für Angst und Schrecken eher für ungläubiges Staunen und unfreiwilliges Lachen gesorgt hat. Im Prinzip ist das dargebotene Set-Piece mit dem Supermarkt von der Größe her beeindruckend. Aber da auch hier nur neue Castmitglieder so richtig im Gefahrenzentrum standen und die Walker fast alle von selbst explodierten, blieb die Spannung auf der Strecke.
Die Handlung um Rick und die verwirrte Frau wollte ebenfalls nicht so richtig an Fahrt aufnehmen und ist außerdem auch eine Wiederholung von einem bereits mehrfach behandelten Konflikt. Nämlich Rick einen Spiegel vorzuhalten, der ihn warnt, bloß nicht die eigene Menschlichkeit zu verlieren. Wir haben es langsam begriffen.
Es wurden zwar alle wichtigen Figuren der Gefängnisgruppe mit kurzen Szenen gewürdigt, aber manchmal wirkte das Ganze so, als würde man nur eine Checkliste abarbeiten.
Auf der Strecke bleibt durch den erneuten Zeitsprung auch der Umgang mit den Verlusten. Allen voran Andrea und Merle. Indirekt sind die Veränderungen natürlich durch die Gruppendynamik und den Aufbau der Gemeinschaft sichtbar - und auch Michonne scheint weiterhin vom Verlust von Andrea angetrieben zu sein, aber ansonsten verschweigt diese Episode diese für einige Gruppenmitglieder herben Verluste ohne jegliche direkte Würdigung.
Fazit
Scott M. Gimples Einstand als Showrunner zeigt Potenzial, bleibt aber hinter den Erwartungen etwas zurück. Es ist verständlich, dass die Veränderung des Status-Quo zunächst aufgezeigt werden muss, und es ist auch erfreulich, dass so gut wie jede Figur zumindest kurz zu sehen ist. Dennoch fehlt ein wenig die Spannung oder das gewisse Etwas. Fokussiert man in den kommenden Episoden etwa immer nur einige Castmitglieder, kann sich das schnell wieder ändern. Immerhin sorgt der Episodenabschluss dafür, dass es mit Sicherheit nicht so lange ruhig bleiben wird, wie sich die Gruppe das wünschen würde. Gleichzeitig kann man davon ausgehen, dass sich die Anzahl der Überlebenden auch weiterhin reduzieren wird.
Videovorschau auf die Episode Infected der US-Serie „The Walking Dead“ und den Rest der ersten Hälfte der vierten Staffel: Verfasser: Adam Arndt am Montag, 14. Oktober 2013The Walking Dead 4x01 Trailer
(The Walking Dead 4x01)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 4x01
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