The Walking Dead 4x02

The Walking Dead 4x02

Es ist nicht schwer zu erraten, was in einer Episode mit dem Titel Infected umhergeht. Eine mysteriöse Seuche setzt der Gefängnisgruppe in The Walking Dead arg zu. Zahlreiche Verluste sind zu beklagen und es wird dringend nach einer Lösung gesucht.

Szenenfoto aus der Episode „Infected“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der Episode „Infected“ der US-Serie „The Walking Dead“ / (c) AMC

Nicht nur die Zombieplage bereitet den Figuren in der vierten Staffel von The Walking Dead Kopfzerbrechen. Nun geht auch eine tödliche Grippe um, die dazu geführt hat, dass der harmlose Patrick binnen Stunden zu einem Walker wurde und womöglich seine Erreger auch noch über die Trinkwasservorräte verbreitet hat.

Doch wie kam es dazu? Schaut man sich die erste Episode der vierten Staffel noch einmal an, ergibt sich eine mögliche Erklärung: Die Schweine sind schuld. Oder wie Rick (Andrew Lincoln) im Gespräch mit Carl (Chandler Riggs) anmerkt: die Menschen, die die Schweine krank gemacht haben. Einen Patient Zero gibt es vielleicht auch schon: Daryl (Norman Reedus). Der leckte sich nach dem Genuss des Schweins genüsslich jeden einzelnen Finger, ehe er Patrick seine Hand reichte und damit womöglich dem Tode weihte. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass Daryl immun gegen die Krankheit ist und nur als Überträger fungiert.

Tödliche Überraschung im Schlaf

Wie dem auch sei: Zombie-Patrick folgt seinen Zombieinstinkten und schlurft da hin, wo Geräusche ihn hinlocken. Da hat Tyreese' Freundin Karen (Melissa Ponzio) noch mal Glück, dass sie so leise ist beim Schlafengehen. Ein uns bisher unbekannter Gefängnisinsasse hat weniger Glück und wird im Schlaf überrascht. Ein Biss in die Kehle macht die Kettenreaktion perfekt und versetzt den Zellblock am frühen Morgen in Aufruhr. Ein Wort muss zu den Vorhängen vor den Zellen verloren werden: leichtsinnig. Nicht nur wenn der schlimmste Fall eintritt, sondern auch wenn eine andere Gefahr lauert, die in dieser Episode ebenfalls angedeutet wird.

Während die rastlose Michonne (Danai Gurira) mal wieder auf eine Tour aufbrechen möchte, um Comics, Nahrung oder alte M&Ms zu erobern, bricht laute Panik im Zellblock aus. So kann Rick auch die Frage seines Sohnemanns ignorieren, der gerne seine Pistole wieder hätte.

Dann muss alles ganz schnell gehen: Michonne reitet zurück, gerät aber tollpatschigerweise in Gefahr und muss durch Carl und Maggie (die Dienst auf dem Aussichtsturm hat) gerettet werden, während Rick den Hilferufen entgegeneilt. Jetzt gilt es, Schadensbegrenzung zu betreiben, möglichst viele Mitmenschen zu retten und die vereinzelten Zombies auszuschalten. Opfer sind jedoch unvermeidlich.

So wie der bärtiger Familienvater zweier Töchter, der, wie es zunächst scheint, nur am Arm gebissen wurde, so dass Carol (Melissa McBride) geistesgegenwärtig amputieren möchte. Doch bald sieht sie, dass er auch schwer am Hals erwischt wurde - es ist zu spät. In einer emotional starken Szenen verabschieden sich seine beiden Töchter von ihm. Die Große, Lizzie, will sogar versuchen, ihn mit einem Messer von seinem Leid zu befreien, wie Carol es ihnen beigebracht hat. Doch es gelingt nicht und Carol muss den schwierigen Job übernehmen.

Daryl, Rick und Glenn (Steven Yeun) finden derweil Patrick. Gemeinsam mit Hershel (Scott Wilson), Bob Stookey (Larry Gilliard Jr.) und, wie man seiner medizinischen Kompetenz nach vermuten kann, Dr. S wird über die Umstände des Todes gerätselt. Sie vermuten, dass es eine Art Maul-und-Klauen-Seuche oder Vogelgrippe in ihrer tödlichsten Form sein könnte.

Wie kann man aber auf so engem Raum verhindern, dass sich eine solche Grippe verbreitet? Der Regierungs-Rat - Carol, Daryl, Sasha (Sonequa Martin), Glenn, Hershel - einigt sich, dass man die Bewohner des betroffenen Zellblocks und die anderen zunächst von einander trennen sollte und ebenso verdächtig Hustende am besten in Cellblock A (dem Todestrakt) isoliert. Dort können sie etwa dem kleinen Baby Judith nicht gefährlich werden. Das sind für Karen und Tyreese (Chad Coleman) natürlich nicht so schöne Nachrichten, aber wahrlich nicht das schlimmste, was den beiden in dieser Episode widerfährt...

Totengräber Daryl

Daryl kümmert sich derweil um die Beerdigung der Toten. Zur Vorsicht trägt er Handschuhe und eine Atemmaske und bietet Rick an, bei der Problemlösung seinen Input zu geben. Daryl dürfte, seit Rick sich zurückgezogen und um das Schweinefarmen gekümmert hat, wohl die Anführerlücke geschlossen haben - zumindest auf Außentouren. Doch Rick weigert sich im Moment noch, die Bürde des Entscheidungsträgers zu übernehmen, um Carl nicht erneut zu vernachlässigen.

Eine Verschnaufpause ist kaum möglich. Neue Walker drängen an den Zaun. Wie der Episodenanfang gezeigt hat, werden sie von einer unbekannten Figur mit Ratten gefüttert werden und treten seitdem in noch größeren Mengen auf. Diesmal gefährdet die Menge der Untoten die Stabilität des Zauns. Es muss sofort beherzt eingegriffen werden. Rick, Daryl, Maggie, Glenn, Tyreese und Sasha, die außerdem die verfütterten Rattenüberreste entdeckt, tun ihr bestes, doch ein Einfall muss her. Die zumindest temporäre Rettung kommt von Rick, der Daryl bittet, den Truck zu holen.

Das Ende von Farmer Rick und das Comeback von Sherriff Grimes

Rick opfert seine Schweine, was aus mehreren Gründen interessant ist. Zum einen können die Walker durch die Schweinegeräusche und den Blutgeruch - Rick ritzt jedes Schwein an - weggelockt und der Zaunreihen wieder stabilisiert werden. Zum anderen wird ein möglicher Krankheitsherd eliminiert - auch wenn einem die Schweinchen Leid tun können. Das Opfer symbolisiert Ricks unvermeidlich Rückkehr als Verteidiger und Aggressor, der sich nicht länger vor seiner Verantwortung drücken kann. Im Anschluss reißt Rick außerdem den Stall ein und brennt die Überreste nieder - sein blutbesudeltes T-Shirt gleich mit. Des Weiteren gibt er nicht nur Carl seine Pistole zurück, sondern legt selbst den Revolver wieder an. Eindeutiger kann man kaum sagen, dass die Tage von Farmer-Rick gezählt sind. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte Patrick in ihrem Zellblock gelebt und wäre durch Baby Judiths Schreie angelockt worden...

Carl erzählt seinem Vater - trotz Carols mehrfacher Bitte, darüber stillschweigen zu bewahren -, dass Carol neben der Storytime auch einen Survivalkurs für die Kinder anbietet. Carl glaubt, dass das zwar eine richtige Maßnahme ist. Die Frage jedoch sei, ob man so etwas ohne die Kenntnisse der Eltern machen dürfe. Rick scheint sie nicht davon abhalten zu wollen, aber das letzte Wort ist darüber bestimmt noch nicht gesprochen.

Denn eigentlich ist das auch eine Frage, die Rick beschäftigen sollte. Er wollte zuletzt klar verhindern, dass aus dem eigenen Sohn ein Kindersoldat wird. Darum auch die Ablenkung als Farmer und der Versuch um Normalität mit Comics, Storytime und einem behütetem Leben. Doch eindeutig lässt sich diese Illusion nicht aufrecht erhalten. Carl hat gezeigt, dass auf ihn Verlass ist, etwa als er Michonne vor den Walkern rettet. Klar ist auch, dass den Neuankömmlingen beigebracht werden muss, wie man sich verteidigt. Und das gilt nicht nur für die Kinder. Die Vorstellung, im Schlaf von Walkern überrascht zu werden, ist wahrlich eine Horrorvorstellung, auf die man aber in einer solchen Welt besser vorbereitet sein sollte.

Tyreese und Karen in Love

Ein Motiv der ersten beiden Episoden scheint zu sein, die Kämpfer der Gruppe von ihrer verletzlicheren, gar weichen Seite zu zeigen. Tyreese wollte im Auftakt weder die Zombies am Zaun töten noch auf weitere Ausflüge gehen. Der Grund ist seine aufblühende Beziehung zu Karen. In dieser Episode singt er ihr sogar ein Lied vor und bricht damit Beths Gesangs-Monopol (auch wenn Beth eindeutig The-Walking-Dead-Idol gewinnen würde). Doch die Liebe währt nicht lange. Die Episode endet mit einem Schocker. Tyreese will der Angebeteten Blumen bringen, findet aber nur eine Blutspur, die zu zwei verkohlten Leichen führt. Wie wir durch den Zoom auf das Armband mit ziemlicher Gewissheit festhalten können, ist eines der Opfer Karen (bereits zu Episodenbeginn wurde das Armband einmal gezeigt).

Neben Zombies, einer tödlichen Grippe und einem Saboteur, haben wir es nun also auch noch mit einem Mörder zu tun. Obwohl nicht auszuschließen sind, dass Saboteur und Mörder ein und die selbe Person sind. Nur wer? Ist es ein Neuankömmling? Ist es vielleicht eine Art Schläfer des Governors? (Was weiß man eigentlich über Stookey?) Und wie genau hat man die Woodburyaner überprüft, bevor man sie aufnahm? Wie einfach sind die drei Fragen zu überlisten? Oder dreht jemand aus Ricks Gruppe durch? Das wird in dieser Staffel wohl einer der spannendsten Handlungsstänge sein. Ach ja, und der Governor selbst und mindestens zwei seiner Handlanger lauern ja auch noch draußen...

Michonnes Trauma

Auch Michonne wird in dieser Episode humanisiert. Warum sie sich von den beiden Walkern so einfach überrumpeln lässt, ist fraglich. Fehlt ihr vielleicht der Überlebenswille nach Andreas Tod? Läuft sie deswegen ständig weg und macht sich ein wenig lebensmüde allein auf ihre Touren? Und erklärt das, warum sie wünschte, dass man sie lieber hätte zurücklassen sollen?

Interessant ist auch ihre Interaktion mit Baby Judith. Wollen die Autoren hier andeuten, dass Michonne vielleicht selbst einmal ein Baby hatte, was sie durch die Zombie-Invasion verloren hat oder rührt ihr Schmerz auf den Verlust der guten Freundin? Immerhin spricht Michonne inzwischen mit den anderen und scheint deutlich offener, gegenüber Rick und Carl sogar zu Späßen aufgelegt. Mal schauen, wo die Reise hingeht.

Die weise Beth

Beth darf nicht nur den Babysitter spielen, sich mit Babyspuckresten befassen und singen, sondern auch einige Weisheiten zur Trauerbewältigung zum Besten geben („When you care about people, hurt is part of the package.“) Auch ihre Reise könnte noch interessant werden. Wenn man bedenkt, dass sie in Staffel zwei noch suizidal war und im Staffelauftakt Daryl einen Moment zu lange gedrückt hat, besteht hier durchaus noch Potenzial für einen Melt-Down oder ähnliches.

Carol, die Überlebenslehrerin

Neben der Frage, ob und was eigentlich zwischen ihr und Daryl läuft, haben die Autoren für Carol ebenfalls eine interessante Rolle gefunden. Vom Missbrauchsopfer in den frühen Staffeln hin zur toughen Überlebenskämpferin, die anderen den Arm amputieren würde und Kindern das effektive Töten beibringt. Und Recht hat sie mit ihrem Vorhaben, denn man weiß in dieser Welt nie, wo die Gefahr lauert. Ihre emotionale Szene mit den Kindern gehört außerdem zu den Highlights dieser Episode. Wo anderen Figuren zuletzt weich wurden - Daryl, Rick, Michonne, Tyreese und Glenn - bleibt sie der Fels in der Brandung.

Glenn und Maggie

Man kommt nicht um die Frage umhin, ob man sich um Maggie und Glenn Sorgen machen muss. Die beiden sind wieder ein Herz und eine Seele, was bei mancher Serie nichts gutes verheißt. Dazu steht die Möglichkeit im Raum, dass Maggie vielleicht nicht die Wahrheit gesagt hat, was die Schwangerschaft angeht. Ein konkretes Zeichen gibt es zwar nicht - außer ihre Aussage aus der Auftaktfolge, dass sie keine Angst davor haben möchte, am Leben zu sein. Aber mir schwant irgendwie böses. Immerhin hat Maggie nur einen leichten Schlaf, wie man daran sieht, dass sie aufwacht, als Glenn ein Polaroid von ihr beim Schlafen macht und sich weigert, das Foto wegzuschmeißen.

Fazit

Die Gefahr in Infected hat sich für mich echter angefühlt als in der Auftaktepisode. Es brennt und lodert an allen Fronten und die Gefängnisgruppe muss sich noch viel besser auf alle Eventualitäten vorbereiten. Krankheit, Zombies, Mörder, Verräter und menschliche Gefahr von außen ist allgegenwärtig und die ruhige Zeit der Sicherheit fürs Erste vorbei.

Es kriselt auch etwas, was die Harmonie und die Motivation der einzelnen Gruppenmitglieder angeht. Es scheint, dass mancher droht, nur an sich selbst zu denken und dabei das Gruppenwohl in Gefahr bringt. Aber gerade jetzt müssten alle an einem Strang ziehen. Sonst droht das ganz große Chaos und der Verlust der aufgebauten Bastion.

Die ersten beiden Episoden, als Einheit gesehen, bringen die einzelnen Figuren in eine spannende Ausgangslage und geben jeder Hauptfigur etwas zu tun. Auch wenn man vielleicht noch nicht überall absehen kann, wohin die Reise führt. Die neu eingeführten Figuren hingegen geben so einige Rätsel auf und könnten bei aufmerksamen Zuschauern zu Paranoia führen, gerade wenn man darüber nachdenkt, wer hinter dem Mord an Karen und der Rattenverfütterung stecken könnte.

Videopromo zur Episode Isolated (4x03) der US-Serie The Walking Dead:
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 21. Oktober 2013

The Walking Dead 4x02 Trailer

Episode
Staffel 4, Episode 2
(The Walking Dead 4x02)
Deutscher Titel der Episode
Tod, überall Tod
Titel der Episode im Original
Infected
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 20. Oktober 2013 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 25. Oktober 2013
Autor
Angela Kang
Regisseur
Guy Ferland

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 4x02

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