The Path 1x02

Mit The Era of the Ladder folgt nach dem sich vor Ereignissen und Mysterien überschlagenden Piloten nun eine etwas ruhigere Episode von The Path. Sie beleuchtet die Ansichten und Ziele der Meyeristen weiter und geht dabei etwas genauer auf den Aufbau und den Alltag der Bewegung ein. Allen voran der Grenzgänger Eddie (Aaron Paul) und dessen Sohn Hawk (Kyle Allen) bieten die interessantesten Plots, indem sie sich weiterhin mit den Regeln und Gesetzen ihres Umfeldes auseinandersetzen.
One soul at a time
Die Rahmenhandlung zeigt uns, wie Cal (Hugh Dancy) an allen Enden daran arbeitet, seine Botschaft nach außen zu tragen und sie präsentiert zudem die Grenzen, die dieser dabei zu überschreiten vermag. Während er sich mithilfe Empathie- und Führungsmethoden in seinem Auto zu einem besseren Botschafter ausbildet, erfahren wir in seinem Treffen mit dem reichen Anhänger John, dass Kunst bei ihm vor allem die Funktion des Botschaftstransports einnimmt. So sieht er das Sonnenauge als höchste Kunst und den Rest als Ablenkung an.

Doch nicht nur über die Kunst - Cal nutzt sämtliche Wege, um die Meyeristen zu stärken. Er schickt Frischlinge wie Mary (Emma Greenwell) zu 500 Stunden community service aus, damit diese ihre tragischen Geschichten als Waffe der Empathie einsetzen und somit in Kontakt zu Außenstehenden treten können. Letztere darf zudem endlich ihre Zuneigung zu Cal in oraler Form präsentieren, welche dieser jedoch nutzt, um sie mit dem anderen Neuankömmling, Sean (Paul James), zusammenzubringen. Diese Form der von der Bewegung arrangierten Beziehungen erinnert stark an ähnliche Beschuldigungen, die von Scientology bekannt sind.
Nachdem ich in der Pilotepisode bereits so manche Parallele zwischen dieser und den Meyeristen gezogen habe, wird nun jedoch auch klarer, wie sich die beiden Bewegungen unterscheiden. So erfahren wir durch den FBI-Detective Abe (Rockmond Dunbar), dass die Arbeit der Meyeristen größtenteils unbekannt bleibt und diese anscheinend wesentlich kleiner und weniger prominent sind. Dafür bekommen wir zudem Informationen, wie grenzüberschreitend die Eingriffe, wie bei der Rettung der Tornadoopfer, umgesetzt werden, da die Geborgenen keinerlei Kontakt zur Außenwelt haben dürfen.
There is one spirit whose name is truth
Diese Erfahrung muss auch Hawk machen, als ihn die Mitschülerin Ashley (Amy Forsyth) darum bittet, zu ihr nach Hause zu kommen. Trotz der verbreiteten Lehre, keinen allzu großen Kontakt zu Nichtanhängern zu pflegen, entscheidet sich Hawk dafür und wird dabei in seiner eigenen Andersartigkeit bestärkt. Während sein Vegetarismus für meinen Geschmack als etwas zu abgefahren dargestellt wird, sind es vor allem seine offenen Fragen nach dem Verbleib des verstorbenen Familienvaters, die etwas befremdlich wirken.
Da die Meyeristen ihm jedoch beigebracht haben, stets jeden Gedanken zu äußern, der ihm durch den Kopf schwirrt, baut er recht schnell eine Beziehung zu Ashley auf und muss dafür die Fäuste ihres Freundes als Belohnung in Kauf nehmen. Zudem wird klar, wie die Botschaft der Wahrheit bei den Meyeristen intern dazu benutzt wird, feindliches Gedankengut auszumerzen. Dafür wird der verstorbene Ehemann Alisons (Sarah James) zum Paradebeispiel, da dieser angeblich seinen Versuch, die Meyeristen zu verlassen, mit dem Leben bezahlen musste.

Von dieser gefährlichen Botschaft bedroht nimmt Eddie also wieder das Höhlengleichnis der letzten Episode auf und entschließt sich schließlich dazu, alles daran zu setzen, seine rebellischen Tendenzen unter Kontrolle zu bekommen, indem er sich schließlich doch noch 14 Tage lang mit Richard (Clark Middleton) auf die Suche nach seinem „besseren“ Ich begibt. Hier bekommen wir immer wieder einen Apparat zu sehen, der mit verschiedenen Kontakten an den Benutzer gekoppelt wird und durch verschiedene Lampen unbekannte Aussagen über diesen trifft. Was genau dieser bezweckt, bleibt zwar noch recht unbekannt, dennoch erinnert er mich unweigerlich an das E-Meter der Scientology-Bewegung.
Die Revolte ist in mir
Um die Parallele zur Höhle also wieder aufzugreifen, reagiert Eddie auf die Erkenntnis, außerhalb seiner stabilen Welt auf gefährliche Widerstände treffen zu können, damit, dass er wieder in sein vorheriges Leben zurück möchte. Bei Platon kann jedoch der Prozess der Erkenntnis nicht rückgängig gemacht werden, sondern lediglich dazu führen, dass dieser auch in den Unwissenden geweckt wird, weshalb es äußerst fraglich bleibt, wie lange dieser Prozess anhalten wird.
Neben dieser äußerst beängstigenden wie gelungenen Isolationsszene ist es vor allem die Annäherung zwischen Eddie und Sarah (Michelle Monaghan), die den stärksten emotionalen Moment bereithält. Denn nicht nur Eddie nähert sich seiner Ehefrau an, wir erfahren auch, warum sich diese überhaupt für Eddie statt Cal entschieden hat. Denn genau die gefährliche Andersartigkeit ist es, die Sarah an ihrem Ehemann liebt. Im Kontrast zu ihrem gesamten Umfeld und ihrer Familie stellt Eddie die reizvolle Alternative dar. Diese Offenbarung gibt vor allem Sarah wesentlich mehr Tiefe als die einfache Zeichnung als blind folgende Anhängerin. Auch in ihr steckt der Keim der Revolte, auch wenn dieser wesentlich verborgener bleibt.
Am Ende der Episode schließt sich die Rahmung und Cal darf in seinem ersten Fernsehinterview auf Stimmenfang gehen. Dieses wird nicht durch das Bestreben, Gottes Ebenbild zu entsprechen, äußerst christlich gefärbt, sondern dadurch, die frohe Botschaft, das Elend der Welt zu beseitigen, in die Welt hinausgetragen. Leider ist es vor allem die naiv-optimistische Reaktion der Interviewerin, die mir etwas sauer aufstößt und sich anscheinend auch weiterverbreitet. Mögen auch die internen Mechanismen oder verheißungsvollen Versprechen der Bewegung nachvollziehbar dargestellt werden - dass eine Journalisten derart missionarische Botschaften befürwortet, statt sie zu hinterfragen, scheint mir etwas zu viel des Guten.

Fazit
The Path kann zwar den starken Drall der Pilotepisode nicht ganz halten, schafft es aber dennoch, die Geschichte weiterhin solide aufzubauen. Während ein paar Reaktionen auf die Meyeristen mich nicht überzeugen können, sind es vor allem die Charakterentwicklungen der Familie Lane, die mich emotional packen können. Wir bekommen weiter Einsichten in die Struktur und die Ziele der Bewegung, während nebenbei auch die düstere Schattenseite weiter enthüllt wird.
Wie ich mir bereits in der ersten Episode dachte, scheint es sich bei der Person auf dem Krankenbett tatsächlich um Stephen Meyer persönlich zu halten, was einerseits Eddies Visionen einen gewissen Grad an Realbezug gibt und andererseits die Frage aufwirft, was eigentlich mit der Bewegung passieren sollte, wenn dieser gar den Löffel abgibt. Da Cal bereits jetzt falsche Botschaften über den Zustand Meyers verkündet, scheint dessen Führerfigur sowieso mehr als fraglich zu sein.
Verfasser: Henning Harder am Dienstag, 5. April 2016(The Path 1x02)
Schauspieler in der Episode The Path 1x02
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?