The Walking Dead 11x11

© AMC
Noch sind die ehemaligen Bewohner Alexandrias recht frisch im Commonwealth, da entdecken sie schon an verschiedenen Orten, dass hier längst nicht alles Gold ist, was glänzt. The Walking Dead-Showrunnerin Angela Kang und ihr Team bündeln in der Episode Ein abtrünniges Element, wie die Folge zumindest mit deutschen Titel bei Disney+ heißt, gleich mehrere Schattenseiten, die mithilfe der altbekannten Figuren ergründet werden.
Wo ist Stephanie?
Eugene (Josh McDermitt) scheint am Anfang der Folge sein Glück gefunden zu haben. „Stephanie“ (Chelle Ramos) liegt neben ihm im Bett und liest seinen Roman, der die bisherigen Abenteuer wohl zusammenfasst. Eugene überreicht ihr den Schlüssel für seine Wohnung. Die beiden gestehen sich ihre Liebe und verabreden sich zum Eisessen. Doch Eugene wird versetzt und plötzlich verschwindet sie wie vom Erdboden verschluckt. Als Zuschauer sehen wir, das sie ihre Habseligkeiten zusammenpackt. Warum, wissen wir nicht. Später lässt Eugene auch Rosista (Christian Serratos) in offizieller Soldatenaufmachung ihre Wohnung durchsuchen, aber es fehlt jede Spur von ihr, so dass Eugene eine Vermisstenanzeige erstattet.
Der Mann mit gebrochenem Herzen zieht sich zurück und sammelt Beweise, so dass ein wildes murder board in seiner Wohnung entsteht. Princess (Paola Lazaro) ist dabei die Person, die ihn unterstützt und bei weiterer Beweisfindung unter die Arme greift. Denn sie macht sich Sorgen, weil ihn die ganze Sache so deutlich mitnimmt.
Wenn sich Eugene eine Sache in den Kopf gesetzt hat, dann lässt er nicht locker. Diesmal ist es die Beobachtung eines Gebäudes, die er protokolliert und skizziert. Besonders ein glatzköpfiger Mann namens Roman Calhoun (Michael Tourek) kommt ihm dabei verdächtig vor. Er hat ihn am Tag des Verschwindens gesehen und befragt ihn später, unter Alkoholeinfluss, auch über Stephanie aus. Doch er erntet nur Ausflüchte und die Auskunft, dass er angeblich nur ein örtlicher Klempner ist. Eugene beschattet alle Beteiligten offenbar und schreibt sich minutiös Tagesabläufe auf, wonach er beschließt, in Calhouns Wohnung einzudringen. Er kann auch Princess zur Mithilfe überreden, um nach weiteren Beweisen zu suchen. Dort findet er zwar Waffen, doch der Regen sabotiert seinen Plan. Obendrein fliegen beide als Einbrecher auf und werden durch eine Anwohnerin bei der Polizei verraten.
Der gefühlt allgegenwärtige Lance Hornsby (Josh Hamilton), dessen Schatten in Eugenes Zusammenfassung für Princess ihn schon als einen möglichen Mitverschwörer kennzeichnet, ist zur Stelle, um Eugene und Princess aus dem Knast zu holen und hat für jeden von Eugenes angeblichen Beweisen eine Ausrede oder eine Legitimation - etwa, dass man im Commonwealth als vollwertiger Bürger das Recht auf Waffen habe oder dass es Aufträge für den Klempner gab.
Wenn Eugene eine Unterlassungserklärung unterschreibt, dass er nach der Trennung seiner Freundin paranoid geworden ist, kommt er wieder frei. Was das konkret bedeutet, darüber denkt Eugene nicht großartig nach und er will wenig später wieder die Wahrheit zum Verschwinden seiner Herzdame herausfinden. Princess hat nach dem Schrecken genug und fürchtet ohnehin, den gewonnenen Status verlieren zu können.
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Wer ist Stephanie?

Also macht Eugene allein weiter und will wissen, was im vermeintlichen Verschwörungshauptquartier der Klempner vor sich geht. Der Berufszweig des Klempners ist bestimmt nicht nur zufällig an den Watergate-Skandal angelehnt... Jedenfalls fliegt Eugene auf und wird von „Stephanie“ attackiert, wobei sich auch Hornsby als Strippenzieher zu erkennen gibt. Eugene erkennt, dass er offenbar einem Plan auf den Leim gegangen ist und ihm etwas vorgespielt wurde. Das Kennenlernen mit dem Commonwealth war fingiert und die Informationsbeschaffung erfolgreich. Allerdings gibt Hornsby zu verstehen, dass das sicherlich kein schlechter Deal für die Leute aus Alexandria war, die kurz vor dem Verhungern standen und ohnehin nie so ganz ehrlich waren. Mittlerweile genießen alle ein halbwegs gesichertes Leben mit vielen Annehmlichkeiten von Konzerten, Nahrung, Feiern bis hin zu möglichen Krebstherapien.
Hornsby verrät, dass der echte Name der Frau, die Eugene lange Zeit für Stephanie hielt, Shira sei. Eugene schwört, die Wahrheit zu verbreiten, doch Horsby hat ihn mit seiner Unterschrift so gut wie mundtot gemacht. Und was genau dort vorgeht, weiß er sowieso immer noch nicht.
Als er diese Fakten hört, ist Eugene erneut am Boden zerstört und verbrennt nicht nur die Vermisstenposter, sondern auch sein Manuskript. Doch genau da offenbart sich Max (Margot Bingham) mithilfe von Kosenamen, die nur die beiden kennen können, als die wahre Person, mit der Eugene am Funkgerät kommuniziert hat. Noch ist also nicht alle Hoffnung gewichen...
Connie stellt unangenehme Fragen

Connie (Lauren Ridloff) ist weiterhin mit Schwester Kelly (Angel Theory) als rasende Reporterin unterwegs. Nur erhält auch sie einige Dämpfer, denn statt die Wahrheit über den Abend bei der Gala rund um Tyler Davis (Cameron Roberts) und Pamela Milton (Laila Robins) zu veröffentlichen, muss die Zeitung die Statements der Governeurin wiedergeben, um den Schein zu wahren. Ihre Chefin hört ihre Kritik zwar, traut sich aber wohl nicht, die Regeln zu lockern.
Doch Connie kann es nicht lassen, sie will mehr zu Davis erfahren, etwa ob er einen Anwalt hat oder was ihm genau für Verbrechen vorgeworfen werden. Erneut wird sie jedoch abgeschmettert. Stattdessen soll sie Mercer (Michael James Shaw) und die Truppen zu einem Einsatz begleiten und vorgefertigte Fragen stellen. Doch natürlich versucht sie auch hier, mehr zum Vorfall herauszufinden und warum jemand, den Mercer zuvor noch für eine mögliche Beförderung vorschlug, so tief fallen kann und öffentlich jemandem droht.
Connie überrascht Mercer immerhin damit, dass sie herausgefunden hat, dass Max seine Schwester ist und sorgt so dafür, dass er nun selbst Untersuchungen anstellt, was mit Davis passiert ist. Doch die Verlegung wurde ohne seine Kenntnis durchgesetzt. Es brodelt also auch hier... Mercer scheint ohnehin nicht damit einverstanden zu sein, nur Befehle umzusetzen und testet immer wieder die Grenzen der Gemeinschaft aus, wie zum Beispiel, als er Princess zu seinem Date für die Gala machte. Vielleicht hatte er bislang nur nie die Rückendeckung durch andere, welche Carol (Melissa McBride), Connie, Eugene und Co nun darstellen könnten.
Kelly meint, dass man nicht jeden Tag mit solchen Kämpfen verbringen müsse und betont, dass man eventuell nur temporär ins Commonwealth gezogen sei. Doch die Lichtklingel zeigt Connie, dass jemand an der Tür ist und schon bald erreicht sie eine Liste, auf der Tyler Davis' Name ebenfalls erscheint. Wer gibt hier anonyme Hinweise und was genau soll diese Namensliste sein?
Outlaw Territory

Der dritte Schauplatz, den wir zu sehen bekommen, ist eine Ortschaft, in der ein gewisser Moto (William Mark McCullough) das Sagen hat. Die Siedlung befindet sich nicht offiziell im Commonwealth-Gebiet und es ist Hornsby, der Carol dorthin hinnimmt. Dort wird Mohn verarbeitet, der beispielsweise im Krankenhaus als Schmerzmittel zum Einsatz kommt. Die letzte Lieferung wurde allerdings schon zurückgehalten. Er möchte für die Dienste mehr Geld kassieren. Hornsby weiß, dass Moto ein zwielichtiger Geselle ist und Carol soll herausfinden, was er verbirgt.
Verhandelt wird beim Angeln, bei welchem nicht alle Anwesenden mithören. Doch Hornsby will einen Kompromiss. Wenn mehr geliefert wird, kann auch die Vergütung steigen. Es soll also nach Leistung bezahlt werden. Carol streckt derweil die Fühler aus und kann herausfinden, dass Moto den Lohn nur in die eigenen Taschen steckt und seine Mitarbeiterinnen schlägt. Diese Information veranlasst Hornsby dazu, ihn verhaften zu lassen, was die Frauen subtil begrüßen.
Es ist durchaus interessant, auf wie vielen Hochzeiten Hornsby gleichzeitig tanzt. Gegenüber Carol meint er eingangs, dass er sich auch von unten hocharbeiten musste. Inzwischen scheint er vor und hinter den Kulissen zu agieren, sich eine bequeme Situation aufgebaut zu haben. Vielleicht ist er auch ein Opportunist, der einen Langzeitplan verfolgt und dann einen Umbruch anleiert. Es ist bislang noch nicht ganz durchsichtig, wie die Lager im Commonwealth aussehen. Will Hornsby etwa Ähnliches wie Mercer? Will Hornsby alle gegeneinander ausspielen und sich dann selbst bereichern? Macht er Carol und Co vielleicht sogar zu Bauernopfern? Es ist sicherlich einfacher, die Neuen als Mitverschwörer zu präsentieren, statt die Langzeitbewohner zu belasten... Da müssen Daryl (Norman Reedus), Carol, Connie, Eugene und Co also auf der Hut sein.
Noch wissen wir insgesamt aber zu wenig, was genau hier im Argen liegen soll, außer vielleicht ein unfaires Klassensystem, das Fehler nicht zu tolerieren scheint, sondern hart mit Statusverlusten sanktioniert. Eine Max/echte Stephanie oder ein Tomi (
Ian Anthony Dale) könnten vielleicht mehr wissen...
Mir gefällt diese neue Art von Geschichten, die man mit den Figuren nun erzählen kann, jedenfalls besser als das x-te Abenteuer in irgendeinem Wald oder einer Hütte, in der Nahrung vermutet wird. Allerdings gehen manche Figuren auch schnell von null auf 100, wie beispielsweise Connie und Eugene, die etwas das Feingefühl vermissen lassen dafür, dass sie vielleicht ein kleines Rad im großen Uhrwerk sind, das das Commonwealth darstellt. Natürlich können auch viele kleine Feuer zum Lauffeuer werden und die Menschen aus Alexandria haben schon andere Hürden gemeistert, doch bisher hatten sie es wohl noch nie mit einem solchen Bürokratieapparat zu tun.
Fazit
Es ist irgendwie typisch für The Walking Dead, dass man in der Episode Rogue Element nicht nur eine Schattenseite aufdeckt, sondern gleich mehrere problematische Stellen auf einmal zeigt. Da ärgere ich mich fast noch etwas mehr, dass man den Reapers so viel Screentime geschenkt hat. Denn beim Commonwealth hätte man dann vielleicht etwas behutsamer vorgehen können, statt gleich wieder All-in zu gehen. Aber vielleicht erhöht das auch die Dringlichkeit für unsere Helden, aktiv zu werden und sich nicht lange auf die faule Haut zu legen. Doch: Können sie es sich als Neulinge leisten, in einer so durchstrukturierten Gemeinde negativ aufzufallen und Umstände anzuprangern? Wir werden in den kommenden Folgen sehen, wie sich das alles noch entwickelt.
Hier abschließend noch der neue Trailer zur nächsten Episode, All or Nothing (11x12), der Serie The Walking Dead:
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 7. März 2022(The Walking Dead 11x11)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 11x11
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