The Path 1x04

Mit The Future gibt uns The Path einen weiteren Einblick in die Hierarchie der Meyeristen. So besuchen im Zuge des großen „Aufstiegstages“ die beiden Gründungsmitglieder Bill (Brian Stokes Mitchell) und Felicia (Adriane Lenox) das Camp von Cal (Hugh Dancy) und haben vor allem kritische Worte an sein Bestreben, der Nachfolger Meyers zu werden, mitgebracht. Im Zuge dieser Kritik soll Eddie (Aaron Paul) den Rang 7R erhalten, um Cal im Auge zu behalten. Kann das funktionieren?
You can start to heal
Wie bereits in der letzten Episode aufgezeigt, ist vor allem die Kombination aus traumatischen Erlebnissen der Vergangenheit und das Versprechen der Meyeristen, die die Parteilichkeit der Charaktere und des Zuschauers auf die Probe stellen. Diese Funktion wird in dieser Episode vor allem von Abe (Rockmond Dunbar) übernommen, der leider nicht ganz drum herumkommt, sich auf seine Eindrücke in der Bewegung einzulassen. Vor allem die Erzählung Marys (Emma Greenwell) von ihrer Vergangenheit als Prostituierte ihres Vaters geht ihm dabei besonders nahe und wird sicherlich seine Arbeit für diesen beeinflussen.

Wir haben bereits in vorherigen Episoden gesehen, wie Cal gezielt diese Geschichten ausnutzt, um neue Mitglieder des Meyerismus zu gewinnen. Die ehemaligen Opfer tragischer Umstände werden zu Boten der Heilung instrumentalisiert und übersteigen so mithilfe der erregten Emotionalität die Grenzen der Vernunft. Dabei stellt sich in der heutigen Episode die Frage, ob Cals Heilungsweg eigentlich wirklich moralisch vertretbarer als die Gräueltaten von Marys Vater sind. Dies wird besonders in der Szene deutlich, in welcher Cal zu den Erzählungen von Mary und Sean (Paul James) zu masturbieren scheint.
Er selbst hat Mary an einen anderen Mann gebracht und scheint sich nun an seinen umgesetzten Befehlen zu ergötzen. Genau wie ihr eigener Vater nimmt er ihr die eigene Mündigkeit und nutzt sie und ihr naives, demütiges Verhalten aus, um sich daran aufzugeilen. Es bleibt zu hoffen, dass Marys Schleier sich im Laufe der Geschichte noch lichten wird, wenngleich diese Hoffnung auch nicht besonders groß zu sein scheint. Wieder einmal wird das Bewusstsein des Zuschauers über geheime Aktivitäten zur Folter, wenn man dem blinden Gehorsam der Hänger zusehen muss.
First day of my life
Darüber hinaus erfahren wir mehr oder weniger, was aus der zuletzt tot geglaubten Miranda (Minka Kelly) geworden ist. Diese wurde nämlich mittlerweile in ein ortsnahes Krankenhaus gebracht und scheint vor allem mit Reue und Besserungswillen ernährt worden zu sein. Doch wie hat sie sich umgebracht, warum wird ihr der Kontakt zu Eddie so schwer gemacht und vor allem: Warum sehen Felicia und Bill in ihr die Gefahr, eine neue Allison (Sarah Jones) zu werden, die angeblich durch die Meyeristen ihren Mann verloren hat und nicht mehr in ihr normales Leben zurückfindet.
Insgesamt stellen Bill und Felicia eine wirklich interessante Charaktererweiterung dar, da wir nicht nur mehr über die Gründungszeit erfahren, welche anscheinend einst mit sechs Leuten bestritten wurde und in der Großelterngeneration ihren Anfang fand. Vor allem wird auch deutlich, dass die äußerst kritischen Bestrebungen und Methoden Cals und Sarahs nicht unbeachtet bleiben und auch in höheren Rängen auf Kritik stoßen. Da uns durch den komatösen Steven bisher nur Cal als ranghöchstes Mitglied aufgezeigt wurde, schien sich dessen manipulativer Weg bisher recht widerstandslos umsetzen zu lassen, doch Bill, Felicia und auch der Guru aus Peru namens Silas (Steve Mones) sehen die auf Machtzuwachs statt Erkenntnisgewinn ausgelegte Richtung als falsch an.

Besonders die Information, dass Sarah (Michelle Monaghan) einst auserkoren wurde, um durch ihren Rangaufstieg einen besseren Blick auf Cals Arbeit zu haben, zeigt dabei auf, dass auch der alles zu wissen scheinende Cal nicht das Gesamtbild überblickt. Die kritischen Ansätze Eddies scheinen dabei wesentlich vielversprechender zu sein, weshalb wir am Ende der Episode zusehen dürfen, wie das 7R-Programm mit einer bedeutungsschweren Schaufelei beginnt.
Hormones talk
Neben der sich immer mal wieder annähernden, jedoch nicht wirklich entwickelnden Beziehung zwischen Eddie und Sarah sind es natürlich auch Hawk (Kyle Allen) und Ashley (Amy Forsyth), die ihren gefährlichen, pubertären Intuitionen weiter folgen. So infiltriert Ashley Hawks Gewissen weiter mithilfe der Musik und bringt ihn schließlich dazu, sich gegen das Ehrlichkeitsgelöbnis hin auf die Party zu ihr zu begeben. Wie bereits in der letzten Folge wird dabei wieder deutlich, dass die Pubertät in der vernunft- und familienorientierten Welt der Meyeristen keine Bedeutung findet und genau deshalb eine angreifbare Lücke in dem festen Gefüge darstellt.
Auf besserem Weg befindet sich dafür der Junkie Freddie (Max Ehrich), der es mithilfe seines Aufenthaltes aus seiner Drogensucht geschafft zu haben scheint. So sehen es zumindest entgegen der Hinweise Sarahs Freddies Eltern und wollen ihn, um den Kontakt zu den Meyeristen nicht länger zu führen als nötig, auch schnurstracks wieder ins normale Leben werfen. Neben der eindeutigen Entwicklung, dass dies leider nicht so leicht funktioniert, wie sie sich das vorstellen, bekommen wir vor allem eine Debatte zur Benutzung einer mysteriösen Medizin mit.
Wir wissen nicht, um was es sich dabei genau handelt, jedoch wittert Cal vor allem im Umgang mit den Ridges, dass die Benutzung dieser durch fatale Nebenwirkung ein negatives Bild nach außen tragen könnte. Könnte es sich somit um starke Medikamente handeln, die mehr als nur eine einfache Linderung versprechen? Ich habe mich bei dem alltäglichen Marihuanakonsum der Meyeristen bereits gefragt, wie sich dieser auf die Gehorsamkeit oder die innere Rebellion der Anhänger auswirken könnte. Somit wäre es auch möglich, dass diese medizinische Versorgung andere Ziele als die beste Heilung der Patienten verfolgt.

Fazit
Das Fest zum Aufstieg entpuppt sich vor allem für Cal durch den Besuch von Felicia und Bill schnell eher zu einer Überprüfung seiner Arbeit und deckt dabei wesentlich kritischere Töne innerhalb der Bewegung auf, als bisher anzunehmen waren. Neben neuen Rätseln zu der ominösen Medizin oder der Geschichte Marindas ist es vor allem der neue Weg Eddies, der die Frage aufwirft, ob der Widerstand gegen Cals Weg am besten innerhalb oder außerhalb der Sekte stattfinden sollte.
Denn schien bisher die neue Hierarchie durch die geistige Abwesenheit Meyers recht einheitlich geklärt zu sein, könnten die kritischen Stimmen der Gründernation Cal neue Steine in den Weg legen, wobei Eddie als Speerspitze dieser Überwachung wohl die wichtigste Funktion einnehmen würde. Trotz des gemächlichen Tempos und sich etwas wiederholenden Beziehungsszenen entwickelt sich The Path immer noch kontinuierlich auf hohem Niveau weiter und weiß, die Stärken des Konzepts auszubauen.
Verfasser: Henning Harder am Donnerstag, 14. April 2016(The Path 1x04)
Schauspieler in der Episode The Path 1x04
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