The Walking Dead 11x10

© zenenfoto aus der The-Walking-Dead-Folge New Haunts (c) AMC
Dann geht es plötzlich doch schneller als gedacht in der The Walking Dead-Folge New Haunts. In der vorherigen Ausgabe kam noch ein Angebot, neu im Commonwealth durchzustarten und nun wirft man die Zuschauer mitten ins Getümmel. Keine langen Diskussionen, keine Umzugsfolgen, sondern einfach ein Zeitsprung auf 30 Tage nach der Umsiedlung, die die meisten Figuren wohl mitgemacht haben. Im Laufe der Handlung fällt natürlich auf, dass einige verdächtig abwesend sind: Maggie (Lauren Cohan) und Lydia (Cassady McClincy), aber auch Aaron (Ross Marquand) fehlen von den langjährigen Charakteren beispielsweise bislang. Mal sehen, wann wir sie wiedersehen...
Halloween im Commonwealth

Judith (Cailey Fleming), RJ (Antony Azor) und Daryl (Norman Reedus) sehen wir im Einstieg zur Episode in einer gruseligen Situation, die sich aber schnell als Haunted Mansion/Gruselkabinett im Commonwealth entpuppt. Hier wird nämlich gerade Halloween gefeiert und vor allem die Kinder erhalten Normalität durch Verkleidungen und eine Volksfest-Atmosphäre. Ezekiel (Khary Payton) leitet den Streichelzoo und wir werden in einer kurzen Szene mit Jerrys (Cooper Andrews) Kindern auch an Shiva erinnert, deren Halsband aus dem Kingdom gerettet werden konnte, nun aber in den Besitz von Jerrys Sohn übergeht.
Carol (Melissa McBride) ist wieder mal mit Backen (und ein bisschen auch mit Spionieren) beschäftigt, Princess (Paola Lazaro) betreibt einen Plattenladen, in dem Judith und eine neue Freundin sich umschauen. Judith kann aber nichts kaufen, weil sie noch kein Geld besitzt, denn die ehemaligen Bewohner Alexandrias sind oftmals noch in der Probezeit und müssen sich ihren Platz in der Community erst durch ihren Arbeitseinsatz verdienen. Allerdings lässt sich sagen, dass sie zumindest ein Stück weit bevorzugt behandelt werden, wenn man daran zurückdenkt, wie manch anderer Anwärter monatelang in Käfigen/Zellen warten musste.
Governor Pamela Milton (Laila Robins) kennen manche noch von früher - wie in der Folge herauskommt, war ihr Vater einst im Weißen Haus und sie selbst wohl in der Yellow Press, wie Carol anmerkt. Sie und Daryl haben den neuen Zufluchtsort natürlich kritisch im Auge, können sich aber, wie gewohnt, auch schnell anpassen und so Informationen sammeln.
Connie (Lauren Ridloff) ist als Reporterin unterwegs und Kelly (Angel Theory) ist ihre Gebärdendolmetscherin. Daryl ist Anwärter auf einen Posten in der Armee unter Mercer (Michael James Shaw) und Rosita (Christian Serratos) tut es ihm aus naheliegenden Gründen gleich, denn als Soldatin haben wir sie einst an der Seite von Abraham (Michael Cudlitz) kennengelernt. Gabriel (Seth Gilliam) bleibt seinem Amt treu und Magna (Nadia Hilker) wird - wie früher schon - zur Kellnerin. Yumiko (Eleanor Matsuura) ist wie bereits etabliert weiterhin Anwältin und ihr Bruder Tomi (Ian Anthony Dale) nach seinem Bäckerei-Exkurs nun wohl wieder als Mediziner tätig, wobei ihm das gar nicht zusagt.
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Alte Liebe rostet nicht?

Carol scheint durch den Neustart auch wieder an Expartner Ezekiel interessiert zu sein, um dessen gesundheitlichen Zustand sie sich sorgt. Sie schleicht sich in die Arztpraxis, als dieser in einem Gespräch zu seinem Arzttermin ausweicht und erfährt von Tomi, dass es nicht gut um sein Leben steht, wenn er nicht auf der OP-Liste nach oben rutscht.
Also erleben wir „Sneaky Carol“, die Lance Hornbsy (Josh Hamilton) beschattet, welcher eine Flasche Wein wegwirft, von der er enttäuscht ist. In einem Weinkeller riskiert Carol ihr Leben, um einige bessere Flaschen zu sichern und somit Eindruck zu schinden. Hornsby sieht Carol als nützlich an, um sich selbst zu bereichern und könnte über kurz oder lang wohl dafür sorgen, dass Ezekiel seine OP bekommt - oder aber Carol erpressen. Wir werden sehen, wie er wirklich tickt.
Später schaut Ezekiel bei Carol vorbei und überreicht ihr eine Kiste mit den Habseligkeiten ihres Adaptivsohns Henry (Matt Lintz), der einst von Alpha (Samantha Morton) umgebracht wurde. Tier-Spezialist Ezekiel glaubt, dass man hier gut einen Neustart wagen könnte. Fast schon schmusend, wie in alten Zeiten, trinken sie auf dem Sofa zusammen einen Wein.
Daryl vs. Sebastian Milton

Daryl und Rosita leben als Soldatenanwärter in sehr hellhörigen Unterkünften. Das könnte sich ändern, wenn man schließlich dazu erwählt wird, die weiße Uniform zu tragen. Zunächst steht eine Teamworkprüfung von Mercer an, in der Duos nach Schnelligkeit und Zusammenarbeit bewertet werden. Zwei Menschen sollen mit nur einem Messer die Zombies ausschalten. Daryl darf jedoch nicht mit Rosi durchs präparierte Haus streifen. Als einsamer Wolf läuft sein Probelauf entsprechend nicht so gut, wie er laufen könnte, und Mercer muss eingreifen, als sein Partner nach Hilfe ruft.
Dennoch scheint der Soldatenchef das Potential zu erkennen und sieht natürlich auch, wie Daryl sonst agiert hat. Er kommandiert Daryl und Rosita für ein privates Training von Sebastian Milton (Teo Rapp-Olsson) ab, der wie schon bei seinen vorherigen Auftritten einfach einer der unangenehmsten Menschen der „TWD“-Welt ist. Der verwöhnte Politikersohn darf hier üben, wie man Beißer zur Strecke bringt und hat dafür allerhand Waffen parat, darunter auch Daryls Arsenal mit Armbrust und Morgenstern. Er stellt sich aber erwartungsgemäß als ungeschickt heraus, so dass Daryl den Untoten lieber ausschaltet, ehe er Sebastian beißt, was diesen jedoch wiederum sauer macht. Kein guter Start für Daryl insgesamt. Mercer sieht jedoch vieles und scheint ihn zu respektieren. Nun muss er nur die Commonwealth-Regeln etwas mehr verinnerlichen, wie es scheint.
Ich muss schon sagen, dass es recht unterhaltsam ist, wie sich die Alexandrinos im Commonwealth anpassen, ich hatte aber auch nichts anderes erwartet. Darum halte ich den kleinen Zeitsprung für eine gelungene erzählerische Wahl. Auch die Militärübung an sich ist durchaus eine spannende Idee, wenn auch ohne überraschenden Ausgang.
Judith scheint nun offenbar mit Onkel Daryl zusammenzuwohnen, was mich überrascht, aber was andererseits dann doch naheliegend ist. Carol wäre wahrscheinlich eine Option oder eine WG mit Jerry und seiner Familie, doch Daryl steht sie wohl am nächsten. So schenkt er ihr auch später einen Plattenspieler und man hört gemeinsam Motörhead.
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Feine Gesellschaft

Nach der Halloweenfeier für den „Pöbel“ gibt es im Commonwealth noch eine Abendgala, in der sich die Klassenunterschiede deutlicher zeigen. Magna „darf“ hier kellnern, während sich Milton, Mercer (mit Princess als Plus Eins) und Hornsby von den Bewohnern feiern lassen und auch Yumiko wie einst eine Veranstaltung genießt. Ihr Bruder fühlt sich sichtlich unwohl, womöglich, weil er auch einige Missstände kennen könnte. Noch ignoriert Yumiko allerdings Warnsignale. Connie nutzt die Feier, um ein kurzes Interview mit Pamela zu erhaschen, in dem wir nebenbei erfahren, dass Milton Senior eine politische Karriere hatte und vieles für die Leute aus dem Commonwealth ermöglicht haben soll. Kurz kommt auch eine Lotterie zur Sprache, in der wohl eine glückliche Person den Luxus der oberen Gesellschaft erleben darf.
Die Governeurin präsentiert stolz ein Bild, das über mehrere Monate von ihrem Vater gemalt wurde, doch dann crasht Ex-Soldat Tyler (Cameron Roberts), den Princess in der Folge Splinter überwältigt hatte, die Veranstaltung. Er wurde zum Kellner degradiert und scheint seine Privilegien verloren zu haben, was ihn offenbar beschäftigt. Er geht sogar dazu über, dass er Max (Margot Bingham), die Assistentin von Pamela, mit einem Messer als Geisel hält, damit Pamela seinem Anliegen Aufmerksamkeit schenkt. Sie kennt ihn nicht namentlich, was er ebenfalls bedenklich findet. Daryl, Rosi und Mercer beobachten die Situation aufmerksam. Tyler spricht an, dass ihn ein Fehler seine Lebensgrundlage gekostet habe und zerstört das aufwendige Gemälde mit seinem Messer.
Equality for all!
Anschließend läuft er weg, wird jedoch von Daryl im Gruselkabinett gefunden. Daryl hört jedoch, dass sein „Versagen“ Konsequenzen für seine Schwester und seine Familie hatte, so dass er sich mit dem Messer an der Schläfe das Leben nehmen möchte, ehe Daryl ihn zur Vernunft bringt. Denn nicht jeder kann in dieser Welt von sich behaupten, noch eine Familie zu haben. Er legt ihm vor Ort Handschellen an. Statt jedoch den Ruhm dafür zu kassieren, taucht Sebastian auf und bringt den Geschnappten zu seiner Mutter, die ihn lobt.
Tyler spricht von den katastrophalen Zuständen für viele Menschen und davon, dass Tausende so denken wie er. Er lässt einige Parolen vom Stapel, die Pamela wohl noch nicht gehört hat, sie aber hinterfragen lassen, ob es wirklich so viele Unzufriedene gibt, was Hornsby wiederum verneint. Allein die Andeutung so einer völligen Ahnungslosigkeit zu den Belangen des einfachen Volks lässt tief blicken...
Rosita befragt Kellnerin Magna, ob sie etwas mitbekommen hat. Doch das verneint sie. Ihr ist allerdings nicht entgangen, dass sich im Commonwealth Muster wiederholen, die man bereits im alten Leben durchgemacht hat, etwa dass sie direkt wieder als Servicekraft arbeiten muss. Ist das nur allgemeiner Frust oder ist Magna Teil besagter Bewegung?
Bei einer Wohnungsdurchsuchung in einer Soldatenbehausung (wahrscheinlich der von Tyler) findet Rosita dann belastendes Material in einem versteckten Raum. Zahlreiche Stencils, Sprüche und Poster, die den Widerstand gegen das Commonwealth proben, zeigen auf, dass die Unzufriedenheit wohl tief verwurzelt ist und längst nicht alle mit der Gesellschaftsform und der Führung einverstanden sind.
Kleiner Comicexkurs
Die Übersiedlung von quasi ganz Alexandria zum Commonwealth ermöglicht einen kurzen, aber nicht besonders Spoiler-intensiven Vergleich mit der Comic-Vorlage. Auffällig ist, wie viele Figuren aus der TV-Serie zum gleichen Zeitpunkt in den Comics bereits nicht mehr am Leben sind, für die TV-Version ersetzt wurden oder generell ganz fehlen, so dass man in den kommenden Folgen sicherlich noch einige Überraschungen erleben wird. Die Wild Card ist aber ohnehin Daryl, der eine TV-Kreation ist, aber nun womöglich ein paar Rick-Handlungsstränge übernimmt.
Die Comicvorlage hat das Für und Wider der Zusammenarbeit/Verschmelzung sehr viel breiter ausgewalzt (was in künftigen Folgen in Flashbacks oder aus anderen Blickwinkeln natürlich noch geschehen kann). Mir gefällt aber diese Entscheidung der Serie, weil die Zeit irgendwann eben doch knapp wird, um alles noch unter einen Hut zu bringen und mehr vom Commonwealth zu zeigen.
Allerdings muss man auch anmerken, dass Orte wie Alexandria im Comic auch nicht einfach „aufgegeben“ wurden. Entsprechend wandeln wir hier momentan auf neuem Terrain, was die finalen Kapitel durchaus erzählerisch aufwerten könnte.
Fazit

Kaum liegt der Fokus mehr auf dem Commonwealth, schon gefällt mir die Handlung wieder deutlich besser. Natürlich hat es immer seinen Reiz, die etablierten Charaktere in neue Umgebungen zu werfen, um zu sehen, wie sie auf diese reagieren. Das ist in der Episode „Neuer Lebensraum“ (bei Disney+ heißt die Episode übrigens abwecichend „Neue Orte des Grauens“) sehr gut gelungen. Nun muss sich zeigen, ob man diesen neuen Schwung durch eine veränderte Dynamik längere Zeit im zweiten Staffeldrittel aufrechterhalten kann. Ich bin jedoch vorsichtig optimistisch.
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 28. Februar 2022The Walking Dead 11x10 Trailer
(The Walking Dead 11x10)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 11x10
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