The Leftovers 3x07

The Leftovers 3x07

Wie bereits in der letzten Staffel nimmt sich The Leftovers mit The Most Powerful Man in the World (and His Identical Twin Brother) eine ganze Episode Zeit, um in eine alternative Welt einzutauchen. Am Ende steht fĂŒr Kevin Garvey eine simple, aber trotzdem profunde Erkenntnis.

Die Apokalypse ist ausgefallen. / (c) HBO
Die Apokalypse ist ausgefallen. / (c) HBO
© ie Apokalypse ist ausgefallen. / (c) HBO

Kevin Garvey (Justin Theroux) ist im Jenseits glĂŒcklicher als im Leben, zumindest hat er seiner Exfrau Laurie (Amy Brenneman) das in der letzten Episode von The Leftovers verraten. Es ĂŒberrascht also nicht, dass Serienschöpfer Damon Lindelof und sein Ko-Autor Nick Cuse ihrem Protagonisten in der Episode The Most Powerful Man in the World (and His Identical Twin Brother) einen weiteren Aufenthalt in dem Zwischenreich gönnen, in dem er sich lebendiger fĂŒhlt als in der RealitĂ€t.

Let go

HĂ€tte es nach den beiden AusflĂŒgen in das Hotel beziehungsweise die Karaokebar in der zweiten Staffel unbedingt noch einmal eine ganze Episode gebraucht, um die Geschichte dieser außergewöhnlichen Serie zufriedenstellend zu Ende zu bringen? Ich bin in dieser Frage gespalten, da ich einerseits nicht der allergrĂ¶ĂŸte Fan von solchen Traum-Episoden bin, andererseits aber auch verstehe, wie zentral der Übertritt ins Jenseits fĂŒr die Charakterzeichnung des depressiven, von Selbstmordgedanken heimgesuchten Kevin ist.

Die Episode ist witzig und amĂŒsant, keine Frage. Aber erstens ist der Einsatz dieses ErzĂ€hlelements beim dritten Mal weit weniger ĂŒberraschend, und zweitens ereignen sich die eindrĂŒcklichsten Szenen in der RealitĂ€t, zwischen Kevin und seinem Vater (Scott Glenn) oder Michael (Jovan Adepo). Den langen Traumsequenzen haftet stets auch die Unwissenheit darĂŒber an, ob sich das alles nur in Kevins Gedanken abspielt oder ob es in der Welt von „The Leftovers“ wirklich solche Zwischenreiche gibt. Eine ErklĂ€rung dafĂŒr braucht es sicherlich nicht, grĂ¶ĂŸere emotionale Konsequenzen lassen sich aber meiner Meinung nach trotzdem in der echten Welt generieren.

Besonders viel Sinn ergibt es nicht, was Kevin in der alternativen RealitĂ€t widerfĂ€hrt. Er wurde vom eigenen Vater, von John (Kevin Carroll), Michael und Grace (Lindsay Duncan) dorthin geschickt, um deren Nachrichten zu ĂŒbermitteln beziehungsweise Fragen beantworten zu lassen. Der vermeintlich wichtigste Auftrag kommt von Kevin senior, der weiterhin glaubt, eigenhĂ€ndig die Welt retten zu können, kĂ€me er doch nur an den Song von Christopher Sunday (David Gulpilil), den er als einzigen Schutzmechanismus vor der kommenden Flut erachtet.

Gestatten: PrÀsident Kevin Garvey (Justin Theroux)
Gestatten: PrĂ€sident Kevin Garvey (Justin Theroux) - © HBO

Die Welt, in die Kevin buchstĂ€blich eintaucht, ist noch ein wenig absurder als in International Assassin. Er trifft dort auf viele alte Bekannte, was aufmerksame Zuschauer bereits im Vorspann erkennen konnten. Hundekiller Dean (Michael Gaston) rettet Kevin vor einem Angreifer, bringt ihn zurĂŒck in seine StrandhĂŒtte und beauftragt ihn - den Auftragskiller Kevin Harvey - mit dem Mord am US-PrĂ€sidenten. Christopher Sunday ist in dieser Welt der australische Premierminister, und in spiegelnde FlĂ€chen sollte auf gar keinen Fall geschaut werden.

He was alone, and all was well

Als Kevin das trotzdem tut, erfĂ€hrt er sofort, was dadurch passiert. Er schlĂŒpft in die Rolle seines eineiigen Zwillings, des US-PrĂ€sidenten Kevin Garvey. Der hat sich von den Guilty Remnant und ihrer zahlenmĂ€ĂŸig offensichtlich stark gewachsenen AnhĂ€ngerschaft ins mĂ€chtigste Amt der Welt hieven lassen. Ihr Programm ist nun weniger strikt, Vorschriften wie das Rauchen sind aufgegeben worden, weil Traditionen wertlos seien. Aus dieser Überzeugung ist eine Art Anti-Familien-Programm erwachsen, das als zentrales politisches Vorhaben dieser Regierung angesehen werden kann.

Wirklich wichtig sind die Details aber nicht. Interessanter ist vielmehr, dass Kevin an der ErfĂŒllung seiner AuftrĂ€ge scheitert. Von Graces Kindern bekommt er nicht die erwĂŒnschte Antwort, Evie (Jasmin Savoy Brown) glaubt ihm nicht, dass ihr Vater eine Liebesbotschaft an sie ausgesendet hat, und Chistopher Sunday verweigert ihm den Song, weil der sowieso nicht dazu gut sei, den Regen aufzuhalten. Wichtiger ist aber sowieso die Begegnung mit Erzrivalin Patti (Ann Dowd) und deren GR-Nachfolgerin Meg (Liv Tyler).

Die fĂŒllen die Rollen als seine Verteidigungsministerin beziehungsweise VizeprĂ€sidentin aus, haben aber unterschiedliche Agenden. Patti drĂ€ngt PrĂ€sident Kevin dazu, einen nuklearen Erstschlag gegen ukrainische Separatisten auszufĂŒhren, weil die angeblich ein Atom-U-Boot gekapert haben und jeden Moment losschlagen könnten. Wie das bei Patti bislang stets der Fall war, wird aus ihrer Figur jedoch im Laufe der Episode eine ambivalentere, als man das zunĂ€chst hĂ€tte annehmen können. Sie will die Zerstörung dieser (Traum-, Zwischen-)Welt, ja, aber sie will Kevin damit helfen, dauerhaft in der echten Welt bleiben zu können.

HĂ€ndchenhaltend in den Untergang
HĂ€ndchenhaltend in den Untergang - © HBO

ZunĂ€chst strĂ€ubt sich Kevin dagegen, weil er immer noch daran glaubt, seine AuftrĂ€ge erfĂŒllen zu können. Die Schlusspassage aus seiner Untitled Romance Novel, in der es um die verhĂ€ngnisvolle Liebesgeschichte zwischen ihm und Nora (Carrie Coon) geht, ĂŒberzeugt ihn dann aber doch davon, das Fischer-Protokoll zu initiieren, seinen Zwillingsbruder aufzuschneiden, dessen Herzkammer den SchlĂŒssel mit den nuklearen Aktivierungscodes zu entnehmen und die Welt in Flammen aufgehen zu lassen. HĂ€ndchenhaltend schauen Patti und er bei der Vernichtung seines Vorstellungsreichs zu.

Now what?

Die Erkenntnis, die er und sein Spiegelbild davor gewinnen, ist schlicht, fĂŒr Kevin aber möglicherweise lebensverĂ€ndernd: „We fucked up with Nora.“ Der Moment hat mich an die Schlussszene des Films „Into the Wild“ erinnert, in der der in die selbstgewĂ€hlte Isolation geflĂŒchtete Christopher McCandless kurz vor seinem Hungertod niederschreibt, worin wahres GlĂŒck besteht: „Happiness only real when shared.“ Mit Nora hatte Kevin endlich jemanden, der ihn in all seiner Depression und Weltabgewandtheit verstand, wie die Eröffnungsszene dieser Episode sehr schön illustriert.

Dann jedoch hat er auch sie vergrault, und das auf die brutalstmögliche Art. Ob es ein Comeback fĂŒr die beiden geben kann? In der unnachgiebig dĂŒsteren Welt von The Leftovers ist das schwer vorstellbar, obwohl es doch eine sehr schöne Vorstellung ist, wĂŒrden die beiden irgendwie wieder zueinander finden. Die Szene am Ende der Auftaktepisode zur dritten Staffel nĂ€hrt die Hoffnung darauf aber nicht unbedingt. Als die gealterte Nora aka Sarah darin auf Kevin angesprochen wurde, sagte sie nur, dass sie ihn nicht kenne.

Auch deshalb ist es ein bisschen schade, dass uns nun wirklich nur noch eine Episode bleibt, um unsere geliebten Figuren zu verabschieden. Was ist aus Laurie geworden? Hat Nora es geschafft, den LADR zu benutzen? Was wird aus Kevin und seinem Vater, aus Grace, Michael und John, nun, da sie keine Ziele mehr haben und die Welt nicht untergegangen ist? Sollen sie etwa darauf warten, was dem verrĂŒckten Alten als nĂ€chstes von seinen Stimmen im Kopf aufgetragen wird? Ich könnte davon jedenfalls noch viel mehr als nur eine Episode schauen. Trotzdem bin ich dankbar, dass wir immerhin 28 von diesem Kleinod bekommen haben.

Trailer zu Episode 3x08: 'The Book of Nora'

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 29. Mai 2017

The Leftovers 3x07 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 7
(The Leftovers 3x07)
Deutscher Titel der Episode
Der mÀchtigste Mann der Welt (und sein eineiiger Zwillingsbruder)
Titel der Episode im Original
The Most Powerful Man in the World (and His Identical Twin Brother)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 28. Mai 2017 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 28. August 2017
Autoren
Nick Cuse, Damon Lindelof
Regisseur
Craig Zobel

Schauspieler in der Episode The Leftovers 3x07

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