The Walking Dead 11x02

© zenenfoto aus der Folge Acheron: Part 2 der Serie The Walking Dead (c) AMC
Eine Woche mussten die The Walking Dead-Zuseher darauf warten, um zu sehen, ob Maggie (Lauren Cohan) das Hängenlassen durch Negan (Jeffrey Dean Morgan) übersteht. Für die meisten wenig überraschend, kann sich die Rückkehrerin letztlich retten und durch die Tunnel und Untoten zurückkämpfen. Alles andere wäre nach der lange angekündigten Rückkehr auch eine Frechheit gewesen. In Acheron: Part 2 sind die Zuschauer den Großteil der Zeit über weiter in den Tunneln von Washington, D.C., genauer gesagt in einigen U-Bahn-Tunneln, die diesmal Schutz vor den Untoten bieten, aber auch eine Gefahr darstellen, wenn sich die Beißer Zugang verschaffen.
Gabriel (Seth Gillam), Alden (Callan McAuliffe), Negan und einige andere müssen sich ohne Anführerin Maggie zunächst eine Taktik zurechtlegen. Denn Negan meint, dass er sie aus den Augen verloren habe, was natürlich eine kleine Zurechtbiegung der Wahrheit ist. Er hatte sich nämlich entschlossen, ihr einfach nicht hoch zu helfen, als Revanche für ihre Feindseligkeiten. Stattdessen hat Gabriel also das Kommando. Der will sich mit der Gruppe von Waggon zu Waggon arbeiten und hofft auf das Beste...
Daryl entdeckt die Backstory

Daryl (Norman Reedus) läuft derweil Dog nach. Dabei findet der Hillbilly-Hawkeye einige Kunstwerke an den Tunnelwänden und auch Botschaften auf Dollarscheinen, die den Zuschauern etwas mehr über die früheren Bewohner zeigen sollen. Der Konflikt Arm gegen Reich, der wohl in dieser finalen Staffel noch eine Rolle spielen wird, wie ich hiermit mit meinem Comicwissen andeute, wird so nebenbei transportiert. Welche Rolle haben Geld und Besitz in dieser Welt? Gibt es Orte, wo sie vielleicht noch oder wieder eine Rolle spielen? Wie würde Daryls Gruppe mit so einer Dynamik umgehen?
Daryl muss sich einigen Walkern stellen und kämpft mit Bolzen und Messern gegen sie. Wenig später taucht Dog wieder auf und Daryl sieht eine Art Wohnungslosen-Zombie, den er aus der Welt schafft. Der grauhaarige Abtrünnige aus der Gruppe, dessen Name kaum relevant ist, kehrt ebenfalls zurück und scheint verletzt zu sein. Er bittet Daryl, dass er ihn mit seiner Pistole erlöst, aber das macht er vorerst nicht, sondern er kümmert sich um seine Wunden. Dog ist auch wieder da. Das ist doch schon die halbe Miete. Es dauert nicht zu lange, bis Daryl zum Rest der Gruppe findet und den Retter darstellen kann, als die Lage gefährlich wird.
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Maggie, die Horrormärchentante

Maggie taucht, wie erwähnt, dann wieder auf, und redet über Negan nicht um den heißen Brei herum. Stattdessen kassiert er einen Schlag von ihr. Er hat sie im Stich gelassen, meint sie zumindest. Aber irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass sie so eine kleine, wenn auch gefährliche, Lektion womöglich verdient hat. Denn seit ihrer Zeit in Meridian scheint sie erneut sehr viel härter und kompromissloser zu sein. Das lässt sich aber auch damit erklären, dass Mama Bär in ihr schlummert, was Hershel Jr. angeht, den sie natürlich so gut es geht beschützen wollte. Zudem hören wir immer wieder Andeutungen der harten Zeiten, die sie durch Gruppen wie die Reapers oder anderen Begegnungen durchgemacht hat.
Negan erinnert daran, dass er seinen Wert für die Gruppe schon mehrfach bewiesen hat, weil sonst alle eventuell längst zu den Opfern von Alpha und den Whisperers geworden wären. Dann taucht der fortgelaufene Gage (Jackson Pace) wieder auf. Er ist derjenige Jugendliche, den wir in der Vergangenheit bereits einige Male in der Serie gesehen hatten und der auch schon Lydia (Cassady McClincy) das Leben schwer gemacht hatte. Er zeigt Reue, dass er nach der Rettung durch Negan in der letzten Folge aus Angst weggelaufen war. Doch nun ist Maggie wieder da und zeigt Härte, als er am Waggon klopft. Denn sie will ihm die Tür nicht öffnen, da er eine andere zuvor nicht geschlossen und damit Zombies angelockt hatte. Ihre Argumente: Zeit, Gefahr und Munition. Alden und Negan verstehen die Welt nicht mehr und besonders Alden würde trotzdem gerne probieren, ihm eine zweite Chance zu geben. Nur: Maggie bleibt bei ihrem Punkt und erhält von Gabriel Zustimmung. Das sieht Gage unter Tränen nicht wirklich ein, holt sich ein Messer hervor und sticht sich vor den Augen seiner Kameraden in die Brust, damit er nicht erlebt, wie die Zombieverfolger ihn töten. Wenig später ist er ihr Mahl und wird selbst zum Walker.
Für mich ist es einer dieser Momente, der rar geworden ist in The Walking Dead. Ein Akt purer menschlicher Verzweiflung, obwohl man hier vortrefflich darüber argumentieren und diskutieren kann, ob Maggies harte Linie überhaupt gerechtfertigt war oder man es zumindest Alden einmal hätte versuchen lassen sollen. Das hätte man ja nicht unbedingt per Munition, sondern per Hieb- und Stichwaffen machen können. So ist es irgendwo ein sinnloser und vermeidbarer Tod. Fast so wie damals bei Noah (Tyler James Williams) in der Drehtür oder bei einigen anderen Beispielen zur frühen Alexandria-Ära. Gage hätte natürlich auch überhaupt nicht abhauen müssen oder die Beute der Gruppe aufs Spiel setzen sollen; dann hätte er sich das alles ersparen können. Aber jugendlicher Leichtsinn und Selbsterhaltungstrieb im Angesicht der taffen Maggie haben ihn wohl dazu bewogen. Sein Ableben ist zudem symptomatisch für das aktuelle „TWD“, denn natürlich opfert man hier wieder nicht einen Charakter aus der ersten Reihe, sondern eher so einen rando Red Shirt wie ihn, den man irgendwie kennt, aber auch nicht vermisst, wenn er weg ist. Zumal er bislang bei seinen Auftritten eher als Unsympath präsentiert wurde. Im Endeffekt ist er also das Bauernopfer, das die Autoren wählen, um den erneut aufkochenden Konflikt von Maggie und Negan zu untermauern.
Alden ist jedenfalls mit der Gesamtsituation unzufrieden und wirft den anderen vor, dass sie den Geopferten nicht mal mehr anschauen können, nachdem er zum Untoten geworden ist. Gabriel versucht es mit einer halbgaren Schuldzuweisung und nennt Gage einen Feigling. Das bringt Maggie dazu, eine Horrorgeschichte zu erzählen von einer unheimlichen Begegnung der untoten Art.
Im Podcast haben wir darüber diskutiert, ob diese Story nun so funktioniert hat oder noch eindringlicher hätte sein können und auch, ob es eine Rolle spielt, ob die Angreifer nun unmenschlich entstellt waren oder nicht. Außerdem steht bei so etwas immer die Frage im Raum, was effektiver ist: show oder tell? Ich persönlich fand die Szene für „TWD“-Verhältnisse passend und mochte den Monolog als Unterstreichung von Maggies Horrorerlebnissen. Die Autoren sind sich derweil so sicher, dass sie Gold haben, dass es als der Moment genutzt wird, der Maggie und Negan wohl wieder näher zusammenbringt, weil beide einsehen, dass man in letzter Zeit gutes Glück mit den Gemeinschaften hatte, zu denen man dazugehörte, ehe die Störung respektive der Angriff von außen kam. Einmal durch die Whisperers und einmal durch Reapers und ähnliche Fraktionen. Trotzdem ist es etwas umständlich konstruiert, dass dieser Rückschritt nötig war, damit sich die beiden etwas zusammenraufen. Ich bin gespannt, ob es klappt oder ob der Konflikt uns in diesen acht ersten von 24 finalen Folgen weiter begleiten wird. Ich tippe aus Erfahrung eher auf letzteres...
Yumiko at Law

Yumiko (Eleanor Matsuura) hat an der „Wall of Remembrance“ bekanntlich ein Bild von sich und ihrem entfremdeten Bruder entdeckt und schmiedet nun mit Princess (Paola Lazaro), die weiterhin vortreffliche People-Reading-Skills hat, weitere Pläne. Die klassische Taktik, nach dem Manager zu verlangen, gelingt im Bürokratieparadies namens Commonwealth tatsächlich recht gut. Eugene (Josh McDermitt) schiebt derweil leichte Panik, weil er keinesfalls will, dass die ganze Reise und sein Kontakt zu Stephanie umsonst waren.
Yumiko seziert die Methoden des Verhörmarathons mit ihren Anwaltskenntnissen und erkauft sich somit Respekt bei den Verantwortlichen, die trotzdem nur kleine Speichen im großen Rad sein dürften. Sie testen so nämlich auch diverse persönliche Grenzen und können Neuankömmlinge dadurch analysieren. Das gibt ihr Mercers (Michael James Shaw) Aufmerksamkeit, der ihren Antrag auf Asyl beschleunigen dürfte. Princess spricht derweil Spanisch mit den Wächtern und findet heraus, dass es im Commonwealth sogar solch ein absolutes Luxusgut wie Toilettenpapier gibt, was man wohl an sich schon lange nicht mehr hatte.

Später wird Eugene noch einmal von Mercer befragt, der meint, dass ersterer ein schlechter Lügner sei, weswegen er einfach mit der Wahrheit herausrücken solle. In einem typischen, aber deutlich emotionalen Eugene-Monolog gibt er zu, dass die Mission wieder einmal etwas selbstsüchtiger war, als es zunächst den Anschein hatte. Denn wie schon bei der Washington-Mission, die Abraham (Michael Cudlitz) und Rosita (Christian Serratos) eine Motivation gab, ist es diesmal ein Anliegen, dass er womöglich eine passende Partnerin und Seelenverwandte findet, die er in Stephanie vermutet. Denn die gemeinsamen Interessen, der Musikgeschmack und einiges mehr lassen ihn hoffen. Nebenbei gibt er zu, noch eine Jungfrau zu sein, was jedoch im typischen Protokoll ausgespart wird. Das Ende der Geschichte: Eugene ist der Letzte, der das Aufnahmeverfahren durchmacht, während der Rest der Crew schon wartet. Ezekiel (Khary Payton) wurde sogar mal von den örtlichen Ärzten untersucht. Und auch eine Person, die ziemlich nach Stephanie aussieht, taucht kurz auf. Doch: Ist sie das auch?
Mercer und Ezekiel setzen ihre kleinen Reibereien fort, als Mercer ihm mitteilt, dass er einst in Westpoint ausgebildet wurde. Mal sehen, wie diese freundliche Rivalität weitergeht...
Granate, die Zweite
Als Daryl wieder zurück ist, schießt und metzelt er sich im „Oldboy“ oder „Snowpiercer“-Stil durch den Waggon, damit alle Daryl-Fans auf ihre Kosten kommen. Die klemmende Tür wird aufgestemmt, alle Gefährten fliehen durch und Daryl darf einem Untoten eine Granate in den Mund schieben, während die anderen in Deckung gehen und es ordentlich „Splash!“ macht.
Die Mission ist überstanden und Maggie und Negan verhalten sich tatsächlich etwas mehr ihrem Alter entsprechend. Es soll zu einem geheimen Lager von Georgie aus Meridian gehen. Negan kennt den Weg offenbar, Maggie irgendwie nicht. Also muss man sich gezwungenermaßen aufeinander verlassen.

Schon bald sieht Negan einige aufgehangene Tote, was für Unbehagen sorgt. Es stellt sich als Falle heraus und der grauhaarige Mann wird per Pfeil ins Auge verwundet. Während unser bärtiger Rando mit Zopf eine Hand verliert, wird klar: Die Reapers sind da und marschieren auf Daryl, Maggie, Negan, Gabriel und Co zu. Können sie die militärischen Angreifer mit ihren begrenzten Ressourcen überleben oder gar ausschalten?
Fazit

Den zweiten Teil zum Auftakt der elften Staffel fand ich persönlich in manchen Belangen ein Stück schwächer als die Folge aus der Vorwoche. Ich mochte Yumikos Part im Commonwealth sehr gerne, war aber weiterhin vom Negan-Maggie-Konflikt etwas genervt, auch wenn es diesmal zumindest in Sachen Maggie so etwas wie eine Erklärung für ihr Verhalten gab. Die Gage-Szene fand ich visuell und als erzwungene Herausforderung für die Anführerin psychologisch sehr interessant, wobei ich persönlich wohl eher im Team Alden wäre. Und trotz allem ist für mich Negan weiterhin eine der rationalsten Figuren, die auch noch mehr Menschlichkeit zeigt, als manch anderer. Daryls Abenteuer im Untergrund hätte ich trotz fun with Dog wohl auch etwas verkürzt, sie waren jetzt aber nicht schlimmer als Steinsuppe, Biketouren oder Hüttenabenteuer in Staffel zehn und damit völlig okay.
Übrigens könnt Ihr zu den ersten Folgen der elften Staffel aktuell wieder wöchentliche Podcast-Besprechungen anhören, die momentan montags erscheinen.
Hier abschließend noch der Serientrailer zur nächsten Episode, Hunted (11x03), der Serie The Walking Dead:
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Verfasser: Adam Arndt am Montag, 30. August 2021(The Walking Dead 11x02)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead 11x02
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?