The Killing 3x12

The Killing 3x12

Die Episode The Road to Hamelin steht ganz im Zeichen der Mördersuche. Als ein Menschenleben in Gefahr gerät, begibt Linden sich auf einen gefährlichen Weg. Auch der zweite Fall der Serie The Killing tritt mit einem großartigen Finale ab.

Showdown im Zwielicht: Linden (Mireille Enos) in der Serie „The Killing“. / (c) AMC
Showdown im Zwielicht: Linden (Mireille Enos) in der Serie „The Killing“. / (c) AMC

Das Wichtigste zuerst: Die Episode The Road to Hamelin führt Linden (Mireille Enos), Holder (Joel Kinnaman) und uns zum Mörder. Die The Killing-Autoren haben aus dem Larsen-Fall gelernt: Trotz keinerlei Versprechungen wird der Fall des Pied Piper in der Finalepisode zur dritten Staffel aufgeklärt. Wie zu erwarten, ist der Mörder ein Bekannter. Doch das wahre Glanzlicht der Episode ist nicht dessen Offenbarung, sondern die Charakterentwicklung einer anderen Figur.

Bedeutungslosigkeit

Nachdem Reddick (Gregg Henry) in der letzten Episode viel zu früh verdächtigt worden war und daher als Mörder ausschied, konnte man es kommen sehen: Der Pied-Piper-Killer ist Skinner (Elias Koteas). Er hat nicht nur Kallie (Cate Sproule), Bullet (Bex Taylor-Klaus) und Angie (Laine MacNeil) auf dem Gewissen, er hat auch Trisha Seward umgebracht. Und nun spielt er ein Psychospielchen mit Linden, seiner ehemaligen Partnerin, die vor kurzer Zeit wieder ein Verhältnis mit ihm begonnen hat.

Der Hinweis, mit dem Linden ihrem Liebhaber auf die Schliche kommt, ist Kallies Ring am Finger von Skinners Tochter. Das erscheint zunächst als eher flache Erzählweise. Doch dahinter steckt mehr. Kallie war etwas Besonderes für uns als Zuschauer. Neben Bullet war sie die einzige der ermordeten Straßenmädchen, die wir kennengelernt haben. Wir haben ihre Mutter Danette (Amy Seimetz) auf dem Weg durch die Ignoranz, die Ungewissheit und schließlich durch die Trauer begleitet. Doch Gewissheit, dass sie tot ist, haben wir bis jetzt nicht bekommen. Ihr Ring war nicht in der Trophäenschachtel des Mörders, ihre Leiche ist bisher nicht aufgetaucht. In einer anderen Serie als The Killing wäre Kallie vielleicht am Ende doch noch in die Arme ihrer geläuterten Mutter zurückgekehrt. Doch die „The Killing“-Autoren gehen zum Glück einen anderen Weg.

Linden spricht Skinner auf Kallie an und es stellt sich heraus: Sie ist das Gegenteil von „besonders“ für ihn - er kann sich nicht einmal mehr an sie erinnern. Sie ist gestorben, wie wir sie haben leben sehen: für die Gesellschaft bedeutungslos, von ihrer Mutter ignoriert, von ihrer Umwelt vergessen und für die meisten nicht erinnerungswürdig.

Doch die Serie The Killing hat eine weitere Ebene zur Verfügung, die uns mit Kallies Schicksal ein Stück weit versöhnen könnte. Für die Geschichte ist sie alles andere als bedeutungslos. Kallies Ring ist der Schlüssel zum Mörder, der Mord an ihr ist der Dreh- und Angelpunkt des Falles. Und das holt sie aus der Bedeutungslosigkeit.

Fahrt mit einem Mörder

Die Tatsache, dass Skinner der Mörder ist, überrascht kaum. Die Verdächtigen Reddick, Joe Mills (Ryan Robbins) und Pastor Mike (Ben Cotton) waren schon vor der Finalepisode aus dem Rennen, viele andere, ernstzunehmende Verdächtige hatten wir nicht auf dem Papier. Twitch (Max Fowler) als Mörder hätte in vielerlei Hinsicht überrascht, und andere Männer haben wir kaum kennengelernt.

Nach dem Schock des Larsen-Falles, gehen die The Killing-Autoren im zweiten Fall also den Weg des hochrangigen Polizisten mit Doppelleben. Die Fahrt mit Linden wird zum Psychospiel, nicht uninteressant, aber noch lange nicht in einer Liga mit dem Kammerspiel zwischen Linden und Seward (Peter Sarsgaard) in der Episode Six Minutes.

Die Idee dahinter ist eigentlich gut: Linden entlarvt denjenigen als Mörder, dem sie sich geöffnet hat, dem sie vertraut hat. Sie hat immer wieder Momente, in der sie die Wahrheit nicht von der Paranoia unterscheiden kann, die sie seit der Pilotepisode verfolgt. Doch dieses Mal hat sie Recht, er ist der Mörder. Ihr Weltbild bricht damit über ihr zusammen.

Skinner weiß das, und er nutzt Linden ein letztes Mal aus - als Waffe zu seinem Selbstmord. Und wieder gehen die The Killing-Autoren den schmerzhaften Weg: Auch nach dem ersten Schuss ist Linden noch nicht wieder in der Lage, den auf lange Sicht besseren Weg zu erkennen. Sie erschießt Skinner und entzieht ihn damit seiner Strafe. Er muss den Hinterbliebenen seiner Opfer nicht in die Augen blicken, muss nicht vor Gericht erscheinen. Linden übt die Rache im Alleingang aus und nimmt damit Dutzenden anderen Menschen, denen er wehgetan hat, die Möglichkeit, zuzusehen, wie er seine Strafe bekommt.

Die Tötung Skinners ist eine interessante Wendung, wenn man bedenkt, mit welcher Intensität sich die Autoren der Darstellung der Todesstrafe gewidmet haben. Seward sterben zu sehen, hat weh getan. Zu dem Zeitpunkt waren wir noch im Unklaren darüber, ob er schuldig ist oder nicht. Doch unabhängig davon war es eine schmerzhafte Episode, aus der man eine zumindest kritische Betrachtung der Todesstrafe an sich, vielleicht gar eine Ablehnung dieser Praxis herauslesen konnte. Doch der erhobene Zeigefinger ist nicht die Sache der Serie The Killing. So geht unsere Heldin hin und übt ihre ganz eigene Todesstrafe aus.

Der dritte Partner

Die Überraschung bei der Offenbarung ist also weniger groß als im Larsen-Fall, doch die Finalepisode The Road to Hamelin hat trotzdem ihre starken Momente. Und die haben überraschenderweise viel mit Reddick zu tun, Holders in Zuschaueraugen schon lange in Ungnade gefallenem Partner. Er hat ein paar gedankenlose Sprüche geliefert, sich nicht ganz so benommen, wie man es als Polizist tun sollte. Doch jetzt stellt sich heraus, dass er - nicht viel anders als Linden und Holder auch - hinter seiner Maske ein ganz anderer sein kann. Linden gilt vielen als psychisch krank, Holder hat seinen Ruf als Ex-Junkie ohnehin weg, doch wir haben gelernt, dass sie auch ganz anders sein können.

Ebenso wie Reddick, hinter dessen geschmacklosen Sprüchen aber jemand steckt, der seinem Partner aus der Patsche hilft, wenn es ernst wird. Und das, nachdem selbiger ihn in seinem Zuhause, vor den Augen seiner Familie tätlich angegriffen hat. Er nutzt sein Image, um den Festgehaltenen freizupressen, und als er erfährt, wie es um Adrian steht, ermittelt er weiter Seite an Seite mit seinem Angreifer. Das ist es, was Linden, Holder und Reddick eint: Hinter die Fassade auf den Fall zu blicken.

Und er ist auch nicht so oberflächlich, wie wir lange vermuten mussten. Er ist der einzige, der die Botschaft des traurigen Kindes versteht und Adrian auf diesem Wege findet.

Die Wandlung Reddicks, vom Grobian über den Tatverdächtigen zum wichtigen Baustein in der Lösung, ist überaus gut gezeichnet. Sollte eine vierte Staffel anstehen, würde man sich gar wünschen, dass er als dritter im Team hin und wieder in Erscheinung tritt.

Fazit

Der große Schockmoment hinsichtlich des Mörders bleibt in dieser Staffel aus. Es ist genau so gewesen, wie es scheint: Ein kranker Mann hat sich aus reiner Mordlust seine Opfer unter denjenigen gesucht, die sowieso keiner vermisst. Auch die Identität des Mörders wird wohl kaum jemanden vom Hocker gerissen haben. Doch die Finalepisode The Road to Hamelin besticht - wie die ganze dritte Staffel The Killing - durch düstere Charakterzeichnungen, großartige Schauspielleistungen und einen Blick in die menschlichen Abgründe.

Verfasser: Serienjunkies.de am Montag, 5. August 2013
Episode
Staffel 3, Episode 12
(The Killing 3x12)
Deutscher Titel der Episode
Der Weg nach Hameln
Titel der Episode im Original
The Road to Hamelin
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 4. August 2013 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 16. September 2014
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Dienstag, 16. September 2014
Autoren
Dawn Prestwich, Nicole Yorkin
Regisseur
Daniel Attias

Schauspieler in der Episode The Killing 3x12

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