The Path 1x03

Mit A Homecoming liefert uns The Path vor allem die Achillesferse der Führerfigur Cal (Hugh Dancy), wohingegen Eddie (Aaron Paul) nach seiner zweiwöchigen Auszeit leider wieder in alte Muster gelenkt wurde. Während sich derweil Hawk (Kyle Allen) und Ashley (Amy Forsyth) weiterhin annähern, beginnt Abe (Rockmond Dunbar) seine verdeckte Ermittlung bei den Meyeristen. The Path setzt zwar gemächlich, aber konstant spannend seine Charakterentwicklungen an allen Enden fort.
Curiosity
Langsam bekommen wir einen Sinn dafür, welche Methoden bei den Meyeristen an der Tagesordnung liegen, wenn einzelne Individuen das große Ganze bedrohen. Diesen Einblick verschafft uns vor allem Sarah (Michelle Monaghan), die sich zwar einerseits immer weiter in die emotionalen Arme von Cal begibt, andererseits jedoch in Miranda (Minka Kelly) die einzige Bedrohung für ihre Ehe sieht. Wir bekommen mal wieder gezeigt, wie die hierarchischen Ränge der Meyeristen zu einer kontrollierten Trennung der einzelnen Befugnisse führt, indem Sarah ihre Macht ausnutzt, um Miranda in Einzelhaft sperren zu lassen und zu bestrafen.
Es wird jedoch nicht ganz klar, ob es wirklich ihre Neugierde ist, die sie in die Verhöre mit der potentiellen Liebschaft ihres Mannes treibt, oder einfach der Wille, jeden gefährlichen Keim des Systems auszumerzen. Einerseits verschweigt sie Eddie den Aufenthalt von Miranda, andererseits nutzt sie diesen aus, um ihn emotional aus der Reserve zu locken. Am Ende sehen wir schließlich, wie Miranda anscheinend vergiftet auf dem Boden liegt. Könnte Sarah wirklich imstande sein, Miranda aus dem Weg zu schaffen?

Besonders bitter werden die einzelnen Handlungen der Charaktere in A Homecoming dadurch, dass wir passend zur Hierarchie der Meyeristen stets nachverfolgen können, wer wen hinters Licht führt und für seine Zwecke missbrauchen will. Dies wird besonders in dem wohl stärksten Plot von Cal deutlich, der sich nicht nur mit seiner alkoholsüchtigen Mutter Brenda (Kathleen Turner) auseinandersetzen muss, sondern zudem weiterhin gefährliche Lügen über die Lehre Meyers verbreitet.
Pain
So erfahren wir, dass es Cals Vater war, der ihn im Alter von fünf Jahren aus dem sorglosen Schoß seiner Mutter hinein in die Bewegung riss. Cals gescheiterte Kindheit hält ihn jedoch nicht davon ab, sich um seine Mutter zu kümmern, auch wenn das den Bruch der eigenen Regeln beinhaltet. Man könnte fast ein bisschen Mitleid mit dem manipulativen Anführer bekommen, wären da nicht die lockerleichten Lügen, die am Ende der Episode über seine Zunge purzeln.
Denn nun ist es mehr als klar, dass Eddie bei seinem Peru-Aufenthalt den totkranken Meyer selbst gesehen hat und dessen Lehre schon seit längerem durch eigene Interpretationen von Vertretern wie Cal ersetzt werden. Die in der letzten Episode gehörten Führungstipps scheinen dabei die jüngste Inspiration dafür zu liefern, dass er Sarah davon überzeugen möchte, nach Meyers Willen als Ersatzkandidat der Sekte zu fungieren. Es ist gerade die Erkenntnis des Zuschauers, der selbst hinter jede Gardine blicken darf, die es umso schwerer macht, den einzelnen Charakteren bei ihren Irrwegen zuzusehen.

Einerseits lernen wir Cals Traumata kennen, die ihn in die Obhut der Meyeristen gebracht haben, andererseits müssen wir mit ansehen, wie sie dazu führen, dass er sein gesamtes Umfeld funktionalisiert und für den eigenen Machtausbau benutzt. The Path testet so die Grenzen des Zuschauers aus, was Empathie und Bewertung einzelner Taten angeht, und schafft es stets, dass wir das große Ganze nicht aus den Augen verlieren, wenngleich es auch den einzelnen Akteuren nicht so leicht fällt.
Hope
Dafür sorgen in dieser Episode vor allem der FBI-Detective Abe und die äußerst hartnäckige Alison (Sarah Jones), die sich trotz der Kehrtwende Eddies nicht von diesem abtreiben lässt und immer wieder darum kämpft, ihren Verbündeten im Kampf gegen die Meyeristen zurückzubekommen. Es scheint somit nur eine Frage der Zeit, bis Eddie wieder von dem Apfel der Erkenntnis nascht und sein Umfeld zu hinterfragen beginnt.
Abe bietet mit seinem Decknamen Sam als Neuling nicht nur eine der größten Bedrohungen, verkörpert er doch das bisher noch geringe öffentliche Interesse an den Meyeristen. Durch seine Verbindung zu Marys (Emma Greenwell) verantwortungslosem Vater wirft er auch hier die Frage auf, was eigentlich wichtiger ist: die Rettung vor der traumatischen Vergangenheit oder vor einer womöglich noch viel traumatischeren Zukunft. Es ist gerade diese moralische Spannung aus tragischer Vergangenheit, die bei den Meyeristen wohl als Dunkelheit bezeichnet wird, und der äußerst manipulierten und hingedrehten Gesellschaft, die zwar das Licht verspricht, jedoch keine Graustufentöne zulässt.
Dieser Gradwanderung wird sich auch der junge Hawk immer bewusster und präsentiert im Zuge seiner im Kuss endenden Annäherung zu Ashley eine weitere Lehre des Meyerismus. So wird Jugendlichen ein hypersensibles Gehirn zugesprochen, dass besonders anfällig für Verletzungen sei. Im Umkehrschluss scheint es zu bedeuten, dass Vernunft über sämtliche Formen der Emotionalität und Selbstfindung vorherrschen soll, wobei diese Vernunft natürlich im Rahmen der meyerischen Gesetze zu verstehen ist.

Fazit
The Path setzt seinen spannenden Weg weiterhin auf hohem Niveau fort und liefert dabei vor allem anhand von Cal manch spannende Charakterzeichnung ab. Mag Eddie auch von seinem Rebellentum der Pilotepisode recht weit zurückgewichen sein, der Zuschauer spürt weiterhin die Fäule in der Sekte und wartet nur darauf, dass sie an die Oberfläche getragen wird. Hier scheinen vor allem die Figuren Abe und Alison von großer Bedeutung zu sein, wenngleich durch den potentiellen Tod Mirandas auch klarer wird, wie hoch das Feuer schlagen kann, mit dem sie spielen.
Zudem schafft es die Erzählweise, die den Zuschauer zum beinahe allwissenden Beobachter, statt zu einem selbst frischen Anhänger macht, dass ein moralischer Spagat geschaffen wird, der sich zwischen individueller Perspektive und Kollektivwissen spreizt. Wir wissen zwar nicht alles, jedoch schaffen es die Einblicke in die unterschiedlichen Ebenen, dass wir gleichzeitig die einzelnen Motivationen verachten und nachvollziehen können.
Verfasser: Henning Harder am Mittwoch, 13. April 2016(The Path 1x03)
Schauspieler in der Episode The Path 1x03
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