The Leftovers 2x05

The Leftovers 2x05

In der Episode No Room at the Inn wird Matt Jamison erneut einer schweren Prüfung unterzogen. The Leftovers präsentiert dabei eine Vielfalt neuer Absurditäten, was zu kaschieren hilft, wie ähnlich diese Folge ihrer entsprechenden aus der ersten Staffel ist.

Matt Jamison (Christopher Eccleston) gibt nicht auf. / (c) HBO
Matt Jamison (Christopher Eccleston) gibt nicht auf. / (c) HBO

Die Episode Two Boats and a Helicopter (1x03) aus der ersten Staffel von The Leftovers war eine sogenannte „make it or break it“-Episode - danach dürften die meisten Zuschauer gewusst haben, ob die Mysteryserie etwas für sie ist oder nicht. Obwohl darin der Fokus auf Pfarrer Matt Jamison (Christopher Eccleston) lag - einer Figur, die davor und danach nicht mehr annähernd so stark im Rampenlicht stand -, etablierte die Episode den düster-mitreißenden Ton, der für die Serie zum Markenzeichen werden sollte.

Look at me

Two Boats“ war eine meiner Lieblingsepisoden aus der exzellenten ersten Staffel, weshalb ich mich freute, als sich abzeichnete, dass in No Room at the Inn wieder die Qualen des Matt Jamison im Mittelpunkt stehen würden. Um es gleich vorwegzunehmen: Die Episode ist ausgezeichnet. Für mich war sie aber in Aufbau und Struktur zu sehr an die Matt in den Mittelpunkt stellende Folge der ersten Staffel angelehnt, um denselben emotionalen Eindruck zu hinterlassen. Damals war ich im positiven Sinne am Boden zerstört, weil ich nicht für möglich gehalten hatte, dass eine Stunde Fernsehen eine so nachhaltige Wirkung entfalten könnte.

Nach einer Staffel der „Leftovers“ und einer Neukalibrierung des emotional Möglichen konnte mich auch diese Episode mitreißen - nur nicht im gleichen Maße wie ihr Pendant aus der ersten Staffel. Matt erfährt darin von der wundersamen Empfängnis seiner sich im Wachkoma befindenden Ehefrau Mary (Janel Moloney) - falls irgendjemandem die Jesus-Referenz entgangen sein sollte, schafft der Episodentitel Klarheit -, die nun angesichts Matts labilen Geisteszustands in zwei Arten aufgefasst werden kann.

Entweder stimmt seine Geschichte von der ersten Nacht in Miracle, als Mary angeblich aufgewacht ist und sie sich für drei Stunden unterhielten - und laut seiner Auffassung auch miteinander schliefen. Oder sein Abdriften in den Wahnsinn hat mittlerweile solch horrende Ausmaße angenommen, dass er ein furchtbares Verbrechen begangen und seine hilflose Ehefrau vergewaltigt hat. Für uns Zuschauer bleibt das ein Geheimnis - wie so viele Merkwürdigkeiten, über die wir voraussichtlich keine Aufklärung erhalten.

Matts schier unerschöpfliche Willenskraft steht dabei jedoch erst am Beginn einer weiteren unbarmherzigen Prüfung. Auf dem Heimweg aus Austin wird ihm seine Hilfsbereitschaft zum Verhängnis, als er von einem Gestrandeten überfallen wird, der ihm nicht nur die Miracle-Bänder abnimmt, sondern auch sein Auto fahruntüchtig macht. Fortan gerät seine Rückkehr in die neue Heimat zur kafkaesken Tragikomödie. Matt schiebt seine Ehefrau im Rollstuhl über die Landstraße, wobei ihm die Nächstenliebe, die er zuvor geschenkt hat, selbst nicht widerfährt.

People don't get healed

Nach der Ankunft schlägt ihm nichts als Argwohn und Hilfsverweigerung entgegen, bis er mit den Nerven am Ende ist und handgreiflich wird. Kevin (Justin Theroux) und John (Kevin Carroll) wollen ihm helfen, doch Matt verhindert in letzter Sekunde, dass das auch passiert. Wollte man sich auf die Suche machen, dürfte es äußerst schwierig werden, in Literatur, Film und Fernsehen einen aufrichtigeren Charakter zu finden als ihn. John macht es zur unausgesprochenen Bedingung für sein Entgegenkommen, dass Matt zugibt, Jarden nicht für einen Wunderort zu halten. Natürlich kann der diese Forderung nicht erfüllen - im Gegenteil: Matt spricht an, was sich außer ihm wohl kaum jemand trauen würde: „What happened to you?

Die Quittung für diesen Grenzübertritt - für den wir übrigens noch keine Regeln kennen - erhält er sogleich, weshalb er sich auf eine weitere Tour de Force begeben muss - dieses Mal durch das Camp derjenigen, die Einlass nach Miracle erbitten. Die ersten Minuten dort bringen bereits mehrere Begegnungen der besonderen Art mit sich. Matts Weg führt zu einem Schweden, der behauptet, ihn nach Miracle schmuggeln zu können. Um ihn zu bezahlen, lässt sich der Pfarrer auf ein eigenartiges Spiel mit zwei Campbewohnern ein, bei dem es darum geht, einen der beiden so fest wie möglich zu schlagen und gleichzeitig den Namen „Brian“ auszurufen.

Nach anfänglicher Verwunderung lässt sich Matt angesichts fehlender Alternativen darauf ein, woraufhin der illegale Eintritt nach Jarden aber doch nicht gelingt. Ein reißender Strom spült den Rollstuhl seiner Ehefrau hinweg, weshalb er sich zur Umkehr gezwungen sieht. Zurück im Camp ruft ein Hoffnungsschimmer nach ihm - Nora (Carrie Coon) hat sich auf die Suche nach ihrem irrlichternden und trotzdem niemals seine Überzeugungen (beziehungsweise Wahnvorstellungen) aufgebenden Bruder gemacht.

Sie schmuggelt ihn schließlich zurück nach Jarden, wobei sein Aufenthalt nur von kurzer Dauer ist. Auf dem Weg entdecken sie einen verunglückten Wagen, dessen Fahrer tot ist. Mit Schrecken stellt Matt fest, dass es derjenige ist, der ihn zuvor überfallen hatte. Im Gebüsch kauert dessen Sohn, der Matt verschüchtert das Bändchen übergibt. Für Matt ist nun klar, was zu tun ist - und das deckt sich nicht im Geringsten mit dem, was wohl jeder andere Mensch in dieser Situation tun würde.

It's my turn

Weil er glaubt, eine Mitschuld an diesem Tod zu tragen, beschließt er, sich zu stellen, Miracle zu verlassen und für seine Sünden (welche damit genau gemeint sind, lässt sich nicht zweifelsfrei feststellen) Buße zu tun. Nachdem er Nora das große Versprechen abgenommen hat, sich während seiner Abwesenheit um Mary zu kümmern, wandert er alleine ins Camp der Suchenden, der Verrückten und Verzweifelten. Dort befreit er einen Mann, indem er an seine Stelle tritt. In diesem Moment wirkt Matt so selbstsicher wie selten zuvor. Er scheint mit sich im Reinen zu sein.

Mit der Figurenzeichnung von Matt Jamison machen es uns Damon Lindelof und seine Co-Autorin Jacqueline Hoyt nicht leicht, ihn als Sympathieträger anzunehmen. Zu rabiat sind manche seiner Aktionen, zu radikal seine Überzeugungen, zu sprunghaft seine Launen. Es fällt nicht schwer, die Ursachen hierfür nachzuvollziehen. Wie sein Liebling Hiob wird auch Matt unvorstellbar peinigenden Prüfungen unterzogen und wie Hiob bleibt er stets ein Überzeugter, ein Gläubiger.

Doch was ist es, das ihn antreibt? Ist es die Liebe zu seinem Gott? Hat ihm die departure einen neuen Lebenssinn gegeben? Oder ist er doch nur ein Wahnsinniger, der schleunigst von seiner Ehefrau ferngehalten werden sollte? Die tolle Eingangssequenz (untermalt mit „Let Your Love Flow“ von The Bellamy Brothers) lässt sämtliche Möglichkeiten plausibel erscheinen: Matt ist wahnsinnig, weil er jeden Tag exakt gleich ablaufen lässt, um die tatsächliche (oder eingebildete) Auferstehung Marys zu rekonstruieren. Oder Matt ist besonders liebevoll und überzeugt in der Pflege seiner Ehefrau.

The Leftovers liefert weiterhin keine einfachen Antworten, dafür aber erneut eine Episode mitreißendes Fernsehen, die ich nur deswegen nicht höher bewerte, weil sie sehr ähnlich angelegt ist wie ihr Pendant aus der ersten Staffel. Matt bleibt eine der interessantesten Figuren der Serie - hoffentlich sehen wir in den ausstehenden Episoden noch mehr von ihm.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 2. November 2015

The Leftovers 2x05 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 5
(The Leftovers 2x05)
Deutscher Titel der Episode
Kein Platz in der Herberge
Titel der Episode im Original
No Room at the Inn
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 1. November 2015 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 15. Januar 2016
Autoren
Damon Lindelof, Jacqueline Hoyt
Regisseur
Nicole Kassell

Schauspieler in der Episode The Leftovers 2x05

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